Blutzucker senken

Durch ein spezielles Messgerät kann der Arzt schnell erkennen, ob ein erhöhter Blutzuckerspiegel vorliegt. (Bild: Kzenon/fotolia.com)
Susanne Waschke
In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Ihren Blutzucker senken können. Der Blutzucker bezeichnet die Menge an Glukose, die sich im Blut befindet. Um diese zu regulieren, sind nicht immer gleich Medikamente gefragt. Mit einer Umstellung der Lebensweise, vor allem was die Ernährung angeht, kann bereits viel erreicht werden. Der Blutzucker wird in nüchtern, postprandial (circa zwei Stunden nach einer Mahlzeit) und präprandial (vor einer Mahlzeit) eingeteilt. Zu hohe, aber auch zu niedrige Werte können der Gesundheit schaden.

Aufgaben des Blutzuckers

Der Blutzucker, welcher sich in Form von Glukose im Blut befindet, ist lebenswichtig und versorgt alle Zellen mit Energie. An erster Stelle steht hier das Gehirn, das dringend Glukose benötigt, um seine Leistung zu erbringen. Damit der Zucker nicht im Blut bleibt, sondern in die Zellen gelangen kann, existiert das Insulin. Das Proteohormon ermöglicht den Transfer der Glukose aus dem Blutplasma in das Zellinnere. Dort angekommen, wird daraus mit Hilfe chemischer Vorgänge Energie hergestellt.

Durch ein spezielles Messgerät kann der Arzt schnell erkennen, ob ein erhöhter Blutzuckerspiegel vorliegt. (Bild: Kzenon/fotolia.com)
Durch ein spezielles Messgerät kann der Arzt schnell erkennen, ob ein erhöhter Blutzuckerspiegel vorliegt. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Fehlt Insulin, bleibt die Glukose im Blut und die Zellen können nicht angemessen versorgt werden. Dies ist der Zustand einer Hyperglykämie (zu hoher Blutzucker). Ist zu viel Insulin vorhanden, fehlt Zucker im Blut, was eine sogenannte Hypoyglykämie (zu niedriger Blutzucker) bedeutet. Insulin wird im Inselorgan der Bauchspeicheldrüse und dort in den Beta-Zellen produziert. Es hat die Aufgabe, Glukose aus dem Blut aufzunehmen und diese dann zu den Zellen zu transportierten, wodurch der Blutzuckerspiegel gesenkt wird.

Wie bei vielen Botenstoffen und Hormonen existiert auch hierzu ein Gegenspieler, genannt Glucagon. Dies wird in den Alpha-Zellen der Langerhans´schen Inseln hergestellt. Glucagon fördert den Abbau von Glykogen (Speicherform der Glukose) zu Glukose, was dann erfolgt, wenn zu wenig Blutzucker vorhanden ist.

Wodurch wird der Blutzuckerspiegel beeinflusst?

Einfluss auf den Blutzuckerwert haben die Ernährung, körperliche Aktivität, Stress, Krankheiten, Fieber und Medikamente. Lebensmittel, die Kohlenhydrate enthalten, erhöhen den Blutzucker. Dies passiert recht rasch bei sogenannten „schnellen Kohlenhydraten, die – wie ihr Name schon sagt – schnell ins Blut übergehen. „Langsame“ Kohlenhydrate hingegen (z.B. Vollkornbrot), brauchen länger, um verdaut zu werden und lassen den Blutzucker eher langsam ansteigen.

Personen, die unter Diabetes leiden, wird empfohlen, diese Art von Kohlenhydraten der raschen Form vorzuziehen. Traubenzucker ist dafür bekannt, die Glukose im Blut schnell zu erhöhen. Infekte, vor allem, wenn diese von Fieber begleitet sind, lassen den Blutzucker ebenso ansteigen. Bei Stress schüttet der Körper Adrenalin und Kortison aus, was wiederum zu einer Erhöhung der Glukose im Blut führt. Einige Medikamente, wie Antihypertensiva, Lipidsenker, Immunsuppressiva, und verschiedene Hormone können ebenso eine Erhöhung der Werte nach sich ziehen.

Der Sport bzw. körperliche Aktivität kann der Blutzucker gesenkt werden. (Bild: ARochau/fotolia.com)
Der Sport bzw. körperliche Aktivität kann der Blutzucker gesenkt werden. (Bild: ARochau/fotolia.com)

Der Spiegel kann durch Sport oder andere körperliche Anstrengung gesenkt werden. Bestimmte Medikamente wie Analgetika, Antiphlogistika und einige Antibiotikaarten sowie langes Fasten oder Alkohol können zu einer Absenkung des Blutzuckerspiegels führen.

Blutzucker senken durch Ernährung

Insulin transportiert die Glukose aus dem Blut in die Zellen und senkt damit den Blutzucker. Funktioniert dieser Mechanismus jedoch nicht richtig, kann sich daraus eine Diabetes-Erkrankung entwickeln. Bei Diabetes Typ I ist von Anfang an zu wenig Insulin vorhanden, zum Beispiel weil die Beta-Zellen immer mehr zerstört werden. Bei Diabetes Typ II liegt meistens eine sogenannte „Insulinresistenz“ zu Grunde, was die Ansprechbarkeit der Zellen auf Insulin betrifft. Diese reagieren im Laufe der Zeit immer weniger auf Insulin und können Glukose irgendwann nicht mehr aufnehmen, wodurch der Blutzuckerspiegel ansteigt.

Ernährung ist generell das A und O für ein gesundes Leben. Durch eine spezielle Ernährungsumstellung können Betroffene sogar eine Diabetes-Erkrankung ohne Medikamente in den Griff bekommen. Dies gilt vor allem, wenn ein Diabetes Typ II besteht. „Schnelle“ Kohlenhydrate (z.B. Weißmehlprodukte) und bestimmte Zuckerarten wie Traubenzucker oder Haushaltszucker erhöhen den Blutzuckerspiegel sehr schnell.

Bei „langsamen“ Kohlenhydraten, die einen sogenannten niedrigen oder mittleren glykämischen Index besitzen, geht der Blutzucker langsamer ins Blut. Daher sind Vollkornprodukte den Weißmehlprodukten vorzuziehen. Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen und Bohnen sind reich an Ballaststoffen, enthalten wertvolles Eiweiß und Vitamine und tragen zusätzlich dazu bei, den Blutzucker zu senken.

Gesundheits-Tipp: Rhabarber, Nüsse und Blaubeeren

Empfehlenswert ist Rhabarber, da dieser einer erhöhten Glukosekonzentration im Blut entgegenwirkt. Ein besonders starker Effekt kann erzielt werden, wenn das Stängelgemüse mit Zimt kombiniert wird. Wichtig: Der Rhabarber sollte natürlich nicht mit Zucker gesüßt werden. Zimt wirkt nicht nur Blutzucker senkend, sondern hat auch eine positive Wirkung auf die Blutfettwerte im Körper.

Blaubeeren sind mittlerweile als „Gesundheitsfrüchte“ bekannt. Sie enthalten eine hohe Anzahl an Antioxidantien, können aber auch etwas den Blutzucker senken. Je dunkler diese sind, desto besser helfen sie.

Gesundes Frühstück bei hohen Blutzucker-Werten:  Müsli mit Obst und Nüssen. (Bild: yuliiaholovchenko/fotolia.com)
Gesundes Frühstück bei hohen Blutzucker-Werten: Müsli mit Obst und Nüssen. (Bild: yuliiaholovchenko/fotolia.com)

Nüsse – in Maßen und nicht in Massen verzehrt – sind keine Dickmacher, sondern enthalten gesunde Fette und senken bei wenn regelmäßigem Verzehr in kleinen Mengen sanft den Blutzucker. Dabei ist darauf zu achten, dass die Nüsse weder geröstet noch gesalzen und von einwandfreier Qualität sind. Ein Frischkornmüsli am Morgen, angereichert mit einigen Nüssen ist ein gesunder Start in den Tag.

Rezept für zwei Portionen Frischkornmüsli:

  • 8 EL Weizenschrot
  • 300 g Joghurt (1,5 % Fett)
  • zwei kleine Äpfel oder Birnen
  • 2 EL gehackte Nüsse

Zubereitung:
Geben Sie das Schrot in eine Schüssel und gießen Sie zum Quellen eine Tasse Wasser darüber. Verschließen Sie die Schüssel mit einem Deckel und stellen Sie sie über Nacht in den Kühlschrank. Am Morgen wird das Obst geschält, grob geraspelt und mit dem Joghurt gemischt. Anschließend wird der gequollene Schrot dazu gegeben, alles vermengt und mit den Nüssen bestreut. Bei Bedarf kann das Müsli mit ein wenig fettarmer Milch aufgelockert werden.

Natürliche Hilfe durch Ingwer und Buchweizen

Ingwer ist vor vor allem aus der traditionell chinesischen Medizin bekannt. Die scharfe Wurzel hilft unter anderem bei Halsschmerzen und Übelkeit. Doch das ist längst nicht alles, denn Ingwer senkt laut einer Studie den Blutzuckerspiegel. Die wertvolle Heilpflanze kann frisch als Gewürz oder als Tee verwendet werden.

Rezept für Ingwer-Tee:

  1. Schneiden Sie ein kleines Stück Ingwer in vier bis fünf dünne Scheiben
  2. Geben Sie diese in eine Tasse bzw. ein Teesieb
  3. Gießen Sie 250 ml kochendes Wasser darüber
  4. Lassen Sie den Aufguss ca. 10 Minuten ziehen
  5. Trinken Sie täglich zwei bis drei Tassen davon in kleinen Schlucken

Ein weiteres gesundes Lebensmittel, mit dem der Blutzucker gesenkt werden kann, ist Buchweizen. Dieser hat nichts mit Weizen zu tun, denn er gehört nicht zu den Getreiden, sondern zu den Knöterichgewächsen. Buchweizenflocken über das Müsli gestreut oder als Reis-Alternative verzehrt, gelten als gesundes Hausmittel zur Förderung des Glukose-Abbaus.

Reichern Sie ihr Müsli mit  Flocken aus Buchweizen an, denn diese fördern den Abbau von Glukose. (Bild: Klaus Eppele/fotolia.com)
Reichern Sie ihr Müsli mit Flocken aus Buchweizen an, denn diese fördern den Abbau von Glukose. (Bild: Klaus Eppele/fotolia.com)

Lebensmittel mit niedrigem Glyx-Index wählen

Um die Werte im Zaum zu halten, ist eine Ernährung wichtig, die vor allem Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index umfasst. Je niedriger dieser ist, desto weniger belasten die Nahrungsmittel den Blutzucker. Traubenzucker hat einen glykämischen Index (kurz: GI- oder Glyx-Index) von 100. Das bedeutet, dass dieser sofort ins Blut gelangt und den Blutzucker hochschnellen lässt.

Roggenvollkornbrot hat hingegen einen glykämischen Index von 37, während Weißbrot (Toast) beispielsweise einen Wert von 73 aufweist. Gekeimtes Getreide hat einen Index von 15, Blumenkohl ebenso und Camembert kommt auf einen Wert von 0.

Um den Blutzuckerspiegel im Rahmen zu halten, dürfen auch die Getränke nicht außer Acht gelassen werden. Diese sollten keinen Zucker enthalten. Zu empfehlen sind Wasser und ungesüßter Tee. Dem aromatische grünen Tee wird ebenfalls nachgesagt, dass er eine positive Wirkung auf den Blutzucker haben kann.

Bewegung und Abbau von Übergewicht

Sport reduziert in der Regel die Blutzuckerwerte, weil beim Energieverbrauch Glukose verbrannt wird. Wenn Betroffene aufgrund einer vorliegenden Diabetes-Erkrankung schon Antidiabetika einnehmen oder gar Insulin spritzen, muss eine sportliche Betätigung allerdings überwacht und der Blutzucker überprüft werden, damit keine Unterzuckerung eintritt. Regelmäßige Bewegung gehört bei Diabetes stets zur Therapie.

Ein über längere Zeit bestehendes Übergewicht, meist in Verbindung mit Bewegungsmangel, kann die Ursache für erhöhten Blutzucker sein. Um diesen zu senken, sollte daher das Übergewicht langsam abgebaut werden. Eine Gewichtsabnahme kann den Blutzucker durchaus senken.

Um dies zu erreichen, sollte die Abendmahlzeit am besten nicht nach 18.00 Uhr eingenommen werden und frei von Kohlenhydraten sein. Wenn kein Insulin mehr für die Verarbeitung dieser Mahlzeit ausgeschüttet werden muss, wird auch die Fettverbrennung und damit das Abnehmen erleichtert.

Wichtig bei hohem Blutzucker: Stress vermeiden

Stress braucht Zucker, was bedeutet, dass der Körper mehr Glukose im Blut bereit stellt und daher der Blutzucker steigt. Um diesen zu senken, sollte negative Belastungen demnach möglichst vermieden werden. Hier helfen regelmäßige Entspannungsübungen zum Stressabbau wie beispielsweise Yoga und Autogenes Training. Unterstützt wird die Stressvermeidung durch ausreichend Schlaf.

Naturheilkunde bei erhöhtem Blutzuckerspiegel

Um den Blutzucker zu regulieren oder zumindest im Zaum zu halten, existieren einige gute naturheilkundliche Therapieansätze. Diese können auch in Verbindung mit der schulmedizinischen Therapie angewandt werden. Wichtig: Hilfreich sind die Mittel aus der Natur natürlich nur, wenn die Betroffenen ihre Lebensweise hinsichtlich Bewegung und Ernährung ebenfalls ändern sowie Rauchen und Alkohol meiden.

Als bewährtes Hausmittel ist an erster Stelle der Zimt zu nennen. Dieser wird in der Naturheilkunde als Nahrungsergänzung in Form von Kapseln verabreicht. Ein Schnapsglas Essig, vor den Mahlzeiten getrunken, soll ebenfalls dazu beitragen, den Wert etwas zu senken. Der Bittermelone (Momordica charantia), einer Pflanze aus Asien, wird bei Verabreichung als Nahrungsergänzung ebenso eine günstige Wirkung auf den Blutzucker nachgesagt.

Curcuma regt die Produktion von Insulin an und wirkt dadurch einem zu hohem Glukosespiegel entgegen (Bild: Popova Olga/fotolia.com)
Curcuma regt die Produktion von Insulin an und wirkt dadurch einem zu hohem Glukosespiegel entgegen (Bild: Popova Olga/fotolia.com)

Gut geeignet für Betroffene ist die Hintonia-Pflanze. Im Bereich des Ayurveda wird die Heilpflanze Curcuma (Gelbwurz) schon lange als Nahrungsergänzung eingesetzt. Curcuma besitzt eine Leber reinigende Wirkung, ist entzündungshemmend und hat einen positiven Einfluss auf den Blutzucker.

Die Homöopathie beschäftigt sich ebenfalls mit der Behandlung von erhöhten Blutzuckerwerten. Hier werden Mittel wie zum Beispiel Acidum phosphoricum, Lycopodium und Syzygium jambolanum eingesetzt.

Weitere Therapieformen, die in der Naturheilpraxis zur Senkung der Werte angewandt werden, sind zum Beispiel die Ohrakupunktur, Akupunktur, Fußreflexzonenmassage, Ausleitverfahren und die Traditionelle Chinesische Medizin.

Eine Methode, die immer bekannter wird und zur Regulierung des Spiegels beitragen kann, ist die Mykotherapie. Hier wird mit verschiedenen sogenannten „Heilpilzen“ behandelt. Um den Blutzucker zu senken, kommen die Vitalpilze Agaricus, Coprinus und Maitake zum Einsatz.

Positive Effekte durch Änderung der Lebensgewohnheiten
In Fällen von leichten Blutzuckerschwankungen, bei denen noch keine Diabetes-Erkrankung vorliegt, kann mit natürlichen Mitteln einiges erreicht werden. Liegt hingegen bereits eine „Zuckerkrankheit“ vor, dient die Naturheilkunde als gute Begleittherapie.

Wichtig ist dabei zu erwähnen, dass meist auch das Leben verändert werden muss, um den Blutzucker senken zu können. Dazu gehören Gewichtsreduktion, Ernährungsumstellung, tägliche Bewegung und das Meiden von Alkohol und Nikotin. Immer wieder werden Fälle bekannt, in denen Patienten durch Änderung ihrer Lebensweise – eventuell in Verbindung mit naturheilkundlichen Therapien – ihren Blutzucker nach langjährigen Beschwerden vollständig in den Griff bekommen haben. (sw, nr; zuletzt geändert am 29.11.2016)

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