Aphasie – Sprachstörung & Kommunikationsstörung

Sprachstörung
Jeanette Vinals Stein

Zentrale Sprachstörung und Kommunikationsstörung

Als Aphasien werden erworbene, zentrale Sprachstörungen bezeichnet, die vor allem durch Schädigung eingegrenzter Hirnareale, insbesondere nach Schlaganfällen, auftreten. Je nach betroffenem Bereich unterteilt man in motorische, sensorische, globale und amnestische Aphasie mit typischen Symptomkomplexen, obwohl der Verlauf der Sprachstörung bei näherer Betrachtung sehr individuell ist. Seltener kommen kindliche Aphasien vor, häufig besteht die Ursache dafür in einer Unfallverletzung.

Inhaltsverzeichnis

Der Schlaganfall gilt als Hauptursache für aphasische Störungen

Aphasie heißt wörtlich übersetzt „ohne Sprache“ und kann grundsätzlich Menschen aller Altersklassen betreffen. Das Vorkommen von Aphasien ist zahlenmäßig nicht einheitlich angegeben, zu rechnen sei in Deutschland mit rund 50.000 behandlungsbedürftigen Aphasien allein durch Schlaganfälle (Springer, Schrey-Dern 2006). Der von medizinischen Laien als „Schlaganfall“ bezeichnete Hirninfarkt (Apoplex), zu dem es vor allem durch den Verschluss von Arterien in einer (meist der linken) Gehirnhälfte kommt, macht mit 80% den Hauptanteil der Ursachen insgesamt aus. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Bei Kindern beläuft sich die Häufigkeit nach einer Schätzung des Bundesverbands Aphasie e.V. auf ca. 3000 Aphasien jährlich, insbesondere als Folge eines Schädel-Hirn-Traumas. Weiterhin kommen als Ursachen Hirnentzündungen oder Hirntumoren in Frage.

Aphasie als Kommunikationsstörung

Aphasien stellen mit zwei Drittel die häufigsten neuropsychologischen Syndrome dar. In Anbetracht der Bedeutung von Sprache im zwischenmenschlichen Miteinander, sei es beruflich oder privat, kann eine Aphasie als Kommunikationsstörung mit weitreichenden psychosozialen Folgen bezeichnet werden. Neben der eigentlichen Sprachstörung kommt es aufgrund der Hirnschädigung vielfach zu weiteren Störungen und Einschränkungen, nämlich zu Wahrnehmungsstörungen und Lähmungen einer Körper- und Gesichtshälfte (Hemiparese; Fazialparese) sowie der Sprechorgane (Zunge, Lippen, Rachen, Kehlkopf).

Sprachstörung
Die Sprach- und Kommunikationsstörung in Form der Aphasie ist für die Betroffenen oft sehr belastend. (Bildnachweis: Rainer Sturm/pixelio.de)

Die Koordination von Bewegungsabläufen, z.B. für Sprechvorgänge, inklusive Stimmgebung und Atmung (Dysarthrie; Dysarthrophonie), kann gestört sein. Möglicherweise treten Schluckstörungen (Dysphagien) auf, ebenfalls sind Konzentrations- und Merkfähigkeit mitbetroffen. Mit jeder weiteren der genannten Störungen vermindert sich die Kompetenz, sprachlich und nichtsprachlich, z.B. mit Gestik und Gesichtsausdruck, zu kommunizieren. Häufig berichten Angehörige von Stimmungsschwankungen und Persönlichkeitsveränderungen des Betroffenen, wobei nicht immer eindeutig ist, ob sie als direkte Folge der Hirnschädigung oder sekundär als Reaktion auf die entstandene Behinderung zu bewerten sind. In jedem Fall stellt die Aphasie eine mehr oder weniger große Veränderung sowohl für den Betroffenen als auch für seine Umgebung dar, die bewältigt werden muss. Bedeutsam für Alltag und Sprachtherapie ist auch die Tatsache, dass bei mehrsprachigen Aphasikern die Muttersprache am ehesten erhalten bleibt. (Dipl.Päd. Jeanette Viñals Stein, Heilpraktikerin)

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Quellen und weitere Informationen:
L. Springer, D. Schrey-Dern (Hrsg.): Klinik und Rehabilitation der Aphasie, Georg Thieme Verlag KG 2006
Online-Präsenz des Bundesverbands für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. www.aphasiker.de
Masuhr, Neumann: Neurologie, Thieme 2007

Weiterlesen:
Aphasie: Formen und Symptome
Aphasie: Behandlungsmöglichkeiten