Funktionelle Herzbeschwerden

Susanne Waschke

Nervöse Herzbeschwerden

Bei funktionellen Herzbeschwerden handelt es sich um eine Erkrankung, bei der es zu Brustschmerzen und/oder erhöhter Herzfrequenz kommt. Der Zusatz „funktionell“ bedeutet, dass es sich um eine Erkrankung handelt, bei der keine organischen Ursachen vorliegen. Die Beschwerden treten gehäuft bei ängstlichen, nervösen und unsicheren Menschen auf. Bevor die Diagnose gestellt wurde, haben die Betroffen vielmals eine Odyssee von Klinikeinweisungen, Herzkatheteruntersuchungen und zahlreichen Arztbesuchen hinter sich.

Inhaltsverzeichnis

Funktionelle Herzbeschwerden
Symptome funktioneller Herzbeschwerden
Ausschluss organischer Erkrankungen
Ursachen von funktionellen Herzschmerzen
Teufelskreis der funktionellen Herzbeschwerden
Schulmedizinische Therapie
Naturheilkundliche Therapien

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Symptome funktioneller Herzbeschwerden

Die Betroffenen sind organisch gesund, klagen jedoch über Thoraxschmerzen, Schmerzen beim Arm heben, Herzrasen, innere Unruhe, Angst, Stechen in der Brust und Schmerzen, die bis in die Schulter ausstrahlen können. Die Schmerzen treten belastungsunabhängig und plötzlich auf. Hinzu kommt meist noch ein Beklemmungsgefühl in der Brust. Meist entstehen diese Beschwerden nachts und gehen mit Schweißausbruch und eventueller Atemnot einher. Viele Betroffene meiden körperliche Belastungen, um ihr Herz zu schonen. Jedoch werden meist dadurch die Beschwerden nur noch verstärkt, weil durch mangelnde Ertüchtigung die Leistungsfähigkeit der Herzmuskeln sinkt.

Stethoskop hört ein Stoffherz ab
Das Spekturm möglicher Herzbeschwerden reicht von leichten Herzrhythmusstörungen bis hin zu einem Herzinfarkt. Bild: www.fotolia.com © Alterfalter

Ausschluss organischer Erkrankungen

Um eine Diagnose „funktionelle Herzbeschwerden“ zu stellen, müssen zuerst organische Ursachen, mit Hilfe verschiedenster Untersuchungsmethoden, ausgeschlossen werden. Eine koronare Herzkrankheit muss in Betracht gezogen, und andere Erkrankungen wie ein durchlebter Herzinfarkt, Bluthochdruck, Lungenerkrankungen, obere Rückenschmerzen oder Erkrankungen der Wirbelsäule, die mit Thoraxschmerzen einhergehen, sollten differentialdiagnostisch abgeklärt werden. Nach der Diagnosestellung „Funktionelle Herzbeschwerden“ fühlen sich die meisten Patienten allein gelassen, da die Schulmedizin kaum Behandlungsmöglichkeiten anbietet. Allerdings bestehen zahlreiche Therapien, die die Beschwerden lindern oder sogar heilen.

Ursachen von funktionellen Herzschmerzen

Verschiedenste Einflüsse können zu funktionellen Herzbeschwerden führen. Körperliche Abläufe werden nicht allein vom Körper beeinflusst, sondern unterliegen ebenso der Psyche und dem Geist. Bei den Betroffenen besteht häufig eine verstärkte Erregbarkeit des vegetativen Nervensystems. Dadurch sind Empfindungen körperlicher aber auch seelischer Art gesteigert. Kleine, jedoch völlig normale körperliche Veränderungen, können zu funktionellen Herzbeschwerden führen.

Meist ist bei den Betroffenen auch die Belastbarkeit bezüglich Stress, Problemen und Veränderungen im Leben nicht gerade hoch. Einschneidende Ereignisse, wie zum Beispiel eine Trennung können schnell das Beschwerdebild der Herzbeschwerden hervorrufen. Bei circa dreißig Prozent der Betroffenen liegen eine Depression, eine Angst- oder Panikstörung als Ursache zugrunde.

Früher wurden die funktionellen Herzbeschwerden ausschließlich jüngeren Menschen zugeschrieben. Mittlerweile existieren immer mehr ältere Patienten, die unter genannten Symptomen leiden. Häufig ist dies auch im Zusammenhang mit organischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Mitralklappenfehler, Wirbelsäulenveränderungen, und koronaren Microangiopathien (Erkrankungen der kleinen Blutgefäße), zu beobachten.

Teufelskreis der funktionellen Herzbeschwerden

Da es sich häufig um ängstliche Patienten handelt, kann in Verbindung mit den Herzschmerzen, Herzstolpern, Herzklopfen und Atemnot starke Angst hinzukommen, was das Ganze natürlich noch verschlimmert. Bei Angst schüttet der Körper Stresshormone aus. Diese tragen zu einer Verengung der Gefäße bei, was einen Blutdruckanstieg und eine erhöhte Herzschlagfrequenz nach sich zieht. Der nervöse und auch ängstliche Patient nimmt dies nicht als „normal“ wahr, sondern bekommt daraufhin noch mehr Angst. Der Teufelskreis ist perfekt.

Schulmedizinische Therapie

Leiden Betroffene unter Bluthochdruck sind Betablocker das Mittel der Wahl. Diese senken den Blutdruck und reduzieren auch die Herzfrequenz. Bei Bedarf kommen Antidepressiva zum Einsatz. Gesprächstherapien sind wichtig, um die eigenen Bewältigungsstrategien zu überdenken und eventuell erworbene Verdrängungsmechanismen aufzulösen. Meist wird vom Hausarzt eine Verhaltenstherapie verordent. Dem Patienten wird im Rahmen der Therapie erläutert, wie das Herz funktioniert und welche Symptome auf eine Herzerkrankung hinweisen. Im weiteren Verlauf soll der Betroffene seine Leistungsfähigkeit testen, um zu spüren, dass die Steigerung der Herzfrequenz im Rahmen von sportlichen Aktivitäten ein normaler körperlicher Vorgang ist.

In diesem Kontext wird empfohlen, Ausdauersport zu betreiben, um eine Leistungssteigerung des Herzens herzustellen. Wichtig ist, dass die Intensität der Sportart langsam und kontinuierlich je nach körperlicher Verfassung gesteigert wird. In Frage kommen Ausdauerlaufen, Fahrradfahren, Schwimmen, ausgiebige Spaziergänge oder Walken. Um einen positiven Effekt zu produzieren, sollte mindestens drei mal pro Woche eine Stunde Sport mit einer leichten Erhöhung der Herzfrequenz (zwischen 100 und 130 Pulsfrenquenz) erfolgen. Bereits nach einigen Monaten Sport und Therapie berichten die meisten Patienten von einer Besserung der vermeintlichen Herzschmerzen. Um Kalium- und Magnesiummangel auszuschließen, sollte auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung geachtet werden. Viel Kalium enthalten beispielsweise Bananen oder Pistazien. Vorhandenes Übergewicht sollte reduziert werden, um das körperliche Wohlbefinden zu steigern.

Naturheilkundliche Therapien

Bei funktionellen Herzbeschwerden kommen naturheilkundliche Therapien zum Einsatz, die die psychische Belastbarkeit erhöhen, den Körper kräftigen und Ängste reduzieren sollen.

Ausleitende Verfahren, wie das Schröpfen oder die Baunscheidttherapie im Bereich des Nackens und zwischen den Schulterblättern werden eingesetzt. Dort befindet sich das sogenannte psychogene Dreieck. Hier verabreichte Anwendungen wirken sich positiv auf die Psyche aus. So helfen Injektionen mit den verschiedensten Komplexhomöopathika, je nach Ausgangslage des Patienten, gegen Nervosität und Ängste.

In der Homöopathie sind Pflanzen, wie Cactus (Königin der Nacht), Ignatia (Ignatiusbohne), Gelsemium (Wilder Jasmin) oder Coffea (Rohkaffee) häufig verabreichte Mittel. Diese werden, je nach Anamnese, in Hoch- oder Tiefpotenzen angewandt.

Die Hydrotherapie ist ebenso eine naturheilkundliche Therapieform, die bei diesem Krankheitsbild erfolgversprechend eingesetzt werden kann. Wechselduschen, Fußbäder und Trockenbürstungen können das Vegetativum stabilisieren. Auch der regelmäßige Besuch der Sauna wird empfohlen, um die funktionellen Herzbeschwerden zu lindern.

Aus dem Bereich der Phytotherapie stammen Pflanzen, wie Weißdorn, Adonisröschen, Baldrian, Johanniskraut, Passionsblume oder Melisse. Diese werden in Form von Tinkturen oder Teemischungen für die Therapie verwendet. Sie stärken das Herz, wirken entkrampfend, beruhigend und angstlösend.

Wohltuend ist auch die Behandlung mit einer Herzsalbe, die aus Kampfer, Rosmarin, Fichtennadeln und Menthol besteht. Damit werden linker Arm und linker Brustkorb eingerieben. Durch die dort liegenden Reflexbahnen wird das Herz mit den Inhaltsstoffen versorgt. Dies hat eine ausgleichende und entspannende Wirkung.

Den Betroffenen wird angeraten, sich gesund und vitaminreich zu ernähren, tierisches Eiweiß zu reduzieren, das Rauchen aufzugeben und für tägliche Entspannung zu sorgen. Regelmäßige Bewegung ist ebenfalls sehr wichtig und trägt zur Linderung der Beschwerden bei. Der Tagesablauf sollte bei Patienten, die unter funktionellen Herzbeschwerden leiden, äußerst strukturiert sein. Zusätzlich werden eine Gesprächstherapie und das Erlernen von Entspannungstechniken empfohlen. (sw)