Blaseninfekt / Harnblaseninfektion

blaseninfekt
Fabian Peters

Ein Blaseninfekt wird in den meisten Fällen durch Bakterien hervorgerufen, die sich innerhalb der Harnblase einnisten und vermehren. Theoretisch sind auch Infektionen mit Viren oder einzelligen Parasiten (Protozoen wie Trichomonas vaginalis) möglich, doch kommen diese in der Praxis nur äußerst selten vor. Folge der Harnblaseninfektion ist in der Regel eine Blasenentzündung (Zystitis), die ihrerseits mit äußerst unangenehme Beschwerden wie Schmerzen beim Wasserlassen, Unterleibs- und Flankenschmerzen einhergehen kann.

Definition

Als Blaseninfekt werden sämtliche pathologischen Vermehrungen von Bakterien, Viren oder Einzellern im Bereich der Harnblase bezeichnet. Sie fallen in das weite Spektrum möglicher Harnwegserkrankungen und sind hier abzugrenzen gegenüber Infektionen des Harnleiters, der Harnröhre oder des Nierenbeckens.

Urinuntersuchung
Eine Urinuntersuchung gibt Aufschluss über Infektionen der Harnwege und Blase. (Bild: www.fotolia.com © Jürgen Fälchle)

Symptome

Eine Infektion der Harnblase zeigt sich meist in Form akuter Entzündungserscheinungen der Schleimhäute im Blaseninneren. Diese werden von einem ständigen Harndrang bei gleichzeitig geringer Urinabgabe, Schmerzen beim Wasserlassen und anhaltenden unangenehmen Schmerzen im Unterleib begleitet. Mitunter zeigen sich auch leichte Blutrückstände im Urin und die Betroffenen haben eine erhöhte Körpertemperatur. Nicht selten geht die Infektion von der Blase auch auf andere Abschnitte der Harnwege oder gar die Nieren über. Beispielweise entwickeln Betroffene eine Nierenbeckenentzündung oder auch eine Nierenentzündung. Mögliche Folgen sind Nierenschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen. Schwerwiegende Entzündungen der ableitenden Harnwege und Nieren führen gelegentlich zu deutlich sichtbaren Veränderungen des abgegebenen Urins, beispielsweise in Form einer Hämaturie (vermehrt rote Blutkörperchen im Urin) oder einer Proteinurie (vermehrt Eiweiß im Urin).

Erreger

Auslösende Erreger sind in der Regel Bakterien, insbesondere aus der Gattung Escherichia coli. Diese sogenannten Kolibakterien gelangen von der Genital- oder Analregion aus in die Harnwege, steigen bis zur Harnblase auf und beginnen sich hier zu vermehren. Infektionen mit Escherichia coli sind für einen Großteil der Blaseninfekte verantwortlich (einige Quellen sprechen von über 90 Prozent). Als weitere Bakterien, die eine Harnblaseninfektionen auslösen können, sind zum Beispiel Staphylokokken und Enterokokken zu nennen. In seltenen Fällen kann ein bakterieller Harnblaseninfekt auch durch Bakterien der Gattung Proteus mirabilis, Chlamydia trachomatis oder Klebsiellen ausgelöst werden.

Theoretische können Viren ebenfalls einen Infekt in der Blase verursachen, wenn sie in das Innere der Harnblase gelangen. Zum Beispiel sind humane Adenoviren als mögliche Auslöser einer Blaseninfektion und entsprechender Blasenentzündungen bekannt. In der Praxis ist dies jedoch nur äußerst selten der Fall, da die körpereigenen Schutzmechanismen ein Eindringen der Erreger in die Harnblase relativ effektiv verhindern. Gleiches gilt für parasitäre Infektionen der Harnblase mit sogenannten Protozoen (beispielsweise Trichomonas vaginalis). Eine vor allem in den tropischen und subtropischen Regionen der Welt verbreitete parasitäre Form der Harnblaseninfektion, ist indes die sogenannte Schistosomiasis. Sie wird durch Pärchenegel (spezielle Saugwürmer) hervorgerufen, deren Larven (Zerkarien) in Gewässern leben und durch die Haut in den Organismus eindringen können. Einmal im Organismus angekommen, wandern die Larven in unterschiedliche Körperregionen und entwickeln sich zu ausgereiften Pärchenegeln. Die Egel der Gattung Schistosoma haematobium nisten sich dabei in der Blasenwand ein, während andere den Dickdarm oder Dünndarm befallen. In der Blasenwand legen die Pärchengel auch ihre Eier, welche anschließend das Gewebe durchdringen, so ins Innere der Blase gelangen und mit dem Urin ausgeschieden werden. Das Durchdringen der Blasenwand ist begleitet von einer entzündlichen Reaktion der Schleimhäute beziehungsweise einer Blasenentzündung, die bei unterlassener Behandlung in ein chronisches Stadium übergeht.

Ursachen und Risikofaktoren

Normalerweise verhindern die körpereigenen Abwehrmechanismen ein Aufsteigen von Bakterien und anderen Krankheitserregern über die Harnröhre. Hier spielt einerseits der stetige Harnstrom in Richtung Ausgang der Harnröhre eine Rolle, mit dem ein Großteil der Erreger ausgeschwemmt wird. Anderseits werden die potenziellen Krankheitserreger von den Antikörpern (Immunglobulin A) des sogenannten Urothels – dem mehrschichtigen Deckgewebe innerhalb der Harnwege – bekämpft. Möglich Faktoren, die ein Aufsteigen der Erreger bis in die Harnblase begünstigen können, sind zum Beispiel Harnabflussstörungen beziehungsweise Beeinträchtigungen der Blasentleerung. Ist das Immunsystem insgesamt geschwächt, wie beispielsweise oftmals bei Patienten mit Diabetes oder bei Krebspatienten nach einer Chemotherapie, kann dies ebenfalls eine Harnblaseninfektion begünstigen. Auch Ungleichgewichte im Hormonhaushalt, wie beispielsweise ein Östrogenmangel oder ein Androgenüberschuss gelten als begünstigende Faktoren für Infektionen der Harnblase.

Unterkühlungen, wie sie beispielsweise beim Tragen nasser Badehosen und Badeanzüge auftreten können, sind als Risikofaktor für Harnblaseninfektionen bekannt. Die nasse Badebekleidung bietet gute Voraussetzungen für ein Eindringen der Bakterien über die Harnröhre und die Immunabwehr wird durch das Auskühlen des Unterleibs zusätzlich geschwächt. Nicht zuletzt ist auch häufiger Geschlechtsverkehr als Risikofaktor für Infektionen der Harnblase zu erwähnen, da hierdurch der Keimtransfer erleichtert und somit ein Aufsteigen über die Harnröhre begünstigt wird. Werden im Zuge medizinischer Eingriffe Gegenstände in die Harnwege eingebracht, wie beispielsweise bei einer Blasenspiegelung oder Legung eines Blasenkatheters, besteht ebenfalls die Gefahr, dass Krankheitserreger in die Blase gelangen und sich hier anschließend vermehren.

Allgemein sind Frauen aufgrund ihrer Anatomie (kürzere Harnröhre, Nähe zwischen Harnröhrenöffnung, Vagina und After) deutlich häufiger von einem Blaseninfekt betroffen als Männer. Bei Frauen spielt zudem das bakterielle Milieu in der Vagina – die sogenannte Scheidenflora – bei der Abwehr von Keimen ein besondere Rolle. Wird diese beispielsweise durch Einnahme von Antibiotika beeinträchtigt beziehungsweise sterben hierdurch die „gesunden“ Bakterien der Scheidenflora ab, können sich schädliche Bakterien unverhältnismäßig vermehren und auf diese Weise einen Blaseninfekt verursachen.

Diagnose

Ergibt sich aus der Anamnese der Verdacht auf eine Blaseninfektion, sind im nächsten Schritt Analysen des Urins vorgesehen, um mögliche Krankheitserreger nachzuweisen und zu identifizieren. Mit Hilfe spezieller Teststreifen können Abbauprodukte von Bakterien sowie rote und weiße Blutkörperchen im Urin festgestellt werden. Auch werden die Erreger unter Umständen unter dem Mikroskop erkennbar. Das Anlegen von Bakterienkulturen auf Basis der Urinprobe, dient der gezielten Erregerbestimmung. Sind Protozoen Ursache des Blaseninfekts, lassen sich diese über die mikroskopische Untersuchung eines Abstrich der Vagina oder der Harnröhre nachweisen. Eine begleitende Blutuntersuchung liefert nicht nur allgemein Hinweise auf Entzündungsprozess im Organismus oder mögliche Beeinträchtigungen der Nierenfunktion, sondern unter Umständen lassen sich bei ausgeprägten Infektionen auch Erreger in der Blutbahn nachweisen. Besteht der Verdacht, dass die Infektion auf andere Organe übergegangen ist, sind entsprechende weiterführende Untersuchungen erforderlich.

Da ein Großteil der Blasinfektionen bakteriell bedingt ist, sind Antibiotika in der Regel ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. Angesichts der wachsenden Verbreitung resistenter Erreger ist die Auswahl der geeigneten Antibiotika heute jedoch deutlich schwieriger als noch vor einigen Jahren. Im Zweifelsfall muss hier eine entsprechende Umstellung auf ein anderes Präparat erfolgen. Letztendlich lässt sich ein bakterieller Blaseninfekt mittels Antibiotika jedoch in dem meisten Fällen erfolgreich therapieren. Begleitend können schmerzlindernde und krampflösende Arzneien Anwendung finden.

Parasitäre Blaseninfektionen werden ebenfalls auf medikamentösem Wege therapiert, wobei gegen Trichomonas vaginalis sogenannte Nitroimidazole eingesetzt werden und gegen die Schistosomiasis spezielle Wurmmittel (Anthelminthika) Anwendung finden. Bei viralen Infektionen im Blasenbereich stellt sich die Therapie in der Regel deutlich schwieriger dar und die Betroffenen sind vor allem auf ihre Selbstheilungskräfte angewiesen. Lediglich eine medikamentöse Linderung der Symptome kann hier begleitend in Frage kommen. Allgemein wird den Betroffenen bei einer Blaseninfektion empfohlen, viel Flüssigkeit aufzunehmen, um die Erreger auszuschwemmen. Mindesten zwei Liter Wasser oder (Blasen-)Tee sind hier angeraten.

Naturheilkunde bei Blaseninfektionen

Aus dem Bereich der Naturheilkunden sind vor allem Blasentees auf Basis unterschiedlicher antibakterieller, harntreibender und entzündungshemmender Heilpflanzen bei Blaseninfektionen empfehlenswert. Eine leichte Blaseninfektion lässt sich mit ihrer Hilfe oftmals ohne weitere Medikamente therapieren. Insbesondere Bärentraubenblätter, Birkenblätter, Buccoblätter, und Orthosiphonblätter kommen hier zum Einsatz. Nicht selten werden auch Goldrutenblätter gegen begleitende Unterleibskrämpfe angewandt. Extrakte der Eibischwurzel sollen darüber hinaus der Schleimhautentzündung im Inneren der Blase entgegenwirken. Ein spezielles Extrakt aus Meerrettich und Kapuzinerkresse kann als pflanzliches Antibiotikum gegen bakterielle Blaseninfektionen zur Anwendung kommen. Auch sind oftmals begleitende Maßnahmen, die allgemein das Immunsystem stärken, Bestandteil der Therapie. Preiselbeersaft wird bei bakteriellen Blaseninfekten ebenfalls eine positiv Wirkung zugeschrieben, da der Saft die Ansiedlung beziehungsweise Ausbreitung von Bakterien behindert, entzündungshemmend auf die Schleimhäute wirkt und die Ausscheidung der Bakterien fördert. Preiselbeersaft hat auch eine prophylaktische Wirkung gegenüber Blaseninfektionen, weshalb gefährdeten Patienten die tägliche Einnahme empfohlen wird.

Aus dem Bereich der Homöopathie werden gegen Blaseninfektionen beziehungsweise Blasenentzündungen zum Beispiel Mittel wie Apis, Cantharis, Nux Vomica und Sarsaparilla angewandt. Die Auswahl sollte jedoch erfahrenen Therapeuten vorbehalten bleiben und wenn die Präparate nicht zeitnah zu einer Linderung führen, ist auf herkömmliche Arzneien zurückzugreifen.

Vorbeugung

Generell ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr für Patienten, die zu Blaseninfekten neigen, von besonderer Bedeutung. Auch sollten insbesondere Frauen die gängigen Hygieneempfehlungen beachten und nach dem Toilettengang mit dem Klopapier stets von vorne nach hinten hin abwischen, um einen Eintrag von Bakterien aus der Analregion Richtung Vaginalöffnung zu vermeiden. Störungen des Scheidenmilieus, die eine Ausbreitung von Bakterien begünstigen, können beim Duschen oder Baden zum Beispiel durch intensives Reinigen der Genitalregion mit Duschgel oder Seife verursacht werden. Hier wird empfindlichen Frauen dazu geraten, lediglich warmes Wasser für die Reinigung zu nutzen.

Auch sollten Risikopatienten allgemein darauf achten, ihren Harndrang nicht zurückzuhalten, sondern umgehend auf die Toilette zu gehen. Denn mit der Entleerung der Blase werden auch die Erreger ausgeschieden. Dies gilt in besonderem Maße nach dem Geschlechtsverkehr. Idealerweise wird hier innerhalb der ersten viertel Stunde nach dem Geschlechtsakt die Blase entleert. Das Risiko einer Blaseninfektion in der Badesaison, lässt sich durch das Wechseln der feuchten Badebekleidung unmittelbar nach dem Baden und das Vermeiden übermäßig langer Aufenthalte im Wasser deutlich reduzieren. Nicht zuletzt ist das tägliche Wechseln der Unterwäsche angeraten, um der Ausbreitung von Bakterien und deren Eindringen in die Harnwege entgegenzuwirken. (fp)

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de