Kinder: Mittagsschlaf bei Vorschulkindern nie erzwingen

Fabian Peters
Mittagsschlaf im Vorschulalter nur bei Schlafdefizit angebracht
Babys zeigen meist ein Schlafverhalten, dass überhaupt nicht mit dem ihrer Eltern vereinbar scheint. Der Mittagsschlaf wird hier schnell zu einem festen Ritual, das auch viel Eltern nutzen, um das eigene Schlafdefizit ein wenig auszugleichen. Für die Entwicklung der Kinder ist der Mittagsschlaf durchaus wichtig, doch ab einem gewissen Alter sollte dieser wieder eingestellt werden, mahnen Experten.

„Schlafen Vorschulkinder lange genug in der Nacht, können sie auf einen Mittagsschlaf verzichten“, so der Hinweis des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in einer aktuellen Pressmitteilung. Zwar spiele der Mittagsschlaf für die kindliche Entwicklung eine nicht zu unterschätzende Rolle, doch gelte dies nur für einen begrenzten Zeitraum. Kinder im Vorschulalter sollten daher nicht zu einem Mittagsschlaf hingelegt werden, wenn sie eigentlich genug Schlaf in der Nacht hatten.

Bei Kinder im Alter über drei Jahren Kann der Mittagsschlaf kontraproduktiv sein, wenn kein Schlafdefizit vorliegt. (Bidl: S.Kobold/fotolia.com)

Schlafverhalten ändert sich deutlich in den ersten Jahren
Laut Angaben der BVKJ-Experten sollten Eltern ihre Kinder im Vorschulalter „nicht zu einem Mittagsschlaf zwingen, wenn sie von sich aus nicht mehr wollen.“ Die Verschiebung der Schlafrhythmen im Lebensverlauf ist Teil unserer Entwicklung. So benötigen Neugeborene viele kleine Schlafphasen, doch je älter Babys werden, desto weniger Schlafphasen sind im Tagesverlauf erforderlich, berichtet der BVKJ. Nur wenige Kinder würden im Alter von eineinhalb Jahren noch mehrmals am Tag schlafen. Mit zwei Jahren brauchen hierzulande noch 90 Prozent der Kinder einen Mittagsschlaf, mit drei Jahren nur noch rund 50 Prozent und mit fünf Jahren nur noch zehn Prozent der Kinder, erläutern die Experten.

Ausgleich des Schlafdefizit erlaubt
Der Mittagsschlaf ist laut Aussage der Mediziner bei Kindern im Alter von zwei bis drei Jahren unter anderem wichtig für die Verarbeitung von Emotionen und die geistige Entwicklung. Ab dem Alter von rund drei Jahren beeinflusse indes vorwiegend „die Menge und Qualität des Schlafs in der Nacht die geistige Entwicklung, Konzentrationsfähigkeit und wie gut sich etwas im Gedächtnis verfestigt.“ Inwiefern Vorschul- oder Schulkinder einen Mittagsschlaf brauchen, hänge unter anderem auch von der Kultur ab, der sie angehören. So hätten in manchen Kulturkreisen (afro-amerikanische oder asiatische Herkunft) die Kinder weniger Nachtruhe und würden daher ihr Schlafdefizit durch einen Mittagsschlaf ausgleichen, berichtet der BVKJ.

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Mittagsschlaf kann die Nachtruhe stören
Die Gesamtzeit, die Kinder über Tag und Nacht verteilt schlafen, sei jedoch in den meisten Ländern ähnlich. Grundsätzlich können den Experten zufolge nur Kinder, die unter einem Schlafdefizit leiden, noch von einem Mittagsschlaf profitieren. Kinder, die in der Nacht ausreichend geschlafen haben, würden indes durch den obligatorische Mittagsschlaf gegebenenfalls in ihrer Nachtruhe gestört. Sie zeigen Einschlafschwierigkeiten und schlafen in der Nacht weniger.

Nach dem Mittagessen hinlegen
Haben Kinder tatsächlich ein Schlafdefizit und möchten sie sich tagsüber hinlegen, ist dafür aufgrund des „Biorhythmus“ die Zeit nach dem Mittagessen besonders gut geeignet, berichten die Experten des BVKJ. Oft seien schon 45 Minuten ausreichend. Wer zu lange liegen bleibt bzw. erst nach 15 Uhr aufwacht, müsse mit ungünstigen Auswirkungen auf die kommende Nachtruhe rechnen. (fp)