Stechen wo die Schmerzen sind: Infiltrationen kann Rückenschmerzen lindern

Neue Therapie bei Rückenschmerzen. Bild: Microgen - fotolia
Heilpraxisnet
Rückenschmerzen schränken Betroffene in Alltag und Beruf oft extrem ein. Hierfür gibt es vielfältige Ursachen, Klarheit verschafft dann meist nur der Gang zum Arzt oder Orthopäden. Bei Bandscheibenvorfällen oder -vorwölbungen bewirken in vielen Fällen bereits konservative Methoden wie Krankengymnastik oder eine gezielte Spritzenbehandlung, auch Infiltrationstherapie genannt, eine rasche Linderung der Beschwerden.

„Dabei bringen wir nach Bedarf schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente punktgenau dort ein, wo der Schmerz entsteht, zum Beispiel in die Facettengelenke oder das Kreuz-Darmbein-Gelenk“, sagt Dr. Reinhard Schneiderhan, Orthopäde aus München und Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga.

Teufelskreis unterbrechen
Vor jeder Behandlung finden zunächst ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung statt, eventuell auch mithilfe bildgebender Verfahren, mit denen der Arzt den individuellen Krankheitsverlauf, Art und Umfang der Schmerzen und deren Ursache abklärt. Auf Grundlage dieser ausführlichen Befunderhebung und Diagnosestellung lassen sich individuelle Maßnahmen einleiten. Bei bestimmten Indikationen helfen Infiltrationen, schnell wieder schmerzfrei zu werden, sich wie gewohnt zu bewegen und eine eventuell vor Schmerzen eingenommene Schonhaltung aufzugeben, die Beschwerden noch verstärkt.

Neue Therapie bei Rückenschmerzen. Bild: Microgen - fotolia
Neue Therapie bei Rückenschmerzen. Bild: Microgen – fotolia

„Mit Infiltrationen lässt sich der Teufelskreis Rückenschmerzen, Schonhaltung, noch mehr Rückenschmerzen schnell und wirksam durchbrechen. In vielen Fällen werden Patienten rasch wieder mobil und wir können an den Ursachen der Schmerzen arbeiten. Das kann beispielsweise mit Physiotherapie oder anderen konservativen Methoden geschehen“, erklärt Dr. Reinhard Schneiderhan. Infiltrationen bilden dabei häufig einen Teil einer multimodalen Schmerztherapie, das bedeutet, dass Patienten sich zusätzlich in der Behandlung eines Physiotherapeuten oder Psychologen befinden.

Kontrollierte Schmerzmittelgabe
Zu den häufigsten Anwendungen zählt die sogenannte periradikuläre Schmerztherapie, kurz PRT. Hier injiziert der Arzt, in der Regel unter Röntgen- oder CT-Kontrolle, spezielle Medikamente und Schmerzmittel, bei Bedarf auch mehrmals nacheinander, exakt an die schmerzende Stelle direkt an der Nervenwurzel. Vorteil dieser Methode gegenüber einer gewöhnlichen Schmerzmitteltherapie: Es reichen geringere Mengen als bei Tabletten, die verabreichten Medikamente wirken schneller und vor allem exakt an der betroffenen Stelle.

Auch bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Wirbelkanalverengung, auch Spinalkanalstenose genannt, lassen sich mittels Infiltrationen Verbesserungen von Beschwerden erzielen. Weichteilgewebe schrumpft und bedrängte Nerven können sich beruhigen. Doch damit ist es häufig nicht getan: „Mit Physiotherapie und Sport müssen Patienten beispielsweise langfristig wieder Bauch- und Rückenmuskulatur trainieren, um weiteren Rückenproblemen vorzubeugen“, so Dr. Schneiderhan.

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