Adipositas: Bereits eine minimale Gewichtsreduktion zeigt deutliche positive Auswirkungen

Selbst geringe Gewichtsabnahmen können bei Übergewichtigen bereits weitreichende positive Effekte erzielen. (Bild: Kurhan/fotolia.com)
Alfred Domke
Adipositas: Schon leichte Gewichtsabnahme bringt viel für Gesundheit
Menschen mit starkem Übergewicht (Adipositas) fällt es oft schwer, ihr Gewicht zu reduzieren. Viele schaffen es nicht, sich gesünder zu ernähren oder sich regelmäßig zu bewegen. Manchmal auch aus Angst vor dem Scheitern. Es würde sich aber lohnen: Laut neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen können bereits fünf Prozent weniger Gewicht einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben.

Starkes Übergewicht macht krank
Gesundheitsexperten sind sich darüber einig, dass starkes Übergewicht (Adipositas) krank macht. Fettleibigkeit ist ein Risikofaktor für zahlreiche Zivilisationskrankheiten. Vor allem Erkrankungen der Gefäße und des Herz-Kreislauf-Systems wie Bluthochdruck, Koronare Herzkrankheit oder Arteriosklerose sind hier zu nennen. Zudem erhöht sich durch Adipositas das Risiko für Gelenkverschleiß (Arthrose), Diabetes, Krebserkrankungen sowie psychosoziale Leiden. Erst kürzlich zeigte eine Untersuchung, dass Fettleibigkeit bei Frauen das Risiko einer postnatalen Depression erhöht. Doch obwohl den meisten Betroffenen klar ist, dass sich ihr Körpergewicht negativ auf die Gesundheit auswirkt, fällt es vielen doch schwer, abzunehmen. Sie würden sich aber damit etwas sehr Gutes tun: Neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge bringt schon eine kleine Gewichtsreduktion viel für die Gesundheit.

Selbst geringe Gewichtsabnahmen können bei Übergewichtigen bereits weitreichende positive Effekte erzielen. (Bild: Kurhan/fotolia.com)
Selbst geringe Gewichtsabnahmen können bei Übergewichtigen bereits weitreichende positive Effekte erzielen. (Bild: Kurhan/fotolia.com)

„Großer Ertrag für einen kleinen Einsatz“
Stark übergewichtige Menschen, die es schaffen, fünf Prozent abzuspecken, erweisen ihrer Gesundheit einen großen Dienst, berichteten Forscher im Fachmagazin „Cell Metabolism“. Dadurch reduziere sich das Risiko für viele gewichtsbedingte Erkrankungen deutlich. Der Körperfettanteil schrumpfe demnach um acht Prozent und zwar auch beim besonders ungesunden Bauchfett (sieben Prozent). Seniorautor Samuel Klein von der Washington University in St. Louis erläuterte laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa: „Das ist ein großer Ertrag für einen kleinen Einsatz.“

Bisherige Erkenntnisse bestätigt
Deutsche Experten zufolge würden damit bisherige Erkenntnisse bestätigt. Crash-Diäten seien laut Christina Holzapfel vom Kompetenznetz Adipositas (TU München) nicht zu empfehlen. „Ein gesundes Körpergewicht ist eine Lebensaufgabe“, sagte der Experte gegenüber der dpa. Wie es in der Studie heißt, sei die gängige Empfehlung für Übergewichtige in den USA derzeit eine Gewichtsreduktion um fünf bis zehn Prozent. Jedoch würden bereits bei einer vergleichsweise kleinen Gewichtsreduktion verschiedene Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes und koronare Herzerkrankungen deutlich vermindert, berichtete das Wissenschaftlerteam um Faidon Magkos von der Washington University in St. Louis. So verbessere sich der Stoffwechsel, ebenso die Insulin-Sensitivität der Organe und auch der Blutzuckerwert nehme ab.

Positive Gesundheitseffekte vergrößern sich
Wenn man es schafft, über zehn Prozent Gewicht abzuspecken, profitieren demnach verstärkt auch die Muskeln. Laut den Autoren vergrößern sich allgemein die positiven Gesundheitseffekte etwa beim Fettstoffwechsel und den Entzündungswerten. „Wir hoffen, dass diese Ergebnisse Menschen mit starkem Übergewicht Mut machen, überschaubare Schritte zu unternehmen“, so Klein. Den Angaben zufolge nahmen an der Studie 40 Erwachsene ohne weitere Erkrankungen teil, deren Body-Mass-Index (BMI) im Durchschnitt bei knapp 38 lag – ab 30 spricht man von Fettleibigkeit. Ein Teil der Testgruppe hielt ihr Gewicht, während die übrigen Männer und Frauen im Zuge einer sechsmonatigen Diät rund fünf, zehn oder 15 Prozent abnahmen. Ihre Blutwerte und andere gesundheitlich relevante Daten wie Blutdruck und Herzfrequenz wurden währenddessen überwacht. Fast die Hälfte der Probanden (19) erreichten eine fünfprozentige Gewichtsreduktion.

Bessere Erklärung der Zusammenhänge für Patienten
Christina Holzapfel meinte laut dpa, die Ergebnisse der Studie seien erfreulich. Schon frühere Analysen hätten gezeigt, dass eine moderate Gewichtsabnahme von fünf bis zehn Prozent die Stoffwechsellage verbessere. „Sie wirkt sich stets auch auf die Lebensqualität aus, auch auf die Gelenke.“ Es sei wichtig, sein Körpergewicht dauerhaft zu reduzieren. Bewegung, Ernährung, Verhalten: Der gesamte Lebensstil müsse sich ändern. Dirk Müller-Wieland von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) erklärte, die detaillierteren Gründe, die die Studie dafür liefert, dass der Stoffwechsel bereits bei geringer Gewichtsreduktion positiv beeinflusst wird, könnten künftig helfen, Patienten die Zusammenhänge besser zu erklären. „Das Ziel, fünf Prozent Gewicht zu verlieren, motiviert ungemein.“

Kleine Schritte für die Gesundheit
Für adipöse Menschen ist es weit schwieriger, Pfunde zu verlieren, als allgemein oft angenommen. Dies gilt für Erwachsene genauso wie für Kinder und Jugendliche. Nicht selten wird die Wahrscheinlichkeit, dick zu werden, schon im Erbgut mitgegeben. Ein internationales Forscherteam fand vor einigen Jahren ein Gen, dass verantwortlich für Fettleibigkeit ist. Und schottische Forscher berichteten vor kurzem, dass ein Hormon, das den Appetit regelt, dafür verantwortlich sein könnte, dass für Frauen das Abnehmen sehr viel schwerer ist. Experten zufolge kann es als Motivationsfaktor umso wichtiger sein, dass bei der Gewichtsreduktion schon sehr kleine Schritte sehr gut für die Gesundheit sind. Auch die Autoren der aktuellen Studie hoben hervor, dass es vielen Betroffenen das Gefühl des Scheiterns ersparen könne, wenn sie sich kleine Ziel setzen. Fünf Prozent weniger Gewicht seien wesentlich einfacher zu erreichen als ein Minus von zehn Prozent. (ad)

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