Augenherpes: Ursachen, Behandlung und Hausmittel

Dr. Utz Anhalt

Augenherpes – Die unbekannte Gefahr

Die unangenehmen Bläschen an den Lippen kennt jeder, und viele denken ausschließlich daran, wenn sie das Wort Herpes hören. Fast unbekannt ist jedoch Herpes am Auge, das sich zudem in vollkommen anderen Symptomen äußert. Augenherpes ist also keine eigenständige Krankheit, sondern eine Form der bekannten Gürtelrose.

Symptome

Bei einem Augenherpes bilden sich keine Bläschen, sondern ein Auge ist rot oder juckt. Es handelt sich nicht um ein kosmetisches Problem: Die Augenentzündung kann in die Hornhaut eindringen und im Ernstfall Sehstörungen auslösen oder sogar Blindheit. Deswegen sollen Sie unbedingt zum Augenarzt gehen.

Herpes am Auge äußert sich unter anderem durch Rötungen, Juckreiz und ein Fremdkörpergefühl. (Bild: andreaskoch02/fotolia.com)

Die Betroffenen fühlen sich, als hätten sie einen Fremdkörper im Auge. Die Bindehaut nässt und ist morgens verklebt.

Hinzu kommen ein Schwächegefühl, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Fieber und Unwohlsein.

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Verschlepptes Herpes vom Mund

Augenherpes ist meist Herpes im Mund, dass die Betroffenen in die Augen verschleppen. Das passiert schnell, zum Beispiel, wenn wir uns an den infizierten Lippen kratzen und mit dem gleichen Finger danach in den Augen reiben.

Da sich Herpes aber vor allem im Mundbereich ausbreitet, ist eine Erkrankung an den Augen relativ selten.

Meist besteht zuerst ein Mundherpes. Wenn wir uns an der Lippe kratzen und anschließend mit dem gleichen Finger das Auge berühren, wird das Virus schnell übertragen. (Bild: lavizzara/fotolia.com)

Behandlung

Die Infektion lässt sich leicht behandeln und heilt mit den richtigen Medikamenten schnell aus. Unbehandelt kann die Entzündung jedoch die Sehkraft schwer und auf Dauer schädigen; das Herpesvirus zerstört dann tiefere Schichten im Auge.

Verwechslung

Augenherpes lässt sich leicht verwechseln. Ein Parasit – die Akanthamöbe – frisst sich durch die Hornhaut und wandert bis zum Rückenmark. Jedes Jahr infizieren sich circa 200 Menschen in Deutschland mit diesem Erreger, häufig durch ungepflegte Kontaktlinsen. Die Symptome, gerötete und juckende Augen, sind ähnlich.

Mediziner verwechseln Augenherpes oft auch mit anderen Infektionen, sei es durch Bakterien oder Pilze. Dann verschreiben sie ein Antibiotikum und halten die Krankheit für ausgeheilt, wenn die Symptome nach einigen Tagen verschwinden. Die Herpesviren bleiben aber im Organismus und können über die Nervenbahnen sogar in das Gehirn eindringen.

Ein Betroffener schreibt: „Ich leide seit meinem sechsten Lebensjahr an Augenherpes, mittlerweile bin ich 29 Jahre alt. Bis zu meinem 25. Lebensjahr konnte mir kein Arzt sagen, was ich wirklich habe. Ich war bei sämtlichen Ärzten, Hautarzt, Augenarzt, Allgemeinmediziner usw., auch Allergietests haben nichts ergeben. Ich kannte auch keinen der an der gleichen Krankheit litt, bis ich zu einem Augenarzt kam, dessen Tochter genau die gleichen Symptome aufwies. Jetzt endlich wusste ich, wie ich Augenherpes vorbeugen kann und welche Salbe ich benutzen muss, um eine Verbreitung im ganzen Gesicht zu vermeiden.“

Warum ist eine frühe Diagnose wichtig?

Die Herpesviren vermehren sich zuerst in der Bindehaut. Werden sie nicht frühzeitig bekämpft, breiten sie sich in der Hornhaut aus. Das führt zu Narben, Eintrübungen und bisweilen zum Erblinden. Im schlimmsten Fall hilft nur noch eine Hornhaut-Transplantation.

Sehr selten infiziert das Virus auch die Aderhaut zwischen Netzhaut und Augapfel. Fällt diese Region aus, wird die Netzhaut nicht mehr versorgt – das bedeutet Blindheit.

Selten entsteht ein Loch in der Netzhaut, dadurch können Bakterien eindringen und Grünen wie Grauen Star auslösen.

Ist das Herpes-Virus einmal im Körper, kann es unter bestimmten Umständen jederzeit wieder aktiv werden. (Bild: Spectral-Design/fotolia.com)

Die Viren bleiben im Körper

Wenn der Erstbefall stark war, reaktiviert sich das Virus später oft und eine erneute Erkrankung verläuft meist schlimmer. In den Nervenzellen „schlafende“ Herpes-Viren können jederzeit wieder aktiv werden, wenn das Immunsystem der Betroffenen schwächelt. Dazu reicht ein grippaler Infekt oder langer Aufenthalt in der Sonne.

Sind die Viren erste einmal im Körper, lassen sie sich nicht mehr vollständig entfernen. Deshalb ist es gerade bei einer Erstinfektion nötig, die Viren am Vermehren zu hindern.

Dazu dient ein Virustatikum mi Aciclovir. Es gibt diese Substanz auch als Augentropfen, aber eine systemische Anwendung ist effektiver. Allerdings wird Trifluridin, das ebenfalls gegen Augenherpes hilft, nur in Tropfenform verabreicht.

Zusätzliche Infektionen

Augenherpes kann weitere Erkrankungen nach sich ziehen, nämlich dann, wenn sich aus dem Herpes Wunden bilden, in die Bakterien eindringen können. Dagegen helfen Antibiotika.

Was können Betroffene tun?

Bei Augen- wie bei Lippenherpes sollten die Betroffenen Stress und Sonnenlicht vermeiden. Das Auge zu kühlen lindert die Symptome. Sie können dazu Kühlakkus in das Gefrierfach legen, in ein Tuch wickeln und auf das entzündete Auge legen.

Vorsicht: Auf keinen Fall eigenmächtig rezeptfreie Augentropfen verwenden. Sie drosseln nämlich die Versorgung des Auges mit Flüssigkeit und verschlimmern so die Symptome.

Herpesinfektionen lassen sich nicht selbst behandeln.

Die Ansteckungsgefahr ist zwar niedrig, trotzdem sollten Betroffene die Ansteckung ihrer Mitbewohner verhindern. Waschen Sie ihre Kleidung mit desinfizierendem Waschmittel und nutzen Sie keine gemeinsamen Handtücher oder Waschlappen.

Küsschen auf die Augen sollten ihre Partner in der Zeit der akuten Infektion vermeiden.

Auf eine Selbstbehandlung mit Augentropfen sollte unbedingt verzichtet werden. Denn dadurch können sich die Beschwerden noch verstärken. (Bild: lpictures/fotolia.com)

Fast jeder trägt das Virus in sich

Das Herpesvirus ist weit verbreitet, und die meisten Betroffenen nehmen es in der Kindheit auf, meist durch Lippenkontakt von Erwachsenen. Allerdings bricht nur bei wenigen die Krankheit aus.

Vorbeugen

Vorbeugen heißt bei Herpes zuerst Hygiene: 90 % aller Menschen tragen die Viren in sich, und so geht es primär darum, einen Ausbruch zu vermeiden. Das schaffen Sie am besten, indem Sie ihr Immunsystem stärken, also sich gesund ernähren, genug schlafen und übermäßigen Stress vermeiden.

Achten Sie darauf, dass Sie eine akute Infektion an den Lippen, der Nase oder anderen Stellen des Körpers nicht auf die Augen übertragen. Waschen Sie sich also die Hände, bevor sie die Augen reiben, wenn Sie vorher die betroffenen Stellen anfassten. (Dr. Utz Anhalt)