Aphasie: Behandlungsmöglichkeiten

Aphasie
Jeanette Vinals Stein

Aphasie – Konventionelle, naturheilkundliche und alternative Behandlungsmöglichkeiten

Bei einer Aphasie, die medizinisch als zentrale Sprachstörung durch Hirnverletzung definiert ist und die insbesondere in Folge eines Schlaganfalls auftreten kann, sollte immer eine sprachtherapeutische Behandlung eingeleitet werden, die sowohl Übungsbehandlung als auch eine angemessene Aufklärung zum Umgang mit der Kommunikationsstörung beinhaltet. Häufig bessern sich die Symptome in den ersten drei Monaten von selber. Die hier wirkenden Selbstheilungskräfte des Körpers können durch Naturheilverfahren und weitere alternative Methoden angeregt und gestärkt werden.

Inhaltsverzeichnis

Unverzichtbar: Die professionelle Sprachtherapie

Konventionell wird einer Aphasie mit einer sprachtherapeutischen Behandlung begegnet. Die Aphasietherapie beginnt mit der Feststellung des sprachlichen Zustands, des Ausmaßes der Störung und der Zuordnung zu einer Aphasieform, meist wird zur Diagnostik der Aachener Aphasie Test (AAT) verwendet. Danach erfolgt die Aphasietherapie mit unterschiedlichen Methoden, z.B. werden vorhandene Fähigkeiten aktiviert um nach und nach „gesperrte“ sprachliche Wege und Bahnen zu deblockieren. Hier eignen sich Zahlenreihen, Lieder, Sprichwörter, Körperteile, u.s.w. Später wird häufig zu sprachsystematischen Übungsprogrammen übergegangen, bei denen z.B. Oberbegriffe zugeordnet, „Teekessel“ (Homonyme) erarbeitet oder gar Buchstaben und Worte in Lückentexte eingesetzt werden.

Aphasie
Mit therapeutischer Hilfe kehrt die Sprachfähigkeit bei vielen Aphasie-Patienten allmählich wieder zurück. (Bildnachweis: Rainer Sturm/pixelio.de)

Aufklärung und Beratung

Sprachtherapeutische Berufsgruppen, die Aphasietherapien durchführen, sind Logopädinnen, Atem-, Sprech- und Stimmlehrerinnen, klinische Linguistinnen und diplomierte Sprachheilpädagoginnen. Letztere scheinen durch das integrativ ausgerichtete Studium, das neben der Sprachheilpädagogik die Fächer allgemeine Sonderpädagogik, Psychologie und Linguistik umfasst, besonders geeignet. Denn weil die gesamte kommunikative Kompetenz der Betroffenen mehr oder weniger stark eingeschränkt ist, kommt es im alltäglichen Miteinander mit Angehörigen und Pflegepersonal vielfach beidseitig zu Missverständnissen und Frustrationserlebnissen. Diese können mittels kompetenter Aufklärung, Beratung und Unterstützung zumindest eingeschränkt werden. Dazu gehört beispielsweise die Aufklärung darüber, dass eine Störung des Sprachverständnisses keineswegs mit einer Schwerhörigkeit gleichzusetzen ist und der Betroffene darum weder angeschrien noch bei lautstarker Radiobeschallung über Stunden im Zimmer zurückgelassen werden darf. Je nach Bedarf und Möglichkeit können auch passende Kommunikationshilfen, z.B. in Form von Gesprächstechniken, Buchstabentafeln, Bildermappen oder speziellen Computern, eingesetzt werden, um dem Aphasiker den Ausdruck seiner Bedürfnisse zu erleichtern.

Allgemeine Maßnahmen der Naturheilkunde

Bei der Aphasie entsteht durch ein Trauma (Hirninfarkt, Schädelaufprall) die Läsion einer organischen Struktur, nämlich des Gehirns als Teil des zentralen Nervensystems (ZNS). Naturheilkundliche Behandlungen, die den natürlichen Heilungsprozess dieser Verletzung unterstützen, stehen in der Naturheilpraxis im Vordergrund. Diese bestehen aus entgiftenden, milieuregulierenden und aufbauenden Maßnahmen, etwa phytotherapeutisch, mit klassischen Ausleitungsverfahren oder regulierender Milieutherapie. Die Ernährung sollte auf vollwertige, naturbelassene Kost umgestellt und ausreichend Wasser getrunken werden. Kurmäßig können auch Vitamine und Mineralstoffe eingesetzt werden, um den Stoffwechsel zu optimieren. Grenzen sind der Entgiftungstherapie durch die Dauermedikation mit blutverdünnenden, herzwirksamen und blutdruckregulierenden Medikamenten gesetzt, die aufgrund der großen Gefahr eines weiteren Hirninfarktes beibehalten wird.

Homöopathie und Akupunktur bei Aphasie

Homöopathische Konstitutionsmittel werden von klassischen oder prozessorientierten Homöopathen sehr individuell nach Körper- und Gemütssymptomen ermittelt und lassen sich nur schwer bestimmten Erkrankungen zuordnen. Darauf verweist auch Karl-Heinz Friese, Autor des Buches „Homöopathie in der HNO-Heilkunde“, empfiehlt jedoch zusätzlich zu Beginn der Behandlung Arnica D12, später dann als Hochpotenz. Arnica montana (oder Bergwohlverleih) hat sich bei körperlichen Verletzungen und Quetschungen genauso bewährt wie nach Traumatisierungen seelischer Art, etwa durch plötzlichem Verlust (wie hier der Sprache).

Auf eine Harmonisierung des Energieflusses zielt eine Akupunkturbehandlung ab. Die Aktivierung von Nervenfasern innerhalb von Muskeln, die wiederum Rückenmark, Mittelhirn und Großhirnareale beeinflussen und zur Freisetzung von Neurohormonen führen, wurde bereits wissenschaftlich untersucht. Prof. Dr. M. Ptok, Leiter der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie in Hannover berichtet in der Zeitschrift „Sprache-Stimme-Gehör” (Ausgabe 03/2007) von Ergebnissen chinesischer Wissenschaftler, die die Wirkung der Akupunktur auf die Sprachfähigkeit von Aphasiepatienten als positiv herausstellten. Ein großer Teil der untersuchten Aphasikern konnten nach Akupunkturbehandlungen wieder besser bestimmte Laute bilden, was nahe legt, dass die Therapie insbesondere bei motorischer Aphasie Wirkung zeigt. Bei Sprachverständnisstörungen der sensorischen Aphasie eignen sich nach wissenschaftlichen Kriterien eher Biofeedbackverfahren, wobei dem Betroffenen die Rückmeldungen der eigenen physiologischen Vorgänge (Hirnaktivität, Herzfrequenz u.a.) hilft, die gestörte Eigenwahrnehmung zu überwinden.

Entspannungsverfahren und medizinische Hypnose

Der generelle Entspannungseffekt und die Verminderung von Stressreaktionen ermöglicht dem Betroffenen, besser auf die eigene Sprache zugreifen zu können. Schon deshalb bieten sich verschiedene Entspannungsverfahren, wie Progressive Muskelrelaxation (PMR), Autogenes Training (AT), Meditation und Atemübungen, als zusätzliche Maßnahme an. In der therapeutischen Hypnose, bei der diese Entspannungsvoraussetzung ebenfalls gegeben ist, kann darüber hinaus symbolisch und bildhaft der Sprachfluss angeregt werden, z.B. mit der Vorstellung eines fließenden Gewässers, das auf Hindernisse stößt und diese „fließend“ bewältigt. Weil in Hypnose v.a. mit unbewussten Prozessen gearbeitet wird, können auch Menschen mit schweren intellektuellen Einbußen und verminderter Konzentrations- und Merkfähigkeit von der Behandlung profitieren (Burkhard, Revenstorf 2001).

Daneben werden noch weitere, insbesondere pädagogisch ausgerichtete Alternativen der Aphasiebehandlung mit Erfolg eingesetzt, wie etwa tiergestütze Therapien und Gartentherapie. Der Heileffekt der Natur, der immer noch ein angeborenes Prinzip des Menschen zu sein scheint, kann diesem so wieder „zurück zur Sprache“ verhelfen . (Dipl.Päd. Jeanette Viñals Stein)

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Quellen:
Karl-Heinz Friese: Homöopathie in der HNO-Heilkunde, Hippokrates Verlag
Sprache-Stimme-Gehör: “Alternative und komplementäre Therapien bei Kommunikationsstörungen“, Thieme 3/2007
Revenstorf, Burkhard (Hrsg.): Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin“, Springer 2001

Zum Weiterlesen:
Aphasie: Formen und Symptome
Aphasie – Sprachstörung & Kommunikationsstörung