Herzbeutelentzündung – Ursachen, Anzeichen und Therapie

Nina Reese
Der medizinische Begriff „Perikarditis“ bzw. Herzbeutelentzündung bezeichnet eine entzündliche Erkrankung des Herzbeutels, bei der es zu starken Brustschmerzen kommt, die sich typischerweise im Liegen oder bei Husten verstärken. In den meisten Fällen sind Viren der Auslöser, die zum Beispiel nach einem Infekt des Magen-Darm-Traktes oder der Atemwege eine Perikarditis hervorrufen können. Möglich sind eine Reihe nicht-infektiöser Ursachen wie beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion sowie Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes oder Rheuma. Eine akute, viral bedingte Herzbeutelentzündung nimmt normalerweise einen guten Verlauf und heilt innerhalb von ein bis drei Wochen ab. In selteneren Fällen kann es jedoch zu Komplikationen wie einem Herzbeutelerguss oder Vernarbungen kommen. Dementsprechend sollten Beschwerden wie Bruststechen und Atemnot immer umgehend von einem Arzt abgeklärt und entsprechend behandelt werden.

Definition: Was ist eine Herzbeutelentzündung?

Bei dem so genannten „Herzbeutel“ (medizinisch: Perikard) handelt es sich um eine Hülle aus straffem Bindegewebe, die das Herz nahezu vollständig umschließt. Der Beutel besteht aus einer äußeren Schicht (Pericardium fibrosum) und dem „Pericardium serosum“, welches die innere Oberfläche bedeckt und auch als „seröser“ Herzbeutel bezeichnet wird. Unterteilt ist dieser in das so genannte „parietale Blatt“ (Lamina parietalis), welches fest mit der Außenschicht verbunden ist, und das „viszerale Blatt“ (Lamina visceralis), welches auch unter dem Begriff „Epikard“ bzw. „Epicardium“ bekannt ist. Dieses liegt dem Herzen direkt an und bedeckt dadurch die äußere Oberfläche des Herzens sowie die Wurzeln der großen Blutgefäße.

Ein EKG gibt Aufschluss über den Herz-Rhythmus.  (Bild: Kzenon - fotolia)
Ein EKG gibt Aufschluss über den Herz-Rhythmus. (Bild: Kzenon – fotolia)

Zwischen den beiden Blättern liegt die Herzbeutelhöhle, in welcher sich normalerweise etwa 10-20 ml Flüssigkeit (Liquor pericardii) befindet. Diese dient als „Gleitfilm“, durch den die Reibung zwischen Epikard und Perikard reduziert und dementsprechend eine reibungsarme Herzfunktion ermöglicht wird. Neben dem fixiert die Hülle das Herz in der richtigen Position, wodurch sich gleichzeitig wichtige Strukturen im Brustbereich wie z.B. das Brustbein oder große Blutgefäße jederzeit in der richtigen Lage zum Herzen befinden. Hinzu kommen weitere zentrale Funktionen wie z.B. die Trennung des Herzens von anderen Organen und Schutz vor Überdehnung bei körperlicher Anstrengung.

Kommt es zu einer entzündlichen Erkrankung des Herzbeutels, wird medizinisch von einer „Perikarditis“ gesprochen, wobei hier zwischen einer akuten, einer akut wiederkehrenden („rezidivierenden“) und einer chronischen Form unterschieden wird. Zudem werden infektiöse von nicht-infektiösen Entzündungen abgegrenzt. Während erstere durch eine Infektion mit Viren, Bakterien und Pilze verursacht wird, kommen für eine nicht-infektiöse Perikarditis z.B. Autoimmunkrankheiten wie Rheuma, eine Herzschwäche oder bestimmte Medikamente als Auslöser in Betracht.

Ursachen

Für eine Perikarditis gibt es viele mögliche Auslöser, wobei über die Hälfte der diagnostizierten Fälle ohne nachweisbare Ursache verbleibt („idiopathische“). Konnte der Grund identifiziert werden, handelt es sich bei den meisten Patienten um eine Infektion, wobei hier vor allem Coxsackie-, Adeno- und Echoviren eine wichtige Rolle spielen. Neben dem kann diese bei immungeschwächten Personen (z.B. durch HIV) in selteneren Fällen auch durch Krankheitserreger wie Epstein-Barr- oder Hepatitisviren hervorgerufen werden. Neben dem kommen Bakterien als Auslöser in Betracht, indem diese von einer lokalen Entzündung über die Blutbahn in andere Bereiche des Körpers und damit auch in den Herzbeutel gelangen können. Möglich ist dies z.B. im Zusammenhang mit einer Lungen- oder Mandelentzündung, nach einer operativen Entfernung eines Zahns (Extraktion) oder im Falle einer Tuberkulose, bei welcher sich die ursächlichen Mykobakterien über das Blut im Körper verbreiten.

Die tuberkulöse Perikarditis kommt in den westlichen Ländern mittlerweile nur noch selten z.B. bei immungeschwächten oder aus Afrika oder Asien eingewanderten Menschen vor. Hier treten häufig neben den typischen Herz-Symptomen Beschwerden wie übermäßiges Schwitzen in der Nacht und Gewichtsabnahme auf. Zudem können auch andere Körperregionen wie z.B. das Gehirn betroffen sein (tuberkulöse Meningitis), wodurch es zu weiteren Beschwerden wie Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen oder Fieber kommen kann.

Neben dem kann eine Entzündung des Herzbeutels durch eine Reihe nicht-infektiöser Ursachen hervorgerufen werden. Zu diesen zählen unter anderem Stoffwechselerkrankungen wie Gicht oder eine Schilddrüsenunterfunktion sowie verschiedene Krebsarten wie Leukämien, Lymphome, Lungen- oder Brustkrebs, bei denen sich Absiedelungen eines bösartigen Tumors (Metastasen) im Herzbeutel bilden.

Möglich ist auch eine Nierenerkrankung sein, da bestimmte harnpflichtige Substanzen nicht mit dem Urin ausgeschieden werden, sondern im Körper verbleiben (urämische Perikarditis) und hier eine Entzündung auslösen können. Ebenso kann es wenige Tage nach Operationen oder Verletzungen am Herzen sowie nach einem Herzinfarkt in den geschädigten Bereichen zu einer Perikarditis kommen. Einen Sonderfall stellt dabei das so genannte „Dressler-Syndrom“ dar, welches erst Wochen oder sogar Monate nach einem Infarkt auftritt und durch Symptome wie beispielsweise eine verminderte Leistungsfähigkeit, Fieber und eine Vermehrung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Blut gekennzeichnet ist.

Hintergrund kann auch eine so genannte „Autoimmunerkrankung“ sein, bei der das körpereigene Abwehrsystem (Immunsystem) aufgrund einer überschießenden Reaktion fälschlicherweise körpereigene Strukturen wie z.B. Zellen oder Gewebe angreift. In der Folge kommt es zu schweren Entzündungsreaktionen, welche unbehandelt zur Zerstörung des betroffenen Organs und im Ernstfall sogar zum Tod führen können. Neben Organen wie z.B. Schilddrüse (Morbus Basedow) oder Haut (Pemphigus vulgaris) kann auch der Herzbeutel betroffen sein, der sich im Zuge bestimmter Autoimmunerkrankungen entzünden und zu einer Perikarditis führen kann. In Frage kommen hier z.B. Erkrankungen des entzündlich-rheumatischen Formenkreises wie Lupus erythematodes, die Bindegewebsverhärtung Sklerodermie oder eine rheumatoide Arthritis. Ebenso kann eine Granulomatose mit Polyangiitis (GPA) die Ursache sein, eine Systemerkrankung des Gefäßsystems, bei der sich das Immunsystem gegen Bestandteile bestimmter weißer Blutzellen richtet. Bestimmte Medikamente für die Beschwerden verantwortlich sein, ebenso ist es in seltenen Fällen möglich, dass sogar Monate bis Jahre nach einer Bestrahlung eine Entzündung des Herzbeutels auftritt (Strahlenperikarditis).

Symptome bei einer Entzündung des Herzbeutels

Die Symptomatik ähnelt häufig den Beschwerden einer Brustenge (Angina pectoris), wobei die konkrete Ausprägung von der Ursache und dem Verlauf der Erkrankung abhängig ist. Kennzeichnend für die akute Form der Perikarditis sind vor allem starke, scharf stechende Brustschmerzen, die jedoch im Gegensatz zur Angina pectoris meist bewegungsabhängig sind und sich z.B. im Liegen, durch Husten oder tiefes Atmen verstärken. Setzen sich Betroffene hingegen aufrecht hin und beugen den Oberkörper nach vorne, tritt normalerweise eine deutliche Verbesserung ein.

Die Schmerzen können bis in den Hals und Schulterbereich ausstrahlen, ebenso können Oberbauchschmerzen auftreten, wobei eher die linke Seite betroffen ist. Hinzu kommen weitere unspezifische Symptome wie z.B. Fieber, verminderte Belastbarkeit, Abgeschlagenheit und Erschöpfung sowie starkes Schwitzen, die meist im Zusammenhang mit der jeweiligen Grunderkrankung auftreten.

Eine chronische Herzbeutelentzündung verursacht hingegen meist kaum oder nur leicht wahrnehmbare Symptome, die oft eher unspezifisch sind wie z.B. eine verminderte Belastbarkeit und Erschöpfung. In einigen Fällen entwickelt sich jedoch im weiteren Verlauf zwischen den beiden Schichten des Herzbeutels eine Ansammlung von Gewebsflüssigkeit („Herzbeutelerguss“), durch welche die Pumpbewegung des Herzens eingeschränkt und die Herzleistung dementsprechend verringert wird. In der Folge kommt es zu typischen Beschwerden einer Herzschwäche, wie z.B. Atemnot, Kreislaufbeschwerden, gestauten Halsvenen oder einer Vergrößerung der Leber, möglich sind zudem dicke Beine (Beinödeme) oder Wassereinlagerungen im Bauchraum (Aszites).

Bei einem Herz-Ultraschall kann der Arzt zum Beispiel Wandverdickungen des Herzens erkennen. (Bild: Alexander Raths - fotolia)
Bei einem Herz-Ultraschall kann der Arzt zum Beispiel Wandverdickungen des Herzens erkennen. (Bild: Alexander Raths – fotolia)

Ist der Herzbeutelergusses sehr stark ausgeprägt, kann dies zu einer so genannten „Perikardtamponade“ führen, einer gefährlichen Komplikation, die eine sofortige medizinische Notversorgung erforderlich macht. Hier führt der große Erguss zu einem langsamen Versagen der Herzfunktionen, was zu Blutdruckabfall, Herzrasen, Kreislaufbeschwerden, Atemnot sowie einem kardiogenen Schock führen kann. Eine weitere, seltenere Folge der Erkrankung ist die Pericarditis constrictiva („Panzerherz“), eine Verdickung und Verkalkung des Herzbeutels durch häufig wiederkehrende Entzündungen, die eine normale Ausdehnung des Herzens unmöglich macht. Typischerweise treten auch hier dementsprechend Symptome einer Herzschwäche wie z.B. Leistungsschwäche, Luftnot, geschwollene Beine, blaue Lippen und stark hervortretende Halsvenen auf.

Therapie bei Perikarditis

Die Behandlung erfolgt in vielen Fällen stationär, wobei vor allem die Therapie der ursächlichen Erkrankung – so weit bekannt – im Mittelpunkt steht. Dementsprechend kommen z.B. bei der viral bedingten Entzündung meist Schmerzmittel mit entzündungshemmender Wirkung (nichtsteroidale Antirheumatika, kurz: NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac in Verbindung mit Magenschutzmitteln zum Einsatz. Konnten Bakterien nachgewiesen werden, verschreibt der Arzt normalerweise Antibiotika, im selteneren Falle einer Entzündung infolge eines Herzinfarkt wird hingegen Acetylsalicylsäure (ASS) verabreicht.

Schlägt die entzündungshemmende Therapie nicht an, erhalten die Patienten meist Colchizin oder seltener auch Kortison. Liegt der Perikarditis eine Autoimmunerkrankung zugrunde, werden Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems (Glucocorticoide) eingesetzt. Im Falle von Komplikationen wie einer Herzbeuteltamponade ist hingegen eine Punktion des Herzbeutelergusses notwendig, gleiches gilt, wenn es sich um größere symptomatische Ergüsse handelt oder der Verdacht auf eine tuberkulöse oder eitrige Herzbeutelentzündung besteht.

Parallel zu der medikamentösen Behandlung sollten Betroffene bei einer Herzbeutelentzündung unbedingt Bettruhe einhalten, um den Heilungsverlauf nicht zu stören und Komplikationen zu vermeiden.

Naturheilkunde bei Herzbeutelentzündung

Unterstützend zur schulmedizinischen Behandlung kann häufig auch die Naturheilkunde helfen, die Beschwerden bei einer Entzündung des Herzbeutels zu lindern. Hier sollte jedoch immer im Vorhinein ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt stattfinden, um gesundheitliche Risiken und Nebenwirkungen bzw. mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu vermeiden.

Aus dem Bereich der Homöopathie kommt hier beispielsweise das Mittel Kalium carbonicum in Frage, dem Kaliumsalz der Kohlensäure, welches häufig auch als „Pottasche“ bezeichnet wird. Die Einsatzgebiete sind bei diesem Heilmittel vielseitig, sodass es nicht nur bei entzündlichen Herzerkrankungen, sondern z.B. auch bei Nierenbeschwerden, Atemwegsproblemen wie Asthma oder Heiserkeit oder Beschwerden des Verdauungsapparates eingesetzt wird. Neben dem kommt Asclepias tuberosa bei heftig stechenden Brustschmerzen in Betracht, gerade wenn sich diese durch Atmen, Bewegung, Kälte und Nässe verstärken sowie beim Vorwärtsbeugen weniger werden.

Seltener wird auch Kalmia (Berglorbeer) verwendet, wobei in diesem Fall typischerweise stechende Schmerzen in der Herzregion auftreten, die bis in den linken Arm ausstrahlen. Darüber hinaus treten bei Kalmia-Patienten typischerweise das Gefühl einer eingeschnürten, engen Brust, permanentes Herzrasen und ein stark ausgeprägter Herzschlag auf.

Schüssler Salze können eine wertvolle Unterstützung bei der Behandlung sein. Eine wichtige Rolle spielen hier die Salze Kalium Phosphoricum (Nr. 5) und Kalium Sulfuricum (Nr. 6.), ebenso hat sich Kalium Chloratum (Nr. 4) gerade bei fortschreitenden Entzündungen bewährt. Auch Calcium Phosphoricum (Nr. 2) kann den Heilungsprozess positiv beeinflussen, darüber hinaus eignen sich vor allem die Calcium Fluoratum (Nr. 1) und Silicea (Nr. 11), um den Körper in der Phase der Regeneration auf natürliche Weise zu unterstützen. (nr)

Bildnachweis oben: Dieter Schütz  / pixelio.de