Überflüssig: Antibakterielle Seifen nicht effizient und sogar schädlich

Sebastian
Antibakterielle Seifen töten auch nicht mehr Keime ab
Händewaschen ist die wichtigste Hygiene-Regel überhaupt. Viele Menschen greifen dabei zu sogenannten „antibakteriellen Seifen“ um sich möglichst effektiv vor krankmachenden Keimen zu schützen. Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt jedoch, dass solche Produkte auch nicht besser helfen als herkömmliche Seife.

Teure Spezialprodukte meist überflüssig
Dass Händewaschen wichtig ist, um sich vor Krankheitserregern zu schützen, ist klar. Doch man muss dafür nicht zu teuren Spezialprodukten greifen, auch herkömmliche Seife reicht aus. So kam die Zeitschrift „Ökotest“ Anfang des Jahres zu dem Schluss, dass antibakterielle Produkte zwar beliebt aber überflüssig seien. Die getesteten Produkte wie Flüssigseifen, Desinfektionsgele, Hygienetücher oder Sprays konnten Versprechungen wie „Entfernt 99,9 Prozent aller Bakterien“ nicht halten. Auch eine neue Untersuchung von Forschern aus Südkorea zeigt nun, dass „antibakterielle Seifen“ mit dem umstrittenen Wirkstoff Triclosan nicht wirksamer sind als normale Seife.

Antibakterielle Seife ist überflüssig und sogar schädlich. Bild: ellisia - fotolia
Antibakterielle Seife ist überflüssig und sogar schädlich. Bild: ellisia – fotolia

20 Sekunden fürs Händewaschen
Der als antibakteriell angepriesene Wirkstoff Triclosan bietet in der Seife beim Händewaschen keinen zusätzlichen Nutzen. In der Konzentration, in der er in handelsüblichen Seifen enthalten ist, reduziert er die Bakterienzahl nicht. Zu diesem Ergebnis kam ein Forscher-Team um Min-suk Rhee von der Korea University in Seoul (Südkorea). Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse vor kurzem im Fachmagazin „Journal of Antimicrobial Chemotherapy“. Für ihre Untersuchung setzten die Forscher 20 Bakterienstämme für 20 Sekunden einer Seifenlösung mit 0,3 Prozent Triclosan aus. 20 Sekunden sind etwa die Zeit, die wir durchschnittlich fürs Händewaschen aufbringen. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, entspricht die Triclosan-Konzentration der höchsten in der EU und vielen Ländern erlaubten Anreicherung in Seifen.

Verwendung in manchen Ländern untersagt
Wie die Wissenschaftler feststellten, hatte die Triclosan-Lösung weder in einem Versuch bei 22 Grad noch bei 40 Grad einen besseren Effekt als dieselbe Seifenlösung ohne Triclosan. Erst nach einer Einwirkzeit von etwa neun Stunden zeigte sich ein merklicher Unterschied zwischen Seifenlösungen mit und ohne die Chemikalie. Die Forscher baten dann 16 gesunde Erwachsene, sich die Hände mit einer der beiden Seifenlösungen zu waschen. Es zeigte sich, dass die Bakterienzahl in beiden Fällen etwa gleich stark reduziert wurde. Den Wissenschaftlern zufolge hatten Lösungen mit höheren Konzentrationen von 0,45 bis 2,0 Prozent Triclosan in früheren Studien einen spürbaren Effekt auf Bakterien. Allerdings dürfen solche Seifen derzeit in vielen Staaten nicht mehr verwendet werden.

Wegen möglicher Gesundheitsschäden in der Kritik
Bereits seit längerer Zeit steht Triclosan wegen möglicher Gesundheitsschäden in der Kritik. So kam ein US-Forscherteam Ende 2014 im Versuch mit Mäusen zu dem Schluss, dass Triclosan Leberkrebs fördern könnte. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass der Stoff zu hormonellen Störungen führen kann und den Muskeln schadet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte schon 2006 gefordert, dass antibakterielle Wirkstoffe wie Triclosan der Desinfektion in Krankenhäusern und Arztpraxen vorbehalten bleiben sollten. Denn andernfalls könnte die Resistenzentwicklung von Bakterien gefördert werden.

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Folgen für die Umwelt
Außerdem kann das in vielen Desinfektions- und Reinigungsmitteln, Kosmetika und spezieller Kleidung steckende Triclosan auch Folgen für die Umwelt haben. Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist es giftig für Algen. Ein Abbaustoff davon reichere sich unter anderem in Fischen an. Laut dpa kam ein Team um Christina Pieper vom BfR in einer Studie 2014 zu dem Schluss, dass antimikrobielle Stoffe auch in Haushaltsreinigern überflüssig sind: „Gesundheitliche Risiken durch Mikroorganismen sind in einem regelmäßig gereinigten Haushalt nicht zu befürchten, vorausgesetzt, die Grundregeln der Hygiene werden beachtet.“ Vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) wurde zur Verwendung von Triclosan mitgeteilt, dass es keine neuen wissenschaftlich anerkannten Erkenntnisse gebe, die die Anwendung in kosmetischen Mitteln in Frage stellen könnten. Die Sicherheit von Triclosan sei demnach mehrfach überprüft worden. Anzumerken ist, dass nicht alle Flüssig- und Festseifen, die als „antibakteriell“ beworben werden, Triclosan enthalten. (ad)