Aphasie: Formen und Symptome

Aphasie-Sprachstörung
Jeanette Vinals Stein

Aphasie: Formen und Symptome

Je nach Lokalisation der Schädigung im Gehirn und den zugehörigen Symptomkomplexen werden gewöhnlich die motorische (Broca Aphasie), sensorische (Wernicke Aphasie), globale und amnestische Aphasie voneinander abgegrenzt.

Motorische Aphasie: Vor allem eine Störung der Sprachproduktion

Von motorischer Aphasie spricht man bei spezifischen aphasischen Symptomen, die bei Schädigung eines bestimmten Hirnareals auftreten. Aufgrund der erstmalig ausführlichen Beschreibung des Symptomenkomplexes im Jahre 1861 durch den französischen Arzt P. Broca wird die motorische Aphasie immer noch „Broca Aphasie“ genannt.

Bei der motorischen Aphasie ist vorwiegend die Produktion von Sprache betroffen, während das Sprachverständnis weitgehend erhalten bleibt. Die Spontansprache wirkt angestrengt und unflüssig mit vielen Pausen. Es kommt vor allem zu Lautverwechslungen innerhalb der Wörter (phonematische Paraphasien, z.B. „Beilstift“ zu „Bleistift“) und teilweise zur Verwendung bedeutungsähnlicher Wörter (semantische Paraphasien, z.B. „Bleistift“ zu „Kugelschreiber“), der Wortschatz wirkt eingeschränkt. Meist können Sätze nur im Telegrammstil produziert werden, da kleine Verbindungswörter wie Artikel (der/die/das) oder Präpositionen (auf/unter/in/hinter) ausgelassen werden (Agrammatismus, z.B. „Junge Schule“ anstatt „Der Junge geht zur Schule“). Der reduzierte, roboterartige Stil macht es schwer, neben den Inhalten auch die transportierten Gefühle des Sprechenden auszumachen. Gerade ehemals gute Erzähler leiden sehr unter diesen sprachlichen Einschränkungen. Auch beim Schreiben und Lesen werden die beschriebenen Probleme deutlich.

Aphasie-Sprachstörung
Die verschiedenen Formen der Aphasie können auf sehr unterschiedliche Ursachen zurückgehen. (Bildnachweis: uschi dreiucker/pixelio.de)

Sensorische Aphasie: Eingeschränktes Sprachverständnis erschwert die Kommunikation

Die Symptome der sensorischen Aphasie wurde im Jahre 1874 von dem deutschen Arzt C. Wernicke beschrieben. Bei der sogenannten „Wernicke Aphasie“, die wiederum nach Verletzung eines umschriebenen Hirnareals auftritt, sind vor allem das Sprachverständnis und die Eigenwahrnehmung stark betroffen. Somit kommt es zu allerlei sinnlos anmutenden Ausführungen, wobei die Sprachproduktion zwar flüssig ist, die Sätze jedoch häufig verschachtelt sind, Satzteile verdoppelt werden und die Ausführungen nicht selten „ins Leere laufen“ .Vielfach kommt es zu Wortverwechslungen und sogar der Neubildung von Wörtern (Neologismen, z.B. „Lernhaus“ zu „Schule“), aber auch zu Lautverwechslungen wie bei der motorischen Aphasie. Bei stark ausgeprägter Symptomatik spricht man gar von einer „Jargon-Aphasie“. Dabei erscheint der Betroffene dem Gesprächspartner sehr verwirrt. Während sensorisch betroffene Aphasiker sich inhaltlich kaum verständlich machen können, werden aber durchaus Stimmung und Intention des Sprechers deutlich, weil Satzmelodie und Betonung erhalten bleiben. Lese- und Schreibfertigkeit sind entsprechend betroffen, wobei vor allem das Lesen leidet unter dem gestörten Sprachverständnis.

Globale Aphasie: Wenn alle Symptome zusammen kommen

Am stärksten eingeschränkt sind Menschen mit einer globalen Aphasie, weil Produktion von Spontansprache und Sprachverständnis gleichermaßen betroffen sein können. Zunächst ist häufig gar keine sprachliche Kommunikation möglich. Vielfach treten Wiederholungen von Wörtern, Silben oder Lauten („tamtamtamtam“) auf, es werden die gleichen Redefloskeln und Worte immer wieder benutzt („Ach, Mensch!“ und „oje, oje, oje“), die in der Fachwelt als Stereotypien und Automatismen bezeichnet werden. Aber auch bei der globalen Aphasie kann es, wie bei der motorischen und sensorischen zu Neubildungen von Wörtern sowie zu groben Laut- und Bedeutungsverwechslungen kommen. Spontane Gespräche sind nicht möglich, Schreib- und Lesefertigkeit gehen – zumindest zeitweise- vollständig verloren. Vielfach besteht eine immense Kommunikationsbehinderung.

Amnestische Aphasie: Mangelnder Zugriff auf den eigenen Wortschatz

Die leichteste Form der aphasischen Störung wird als amnestische Aphasie bezeichnet, weil die Spontansprache dabei vor allem durch Wortfindungsstörungen beeinträchtigt ist. Es treten wenig Laut- und Wortverwechslungen auf, das Sprachverständnis kann –ebenso wie die Lese- und Schreibkompetenz- leicht eingeschränkt sein. Die Schwierigkeiten bei der Wortfindung werden meist durch Umschreibung des gesuchten Begriffs ausgeglichen (z.B. „Schule“ als „wo Kinder Schreiben lernen“). Da Menschen mit amnestischer Aphasie häufig auch weniger zusätzliche (körperliche) Einschränkungen bewältigen müssen, bleibt ihre Kommunikationsfähigkeit weitgehend erhalten. Dennoch leiden sie unter ihren Symptomen, insbesondere, weil ihre leichten sprachlichen Ausfälle in Beruf (z.B.Telefonate) und Alltag (z.B. Einkauf) befremdlich auf ihre Gesprächspartner wirken und die Betroffenen sich dessen durchaus bewusst sind. (Dipl.Päd. Jeanette Viñals Stein, Heilpraktikerin)

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Literatur:
Masuhr, Neumann: Neurologie, Thieme 2007

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