Fischbandwurm: Symptome, Nachweis und Therapie

Nina Reese
Der Fischbandwurm ist ein Parasit. Er wird circa 20 Meter lang mit 3000 bis 4000 Proglottiden, das sind Segmente, die jedes für sich ein ausgewachsenes sexuell reproduktives System bilden. Der Skolex, das Vorderende dient dazu, sich im Darm des Wirtes anzuheften. Dazu besitzt der Fischbandwurm zwei längliche Saugnäpfe. Seine Eier sind gelblich gefärbt und circa 45 x 70 µm groß.

Verbreitung

Der Fischbandwurm kommt vor allem in subtropischen, gemäßigten und subarktischen Zonen vor, und dort im Gebiet von Seen. Er ist besonders häufig in Nordamerika, Sibirien, Skandinavien, dem Baltikum, Japan und Chile. Sehr häufig erkranken Inuit in Alaska und Nordkanada an Befall mit diesen Bandwürmern. Für die Betroffenen stellt roher Fisch die Hauptnahrung. In Japan sowie inzwischen auch in den USA und Europa, ist der Verzehr von Sushi die wesentliche Ursache, einen solchen Bandwurm aufzunehmen.

Der Verzehr von Sushi zählt zu den häufigsten Ursachen für eine Infektion mit dem Fischbandwurm. (Bild: yuliiaholovchenko/fotolia.com)

Der Befall mit Fischbandwürmern kann in Europa und Nordamerika von einer der folgenden Arten ausgelöst werden, die Symptome sind weitgehend identisch:

  • Diphyllobothrium latum in Europa, besonders auf der Iberischen Halbinsel
  • Diphyllobothrium dendriticum
  • Diphyllobothrium ditremum

Der Lebenszyklus

Menschen infizieren sich durch das Essen von rohen oder nur unzureichend erhitztem Fisch mit dem Parasiten. Der Fischbandwurm ist dabei nicht auf den Menschen als Wirt spezialisiert: Alle Säugetiere, die Fisch fressen, können von ihm befallen sein. Unter den Haustieren sind das vor allem Hunde und Katzen, besonders betroffen sind Schlittenhunde in der Subarktis, die sich hauptsächlich von Fischabfällen ernähren.

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Die Proglottiden enthalten Eier, und diese Wurmeier scheiden die Fischesser mit ihren Fäkalien aus. Gelangen die Exkremente in den Wasserkreislauf, kontaminieren sie die Gewässer, und aus den Eiern wachsen die Korazidien, bewimperte Larven.

Diese nutzen Kleinkrebse der Gattungen Cyclops und Diaptomus als erste Zwischenwirte. Fressen Fische diese Krebse, dann dienen die Fische als zweite Zwischenwirte. Oft handelt es sich um Karpfenartige und sonstige Planktonfresser, bisweilen auch um Raubfische wie Hechte.

Im Fisch reifen die Larven

In den Muskeln des Fisches wachsen die Korazidien zu Plerozerkoiden heran, zu infektiösen Larven. Essen Menschen jetzt diese Fische, dann gelangen die infektonsfähigen Larven in den menschlichen Dünndarm, wo sie mehrere Jahre leben können. 3 Wochen nach der Infektion enthält der Kot die ersten Eier. Diese Eiern scheidet der Wurm über das letzte Segement aus.
Der Wurm wächst pro Tag um 9 bis 15 cm.

Betroffene merken oft gar nicht, dass sie sich einen Fischbandwurm zugezogen haben. Erst bei starkem Befall treten Symptome wie z.B. Durchfall auf. (Bild: Juan Gärtner/fotolia.com)

Meist gibt es keine Symptome

Die Betroffenen merken oft nichts vom Wurmbefall, denn meist zeigen sich keine Symptome. Nur bei einer großen Menge an Bandwurmsegmenten im Körper kann es zu Durchfall kommen, oder die Wurmknäuel verschließen den Gallengang bzw. das Darmlumen. Setzen sich die Würmer im oberen Dünndarm fest, kann ein Vitamin B 12 Mangel die Folge sein.

Der Fischbandwurm nimmt nämlich verstärkt Vitamin B 12 auf, und das fehlt dem menschlichen Körper dann beim Bilden der roten Blutkörperchen. Die Folge ist eine besondere Blutarmut, die perniziöse Anämie.

Diagnose

Meist treten die Eier in Massen im Stuhl auf (bis zu einer Million pro Tag) und lassen sich deshalb einfach nachweisen.

Behandlung

Der Wurmbefall lässt sich einfach behandeln. 90 % der Patienten genesen vollständig, wenn sie ein mal das Wurmmittel Praziquantel einnehmen. Da meist nur ein Bandwurm dieser Arten einen Menschen befällt, gilt der Nachweis des Skolex im Kot als Beleg dafür, dass der Parasit gestorben ist.

Gefahr in Deutschland?

Heimische Fische tragen den Fischbandwurm nur noch selten in sich. Ein höheres Risiko, sich zu infizieren, besteht bei importiertem Fisch aus Nordwestrussland, dem Baltikum und Skandinavien. Touristen setzen sich einem besonderen Risiko aus, wenn sie in Skandinavien oder dem Baltikum, in Japan oder Südamerika die dort beliebten Gerichte mit rohem Fisch zu sich nehmen.

In Nordamerika und der Schweiz kam es zu Befällen mit Fischbandwurm durch die Sushi-Mode.

Wie schützen Sie sich?

Roher Fisch ist nur dann ein Problem, wenn er aus dem Süsswasser kommt. Salzwasserfische tragen den Parasiten nie in sich. Gekochter, geräucherter, gebratener und tief gefrorener Fisch lässt sich bedenkenlos essen, weil die Hitze und Kälte den Erreger tötet.

Gebratener oder gekochter Fisch stellt keine Gefahr dar, denn durch die Hitze sterben die Erreger ab. (Bild: Oskar/fotolia.com)

Gefahr durch Sushi?

Veterinärmedizinische Untersuchungen ergaben, dass in 70% aller Sushi-Produkte keine grenzwertigen Keimmengen vorhanden waren. Vor der Zubereitung lag diese Menge sogar bei 83 %, was im Ergebnis bedeutete, dass 3 % der Keime während der Zubereitung in das Sushi gelangten. Der beigefügte Washabi-Meerettich wirkt zudem desinfizierend.

In Japan allerdings sind durch den vermehrten Verzehr von Sushi inzwischen mehrere hundert registrierte Fälle von wurmausgelösten Erkrankungen zu verzeichnen.

Die deutsche Gesetzgebung schreibt inzwischen vor, dass roh verzehrter Fisch zuvor mindestens 24 Stunden auf bis zu – 20 Grad Celsius abgekühlt werden muss, bevor er verzehrt wird. Das reicht, um den Bandwurm zu eliminieren. Zudem wird Sushi oft sowieso aus tief gekühltem Fisch hergestellt, in den meisten Sushi-Bars in Deutschland sogar fast ausschließlich.

Ein größeres Problem stellt der unter Feinschmeckern seit einigen Jahren beliebte Süsswasser-Carpaccio auf, bei dem Lachs, Forelle oder Hecht in dünne Scheiben geschnitten werden. Da es sich um Feinschmeckerrestaurants handelt, wird den Gästen selbstverständlich kein zuvor tief gefrorener Fisch serviert. (Dr. Utz Anhalt)