Langes Stillen schützt Kinder im späteren Leben vor chronischen Darmkrankheiten

Volker Blasek

Stillen bietet Schutz vor Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Gleich zwei Studien kommen zu dem Schluss, dass Kinder seltener an Morbus Crohn und Colitis ulcerosa erkranken, wenn sie lange gestillt werden. Mit zunehmender Stilldauer kann dieser Effekt sogar noch verstärkt werden.


„Mit der Muttermilch erhält das Kind wichtige Abwehrstoffe, die es vor Infektionskrankheiten schützen“, erläutert Dr. Monika Niehaus, Kinder- und Jugendärztin sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in einer Pressemitteilung. Das Stillen der Kinder führe beispielsweise zu einem geringeren Risiko für Durchfallerkrankungen. Dies sei eine mögliche Erklärung für den positiven Effekt in Bezug auf entzündliche Darmerkrankungen, die durch solche Magen-Darm-Infektionen im Säuglingsalter begünstigt werden.

Langes Stillen ist mit einer Menge gesundheitlichen Vorteilen für Kind und Mutter verbunden. (Bild: rohappy/fotolia.com)

Stillen bietet viele gesundheitliche Vorteile für das Kind

Wenn in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten ausschließlich gestillt wird, kann dies zusätzlich das Risiko des Kindes senken, an Mittelohrentzündung, Allergien, Neurodermitis und Asthma bronchiale zu erkranken. Laut den Kinderärzten ist Stillen sogar mit vermindertem Risiko für Adipositas und Übergewicht verbunden.

Auch die Mütter profitieren vom Stillen

Den Kinderärzten der BVKJ zufolge erkranken Mütter, die ihre Babys bis zu sechs Monaten gestillt haben seltener an Diabetes. Des Weiteren reduziere sich auch die Gefahr, einen Brust- oder Eierstockkrebs zu entwickeln und Bluthochdruck zu bekommen.

Mögliche Hinderungsgründe für das Stillen

„Medikamente oder eine Narkose sind nicht unbedingt ein Hinderungsgrund für das Stillen“, so Dr. Niehaus. In den meisten Fällen könnten Mütter sofort stillen, wenn sie wach genug sind, um ihren Säugling anzulegen. Falls die stillenden Mütter Medikamente einnehmen müssen, sollten sie sich von einem Arzt beraten lassen, bei welchen Arzneien sie auf das Stillen verzichten sollten oder bei welchen sie gewisse Regeln einhalten müssen. „Oft reicht es, dass eine Arznei zum Zeitpunkt des Stillens eingenommen wird, sodass sie währenddessen noch nicht in der Muttermilch enthalten ist und zum nächsten Stillen bereits abgebaut ist“, rät Dr. Niehaus.

Schutz vor entzündlichen Darmerkrankungen

Die zwei Studien, die zu dem Schluss kommen, dass Stillen mit vielen gesundheitlichen Vorteilen verbunden ist und vor den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn schützt, sind kürzlich in den Fachmagazinen „Alimentary Pharmacology and Therapeutics“ und „JAMA Internal Medicine“ erschienen. (vb)