Gedächtnisverlust (Amnesie): Ursachen, Symptome und Theapie

Amnesie durch Traumatisierungen. Bild: freshidea - fotolia
Dr. Utz Anhalt
Amnesie bedeutet Gedächtnisverlust – genauer gesagt einen Zustand, in dem gespeicherte Erinnerungen oder das Erinnern aktueller Handlungen, gestört ist oder sogar verloren. Dieser Zustand geht dabei erstens weit über alltägliche Vergesslichkeit hinaus und liegt zweitens auch nicht daran, dass andere Bewusstseinsinhalte in den Vordergrund treten.

Ursachen

Die Störung kann sowohl organische wie neurologische Ursachen haben. Zu den organischen Ursachen gehören Hirnschäden durch Verletzungen oder bestimmte Drogen. Amnesie kann ein Symptom degenerativer Hirnerkrankungen wie Alzheimer sein.

Gedächtnislücken bis zum vollständigen Verlust der Erinnerungen. Bild: pathdoc - fotolia
Gedächtnislücken bis zum vollständigen Verlust der Erinnerungen. Bild: pathdoc – fotolia

Dazu kommen psychologische Auslöser: Geistige Verwirrung, post-traumatischer Stress, Borderline-Syndrom, multiple Persönlichkeit ebenso wie unspezifische psychische Abwehrmechanismen.

Die beiden Haupttypen sind die retrograde – also rückläufige – und die anterograde Amnesie. Bei der rückläufigen Form können sich die Kranken nicht mehr an Geschehnisse vor einem bestimmten Zeitpunkt erinnern – meist dem Zeitpunkt eines hinrschädigenden Unfalls, einer Operation etc. Anterograd bezeichnet hingegen einen seelischen Zustand, in dem sich die Betroffenen an Ereignisse nicht erinnern können, die nach einem bestimmten Geschehnis passieren.

Retrograde Amnesie löscht also Inhalte des Langzeitgedächtnisses; die anterograde Form verhindert, dass Inhalte des Kurzzeitgedächtnisses sich im Langzeitgedächtnis speichern.

Das menschliche Gedächtnis-Modell

Gedächtnis ist ein Kernaspekt der Intelligenz – sie gibt uns die Fähigkeit, die Vergangenheit durchzudenken und die Zukunft zu planen. Was wir gemeinhin als Erinnerung bezeichnen ist unser Langzeitgedächtnis, aber es gibt auch wichtige Kurzzeiterinnerungen und sinnliches Gedächtnis, die das Gehirn durcharbeitet, bevor das Langzeitgedächtnis sie speichert.

Die verschiedenen Formen der Erinnerung haben alle ihren eigenen Modus operandi, aber sie arbeiten alle zusammen im Prozess des Erinnerns, und alle drei Schritte sind notwendig, um ein tragfähiges Gedächtnis zu gestalten.

Das sinnliche Gedächtnis

Das sinnliche Gedächtnis bezeichnet die sofortige Erinnerung – es ist ein Utrakurzzeitgedächtnis. Hier empfangen wir Informationen durch die fünf Sinne Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Berühren. Die Sinne schalten sich ein, wenn etwas eine sinnliche Antwort veranlasst – zum Beispiel ein starker Geruch.

Die wichtigsten Bereiche des sensorischen Speichers sind visuelle Erinnerung und akustische Erinnerung. Die visuelle Erinnerung hält Bilder fest, die wir weniger als eine Sekunde sehen, das akustische Gedächtnis Geräusche, die wir bis zu wenige Sekunden hören.

Kurzzeitgedächtnis

Die zweite Basiskoponente unseres Gedächtnis-Systems ist der Kurzzeitspeicher – das Arbeitsgedächtnis. Informationen, die den Kurzzeitspeicher erreichen, verschwinden zum Großteil komplett wieder, aber die Zeit, bis sie verschwinden, ist deutlich länger als im sinnlichen Gedächtnis.

Wie wir die Information speichern hängt nicht notwendig von ihrer sinnlichen Form ab. Ein Wort, das wir sehen kann zum Beispiel vom visuellen sensorischen Speicher in das akustische Kurzzeitgedächtnis gelangen. Wir sprechen hier auch vom auditorisch-verbal-linguistischem Speicher – Hören, Wörter und Sprache lassen sich nur schwer trennen.

Langzeitgedächtnis

Die dritte Hauptkomponente unseres Gedächntisses ist der Langzeitspeicher. Dieser Speicher unterscheidet sich von den vorherigen darin, dass die Informationen nicht in gleichem Ausmaß verschwinden.

Etwas für eine bestimmte Zeit im Kurzzeitgedächtnis zu behalten, führt eventuell dazu, es als Langzeiterinnerung im permanenten Speicher zu lagern. Dabei wird die Information wiederholt. Wiederholung ist allerdings weniger wichtig, als der Information mit gespeichertem Wissen eine Bedeutung zu geben.

Wenn eine Information erst einmal im Langzeitgedächtnis gespeichert ist, kann es dort für sehr lange Zeit bleiben – manchmal für den Rest des Lebens. Viele Faktoren beeinflussen die Länge und Intensität der gespeicherten Information: Wie bedeutend schätzt der Betroffene bewusst oder unbewusst das Geschehnis ein? Wie lange ist es her, dass er sich das letzte Mal daran erinnerte? Erinnert ihn sein soziales Umfeld und sein Lebensort an das Geschehnis?

Langzeiterinnerungen sind dabei keine historische Chronik und ausgesprochen “opportunistisch”. Statt Geschehnisse authentisch zu archivieren, bastelt es sich gespeicherte Eindrücke so zusammen, dass sie sich für die Aufgaben der Gegenwart nutzen lassen. So lassen sich Menschen auch frei erfundene “Erinnerungen” einreden.

Konkrete Auslöser für Amnesie

Jede Hirnverletzung kann theoretisch Amnesie verursachen, wenn sie die Hirnbereiche betrifft, die das Gedächtnis speichern. Viele Amnesien löst ein Trauma aus – körperlich wie psychisch. Andere Amnesien sind die Folge von giftigen Substanzen, Mangelernährung oder Hirntumoren.

Amnesie, die von körperlichen Schäden herrührt, ist üblicherweise durch einen Sauerstoffmangel im Gehirn ausgelöst. Andere Auslöser sind Alkoholmissbrauch über eine längere Zeit (Kosakow-Syndrom), Alzheimer oder andere Formen der Demenz.

Beim Korsakow-Syndrom hat der Alkohol wesentliche Bereiche des Gehirns zerstört. Das Gehirn knüpft weiter “sinnvolle Muster”, kann aber nicht auf Erinnerungen zurück greifen. Also ersetzt es die Erinnerungen durch Erfindungen, was dem Alkoholkranken oft nicht bewusst ist. Er wirft Freunden Dinge vor, die diese nie getan haben, er erzählt von Reisen in Länder, in denen er niemals war, und zugleich erkennt er Vertrautes nicht mehr.

Dissoziative Amnesie wird verursacht durch ein emotionales Trauma oder einen Schock, sei es ein terroristischer Anschlag, die Erfahrung sexuellen Missbrauchs oder eines gewalttätigen Verbrechens.

Auch Naturkatastrophen, Erdbeben, Sturmfluten etc. können diese Form der Amnesie auslösen.

Die Gefahr, einen Gedächtnisverlust zu erleiden, ist bei den unterschiedlichen Auslösern ähnlich hoch – bei Alkoholmissbrauch wie bei Hirnverletzungen oder einem Schädeltrauma.

Komplikationen

Die Folgen einer Amnesie zeigen sich im Alltag: Die täglichen Handlungen, die persönlichen Beziehungen, das soziale Umfeld – alles verändert sich für die Betroffenen. Beruf und Schule beeinflusst es ebenso, wenn jemand an Amnesie leidet. Wenn Sie merken, dass Sie erste Symptome einer Amnesie zeigen, sollten sie einen Arzt aufsuchen.

Symptome

Das Kernsymptom ist der Gedächtnisverlust; manche verlieren nur einen Teil ihrer Erinnerung, andere ihre gesamte als Erinnerung gespeicherte Identität. Betroffene können Geschehnisse auch falsch rekonstruieren oder verschiedene Ereignisse miteinander vermischen, zum Beispiel, weil sie Zeiträume und Orte nicht mehr auseinander halten können: Deutlich wird dies zum Beispiel bei Menschen, die nach einem Schlaganfall Geschichten von ihrem Nachbarn erzählen, aber nicht wahrnehmen, dass die Erlebnisse 40 Jahre zurück liegen.

Begleitsymptome sind Nervenprobleme, Konzentrationsschwäche und Desorientierung.

Die Symptome hängen davon ab, wie sich die Störung entwickelte. Die meisten Betroffenen haben eine anterograde Amnesie, sie verlieren ihr Kurzzeitgedächtnis.

Wenn Alkohol oder Drogen den Gedächtnisschwund verursachen, vergessen diese Menschen, was in der Zeit des akuten Rausches geschah. Sie sind dann nur so lange verwirrt, wie die Wirkung der Droge anhält. Alkohol und Meta-Amphetamine zerstören aber auf lange Dauer auch Hirnareale: Die Betroffenen haben dann nicht mehr nur einen “Filmriss” für die Zeit des Rausches, sondern leiden an einem generellen Gedächtnisschwund.

Diagnose

Bei der Diagnose führt der Arzt eine umfassende Untersuchung durch, um heraus zu finden, was die Ursache des Gedächtnisverlustes ist: Alzheimer, andere Formen der Demenz, Depression, oder ein Hirntumor.

Ein Computertomographie und ein Magnnet-Resonanz-Bildverfahren geben Aufschluss, ob eine Hirnverletzung vorliegt. Wenn der Betroffene unter Fieber leidet, ist eine Urin- und Blutanalyse angesagt. Der Arzt entnimmt Blutproben, an denen er feststellt, ob Anzeichen von Enzephalitis, Meningeenzephalitis, Hirnabszessen oder Enzephalomyelitis vorliegen.

Liegt kein Fieber vor, und der Betroffene assoziiert die verlorenen Erinnerungen mit jüngsten Ereignissen, rücken andere “Verdächtige” in den Vordergrund: Alzheimer, Arteriosklerose im Gehirn, chronischer Alkoholismus oder Gehirntumore.

Typen der Amnesie

Die retrograde Amnesie tritt in Reinform sehr selten auf, meist geht sie mit einer anterograden Amnesie einher. In Reinform ist der Hippocampus beschädigt, der Teil des Gehirns, der die Langzeiterinnerung speichert.

Die retrograde und anterograde Form vermischen sich häufig. Selten fehlt dabei die Erinnerung an lange zurück liegende Ereignisse, hingegen fehlen Erinnerungen an Geschehnisse, die kurz vor der traumatischen Episode abliefen.

Anterograde Amnesie

Wer unter dieser Form des Gedächtnisverlustes leidet, kann keine neuen Erinnerungen kreieren. Er vergisst die jüngste Vergangenheit: Er weiß nicht, mit wem er sich eine halbe Stunde zuvor im Supermarkt unterhalten hat, wenn er sich ins Auto setzt, vergisst er während der Fahrt, wo er hin wollte. Die Betroffenen wiederholen zum Beispiel Fragen und Kommentare, weil sie vergessen, dass sie bereits gefragt hatten.

Diese Form ist typisch für Drogenmissbrauch – manche Benzodiazepine lösen sie mit Wucht aus, oder aber sie folgt auf eine traumatische Gehirnverletzung wie eine Operation, in der der Hippocampus Schaden nahm. Ein Herzinfarkt, mangelnder Sauerstoff oder ein epileptischer Anfall haben ebenfalls häufig diese Form des Erinnerungsverlustes zur Folge.

Seltener sind solche Amnesien die Folge eines Schocks oder einer emotionalen Störung. Bei manchen psychischen Störungen gehören anterograde Amnesien zum Krankheitsbild: Bei allen dissoziativen Störungen sind zeitweise Gedächtnisverluste sogar typisch, beim Borderline-Syndrom, bei der multiplen Persönlichkeit, beim PostTraumatischenStrassSyndrom und generell bei Traumatisierungen.

Auch Menschen, die an Schizophrenie erkranken, leiden unter dieser Amnesie – allerdings zeitlich beschränkt. Ihre Erinnerungen sind in der Regel aber nicht vollkommen verschwunden, sondern stark verzerrt.

Anterograder Gedächtnisverlust verhindert bisweilen das Wiedererkennen von Dingen, nicht aber das Gefühl der Vertrautheit. So fühlen Betroffene oft, dass sie einen gezeigten Gegenstand kennen, wissen aber nicht, woher.

Je nach dem Grad der Störung können sie verlorene Erinnerungen wiedererlangen, indem sie Handlungen durchführen, die damit in Verbindungen stehen.

Eine dramatische Form dieser Amnesie ist der plötzliche Gedächtnisverlust. Ohne Vorwarnung verliert der Betroffene seine Erinnerung. So schnell wie die Symptome auftreten, sind sie aber auch wieder vorbei – gewöhnlich in 24 Stunden.

Die Betroffenen können in dieser Zeit ihre Familienmitglieder erkennen, behalten ihre intellektuellen Fähigkeiten und versuchen, ihre Erinnerung wiederzuerlangen: Sie fragen wiederholt nach allem, was ihre Umwelt betrifft.

Die genaue Ursache ist unbekannt, allerdings ist der Auslöser meist akuter emotionaler oder körperlicher Stress. Eine These lautet, dass das Gehirn vorübergehend “auf Sparflamme arbeitet”, weil es sich überfordert fühlt.

Drogen- und Alkoholmissbrauch

Jeder, der einmal viel zu viel Alkohol getrunken hat, kennt den “Filmriss”. Er weiß nicht mehr, was er die letzte Nacht tat, und hat nur verschwommene Bilder im Kopf. Mühsam rekonstruiert er die Geschehnisse, wenn er die Orte seines Gelages aufsucht, tauchen einzelne Erinnerungsfetzen wieder auf.

Ist der Alkohol aber abgebaut, taucht zwar die Erinnerung an die Zeit des Rausches nicht wieder auf, das Gedächtnis der Gegenwart funktioniert aber wieder normal.

Midazolam, Flunitrazepam, Triazolam, Nimetazepan und Temazepam sind Mittel, die alle die Erinnerung einschränken.

Gedächtnisverlust vorbeugen

Einer Hirnverletzung, die die Störung hervorruft, können wir vorbeugen, indem wir uns vor entsprechenden Unfällen schützen: Wir können beim Fahrrad fahren einen Helm tragen, uns beim Autofahren anschnallen oder keinen Alkohol trinken, wenn wir Auto fahren.

Exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum zu vermeiden, reduziert ebenfalls das Risiko, das Hirn zu schädigen.

Viren, die Hirnentzündungen hervorrufen, sollten wir sofort und aggressiv mit Medikamenten bekämpfen.

Dissoziative Störungen

Menschen, die an einer dissoziativen Störung leiden, wirken häufig nicht krank. Sie funktionieren im Alltag und am Arbeitsplatz. Wenn sie aber einen dissoziativen Schub bekommen, der Stunden oder Monate dauern kann, verlieren sie die Kontrolle.

Auf Außenstehende wirken sie anfang “schusselig”, sie kommen zu spät nach Hause, verlegen Dinge in ihrer Wohnung oder führen Aufträge nicht aus. Hält die dissoziative Phase länger an, reisen die Betroffenen zum Beispiel in ferne Städte, entwickeln eine neue Identität, fangen einen neuen Job an, und erinnern sich nicht daran, was sich in ihrem Leben verändert hat.

Dissoziative Störungen kennzeichnet eine unsichere Identität, eine fehlende oder verschwommene Selbstwahrnehmung, und, immer wieder, unterbrochene Erinnerungen und ein Zusammenbruch des Gedächtnisses.

Auslöser sind traumatische Geschehnisse: Krieg, Unfälle, extreme Gewalt, die die Betroffenen entweder selbst erfuhren, oder deren Zeuge sie waren.

Auch Alkohol und Drogen wie Metaamphetamin konnen diese dissoziativen Zustände auslösen.

Das wesentliche Symptom dieser dissoziativen Form ist die Unfähigkeit, Erlebnisse der Vergangenheit oder persönliche Informationen zu erinnern. Einige Menschen mit dieser Störung leiden zudem an Depressionen oder Angststörungen.

Traumatisierungen

Dissoziative Störungen sind nicht losgelöst von generellen Traumatisierungen. Ein selektiver Verlust der Erinnerung bei einer traumatischen Erfahrung ist ein “erste Hilfe Programm” des Gehirns.

Amnesie durch Traumatisierungen. Bild: freshidea - fotolia
Amnesie durch Traumatisierungen. Bild: freshidea – fotolia

Die Betroffenen, ob als Opfer oder Zeuge von Gewalt, Missbrauch oder Katastrophen, müssen in der Situation überleben. Deshalb filtert das Gehirn die schreckliche Erfahrungen und “drückt sie beiseite”.

In einem gewissen Rahmen kennen wir das alle: Wenn uns auf einer Wanderung eine Biene sticht, ist es besser, sich nicht auf den Schmerz zu konzentrieren, sondern auf den Weg, der vor uns liegt.

Missbrauchte Kinder oder Geiseln bei einem Banküberfall sind einer Bedrohung ausgesetzt, aus der es keinen unmittelbaren Ausweg gibt. Um in dieser Situation aber nicht von Emotionen überwältigt und dadurch unfähig zum Handeln zu werden, spaltet das Gehirn den Horror ab.

Bei einem Trauma geht diese Abspaltung so weit, dass die Betroffenen zwar später immer wieder von Alpträumen geplagt werden, aber sich an den Moment selbst kaum erinnern.

Gewollte Amnesien

Jeder Jurist kennt Angeklagte, Zeugen, aber auch Kläger in Verfahren, die angeben, sich an wesentliche Geschehnisse rund um die Tat nicht mehr erinnern zu können. Oft handelt es sich um gezielte Lügen.

Die Betroffenen leiden nicht unter einer Amnesie, vielmehr erinnern sie sich genau an die Ereignisse, aber sie täuschen einen Gedächtnisverlust vor: Um den Täter oder sich selbst zu schützen, um keine intimen Details aus ihrem Privatleben zuzugeben, oder, weil sie das Geschehen vergessen wollen.

Die Grenze zwischen solchen bewussten Lügen und einem realen Gedächtnisverlust sind bisweilen fließend. Unsere Erinnerungen sind weniger eine Chronik als vielmehr ein Baukasten, aus dem das Gehirn sich sinnvolle Stories zusammen bastelt.

So erzählen dieselben Menschen dieselbe Geschichte oft in unterschiedlicher Variation, wenn sich ihre Lebenssituation ändert. Dabei handelt es sich selten um eine bewusste Verzerrung, vielmehr treten Details in den Vordergrund, die zuvor unwichtig erschienen.

Wir können auch “bewusst” vergessen: Wir reden nicht mehr über einen Ex-Partner, schmeißen seine Sachen auf den Müll, ziehen in eine andere Stadt und füttern unser Gehirn mit neuen Erfahrungen. Unser Unbewusstes entwickelt jetzt langsam neue Muster, mit denen wir uns in der Welt bewegen, und wir nehmen diese neue Identität an.

Psychische Störungen

Dieses “Storytelling” zeigt sich als Pathologie beim Borderline-Syndrom. Menschen, die unter dieser Störung leiden, agieren höchst suggestibel und manipulieren andere. Dabei ist es ihnen oft unmöglich, zwischen ihren Konstruktionen und realen Erinnerungen zu unterscheiden.

Sie erscheinen wie chronische Lügner, doch ihre Lügen kommen aus einer zersplitterten Identität, in denen sie den Wirklichkeitsgehalt von Gedächtnisinhalten nicht von Fantasien unterscheiden können.

Diese Menschen durchlaufen immer wieder Phasen, in denen sie nicht wissen, wer sie sind, wo sie sind, und was sie in der Vergangenheit waren.

Gehirnwäsche

Folteropfer, Menschen in der Kontrolle von Psychosekten, Kindersoldaten wie Zwangsprostituierte haben eines gemeinsam: Diejenigen, in deren Gewalt sie sich befinden, versuchen, die Identität der Opfer auszulöschen und durch eine Identität im Sinne der Täter auszutauschen.

Die Opfer sollen die Erinnerung an ihr vorheriges Leben vergessen. Dafür unterziehen die Täter sie Ritualen, die die Gehirne der Betroffenen konditionieren – jeder terroristische System kennt dafür unzählige Methoden.

Die Täter isolieren die Opfer von allem, was sie an ihr altes Leben erinnert, sperren sie in dunkle Räume, so dass sie keine Reize aus der Außenwelt aufnehmen. Die einzigen Informationen, die die Betroffenen kommen, sind die wiederholten Unterweisungen der Folterer.

Die Opfer werden gedemütigt, um ihre Identität zu vergessen: Zwangsprostituierte werden von Menschenhändlern immer wieder vergewaltigt, und irgendwann speichert das gehirn der Vergewaltigten diese Erfahrung als Muster ab, während ältere positive Muster verloren gehen.

Die Opfer, ob gefolterte politische Gegner, sexuell Versklavte oder zu Killern umerzogene Kinder durchlaufen jetzt Phasen, die der dissoziativen Störung entsprechen.

Je jünger und je labiler ein Opfer ist, umso effektiver ist die Gehirnwäsche.

Amnesien als Folge solcher Gehirnwäschen lassen sich bisweilen rückgängig machen. Zum Beispiel sind Kindersoldaten bekannt, die Teile ihrer alten Identität zurück gewannen, nachdem sie in ihre alte Familie zurück kehrten.

Oft aber handelt es sich um “hoffnungslose Fälle”. Sie waren nicht nur selbst Opfer und Täter, sondern ihre Amnesie speist sich aus verschiedenen Quellen: Sie sind ebenso traumatisiert durch Gewalt, die sie verlitten wie durch Gewalt, die sie ausübten; sie vergifteten sich exzessiv mit Drogen und Alkohol. Sie spalteten zusätzlich gezielt Erinnerungen ab.

Hausmittel gegen Amnesie

Amnesie als Folge von Unterernährung ist in vielen Entwicklungsländern ein Massenproblem. Ernährungspläne spielen hier eine entscheidende Rolle. Wer unter einer solchen Störung leidet, die durch Mangelernährung mit bedingt ist, sollte sich unbedingt die Nährstoffe zuführen, damit das Gehirn normal funktionieren kann.

Ein Apfel ist die natürliche "Wunderwaffe" gegen Gedächtnisverlust. Bild: Dionisvera - fotolia
Ein Apfel ist die natürliche „Wunderwaffe“ gegen Gedächtnisverlust. Bild: Dionisvera – fotolia

Betroffene sollten Kaffee ebenso meiden wie schwarzen Tee, Industriezucker und weißes Mehl. Entspannungsübungen und einfache körperliche Tätigkeiten helfen ihnen ebenfalls.

Äpfel sind “Wunderwaffen” im Kampf gegen eine Amnesie, die aus Fehlernährung herrührt. Sie enthalten Vitamine und Mineralien in hohem Ausmaß. Einen einzigen Apfel pro Tag zu essen, hilft Erinnerungen zu wecken und bremst die psychische Verwirrung.

Walnüsse sind machtvolle Antioxidanten und zudem voll mit gesättigten Fetten. Sie enthalten außerdem Lecithin und Vitamin B, die das Gedächtnis ankurbeln. Walnüsse, kombiniert mit Feigen und Rosinen, stärken das Nervensystem.

Rosmarin heißt auch “Kraut der Erinnerung”. Im Ayurveda dient es dazu, Vergesslichkeit und Erschöpfung zu beheben. Rosmarin-Tee hilft auch gegen die weniger gravierenden Gedächtnisprobleme alter Menschen.

Salbei hilft ebenfalls ausgezeichnet, um das Gedächtnis auf Trab zu halten. Es beeinflusst den Bereich des Gehirns, der Erfahrungen in die Langzeiterinnerung transportiert. Generell untertsützt Salbei die Nervenkoordination des Gehirns und ordnet so mentale Verwirrungen. (Somayeh Ranjbar, ins Deutsche übersetzt von Dr. Utz Anhalt)

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Referenzen:

http://apps.fischlerschool.nova.edu/toolbox/instructionalproducts/edd8124/fall11/1968-Atkinson_and_Shiffrin.pdf

https://www.mdsave.com/diseases/amnesia

http://www.healthyhearing.com/content/faqs/Glossary/Other/31106-Causes-of-retrograde-amnesia

http://www.human-memory.net/disorders_anterograde.html

http://www.lifeextension.com/Protocols/Neurological/Amnesia/Page-03

http://www.webmd.com/mental-health/dissociative-fugue