Fischvergiftung – Anzeichen und Therapie

fischvergiftung
Fabian Peters

Vergiftungen beim Fischverzehr

Fischvergiftungen bilden eine spezielle Form der Lebensmittelvergiftungen, die nach dem Verzehr von Muscheln, Fischen, Krebsen und anderen marinen Lebewesen auftreten kann. Die Fischvergiftung stellt ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar, dass schlimmstenfalls zum Tod der Betroffenen führen kann. Bei Verdacht auf eine Fischvergiftung sollte daher umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Inhaltsverzeichnis

Definition
Ursachen und Symptome der Fischvergiftung
Diagnose und Behandlung

Definition

Als Fischvergiftung sind im engeren Sinne Intoxikationen zu verstehen, die durch Gifte in marinen Speisen ausgelöst werden. Diese werden auch als Toxidrome beziehungsweise Fischvergiftungs-Toxidrome bezeichnet. Umgangssprachlich findet der Begriff „Fischvergiftung“ jedoch auch bei Magen-Darm-Infektionen, die durch Bakterien in Fischen, Muscheln und Krebsen ausgelöst werden, Verwendung, obwohl es sich hierbei eigentlich nicht um eine Vergiftung handelt. Die Fischvergiftung wird mitunter zudem weiter unterteilt in Fischvergiftungen im eigentlichen Sinne und Muschelvergiftungen.

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Umgangssprachlich gelten auch bakterielle Infektionen durch Speisefische als Fischvergiftung. Bild: www.fotolia.com © Mike Richter

Ursachen und Symptome

Die Fischvergiftung zeigt sich zunächst in der Regel relativ kurzfristig nach der Toxinaufnahme mit massiven Magen-Darm-Beschwerden, wie Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Hier stimmen die Symptome der Fischvergiftungen mit denen, die durch eine Infektion mit pathologischen Mikroorganismen hervorgerufen werden, weitestgehend überein. Doch können die verschiedenen in marinen Speisen enthaltenen Toxine (über 50 toxische Substanzen sind hier bekannt) zahlreiche weitere Beschwerden mit sich bringen. So sind zum Beispiel Saxitoxine, welche sich unter anderem in Miesmuschel oder Austern finden, neben den Magen-Darm-Beschwerden oftmals mit Sehstörungen und schlimmstenfalls mit tödlichen Lähmungen der Atem- oder Herzmuskeln verbunden. Eigentliche Quelle des Gifts sind dabei bestimmte Algen (beziehungsweise Einzeller, die auf diesen leben; sogenannte Dinoflagellaten), welche von den Muscheln aufgenommen werden, wodurch sich die Toxine in den Muscheln anreichern. Saxitoxine können bereits ab einer Dosis von 0,2 Milligramm beim Menschen tödlich wirken.

Auch die sogenannten Ciguatoxine werden von speziellen Gattungen der Dinoflagellaten gebildet und reichern sich anschließend in der marinen Nahrungskette an. Höhere Dose der Ciguatoxine sind daher vor allem in Raubfischen zu finden, die am Ende der Nahrungskette stehen. Beim Menschen lösen die Ciguatoxine eine sogenannte Ciguatera aus, welche mit erhebliche Magen-Darm-Beschwerden, Hautausschlag, einem Taubheitsgefühl beziehungsweise Kribbeln in den Gliedern, Missempfindungen der Lippen und Mundschleimhaut, Lähmungserscheinungen und einem gestörten Temperaturempfinden einhergehen kann. Auch die Ciguatera verläuft mitunter tödlich. Nicht selten leiden die Betroffenen über Wochen – gelegentlich sogar über etliche Monate – an den Beschwerden, insbesondere an einer Kälteüberempfindlichkeit.

Eine besondere Form stellt die Tetrodotoxin-Vergiftung dar. Tetrodotoxin ist auch als Kugelfisch-Gift bekannt und entfaltet nach dem Verzehr eine fatale Wirkung auf die Nerven- und Muskelfunktion. Bereits in der ersten Stunde nach dem Verzehr zeigen die Betroffenen erhebliche Ausfallerscheinungen, wie Lähmungen der Muskulatur, Koordinations- und Bewusstseinsstörungen. Die Lähmungen betreffen dabei unter Umständen auch die Atemmuskulatur, was bei unterlassener medizinischer Versorgung zum Tod der Patienten führt. Ab einer Dosis von 0,5 Milligramm bis einem Milligramm wirkt Tetrodotoxin tödlich.

Neben den hier erwähnten Toxinen können zahlreiche weitere Gifte, wie beispielsweise Okadasäure oder Azaspiracid, für die Fischvergiftung verantwortlich sein. Im Einzelfall muss daher eine differenzierte Betrachtung  erfolgen, um eine angemessene Behandlung der Patienten zu gewährleisten.

Infektionen mit pathologischen Mikroorganismen beim Fischverzehr sind oftmals auf eine mangelnde Einhaltung der Hygienevorschriften und/oder Unterbrechungen der Kühlkette zurückzuführen. Die Keime können sich übermäßig vermehren und führen nach dem Verzehr zu massiven Magen-Darm-Beschwerden. Sie sind allerdings deutlich weniger bedrohlich als die oben dargestellten Intoxikation, da neben Magenschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen in der Regel keine weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen auftreten. Der massive Flüssigkeitsverlust kann jedoch schlimmstenfalls zu einer Dehydratation der Betroffenen führen, die insbesondere für ohnehin geschwächte Patienten ein nicht zu unterschätzendes Risiko darstellt.

Diagnose und Behandlung

Da die ersten Symptome in der Regel relativ kurze Zeit nach dem Verzehr auftreten, ist der Zusammenhang auch für Laien oftmals leicht zu erkennen. Allerdings bleibt zunächst die Frage offen, ob pathologische Mikroorganismen beziehungsweise Bakterien oder Toxine Ursache der Beschwerden sind. Möglicherweise aufgenommene Keime lassen sich anhand einer Stuhlprobe nachweisen, die Toxine können mit Hilfe einer Blutuntersuchung bestimmt werden. Die Behandlung zielt allgemein zunächst auf einen Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes. Bei den Intoxikation ist außerdem gegebenenfalls eine künstliche Beatmung erforderlich. Hier wird anschließend auch versucht, die Wirkung des Gifts zu lindern, wobei jedoch oftmals kein konkretes Gegengift zur Verfügung steht. So kann beispielsweise bei der Ciguatera lediglich eine therapeutische Linderung der Symptome erreicht werden, weil kein Gegengift bekannt ist. Um eine möglichst schnelle Beseitigung der Gifte aus dem Organismus zu erreichen, wird in der Notfallmedizin auch mit Aktivkohle gearbeitet, die in Form von hochdosierten Tabletten dazu beitragen soll, die im Verdauungstrakt befindlichen Giftstoffe auszuscheiden. Bei rechtzeitig eingeleiteter Versorgung der Patienten ist die Fischvergiftung meist in den Griff zu bekommen und führt nur selten zum Tod der Betroffenen. Allerdings setzt dies voraus, dass bei Hinweisen auf eine Fischvergiftung umgehend gehandelt wird. (fp)


Bild: Sigrid Rossmann / pixelio.de