Alice im Wunderland Syndrom – Ursachen, Symptome und Therapie

Dr. Utz Anhalt
„Alice´s Adventures in Wonderland“ erschien 1865. Der Autor Lewis Carroll war hauptberuflich Mathematiker. Das Syndrom Alice im Wunderland ist aber auch eine Wahrnehmungsstörung, die allerdings keinen psychiatrischen Charakter inne hat. In diesem Artikel geht es um die Hintergründe, Ursachen, Symptome und Therapie.

Alices Abenteuer im Wunderland wurden ein Weltbestseller. Das Mädchen Alice sieht ein weißes Kaninchen, das auf eine Uhr guckt und sagt, es komme zu spät. Alice folgt ihm in den Kaninchenbau und gelangt an einen Raum voller Türen. Sie findet einen Schlüssel, mit dem sie die kleinste Tür öffnet, passt aber nicht durch.

Alice im Wunderland - Vorlage für das Syndrom. Bild: Cisek Ciesielski - fotolia
Alice im Wunderland – Vorlage für das Syndrom. Bild: Cisek Ciesielski – fotolia

Von Groß zu klein

Dann trinkt sie einen Zaubertrank, der sie klein genug macht, doch die Tür ist jetzt zu. Schließlich kommt sie doch noch ins Wunderland, trifft das weiße Kaninchen und wächst ins Gigantische. Dann wird sie wieder klein und läuft in den Wald, eine Raupe bringt sie auf ihre normale Größe zurück.

Alice kommt zu der Herzogin und trifft die Grinsekatze, danach lernt sie auf einer irren Tea-Party den Märzhasen und den verrückten Hutmacher kennen. Sie landet bei der Herzkönigin und dem Herzkönig; die Herzkönigin möchte unbedingt jemand den Kopf abschlagen.

Alice spielt mit Tieren und anthropomorphen Spielkarten Croquet, der Schläger ist ein Flamingo und der Ball ein Igel. Die Herzkönigin verurteilt alle bis auf Alice zum Tod, der Herzkönig begnadigt sie indessen.

Ein Greif führt Alice zum Schildkrötensupperich, einer Mischung aus Kih und Schildkröte. Dann folgt eine Gerichtsverhandlung, in dem sich der Herzbube rechtfertigen muss, die Torten der Königin gestohlen zu haben. Der verrückte Hutmacher tritt als Zeuge auf, ebenso Alice. Die ist jetzt jedoch so groß geworden, dass sie das Gericht sprengt. Bevor es weitergeht, wacht Alice neben ihrer Schwester auf.

Das Syndrom

Das Alice im Wunderland Syndrom bezeichnet eine Wahrnehmungsstörung, bei der die Betroffenen ihre Umwelt und sich selbst verzerrt sehen. Vor allem erscheinen Menschen, Tiere und Gegenstände kleiner wie größer, als sie in Wirklichkeit sind.

Der Name täuscht insofern, denn es handelt sich nicht um eine eigenständige Krankheit. Vielmehr tritt eine solche Aura in der Vorphase eines epileptischen Anfalls oder einer Migräne-Attacke auf.

Manche Kinder erleiden Migräne als Schwindelanfälle, ihnen wird übel und sie erbrechen sich. Vorher plagen sie lebhafte Halluzinationen.

Litt Lewis Carroll am Alice im Wunderland Syndrom?

Der Autor Lewis Carroll litt selbst unter Migräne, und Forscher vermuten, dass ihm selbst diese visuellen Halluzinationen im Vorfeld seiner Anfälle zu schaffen machten. Allerdings lässt sich die Erzählung auch als LSD-Trip erklären oder als schamanische Erfahrung im Trancezustand.

Bereits 1955 vermuteten Forscher, dass Carroll seine eigenen Erfahrungen in seinern Büchern verarbeitete. Dies war umstritten, weil der Autor in Tagebüchern nie Symptome einer Migräne erwähnte. Doch jetzt gibt es neue Hinweise.

Dr. Klaus Podoll aus Aachen fand nämlich eine Zeichnung von Carroll, in der einer Figur ein Bereich am Kopf fehlt. Das deutet auf einen blinden Fleck, der typisch für die Aura vor einer Migräne ist.

Zum Alice im Wunderland Syndrom gehören auch akustische Halluzinationen, ein gesteigertes Tastempfinden und ein Verlust des Gefühls für Zeit und Raum.

Probleme

Weil sich ihre Wahrnehmung verändert, können die Betroffenen die Orientierung verlieren und stürzen. Auch deuten Außenstehende das Verhalten möglicherweise als psychisch krank, was es nicht ist.

Eine gestörte Wahrnehmung ist ein Leitsymptome des Syndroms. Bild: WeiHua Hsu - fotolia
Eine gestörte Wahrnehmung ist ein Leitsymptome des Syndroms. Bild: WeiHua Hsu – fotolia

Therapie

Das Alice im Wunderland Syndrom lässt sich bisher nicht behandeln. Behandelt wird hingegen die Basiskrankheit wie zum Beispiel die Migräne. Allerdings verschwinden die Symptome nach kurzer Zeit von selbst. (Dr. Utz Anhalt)