Herzschwäche: Anzeichen, Ursachen und Behandlung

Dr. Utz Anhalt

Symptome bei Herzschwäche

Die typischen Symptome einer Herzschwäche sind geschwollene Gliedmaßen, Atemlosigkeit und Erschöpfung. Sie wirken meist weniger dramatisch als diejenigen, die mit einem Herzinfarkt verbunden sind, bedrohen aber ebenfalls häufig das Leben. In den ökonomisch fortgeschrittenen Ländern entwickelt bis zu eine von fünf Personen irgendwann in ihrem Leben eine Herzschwäche.

Eine beginnende Herzschwäche ist oft nicht leicht zu erkennen. Typische Anzeichen sind Luftnot, ständige Müdigkeit und Erschöpfung. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Eine moderne Bedrohung?

Der amerikanische Evolutionswissenschaftler Jared Diamond verglich systematisch traditionelle Kulturen in Papua, Südafrika oder dem Amazonas mit heutigen Industriegesellschaften und stellte fest: In den traditionellen Kulturen sind die Hauptgefahren inefektiöse Krankheiten, also Erkrankungen, die ihre Ursache in Parasiten (Würmer, Milben, Läuse, Flöhe etc.), Viren, Bakterien und Pilzen haben. In den Industriestaaten sind die wichtigsten Todesursachen jedoch nicht-infektiöse Krankheiten wie Herzerkrankungen oder Krebs.

Dass Menschen in den Industrieländern weniger an infektiösen Krankheiten leiden, liegt vor allem an den erfolgreichen Impfprogrammen, aber auch an einer fortgeschrittenen öffentlichen Hygiene, effektiven Kläranlagen und Seuchenschutz. Noch im 19. Jahrhundert waren auch in England oder Deutschland infektiöse Krankheiten eine wesentliche Todesursache. Jäger und Sammler, aber auch traditionelle Kleinbauern sind hingegen Krankheitserregern ebenso hilflos wie unmittelbar ausgesetzt.

Mehr zum Thema:

Jäger und Sammler

Bei den Herzerkrankungen ist hingegen der Lebensstil entscheidend: Die Menschen in traditionellen Kulturen leiden höchst selten an Übergewicht, sie haben kaum zu viel Körperfett, sie bewegen sich im Alltag in hohem Ausmaß, und sie greifen meist auf eine kalorienarme und vielfältige Kost zurück, die ein großes Spektrum von Beeren, Früchten, Wurzeln und Kräutern umfasst.

Ein Hauptrisiko für Diabetes und Herzerkrankungen, nämlich die viel zu hohe Aufnahme von Zucker in den Industriestaaten, spielt für sie keine Rolle, da sie Zucker lediglich in Form von Honig oder Früchten zu sich nehmen, die aber nur einen geringen Teil ihrer Nahrung darstellen.

Ein Problem bei solchen Vergleichsstudien räumt Diamond indessen selbst ein: Die Lebenserwartung in traditionellen Kulturen ist, entgegen romantischer Vorstellungen von “Naturmenschen”, generell wesentlich niedriger als der Durchschnitt in den Industriestaaten. Daran ändern auch die Hotspots der extrem Alten im Kaukasus oder Teilen Chinas nicht.

Bestimmte Herzerkrankungen treffen jedoch insbesondere Menschen über 65, also in einem Alter, das weit über dem durchschnittlichen Höchstalter bei tradionell lebenden Papua, Maori oder Yanomami liegt.

Genetische Anpassung

Umgekehrt gilt, dass manche “Naturvölker” in hohem Ausmaß an Herzerkrankungen leiden, wenn sie industrielle Nahrung konsumieren (müssen). So leiden die Pima-Indianer im amerikanischen Südwesten extrem an schwerstem Übergewicht, Diabetes und Herzschwäche. Der Grund liegt darin, dass sich ihr Organismus über viele Jahrhunderte hinweg auf eine kalorienarme, fettarme und so gut wie zuckerlose Kost eingestellt hatte: Kaninchen, Eidechsen, Kakteen oder Wurzeln.

Das Übermaß an Fett und Zuckerstoffen im amerikanischen Industriefood belastet den Organismus generell – für die Pima bedeutet eine solche Ernährung indessen eine massive Verkürzung der Lebenszeit.

Eine globale Frage

Die Prävention von Krankheiten und Todesfällen wegen Herzschwäche, sollte globale Priorität in der Gesundheitspolitik haben. Im Unterschied zu der ebenso steigenden wie riesigen Anzahl an Menschen, die mit Herzschwäche leben und an dieser sterben, ist das Bewusstsein über dieses Problem jedoch klein – bei der Masse, Politikern und sogar bei manchen Professionellen in der Gesundheitsvorsorge.

Obwohl es zwar keine generelle Heilung einer Herzschwäche gibt, ließen sich viele Fälle vermeiden und die meisten Patienten effektiv behandeln, um so Lebensqualität zu gewinnen oder im schlimmesten Fall zu überleben.

Durch moderate Bewegung können die Symptome gelindert und dadurch die Lebensqualität der Betroffenen gesteigert werden. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Bereits regelmäßige körperliche Aktivität kann die Symptome reduzieren. Allerdings sollten Sie sich dazu einem Spezialisten anvertrauen, der mit ihnen zusammen ein Bewegungsprogramm ausarbeitet. Am erfolgreichsten sind solche Programme für Menschen mittleren Alters mit einer chronischen Herzschwäche. Menschen mit einer Herzschwäche in fortgeschrittenem Alter, mit Komorbiditäten, die viele Medikamente zu sich nehmen müssen oder an einer Depression leiden, brauchen ein wesentlich komplexeres Management ihrer Beschwerden.

Management des Lebensstils

Herzschwäche bedarf lebenslanger Fürsorge, deshalb ist das Management ein multidisziplinäres Unterfangen, das sowohl die Familien wie die Patienten einbezieht. Beratung über die Änderungen des Lebensstils beinhalten unter anderem folgendes: Verzicht auf Rauchen, angepasste Ernährung und Nährstoffzufuhr, kontrollierter Umgang mit Alkohol je nach der Ursache des Zustands.

Körperliches Training spielt ebenfalls eine wichtige Rolle im Management von Herzschwäche. Solche Übungen sind aber nur geeignet für Menschen mit einem stabilen Krankheitsbild und in Verbindung mit einer medikamentösen Behandlung. Die Übungen sollten einem formalen Programm folgen, zum Beispiel dreißig Minuten mäßige Aktivität 5 Tage in der Woche mit Aufwärm- und Entspannungsübungen.

Typen der Herzschwäche

Um zu verstehen, was bei einer Herzschwäche geschieht, hilft es, sich mit der Anatomie des Herzens und seiner Arbeit vertraut zu machen: Es besteht aus zwei unabhängigen Pumpsystemen, eines auf der rechten, eines auf der linken Seite.

Die Symptome lassen sich traditionell aufteilen in “links- und rechtsseitige”, erkennbar daran, dass die rechte und die linke Herzseite unterschiedliche Funktionen in der Zirkulation des Blutes haben.

Linksseitige Herzschwäche ist der am meisten verbreitete Typ. Es handelt sich um einen Zustand, der das Leben bedroht, weil das Herz nicht genug Blut in den Körper pumpen kann. Die linke Seite der Herzens bringt Blut, das reich ist mit Sauerstoff, von den Lungen in den Rest des Körpers. Wenn die Fähigkeit der linken Seite beeinträchtigt ist, kann es nicht mehr genug sauerstoffreiches Blut in den Körper pumpen, und das ist die Ursache für das Versagen vieler Organe.

Verbreitete Ursachen für ein Versagen der linken Herzseite sind übermäßiger Alkoholkonsum, Herzinfarkt, Entzündungen des Herzmuskels, eine Überaktivität der Schilddrüse, und eine Herzschwäche als Folge vorhergehender Herzinfarkte.

Eine Schwäche der rechten Herzseite folgt meist auf eine Schwäche der linken. Sie kann aber auch aus einem Schaden resultieren, der auf einen Herzinfarkt der rechten Seite folgt. Wenn die linke Seite versagt, presst die Flüssigkeit zurück in die Lungen, was die rechte Seite des Herzens beschädigt. Verliert diese ihre Fähigkeit, Blut zu pumpen, fließt das Blut zurück in die Venen, was oft den Körper anschwellen lässt, besonders in den Beinen.

Hoher Blutdruck

Bluthochdruck kann auf lange Zeit das Risiko einer Herzschwäche verstärken. Er gilt als schleichender Killer. Oft haben Betroffene keinerlei Symptome.

Wenn das Herz höhere Pumpfrequenzen aufbringen muss, ist der Muskeln chronisch überarbeitet. Das Herz vergrößert sich, insbesondere die rechte Kammer. Mit der Zeit wird die linke Herzwand immer dicker, um seinen Job auszuführen. Je dicker der Muskel aber ist, um so mehr Blut braucht er, um ausreichend Sauerstoff aufzunehmen. Durch diese permanente Dauerbelastung wird das Herz geschwächt. Die Kontraktionen pumpen jedesmal weniger Blut.

Ein zu hoher Blutdruck steigert das Risiko für eine Herzinsuffizienz. Dieser liegt vor, wenn an verschiedenen Tagen Werte von 140 zu 90 mmHg oder höher gemessen werden. (Bild: think4photop/fotolia.com)

Arteriosklerose

Arteriosklerose entsteht, wenn sich Plaques in den Arterienwänden bilden. Dadurch verengen sich die Adern und das Blut kann schlechter fließen. Blutgerinnsel können den Blutfluss jetzt sogar stoppen. Eine durch die engen Arterien bereits vorhandene Schwäche kann jetzt in einen Herzinfarkt oder Schlaganfall münden.

Herzklappenfehler

Erkrankungen der Herzklappe entstehen, wenn eine oder mehrere der Klappen geschädigt sind. Das Herz hat von diesen Klappen vier, die sich bei jedem Herzschlag öffnen und schließen.

Geburtsdefekte, altersbedingte Veränderungen, Infektionen und andere Umstände können die Herzklappen in ihrer Funktion beeinträchtigen, so dass diese nicht völlig öffnen und das Blut so zurück in die Herzkammern fließt.

Intakte Herzklappen sorgen dafür, dass das Blut mit ausreichender Kraft auf dem richtigen Weg zur richtigen Zeit fließt. Bei Herzklappenkrankheiten können sich diese Klappen hingegen nicht hinreichend öffnen oder schließen, und das Blutfluss stockt.

Kurzatmigkeit und unregelmäßiger Puls

Zu den Symptomen eines Herzklappenfehlers gehören Schmerzen in der Brust, unregelmäßiger Puls, Kurzatmigkeit und Schwellungen. Kurzatmigkeit lässt den Atem stocken. Zu wenig Sauerstoff gelangt in den Körper, deshalb können die Patienten wenig leisten. Erstickungsgefühle quälen sie und lösen Angst aus.

Betroffene eignen sich schleichend ein Vermeidungsverhalten an. Sie reduzieren die Belastungen im Alltag und merken so die Symptome kaum. Das Berufsleben vor dem Laptop sorgt zudem dafür, dass ihnen die Beschwerden nicht auffallen: Atemprobleme zeigen sich erst bei körperlicher Anstrengung.

Schreitet die Erkrankung fort, zeigt sie sich indessen deutlich: Die Patienten verspüren Atemnot beim Treppensteigen und bei Spaziergängen, und das Atmen tut ihnen weh. Bei einem Schaden an den Herzklappen kann das Herz nicht mehr ausreichend Blut pumpen, und das Blut fließt in die Lunge zurück. Das löst Kurzatmigkeit und Atemnot aus.

Liegt ein Herzklappenfehler vor, können mit der Zeit schon kleinste Anstrengungen zur Qual werden. Die Patienten bekommen z.B. beim Treppensteigen keine Luft mehr. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Kardiomyopathie

Diese Krankheit führt zu Herzschwäche, weil sie die Herzmuskeln beschädigt. Der Muskel vergrößert sich, wird dicker, und in selten Fällen wird das Muskel- durch Narbengewebe ersetzt.

Die häufigste Form dieser Krankheit ist die erweiterte Kardiomyopathie, von der vor allem Menschen mittleren Alters betroffen sind. Sie betrifft die Herzkammern und nimmt ihren Lauf, wenn sich die Herzmuskeln ausdehnen und dabei dünner werden. Die Ursache ist unbekannt, da jedoch ein Drittel der Erkrankten bereits eine Familiengeschichte dieser Krankheit haben, scheint eine genetische Belastung eine Rolle zu spielen.

Die hypertrophische Kardiomyopathie hingegen ist vermutlich erworben und kann Menschen in jedem Alter treffen, Männer ebenso wie Frauen. Sie ist vermutlich die Folge, wenn wir das Herz über Ausmaß belasten und tritt deshalb insbesondere bei Menschen auf, die in jungem Alter extremen Leistungssport treiben. Dieser sorgt dafür, dass sich die Zellen des Herzmuskels vergrößern und die Herzwände sich verdicken.

Sehr selten ist die restriktive Kardiomyopathie. Bei dieser Erkrankung sind die Herzsequenzen normal, ebenso die Dicke der Herzwände. Der Schaden liegt hier in den Entspannungsphasen. Ursache ist ein ineffizienter Herzmuskel, der den Herzkammern nicht ermöglicht, sich normal mit Blut zu füllen. Dadurch kommt es zu einem “Back up”, bei dem das Blut in die oberen Herzkammern zurück fließt, ebenso in die Lungen und den Körper. Betroffen sind im Unterschied zu den ersten beiden Formen fast ausschließlich ältere Menschen.

Erkrankungen der Lunge

Das Herz-Lungen-System ist untrennbar verbunden, hält den Blutkreislauf aufrecht und sorgt so dafür, dass wir leben können. Schäden an der Lunge wirken sich deshalb auf die Funktion des Herzens aus.

Eine Lungenerkrankung mit Atembeschwerden wirkt sich auch auf die Funktion des Herzens aus. (Bild: Lydie/fotolia.com)

Eine ganze Reihe von Erkrankungen der Lunge kann eine Herzschwäche auslösen, weil die Luftzufuhr unterbrochen wird und so zu wenig Sauerstoff in das Herzen gelangt. Dies führt als Erstsymptom zu Atemnot und Husten. Indessen sind Atembeschwerden nicht notwendig mit Erkrankungen der Lunge verbunden: Das Spektrum der Krankheiten, die mit Problemen bei der Atmung einher gehen, ist deswegen so groß, weil Atmen diverse Organe beansprucht: Zuerst natürlich die Lunge, aber auch das Herz, die Muskeln und das Gehirn – sogar die Knochen sind beteiligt.

Atemnot ist dabei meist ein Zeichen für Sauerstoffmangel oder einem Überschuss an Kohlendioxid. Beide Stoffe sind in einem funktionierenden Organismus im Ausgleich. Ist dieser gestört, merken wir das als Luftnot. Krankheiten, welche diese Beschwerden bedingen, sind: Asthma, Bronchitis, Lungenentzündungen in jeglicher Form, Tuberkulose, Lungen- und Kehlkopfkrebs, Herzinfarkt, Herzklappenfehler, Herzmuskelentzündungen, die koronare Herzkrankheit und Erkrankungen am Herzbeutel.

Atemnot entsteht auch bei einem allergischen Schock, bei starkem Übergewicht, bei Diabetes, Eisenmangel, Nierenversagen und Störungen der Schilddrüse. Psychisch bedingte Atembeschwerden kommen bei Panikattacken, Angststörungen und Hyperventilation vor.

Herzschwäche kann entstehen, wenn die Lunge ihre Funktion nicht mehr aufrecht erhalten kann. Dann haben die Betroffenen zu wenig Sauerstoff in ihrem Blutkreislauf, und das Herz wird nicht mehr angemessen versorgt.

Während aber Erkrankungen der Lunge sekundär zu einer Herzschwäche führen können, sind Symptome wie Kurzatmigkeit und Luftnot bei Lungen- wie Herzerkrankungen ähnlich, so dass die Diagnose schwer fällt, was Folge, und was Ursache ist.

Erkrankungen der Schilddrüse

Erkrankungen der Schilddrüse und des Herzens sind eng verknüpft. Das überrascht nicht, denn die Schilddrüse wirkt auf nahezu jede Zelle im Körper hinein. Ein Ungleichgewicht in der Hormondrüse kann zu dramatischen Blutdruckschwankungen führen und so den Herzrhythmus und die gesamten Herzfunktionen aus der Ordnung bringen. Der Herzmuskel kann ohne die Schilddrüsenhormone nämlich nicht arbeiten, genauer gesagt nicht genug Blut in den Körper pumpen.

Eine Schilddrüse die normal funktioniert, produziert 80 % Thyroxin (T 4) und 20 % Triiodthyronin (T 3). Sie kontrolliert den Metabolismus durch das Schilddrüsen-Hormon, welches es bildet, indem es Jod aus dem Blut extrahiert und es in die Hormone aufnimmt. Diese Hormone sind einzigartig, weil sie Jod absorbieren und nutzen. Deshalb ist jede andere Zelle auf die Schilddrüse angewiesen.

Ohne die von der Schilddrüse produzierten Hormone kann der Herzmuskel nicht genug Blut in den Körper pumpen. (Bild: nerthuz/fotolia.com)

Die Schilddrüsenhormone haben einen erheblichen Effekt auf die physiologischen Langzeitprozesse wie die körperliche Entwicklung, das Körperwachstum und den Metabolismus, und ein Mangel ist nicht mit einer normalen Gesundheit vereinbar.

Risikofaktoren für eine Herzschwäche

Bei einigen Menschen ist die Gefahr für eine Herzschwäche größer als bei anderen. Es lässt sich zwar nicht nicht mit Sicherheit vorhersagen, bei wem sich zu welchem Zeitpunkt eine solche entwickelt, doch es gibt einige bekannte Risikofaktoren. Hierzu zählen unter anderem das Alter, die genetische Disposition und Übergewicht.

Alter und Geschlecht

Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für Herzerkrankungen bei beiden Geschlechtern. Circa vier von fünf Menschen, die an einer koronaren Herzerkrankung sterben, sind 65 und älter. Deshalb ist es wichtig, sich mit zunehmenden Alter regelmäßig Herzuntersuchungen zu unterziehen, auch wenn ein Mensch keinerlei Symptome zeigt.

Das Geschlecht spielt ebenfalls eine Rolle. Lange galten Herzkrankheiten als Männerkrankheiten. Das stimmt zwar nicht generell, weil sie auch Frauen betreffen. Jedoch geht die Tendenz dahin, dass Herzkrankheiten Männer früher im Leben heimsuchen – ab dem Alter von 65 ist das Risiko bei Frauen jedoch genau so groß.

Ethnizität

Ethnizität spielt bei Herzkrankheiten mit, allerdings steht diese in einem komplexen Wechselspiel zu verbundenen Faktoren, nämlich sozialen, kulturellen und ökonomischen. Dazu gehören Bildung, Sprachschwierigkeiten, Rassismus, unterschiedliche Gesundheitssysteme, Vorstellungen von “traditioneller Medizin”. Diese interagieren mit biologischen Faktoren und sozialen Netzwerken, das gilt zum Beispiel für Risikofaktoren wie Rauchen und Alkohol. Generell lässt sich aber kein Zusammenhang zwischen der genetischen Ausstattung von Menschengruppen und Herzschwäche feststellen.

Einige Risikofaktoren sind in manchen Regionen der Erde häufiger als in anderen: Südasiaten zeigen zum Beispiel höhere Raten an Diabetes, aber einen geringeren Level an Stress als Mitteleuropäer. Ostasiaten haben häufig einen zu hohen Blutdruck, Afroamerikaner leiden sowohl unter Hypertonie und Diabetes und ihr Risiko, an Herzschwäche zu erkranken, ist um 30 % höher als bei “weißen” Amerikanern.

Insgesamt haben Südasiaten, Ostasiaten und Afrikaner ein geringeres Risiko, eine Herzschwäche zu entwickeln als Mitteleuropäer. Das ist kein Zufall, denn die Risikofaktoren wie fett- und kalorienreiche Ernährung, ein hoher Stresslevel, “flexible” Arbeitszeiten, verbunden mit sitzender Tätigkeit und zu wenig Bewegung, kennzeichnen (post-) industrielle Gesellschaften.

Familiengeschichte und Genetik

Die genetischen Voraussetzungen wirken in Herzkrankheiten ein. Das zeigt sich nicht erst bei einem Herzinfarkt, sondern bereits bei hohem Blutdruck oder überhöhtem Cholesterin-Level. Selbstverständlich verstärken Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht oder überhöhter Alkoholkonsum diese angeborene Disposition, doch betrifft die Herzschwäche Söhne und Töchter, Brüder und Schwestern auch, wenn der eine Kette raucht und der andere überhaupt nicht.

Allerdings müssen die Ärzte sehr genau unterscheiden zwischen familiär weitergegebenen Traditionen und der biologischen Grundausstattung. Oft ist nämlich ein überlieferter Lebensstil ausschlaggebend. Denn auch wenn sich die Gene auf Herzerkrankungen auswirken können, gibt es kein spezifischen Gen, dass das Risiko allein vergrößert – ausgenommen sind angeborene Fehler der Herzklappen, Herzkammern, Arterien, des Blutkreislaufs etc.

Die Gene spielen bei Herzkrankheiten eine wichtige Rolle. (Bild: kawin302/fotolia.com)

Diabetes

Diabetes kennzeichnet ein zu hoher Spiegel des Blutzuckers. Gewöhnlich bricht der Körper Glukose aus der Nahrung und bringt es in die Körperzellen. Die Zellen nutzen ein Hormon, das Insulin, um Glukose in Energie zu verwandeln. Menschen, die unter Diabetes 1 der 2 leiden, haben ein höheres Risiko, eine Herzschwäche zu entwickeln.

Insulin wird in der Pankreas gebildet, hinter dem Magen. Es hilft auch, Energie zu speichern. Ohne das Hormon würde der Körper nicht funktionieren können. Insulin ermöglicht den Zellen in den Muskeln, dem Fett und der Leber, Glukose aufzunehmen, die sich im Blut befindet. Diese Glukose kann bei Bedarf in Fett verwandelt werden. Insulin ist außerdem notwendig, um Fett und Proteine zu brechen.

Diabetiker führen sich künstlich Insulin zu, weil sie davon nicht genug selbst prouzieren. Sie bekommen dazu in der Regel eine Spritze. Mit der Zeit kann der Blutzuckerspiegel, den die Diabetes hoch treibt, die Blutgefäße und Nerven schädigen, die das Herzen kontrollieren. Je länger jemand an der „Zuckerkrankheit“ leidet, umso höher ist das Risiko, am Herzen zu erkranken. Außerdem sind Diabetiker früher in ihrem Leben von Herzproblemen betroffen als Nichtkranke – das Risiko ist doppelt so hoch.

Übergewicht

Übergewicht ist ein bekannter Risikofaktor für Herzschwäche. Dabei gilt die Regel: Je höher das Übergewicht und die Verfettung sind, umso höher ist das Risiko, am Herzen zu erkranken. Die Ursache dafür ist zum einen, dass Übergewicht andere Risikofaktoren für Herzkrankheiten mit sich bringt wie Diabetes, hohen Blutdruck und hohen Cholesterinspiegel. Auch das Übergewicht selbst ist indessen eine Gefahr.

Übergewicht bedeutet Mehrarbeit für das Herz

Extremes Übergewicht bedeutet für das Herz eine permanente Arbeitsüberlastung. Die wiederum führt mittel- bis langfristig zu einer verdickten und vergrößerten linken Herzseite. Diese wiederum kann zu einer Herzschwäche führen, zu einem unregelmäßigen Puls und sogar zu einem Herzstillstand und / oder einem Herzinfarkt.

Atemnot

Schweres Übergewicht kann chronische Atemnot bedingen, die dann oft eine enstehende Herzschwäche begleitet: Atemnot ist erst einmal keine medizinische Diagnose, sondern ein Empfinden. Der Körper atmet gesteigert, weil die Betroffenen nicht genug Sauerstoff bekommen. Solche Luftnot unterscheidet sich von chronischer Kurzatmigkeit darin, dass die Betroffenen anfangs noch tief durchatmen, erst mit gesteigerten Atemfrequenzen werden die Atemzüge flacher – die Menschen atmen kürzer, weil sie schneller atmen.

Das Einatmen transportiert die Luft in die Lunge, dort gelangt der Sauerstoff ins Blut und zwar in den Lungenbläschen. Das mit Sauerstoff versehene Blut pumpt das Herz in den Kreislauf. Atumgssystem, Herz, Gefäße und Blut arbeiten also zusammen.

Jeder dieser „Bausteine“ ist beeinträchtigt, wenn er zu wenig Sauerstoff erhält. Rezeptoren im Körper erfassen die Unterversorgung, benachrichtigen das Gehirn und das sendet die Information Atemnot und den Auftrag, die Atemfrequenz zu erhöhen.

Innere Entzündungen

Adipositas kann auch zu einer Überproduktion des Hormons Leptin führen, welches im Übermaß innere Entzündungen auslöst wie die gefährliche Arteriosklerose am Herzen. Außerdem verhindert zu viel Leptin den Insulin-Stoffwechsel. Dadurch können Herzzellen zerstört werden. Diese werden bei Fettsüchtigen durch Fettzellen ersetzt. Das führt in der Konsequenz zu tödlichen Störungen des Herzrhythmus. Der Volksmund spricht richtig von “Herzverfettung”.

Eine weitere Komplikation, die aus Übergewicht entsteht, ist der Atemstillstand während des Schlafens. Die Betroffenen schnarchen stark, dabei setzt immer wieder ihr Atem aus. Meist wachen sie davon auf und holen Luft, doch der wiederkehrende Atemstillstand führt zu einer dauerhaften Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff und setzt die Patienten einem erhöhten Risiko aus, eine Herzschwäche zu entwickeln.

Prävention: So beugen Sie einer Herzschwäche vor

Eine Herzschwäche lässt sich nicht immer vermeiden, entscheidend sind die Ursachen. Sie können jedoch Risikofaktoren eindämmen.

1.) Vermeiden Sie negativen Stress, vor allem, wenn Sie sich diesem permanent aussetzen. Wer es lernt, gezielt Pausen einzulegen, sich Zeit für ein Nickerchen nimmt, nachts ausreichend schläft, am Wochenende auf Reisen geht und sich eine längere Auszeit gönnt statt sich abzurackern, der unterstützt ein gesundes Herz bei seiner Arbeit.

2.) Verzichten Sie auf exzessiven Genuss von Nikotin, Alkohol und Koffein.

3.) Auch wenn Sie keine Symptome bemerken. Gehen Sie, besonders ab dem 50. Lebensjahr, regelmäßig zur Herzuntersuchung. (Somayeh Khaleseh Ranjbar; übersetzt und ergänzt von Dr. Utz Anhalt)

Referenzen
https://www.drsinatra.com/causes-of-congestive-heart-failure-high-blood-pressure
http://www.heart.org/HEARTORG/Conditions/More/Cardiomyopathy/What-Is-Cardiomyopathy-in-Adults_UCM_444168_Article.jsp
http://www.healthline.com/health/copd/serious-complications#complications2
http://www.nytimes.com/health/guides/disease/heart-failure/print.html
https://www.sciencedaily.com/releases/2014/10/141027085430.htm
https://www.niddk.nih.gov/health-information/diabetes/overview/preventing-problems/heart-disease-stroke
http://www.obesityaction.org/educational-resources/resource-articles-2/obesity-related-diseases/cardiovascular-disease-obesity-and-the-heart

Zu den Hormonen
http://study.com/academy/lesson/hormones-definition-function-intro-to-the-endocrine-system.html
http://www.yourhormones.info/Hormones/Cortisol.aspx
http://umm.edu/health/medical/altmed/supplement/melatonin
http://www.bodyandsoul.com.au/health/health-advice/all-about-hormones/news-story/a4d25e26803d0cddf050b47e3d474741
https://medlineplus.gov/ency/article/001176.htm
http://www.hormone.org/hormones-and-health/what-do-hormones-do/adrenaline
https://www.endocrineweb.com/conditions/type-1-diabetes/what-insulin
http://www.idiva.com
http://www.aarogya.com/family-health/diet-a-nutrition/avoiding-the-side-effects-of-synthetic-human-growth-hormone.html
http://www.onlymyhealth.com/role-hormones-during-pregnancy-1310534790
http://www.medicaldaily.com