Wirksame Hausmittel gegen Blasenentzündung

Die Wärmflasche ist ein besonders wichtiges Hilfsmittel bei einer Blasenentzündung. Denn durch die Wärme werden die verkrampften Muskeln der Blase entspannt und die Schmerzen gelindert. (Bild: absolutimages/fotolia.com)
Jeanette Vinals Stein
Hausmittel bei einer Blasenentzündung
Ein heftiges Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen, Druckgefühl und häufiger Harndrang: Viele Frauen kennen die typischen Symptome einer Blasenentzündung. Diese ist zwar sehr unangenehm, lässt sich aber gut behandeln.

Unterstützend stehen einige Hausmittel aus dem Bereich der Naturheilkunde zur Verfügung, um eine Blasenentzündung erfolgreich selber zu behandeln und neuen Infekten vorzubeugen. Meist sind Mädchen und Frauen von den Entzündungen der ableitenden Harnwege betroffen, die oft mit Beschwerden beim Wasserlassen, Schmerzen im Unterbauch oder Fieber einhergehen. Bei andauernden Beschwerden, starken Schmerzen sowie sichtbarem Eiter oder Blut im Urin sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.






Wie entsteht eine Blasenentzündung?

Bei einer Blasenentzündung (medizinisch: Zystitis) handelt es sich um eine Infektion der unteren Harnwege (Harnröhre oder Harnblase). Sie wird meist durch Bakterien verursacht, die aus dem Darm stammen und durch die Harnröre in die Blase gelangen, wo sie eine Entzündung auslösen. Die Zystitis betrifft in erster Linie Frauen, denn die Harnröhrenöffnung liegt bei ihnen näher am After als beim Mann. Zudem ist die Harnröhre bei Frauen kürzer, sodass es Erreger leichter haben, vom Darm aus in die Harnblase zu gelangen.

Ein geschwächtes Immunsystem (z.B. durch Stress oder Medikamente), hormonelle Veränderungen (z.B. durch Schwangerschaft, Wechseljahre) und übertriebene Intimhygiene kann eine Infektion begünstigen. Ebenso erhöht häufiger Geschlechtsverkehr das Risiko für eine Entzündung, da durch den Sex die Schleimhäute gereizt und in der Folge anfälliger für eine Infektion werden („Honeymoon-Cystitis“).

Eine Blasenentzündung entsteht, wenn Bakterien durch die Harnröre in die Blase gelangen. Meist handelt es sich dabei um Darmkeime. (Bild: Henrie/fotolia.com)
Eine Blasenentzündung entsteht, wenn Bakterien durch die Harnröre in die Blase gelangen. Meist handelt es sich dabei um Darmkeime. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Typische Symptome einer akuten Blasenentzündung sind ein ständiger Harndrang und häufiges Wasserlassen, wobei bei jedem Gang zur Toilette nur wenige Tropfen Urin ausgeschieden werden. Begleitet wird dies von einem starken Brennen und Stechen. Da sich während des Urinierens die Harnblase krampfartig zusammen zieht, treten meist auch Unterbauchschmerzen auf, ebenso sind Trübungen oder Blut im Urin möglich.

Greift die Entzündung auf die Nieren oder die Prostata über, können weitere Beschwerden wie Fieber und Rücken- bzw. Flankenschmerzen hinzukommen. Eine Blasenentzündung ist zwar sehr unangenehm, aber harmlos und heilt meist bei rechtzeitiger Behandlung nach wenigen Tagen aus. Treten Komplikationen auf, können sich die Erreger jedoch auf andere Organe ausweiten und z.B. eine Nierenbeckenentzündung auslösen. In sehr seltenen Fällen kann es zu Nierenversagen oder einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen.

Tipps zur Vorbeugung von Blasenentzündungen

Zur Vorbeugung von Blasenentzündungen sollte grundsätzlich viel getrunken werden, um Bakterien aus den Harnwegen auszuschwemmen. Kunstfaserunterwäsche und Slipeinlagen begünstigen die Vermehrung von Keimen ebenso wie schleimhautreizende Seifen und Intimsprays. Zu vermeiden ist außerdem das „Abwischen“ nach dem Stuhlgang in Richtung Scheide und das Unterdrücken von Harndrang.

Frauen sollten aufgrund ihrer erhöhten Anfälligkeit für eine Blasenentzündung nach jedem Geschlechtsverkehr zeitnah zur Toilette gehen und den Intimbereich mit Wasser spülen. Vor allem nach Anal- oder Oralverkehr ist es ratsam, sich bei anschließendem vaginalem Geschlechtsverkehr durch Kondome zu schützen. Frauen, die schnell Blasenentzündungen bekommen, sollten zudem auf bestimmte Verhütungsmittel wie z.B. Diaphragmen verzichten, da diese Entzündungen fördern können.

Während der Periode empfiehlt es sich, Tampons statt Binden zu verwenden. Denn sobald diese nicht mehr trocken sind, entsteht ein feuchtes Milieu, in dem sich Bakterien besonders schnell vermehren. Gut ist es generell, so oft wie möglich Luft an den Intimbereich zu lassen, indem nachts z.B. ohne Hose bzw. Slip geschlafen wird. Auch bei warmen Temperaturen ist es wichtig, nach dem Baden nicht in nassem Bikini oder Badeanzug zu verbleiben.

Das Sitzen auf kaltem oder nassem (Stein-)Boden sollte unbedingt vermieden werden. Bei beginnender Blasenentzündung ist auf wärmende Maßnahmen, z.B. Wärmflasche und Bettruhe zu achten. Zur Ernährung wird salz- und reizarme Kost ohne Gewürze empfohlen.

Die Wärmflasche ist ein besonders wichtiges Hilfsmittel bei einer Blasenentzündung. Denn durch die Wärme werden die verkrampften Muskeln der Blase entspannt und die Schmerzen gelindert. (Bild: absolutimages/fotolia.com)
Die Wärmflasche ist ein besonders wichtiges Hilfsmittel bei einer Blasenentzündung. Denn durch die Wärme werden die verkrampften Muskeln der Blase entspannt und die Schmerzen gelindert. (Bild: absolutimages/fotolia.com)

Welche Kräuter helfen bei Blasenentzündung?

Vor allem Kräuter mit antibakteriellen oder harntreibenden Eigenschaften eignen sich zur Behandlung von Blasenentzündungen.

Bärentraubenblätter wirken -besonders im Bereich von Blase und Harnwegen- Keimen und Entzündungen entgegen. In einem Mörser zu feinem Pulver zerstampft (2-3 Kaffeelöffel voll), können die getrockneten Bärentraubenblätter mit Honig vermischt auf eine Oblate gestrichen und so morgens und abends eingenommen werden. Man kann die Blätter außerdem als Tee zubereiten, indem eine Handvoll 10 Minuten lang in 1 Liter Wasser köcheln. Davon trinkt man über einige Tage 2-3 Tassen täglich. Auch ein Aufguss aus 10 g Bärentraubenblätter, 10 g Gundermann, 10 g Ehrenpreis, 5g Hagebutten, 5g Vogelknöterich sowie 5g Leinsamen mit heißem Wasser hat sich dabei bewährt, die Ausheilung der Blasenentzündung zu beschleunigen.

Wacholder besitzt nierenreizende und stark harntreibende Eigenschaften und wird deshalb zur „Durchspülung“ bei bakteriellen Infekten in Blase und Harnwegen verwendet. Eine Wacholderbeerenkur dauert 42 Tage, wobei in den ersten 14 Tagen „einschleichend“ die Dosis pro Tag um eine Beere steigt, dann 14 Tage bestehen bleibt und ab dem 15. Tag „ausschleichend“ wieder abnimmt. Am 1. Tag wird also 1 Beere gekaut und geschluckt, am 2. Tag 2 Beeren, am 3. Tag 3 Beeren, bis ab dem 14. Tag 14 Tage lang 14 Beeren täglich gekaut werden. Am 29. Tag werden dann 13, am 30.Tag 12, am 31. Tag 11 Wacholderbeeren eingenommen, bis am 42. Tag die Kur mit der letzten Wacholderbeere schließlich beendet wird. Dazu ausreichend Wasser trinken.

Ansteigendes Sitzbad bei entzündeter Blase

Als altes Hausmittel aus der Naturheilkunde gilt ein ansteigendes Sitzbad bei entzündeter Blase als hilfreich, insbesondere, wenn dem Wasser ein Aufguss aus Zinnkraut beigefügt wird. Benötigt werden für diese Anwendung aus dem Bereich der Hydrotherapie eine Sitzwanne, ein Küchen- oder Wasserthermometer, eine warme Decke sowie ein großes Leinentuch. Für den Kräuterauszug kocht man zwei Handvoll getrocknetes Zinnkraut etwa 5 Minuten lang in 1 Liter Wasser und seiht danach die Flüssigkeit ab.

In Strümpfen und warmen Hausschuhe setzt man sich bis zu den Hüften in eine Sitzbadewanne und deckt sich die Beine mit einer Decke zu. Dem Wasser, das zu Beginn eine Temperatur von 36° C haben soll, wird zunächst der Zinnkrautauszug und danach langsam solange heißes Wasser zugefügt, bis 41°C erreicht sind. Nach 30 Minuten Badedauer trocknet man sich ordentlich ab und wickelt sich in das Leinentuch. Darum wird die warme Decke gewickelt und 2 Stunden geruht.

Das Reibebad nach Luis Kuhne

Das Reibebad nach Kuhne (auch: Kuhnisches Reibebad) eignet sich für Frauen und wird bei Blasenentzündung, Nierenentzündung und Kinderlosigkeit empfohlen. Dazu wird kaltes Wasser in eine Schüssel oder Wanne gelassen und ein Leinentuch damit durchtränkt. Die Frau, deren Körper bis auf den Unterleib warm gekleidet ist, betupft sich mit dem kaltfeuchten Tuch für zwei bis drei Minuten die Scheide, trocknet sich ab und hält sich warm. Achtung: Das erste Wasserlassen nach der Anwendung wird häufig als brennend empfunden. Das Reibebad sollte 2-3x wöchentlich durchgeführt werden.

Für häufig wiederkehrende oder chronische Beschwerden stehen in Naturheilpraxen außerdem Diagnose- und Naturheilverfahren zur Verfügung, mit denen tieferliegende Ursachen, die oftmals hinter der Blasenentzündung stecken, beleuchtet und behandelt werden können.

Bei einem unkomplizierten Krankheitsverlauf können homöopathische Mittel die Symptome einer Zystitis lindern. Länger anhaltende Beschwerden und Schmerzen sollten hingegen immer ärztlich abgeklärt werden. (Bild: Sonja Birkelbach/fotolia.com)
Bei einem unkomplizierten Krankheitsverlauf können homöopathische Mittel die Symptome einer Zystitis lindern. Länger anhaltende Beschwerden und Schmerzen sollten hingegen immer ärztlich abgeklärt werden. (Bild: Sonja Birkelbach/fotolia.com)

Homöopathie und Schüssler Salze bei Blasenentzündung

Auch die Homöopathie bietet verschiedene Mittel an, die bei einer akuten Blasenentzündung helfen können. Bewährt hat sich beispielsweise Okoubaka D3 (Schwarzafrikanischer Rindenbaum), von dem Erwachsene üblicherweise drei bis vier Wochen lang je dreimal täglich fünf Globuli (Kinder drei) einnehmen. Bei starkem Brennen während und nach dem Wasserlassen, schmerzhaftem, tröpfchenweise abgehendem Urin und verstärktem Harndrang bietet sich Cantharis (Spanische Fliege) an.

Empfindet der Patient starken Druck und Blasenschmerzen, verliert nur wenige Tropfen Urin beim Toilettengang und erlebt den Harndrang schlimmer bei Kälte, kann auch Nux vomica D12 das Mittel der Wahl sein – gerade, wenn er sich angespannt, gereizt und verärgert fühlt. Sind die Schmerzen zum Ende des Wasserlassens besonders heftig, geht der Urin nur im Stehen ab und besteht zugleich eine erhöhte Kälteempfindlichkeit, empfehlen Homöopathen häufig Sarsaparilla. Dieses Mittel kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn die Beschwerden auftreten, nachdem sich der Patient verkühlt hat oder nass geworden ist.

Schüssler Salze eignen sich ebenfalls gut zur Behandlung einer akuten Blasenentzündung. Hier empfiehlt es sich – in Absprache mit Hausarzt – bei den ersten Symptomen die Salze Nr.3 (Ferrum phosphoricum) und Nr. 9 (Natrium phosphoricum) halbstündlich im Wechsel einzunehmen. Ab dem zweiten Tag werden die Mittel dann jeweils vier bis fünf mal täglich genommen. Weitere Salze, die bei einer Blasenentzündung in Betracht kommen, sind unter anderem Kalium chloratum (Nr.4) und Natrium sulfuricum (Nr. 10), bei chronischen Beschwerden kann das Salz Nr.11 (Silicea) helfen. (aktualisiert am 13.7.2016; jvs, nr)

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