Hausmittel gegen Verbrennungen

Fabian Peters

Hausmittel bei Verbrennung

Das Kind fasst versehentlich an den heißen Topf auf dem Herd oder beim Kochen spritzt erhitztes Öl auf den Arm – Verbrennungen entstehen schnell und können zu massiven Schmerzen und starken Hautschädigungen führen. Dementsprechend ist es wichtig, die Brandwunde schnellstmöglich zu versorgen. Bei einer größeren Brandwunde oder wenn ein Kind betroffen ist, sollte hier allerdings keinesfalls selbst „herumgedoktort“, sondern unbedingt für eine professionelle Behandlung zeitnah ein Arzt aufgesucht werden. Handelt es sich hingegen um eine kleinere Verletzung, gibt es viele bewährte Hausmittel gegen Verbrennungen, die als Erste-Hilfe-Maßnahme und zur weiteren Behandlung eingesetzt werden können.

Wann zum Arzt mit einer Verbrennung?

Ein offener Kamin, Kerzen oder der heiße Topf auf dem Herd: Im Haushalt gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich zu verbrennen. Gerade Kinder ziehen sich schnell eine Brandwunde zu, wenn sie versuchen, nach der heißen Pfanne zu greifen oder die ersten Zündelversuche unternehmen. Sind Babys oder Kleinkinder betroffen und/oder handelt es sich um eine großflächige (d.h. größer als die Handfläche des Betroffenen), stärkere Verbrennung mit oder ohne Brandblasen, gilt es, so schnell wie möglich einen Arzt aufzusuchen oder notfalls sogar den Rettungsdienst zu rufen.

Gegen leichtere Verbrennungen können verschiedene Hausmittel eingesetzt werden, bei schweren Formen ist jedoch dringend ein Gang zum Arzt oder evt. sogar die Hinzuziehung eines Notarztes angeraten. (Bild: Africa Studio/fotolia.com)
Gegen leichtere Verbrennungen können verschiedene Hausmittel eingesetzt werden, bei schweren Formen ist jedoch dringend ein Gang zum Arzt oder evt. sogar die Hinzuziehung eines Notarztes angeraten. (Bild: Africa Studio/fotolia.com)

Auch wenn Anzeichen für einen Schock wie z.B. Gesichtsblässe, Zittern, kalter Schweiß oder Unruhe auftreten oder die Augen mitbetroffen sind, sollte keinesfalls gezögert und sofort der Notarzt verständigt werden. Darüber hinaus muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, wenn sich bei der Heilung Komplikationen wie z.B. eine bräunliche Flüssigkeit in den Brandblasen ergeben oder die Verletzung nach zwei Wochen noch nicht verheilt ist.

Liegt eine vergleichsweise harmlose, oberflächliche Verletzung vor, können oft natürliche Hausmittel bei Verbrennungen helfen. Doch auch hier gilt es, sich bei Unsicherheiten oder Fragen wie „Darf ich diese Heilkräuter auch bei meinem Kind anwenden?“ oder „Wie lange sollte ich dieses Mittel maximal einnehmen?“ immer vorsichtshalber an einen Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker zu wenden, um keine gesundheitlichen Risiken einzugehen.

Wichtige Erste-Hilfe-Maßnahme bei Verbrennung: Kühlen

Die erste und wichtigste Maßnahme bei einer kleinflächigen und oberflächlichen (d. h. nicht größer als die Handfläche des Betroffenen) Verbrennung ist das Kühlen. Die betroffene Stelle sollte sofort nach dem Unfall unter fließendem, kalten bzw. lauwarmem Wasser gekühlt werden. Bei einer Verbrennung im Gesicht kann mit feuchten Tüchern gekühlt werden, dabei ist aber unbedingt zu beachten, dass die Atemwege frei bleiben. Auch wenn es nahe liegt, dürfen Eis(würfel), eiskaltes Wasser oder Cool-Packs grundsätzlich nicht verwendet werden, da ansonsten die Gefahr einer Unterkühlung und Gewebeschädigung besteht. Dementsprechend sollte auch die Kühlzeit insgesamt nicht länger als zehn bis 15 Minuten andauern.

Ist die Verbrennung großflächiger, darf diese aufgrund der Unterkühlungsgefahr gar nicht gekühlt werden, stattdessen sollte der betroffene Bereich locker und möglichst keimfrei (z.B. mit einem Verbandtuch) abgedeckt und umgehend ärztlich versorgt werden. Auch das Öffnen von Brandblasen sollte unbedingt dem Mediziner überlassen werden, um kein zusätzliches Infektions-Risiko einzugehen. Da angesengte bzw. verkohlte Kleidung schnell am Körper klebt, sollte diese ebenfalls nur von medizinischem Personal entfernt werden, um weitere Verletzungen und Infektionen zu vermeiden. Im Falle einer Verbrühung (z. B. durch kochendes Wasser, Tee, Kaffee) sollte die durchnässte Kleidung hingegen vor dem Kühlen sofort entfernt werden, um zu verhindern, dass die Hitze weiter auf die Haut einwirkt. Ebenso muss brennende Kleidung in jedem Fall gelöscht werden, entweder mit Hilfe von Wasser oder durch das Ersticken der Flammen.

Bei kleineren, oberflächlichen Verletzungen können anschließend kühlende Salben oder ein Brandgel zum Einsatz kommen. Ist die Verbrennung jedoch großflächiger oder tiefer gehend, ist auch hier Vorsicht geboten, da in diesem Fall durch die Salbe eine Wundinfektion hervorgerufen werden kann. Grundsätzlich vermieden werden sollten zudem Hausmittel wie Öl, Butter oder Mehl. Denn im Falle einer Verbrennung sind diese Mittel keineswegs wirksam, sondern können die Beschwerden sogar verstärken und die Beurteilung und Behandlung der Wunde beim Arzt erheblich erschweren.

Ein vielfach bewährtes Hausmittel bei leichten Verbrennungen bildet Aloe vera. (Bild: g215/fotolia.com)
Ein vielfach bewährtes Hausmittel bei leichten Verbrennungen bildet der Saft der Aloe vera. (Bild: g215/fotolia.com)

Aloe vera gegen entzündete Brandwunden

Nach dem Kühlen bietet sich die Aloe vera-Pflanze durch ihre wertvollen Inhaltsstoffe als wirksames Hausmittel bei Verbrennungen an. Denn in dem Saft der Heilpflanze ist unter anderem der Wirkstoff Acemannan enthalten, welcher antibakteriell und antiviral wirkt und dadurch eine Infektion der Brandwunde verhindern und eine schnelle Heilung begünstigen kann. Für die Anwendung wird kühlendes Aloe Vera-Gel aus der Apotheke oder dem Reformhaus entweder vorsichtig auf die betroffene Stelle aufgetragen, alternativ kann auch ein sauberes Leintuch in 100%igem Aloe vera Direktsaft getränkt und anschließend vorsichtig auf die verbrannte Haut gelegt werden.

Hilfe bei Verbrennung durch Schüssler Salze und Bachblüten

Bei leichten Verbrennungen können auch Schüssler Salze eine wohltuende Linderung bewirken. In Frage kommt hier vor allem das Salz Nr. 3 (Ferrum phosphoricum), welches in der typischen Potenz D12 zur Unterstützung der Abwehrkräfte im akuten Fall der Verletzung eingenommen wird. Ebenso hat sich in vielen Fällen das Schüßler Salz Nr. 8 (Natrium chloratum) in der Potenz D6 bewährt, wobei dieses sowohl innerlich in Form von Tabletten eingenommen als auch äußerlich per Salbe aufgetragen werden kann.

Auch die Bachblütentherapie kann wirksam bei leichten Verbrennungen eingesetzt werden. Diese wurde in den 1930er Jahren von dem Engländer Dr. Edward Bach entwickelt und basiert auf der These, dass jede körperliche Krankheit auf einer seelischen Gleichgewichtsstörung beruht. Bach ging davon aus, dass die gebundene Energie von Blüten eine ausgleichende Wirkung auf die Psyche des Menschen hat und daher häufig auch körperliche Symptome gebessert werden können. Der englische Mediziner beschrieb im Laufe seiner Arbeit insgesamt 38 disharmonische Seelenzustände des Menschen, ordnete diesen Blüten und Pflanzenteile zu und stellte aus ihnen Urtinkturen her. Durch starke Verdünnung entstehen schließlich die so genannten „Blütenessenzen“, welche ungiftig und mit jeder medikamentösen Therapie kombinierbar sind.

Für einen akuten Notfall wie eine Verbrennung eignen sich vor allem spezielle „Notfalltropfen“, welche auch als „Rescue Remedy“ bezeichnet werden. Dabei handelt es sich um eine ganz besondere Kombination aus fünf verschiedenen Bachblüten, die von Dr. Bach selbst zusammengestellt wurden und fertig gemischt in jeder Apotheke erhältlich sind. Notfalltropfen können in verschiedenen Situationen eingesetzt werden, zu denen neben einer Verbrennung z. B. Insektenstiche, Bissverletzungen, Panikattacken oder ein Schockzustand zählen. Ebenso kann das Mittel beispielsweise auch gegen die Angst und innere Unruhe vor einer Operation, einem Zahnarztbesuch oder einer wichtigen Prüfung sowie nach einer Trennung oder einem tragischen Verlust eine wohltuende Hilfe bieten.

Die Mischung besteht aus Star of Bethlehem (Goldiger Milchstern) für den Schockzustand, Impatiens (drüsentragendes Springkraut) als Hilfe bei psychischem Stress und innerer Unruhe sowie Rock Rose (gemeines Sonnenröschen) gegen Angst und Panik. Hinzu kommen Cherry Plum (Kirschpflaume) gegen extreme innere Spannung und Clematis (gemeine Waldrebe), welche bei geistiger Abwesenheit und der Neigung zur Ohnmacht hilft. Die Notfalltropfen werden direkt aus dem Fläschchen verwendet, sind dabei absolut ungefährlich und haben keine Nebenwirkungen. Bewährt hat es sich, in Notfall-Situationen ein bis vier Rescue-Tropfen entweder unverdünnt oder mit einem Glas Wasser einzunehmen. Dies kann so lange wiederholt werden, bis eine Linderung der Beschwerden eintritt.

Für die äußerliche Anwendung eignet sich bei einer kleineren, oberflächlichen Verbrennung auch die Notfallsalbe („Rescue-Remedy-Creme“) häufig sehr gut. In diesem Fall wird die betroffene Stelle erst für einige Minuten mit kaltem Wasser gekühlt und vorsichtig trocken getupft. Anschließend wird dann sofort die Bach-Blüten Notfall-Creme auftragen. Auf offene Wunden sollte hingegen keine Creme oder Salbe gegeben werden, um Infektionen zu verhindern.

Homöopathie bei Verbrühung und Verbrennung

Ein weiteres beliebtes Hausmittel bei Verbrennungen stellen homöopathische Arzneimittel dar, denn auch diese können auf natürliche Weise zur Linderung der Beschwerden beitragen. Ist die Haut nach dem Unfall tief rot, heiß, geschwollen, eventuell nässend und extrem berührungsempfindlich, bietet sich aus dem Bereich der Homöopathie z. B. Arnica montana (Bergwohlverleih) an. Bei einer leichten Verbrennung mit hellroter Haut, Hitzewallungen und pulsierenden Schmerzen kommt Belladonna (Tollkirsche) in Betracht. Treten infolge einer Verbrennung oder Verbrühung brennende, stechende Schmerzen und/oder Blasen auf, kann Cantharis vesicatoria (Spanische Fliege) helfen.

Auch Apis mellifica (gewonnen aus Honigbiene) wird häufig bei Blasen, geschwollener und roter Haut sowie stechenden oder brennenden Schmerzen eingesetzt, vor allem, wenn sich die Beschwerden durch Kälte schnell bessern. Werden die brennenden Schmerzen und der Juckreiz hingegen bei Kälte stärker und zeigen sich kleine, hellere Blasen, kann auch Urtica urens (Brennnessel) das Mittel der Wahl sein.

Natürliche Behandlung mit Heilpflanzen

Bei leichteren Verbrennungen können verschiedene Kräuter und Heilpflanzen als Medizin eingesetzt werden und dadurch eine wirkungsvolle Unterstützung bei der Behandlung bieten. Doch auch hier gilt zu beachten, dass die betroffene Stelle erst einige Minuten lang mit kaltem Wasser gekühlt und jede stärkere Verbrennung umgehend von einem Arzt versorgt werden muss.

Für eine sanfte und natürliche Heilung eignen sich zum Beispiel Möhren und Kartoffeln, welche geschält und in Scheiben geschnitten auf die betroffene Hautstelle gelegt werden. Auch der gemeine Beinwell (Symphytum officinale) kann als natürliches Hausmittel gegen Verbrennungen eingesetzt werden. Denn die wuchsstarke Wildstaude aus der Familie der Raublatt- bzw. Borretschgewäche wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd. Zudem fördert der Beinwell die Bildung von jungem Bindegewebe im Zuge der Wundheilung (Granulation) und hemmt den Austritt von Flüssigkeit aus Gefäßen bei einer Entzündung (Exsudation). Die Anwendung erfolgt äußerlich in Form von Umschlägen oder Packungen, darüber hinaus sind mittlerweile in der Apotheke verschiedene Beinwellsalben, -gels und -cremes erhältlich.

Innerlich dürfen Präparate aus den Wurzeln oder Blättern des gemeinen Beinwells hingegen nicht angewendet werden. Denn diese enthalten wechselnde Mengen von Pyrrolizidinalkaloiden, welche in hoher Dosierung giftig auf die Leber wirken und krebsauslösend sein können. Außerdem sollten Beinwellzubereitungen vorsichtshalber nicht auf offene Verbrennungswunden aufgetragen werden, da sich ansonsten ein Abszess bilden kann.

Für die äußere Anwendung bestehen verschiedene Möglichkeiten. Wohltuend kann beispielsweise ein Salbenumschlag sein. Für diesen wird zunächst eine fertige Beinwellsalbe aus der Apotheke großzügig auf die betroffene Stelle aufgetragen, anschließend mit einem Tuch bedeckt und für mindestens eine Stunde auf der Haut belassen. Alternativ eignet sich auch ein Breiumschlag, für welchen frische Wurzeln oder Blätter zu einem Brei zerquetscht, aufgetragen und ebenfalls zugedeckt etwa eine Stunde auf der verbrannten Haut belassen werden.

Neben dem haben sich Ringelblumenblüten bewährt, denn die darin enthaltenen Inhaltsstoffe wirken ebenfalls entzündungshemmend, antimikrobiell und fördern die Wundheilung. Die Blüten kommen vor allem äußerlich in Form von Salben, Tinkturen oder Umschlägen zum Einsatz.

Sauerkrautsaft und Zwiebel zur Beruhigung der geschädigten Haut

Bei einer leichten Verbrennung (ohne offene Wunde) kann ein Wickel mit Sauerkrautsaft hilfreich sein. Hierfür wird ein sauberes, fusselfreies Baumwoll- oder Leinentuch mit dem Saft getränkt und auf die betroffene Stelle gelegt. Auch ein Umschlag aus Schachtelhalmtee kann die Beschwerden lindern und die Wundheilung fördern. Hierfür wird zunächst gemäß der Packungsangaben ein Tee (z. B. aus der Apotheke) zubereitet. Nach dem dieser abgekühlt ist, wird ein Baumwoll- oder Leinentuch in dem Sud getränkt und auf die verbrannte Stelle aufgebracht. Alternativ können rohe, in etwa 1cm dicke Scheiben geschnittene Bio-Zwiebeln auf der geschädigten Haut sehr wohltuend wirken.

Bewährte Hausmittel bei Verbrennungen im Mund

Häufig kommt es durch zu heißes Essen oder Getränke wie z.B. ein Stück Pizza, Kaffee oder Tee zu Verbrennungen an der Zunge oder der empfindlichen Schleimhaut des Gaumens. In der Folge können Rötungen, Schwellungen und kleine Brandbläschen auftreten, typisch sind zudem starke Gaumenschmerzen und Mundbrennen. Bei einer leichten Verbrennung im Mund ist in den meisten Fällen kein Arztbesuch nötig, da die Verletzungen normalerweise von alleine wieder abheilen, wobei verschiedene Hausmittel eine wertvolle Unterstützung bieten können.

Kamille lindert in laut der Naturheilkunde Verbrennungsbeschwerden. Bild: goldbany - fotolia
Kamille lindert in laut der Naturheilkunde Verbrennungsbeschwerden. Bild: goldbany – fotolia

Um die Schmerzen zu lindern und Schwellungen und Bläschen zu verhindern, kann z.B. bereits ein Eiswürfel wahre Wunder bewirken, wenn man diesen an der betroffenen Stelle im Mund zergehen lässt. Verstärkt wird die Wirkung, wenn der Würfel aus Kamillentee zubereitet wird, denn dieser fördert unter anderem die Wundheilung, desinfiziert und hemmt Entzündungen. Empfehlenswert ist es daher, immer einen kleinen Vorrat an Kamille-Eiswürfeln im Kühlfach zu haben, vor allem, weil diese z.B. auch wirksam bei einem Insektenstich oder als Hausmittel gegen Pickel eingesetzt werden können.

Anstelle der Eiswürfel eignet sich natürlich kaltes Wasser zur Kühlung einer Verbrennung im Mundbereich, ebenso wie lauwarmer Kamillentee, welcher schluckweise getrunken wird. Auch Honig hat sich in vielen Fällen bewährt, wenn er langsam im Mund zerlassen wird. Dieses Hausmittel ist allerdings für Kinder unter zwölf Monaten nicht geeignet, da Honig bei Babys in Einzelfällen schwere Vergiftungen hervorrufen kann (Säuglingsbotulismus). Kalte Milch, Buttermilch oder Joghurt wirken ebenfalls schmerzlindernd, wenn sie für einen Moment im Mund belassen werden. (nr)