Entzündungen des Augenlids: Gerstenkorn

Ein Gerstenkorn ist für die Betroffenen äußerst unangenehm, heilt jedoch in der Regel nach rund einer Woche von alleine wieder ab. (Bild: Heiko Barth/fotolia.com)
Jeanette Vinals Stein

Augenlidentzündungen: Äußeres und inneres Gerstenkorn (Hordeolum)

Ein Gerstenkorn ist angesichts der deutlich sichtbaren Krankheitszeichen am Auge und der hinzukommenden Schmerzen für die Betroffenen ein sehr unangenehmes Beschwerdebild. An sich nimmt diese spezielle Entzündung des Augenlids jedoch meist einen harmlosen Verlauf und heilt nach einigen Tagen von selbst wieder ab. Durch therapeutische Maßnahmen, aber auch durch verschiedene Hausmittel lässt sich die Heilung zusätzlich unterstützten.

Hält das Gerstenkorn länger als eine Woche an, sind deutliche Ausweitungen der Entzündung erkennbar, kommen weitere Symptome wie beispielsweise Fieber oder Kopfschmerzen hinzu und/oder zeigen sich wiederholt entsprechende Lidentzündungen, so sollte dringend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Definition

Das Gerstenkorn (Hordeolum) beschreibt die Entzündung einer Talg- oder Schweißdrüse am Augenlid. Ist die außen liegenden Moll- oder Zeis-Drüse betroffen, wird dies in der Medizin als Hordeolum externum bezeichnet, während bei einer Entzündung der innen liegenden Meibom-Drüse von einem Hordeolum internum die Rede ist. Das Gerstenkorn ist im Prinzip ein kleiner Abszess am Augenlid und damit eine spezielle Form der Augenlidentzündung (Blepharitis).

Ein Gerstenkorn ist für die Betroffenen äußerst unangenehm, heilt jedoch in der Regel nach rund einer Woche von alleine wieder ab. (Bild: Heiko Barth/fotolia.com)
Ein Gerstenkorn ist für die Betroffenen äußerst unangenehm, heilt jedoch in der Regel nach rund einer Woche von alleine wieder ab. (Bild: Heiko Barth/fotolia.com)

Symptome

Die Symptomatik bei dem inneren und äußeren Gerstenkorn ist durchaus unterschiedlich. Zwar sind bei beiden Formen Druckempfindlichkeit, Augenjucken und Schmerzen am Augenlid typische Beschwerden, doch das Ausmaß der Rötung und Schwellung kann deutlich variieren. Und weil sich das Hordeolum internum nach innen richtet, besteht hier ein erhöhtes Risiko für Komplikationen.

Meist bildet sich nach etwa zwei bis vier Tagen um die betroffene Drüse ein abgegrenzter Eiterherd. Im weiteren Verlauf platzt das Gerstenkorn schließlich auf, so dass der Eiter abfließen kann und die Entzündung langsam zurückgeht. Bei manchen Betroffenen weitet sich die Entzündung jedoch aus, was zum Beispiel eine Bindehautentzündung oder Entzündungen des gesamten Auges (Orbitalphlegmon) zur Folge haben kann.

Bei einigen schwereren Verläufen entwickeln Betroffene auch Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl und Lymphknotenschwellungen. Ein zeitnaher Arztbesuch ist hier dringend angeraten. Weil von der betroffenen Region aus Venen zum Gehirn führen, können die ursächlichen Erreger auf diesem Wege auch weitere Komplikationen bis hin zu einer lebensgefährlichen Hirnhautentzündung (Meningitis) auslösen.

Ursache des Gerstenkorns ist die bakterielle Infektion einer Drüse am Augenlid mit entsprechender Entzündung. (Bild: Henrie/fotolia.com)
Ursache des Gerstenkorns ist die bakterielle Infektion einer Drüse am Augenlid mit entsprechender Entzündung. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Ursachen

Direkte Ursache des Gerstenkorns ist die bakterielle Infektion einer Talg- oder Schweißdrüse am Augenlid. Häufigster Auslöser sind Bakterien aus der Gattung der Staphylokokken, doch auch andere Erreger können die Erkrankung hervorrufen. Das Infektionsrisiko an sich kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Reibt man sich beispielsweise häufig mit verschmutzten Fingern am Auge, wie kleine Kinder dies häufig tun, ist das Risiko eines Gerstenkorns erhöht. Auch das Tragen von Kontaktlinsen oder viel Makeup werden als prädestinierende Faktoren genannt. Hinzu kommen vorliegende Diabetes-Erkrankungen und allgemeine Schwächungen des Immunsystems als weitere Risikofaktoren. Insbesondere bei wiederholtem Auftreten sollte daher eine ärztliche Überprüfung in dieser Richtung erfolgen.

Diagnose

Anhand des Beschwerdebildes ist das äußerer Gerstenkorn auch für Laien in der Regel gut erkennbar. Bei dem inneren Hordeolum internum ist indes mitunter eine fachärztliche Diagnosestellung erforderlich, um einen Sekretstau der Talgdrüse (Hagelkorn bzw. Chalazion) auszuschließen, der ebenfalls eine Lidentzündung auslösen kann. Ein Hagelkorn ist als eine Art Knoten im Augenlid spürbar und bleibt meist schmerzfrei. Angesichts des Drucks auf den Augapfel müssen größere Hagelkörner oftmals jedoch operativ entfernt werden, was in einem ambulanten Eingriff erfolgen kann.

In der fachärztlichen Untersuchung werden auch die umliegenden Gewebestrukturen untersucht, um mögliche Ausweitungen der Entzündung festzustellen und das Risiko von Komplikationen einzugrenzen.

Behandlung

Grundsäztlich ist es sinnvoll, in der gesamten Entstehungszeit das Auge nicht mit den Händen zu bearbeiten sowie auf Kontaktlinsen und auf Makeup zu verzichten, um den Eintrag weiterer Erreger zu minimieren und eine Übertragung der Infektion auf andere Gewebestrukturen zu vermeiden. Eine lokale Behandlung mit antibiotischen Salben und Augentropfen kann darüber hinaus zur Begrenzung der Infektion und zum Abklingen der Entzündung beitragen.

Platzt das Gerstenkorn nicht von alleine, ist eine chirurgische Öffnung möglich, damit der Eiter abfließen und die Heilung beginnen kann. Der Eingriff wird ambulant unter lokaler Betäubung durchgeführt. Von Versuchen, dass Gerstenkorn eigenständig zu öffnen, ist dringend abzuraten, da erhebliche Komplikationen die Folge sein können.

Im Ernstfall ist die chirurgische Öffnung des Gerstenkorns erforderlich, um die Heilung zu ermöglichen. (Bild: DragonImages/fotolia.com)
Im Ernstfall ist die chirurgische Öffnung des Gerstenkorns erforderlich, um die Heilung zu ermöglichen. (Bild: DragonImages/fotolia.com)

Naturheilkunde

Damit die Heilung einsetzen kann, muss sich das Gerstenorn zunächst öffnen. Hierfür werden in der Naturheilkunde Wärmebehandlung eingesetzt. Sie sollen die Öffnung des Hordeolums beschleunigen, so dass der Eiter abfließen kann. Eine Wärme- beziehungsweise Rotlichtlampe kann hier ebenso als Wärmequelle dienen, wie warme Auflagen, welche in der naturheilkundlichen Behandlung zum Beispiel auf Basis von Kamillenblüten oder Leinsamen hergestellt werden. Auch Auflagen mit Fenchelwasser-Kompressen finden gegen Gerstenkörner Anwendung.

Die Bestrahlung mit Rotlicht kann die Öffnung des Gerstenkorns beschleunigen. (Bild: Jürgen Fälchle/fotolia.com)
Die Bestrahlung mit Rotlicht kann die Öffnung des Gerstenkorns beschleunigen. (Bild: Jürgen Fälchle/fotolia.com)

Da eine Verschleppung und der weitere Eintrag von Erregern drohen, ist bei den Auflagen allerdings grundsätzlich auf strenge Hygiene zu achten und ihre Anwendung ist durchaus umstritten. Gleiches gilt für die traditionell vielfach angewendeten Waschungen, Umschläge und Augenbäder auf Basis von Augentrost. Zwar hatte schon Sebastian Kneipp, Begründer der Kneipp-Medizin, solche Behandlungen empfohlen. Doch müsen die verwendeten Augenwässer steril sein, um keinen weiteren Eintrag von Erregern zu riskieren und es droht eine Verschleppung vorhandener Keime auf umliegende Gewebestrukturen. Hier ist daher mit entsprechender Vorsicht vorzugehen.

Aus dem Bereich der Homöopathie werden vor allem die Wirkstoffe Apis, Hepar sulfuris und Silicea gegen die Entzündungen am Augenlid eingesetzt. Weitere naturheilkundliche Maßnahmen zielen oft auf eine allgemeine Stärkung des Immunsystems, um das Infektionsrisio in Zukunft zu minimieren. Grundsätzlich stehen bei der Prävention des Gerstenkorns die Hygiene der Augen und das Immunsystem im Fokus. (jvs,fp, aktualisiert am 03.08.2016)

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