Herzstillstand Ursachen und Symptome

Keine Atmung, kein Bewusstsein und kein Puls: Das sind die Anzeichen eines akuten Herzstillstandes. Bild: Miriam Dörr-fotolia
Dr. Utz Anhalt
Ein Herzstillstand bedroht das Leben, und viele Menschen jeden Alters und Geschlechts sterben daran. Kein Blut fließt mehr durch die Gefäße, und der Blutkreislauf steht still. Die Organe erhalten keinen Sauerstoff mehr, und deshalb setzt nach wenigen Minuten der Tod ein. An diesem plötzlichen Herztod sterben in Deutschland jährlich 100 000 Menschen.
Der plötzliche Herztod galt über die Jahrtausende als mysteriöseste aller Todesursachen. Die Kulturen der Antike sahen darin einen Zorn der Götter, die sich an dem Betroffenen für eine Missetat rächten, und im Hexenwahn der frühen Neuzeit halluzinierten die Verfolger den Schadenszauber einer Hexe am Werk. Tatsächlich erfolgt kaum ein Tod so unvorhergesehen: Menschen, die scheinbar in voller Blüte ihrer Kraft stehen, brechen unvermittelt zusammen – und wenige Minuten später sind sie tot.

Keine Atmung, kein Bewusstsein und kein Puls: Das sind die Anzeichen eines akuten Herzstillstandes. Bild: Miriam Dörr-fotolia
Keine Atmung, kein Bewusstsein und kein Puls: Das sind die Anzeichen eines akuten Herzstillstandes. Bild: Miriam Dörr-fotolia

Ein Herzstillstand folgt häufig auf einen Herzinfarkt, er kann aber auch durch eine Herzschwäche entstehen, durch den Ausfall des Sinusknotens oder durch einen Stromschlag.

Dem Herzstillstand geht häufig das Kammerflimmern voraus: Die Herzmuskeln ziehen sich schnell, aber unkoordiniert zusammen, ohne zu pumpen.

Das Herzversagen zeigt sich durch fehlenden Puls. Nach drei Sekunden wird dem Betroffenen schwindlig, nach 30 Sekunden verliert er das Bewusstsein, nach zwei Minuten steht der Atem still, nach vier Minuten erleidet das Gehirn Schaden, weil es keinen Sauerstoff mehr bekommt.

Was tun?

Laien haben häufig Angst, eine Wiederbelebung durchzuführen, aus Angst, sie könnten etwas falsch machen. Dabei müssen sie sofort handeln, denn eine Herz-Lungen-Pressung ist die einzige Möglichkeit, Herz und Organe mit Sauerstoff zu versorgen. Sie rettet also das Leben.

Erstens muss der Notruf angerufen werden. Um festzustellen, ob der Betroffene bewusstlos ist, sprechen wir ihn an und schütteln ihn an der Schultern. Wenn er nicht reagiert, verständigen wir den Rettungsdienst.

Zweitens prüfen wir, ob der Betroffene atmet. Dazu drücken wir seinen Kopf nach hinten und halten unser Ohr an seinen Mund. Wenn er nicht atmet, röchelt oder nach Luft schnappt, beginnen wir mit der Reanimation.

Drittens führen wir die Herzdruckmassage durch. Dafür knien wir seitlich neben dem Bewusstlosen und legen beide Handballen auf die Mitte des Brustbeins. Wir drücken den Brustkorb schnell, mindestens 100 mal pro Minute nach unten, ohne zu unterbrechen.

Haben Sie dabei keine Angst, etwas falsch zu machen: Selbst wenn eine Rippe bricht, ist das in dieser Situation kein Problem, denn eine gebrochene Rippe heilt – aber wer tot ist, ist tot.

Herzstillstand Ursachen

Ein Herzstillstand hat viele Ursachen. Oft ist der Herzrhythmus gestört, das heißt, das Herz schlägt unregelmäßig oder in der falschen Reihenfolge. Medikamente, Blutverlust, der Schock nach einem Unfall, ein Stromschlag, übermäßiger Sport ohne entsprechendes Training oder Stress können ebenfalls einen Herzstillstand auslösen.

Diagnose

Ein Herzstillstand muss sofort diagnostiziert werden, sonst ist der Betroffene nach wenigen Minuten tot. Zum Glück ist die Diagnose einfach: Wenn jemand plötzlich bewusstlos wird, nicht mehr atmet und keinen Puls mehr zeigt, liegt ein Herzstillstand vor.

Behandlung

Der Betroffene braucht umgehend Behandlung, denn wenn das Herz stillsteht, versorgt es das Gehirn und alle Organe nicht mehr mit Sauerstoff. Der Blutkreislauf steht still, und kein Blut gelangt mehr zu den Gefäßen.

Treffen die Sanitäter ein, setzen sie einen Defibrillator ein. Der schickt Elektroschocks an das Herz, und oft beginnt es wieder zu schlagen. Die Herzdruckmassage wird weiter betrieben, damit keine Körperteile absterben.

Eine Herz-Druck-Massage kann Leben retten. Bild: Dron - fotolia
Eine Herz-Druck-Massage kann Leben retten. Bild: Dron – fotolia

Überlebt der Patient, kommt er erst einmal in eine Klinik. Die Ärzte untersuchen die Ursache für den Herzstillstand und damit auch die Gefahr, dass er sich wiederholt.

Vorbeugung

Ein Herzstillstand lässt sich nicht immer verhindern. Auch Menschen, die ein „gesundes Leben“ führen, sich also ausgewogen ernähren und viel Sport treiben, sterben am Herzversagen. Doch Übergewicht, Rauchen und Alkohol erhöhen das Risiko, einen Herzstillstand zu erleiden.

Übermäßiger Konsum von Drogen, die den Körper über das normale Maß hinaus wach halten, um die Nächte durch zu tanzen wie Extasy oder Kokain erhöhen das Risiko eines Herzstillstands enorm. Warnsignale wie Herzrasen sind chronischen Konsumenten bekannt, aber meist verdrängen sie die Gefahr des plötzlichen Sterbens.

Oft lagen bereits Herzerkrankungen vor, zum Beispiel verdeckte Herzinfarkte, Herzschwächen oder eine koronare Herzerkrankung. Vorbeugung heißt hier Voruntersuchung, also regelmäßig beim Arzt sein Herz zu prüfen.

Es gilt, auf Symptome zu achten, die einem Herzstillstand voraus gehen. Dazu gehören starke Schmerzen hinter dem Brustbein, Druck auf der Brust, Atemnot und ein Gefühl von Enge in der Brust. Spüren wir diese Anzeichen, sollten wir sofort einen Notarzt rufen.

Auch wenn uns bisweilen schwarz vor den Augen wird, ohne zu wissen warum, kann ein Herzproblem vorliegen. Diese Symptome können zwar auch andere -harmlose und weniger harmlose- Ursachen haben, doch sollten wir sie ernst nehmen.

Atemstillstand im Schlaf

Schnarchen stört nicht nur den Bettnachbarn, es kann auch das Gehirn schädigen, nämlich dann, wenn ein Schlafapnoe-Syndrom vorliegt, das sich durch unregelmäßiges Schnarchen mit langen Pausen ankündigt.

Dabei setzt während des Schlafs immer wieder die Atmung aus. Vor allem Menschen über 60 Jahren haben dieses Problem. Seine Ursache hat dieser Atemstillstand vermutlich im schleichenden Zelltod. Je älter wir werden, umso weniger PreBötC-Zellen hat der Körper. Das sind Signalzellen, und wenn diese verschwinden, steigt die Gefahr des Atemstillstands im Schlaf.

Menschen mit akuter Schlafapnoe können sich durch Überdruck helfen. Dazu setzen sie eine Maske auf, die im Schlaf die Atmung regelt.

Herzstillstand beim Sport

Bei Marathon siegten die griechischen Armeen der Antike über die zahlenmäßig weit überlegenen Perser. Ein Läufer, mal mit Namen Thersippos, mal Pheidippides, lief der Legende nach über 40 km, um den Athenern den Sieg zu verkünden. Dann brach er tot zusammen.

Die Geschichte entstand erst lange nach der Schlacht, und ähnliche Mythen von heldenhaften Läufern kursierten überall in Griechenland – es handelt sich vermutlich um eine moralisierende Erzählung, um den Waffenläufern in Athen ein Vorbild zu geben.

Die Fabel belegt indessen, dass der Tod durch Herzstillstand im Extremsport den Griechen wohl bekannt war, denn genau so sieht der plötzliche Herztod bei Sportlern aus, die ihre körperlichen Grenzen überschreiten.

Ein plötzliches Herzversagen tritt zum Beispiel bei Profi-Fußballspielern zwar selten auf, gehört aber zu ihren Berufsgefahren.

Leistungssport erhört das Risiko eines Herzstillstand um das Vierfache, denn körperliche Belastung ist einer der Faktoren für eine Störung des Herzrhythmus, insbesondere, wenn der Betroffene bereits unter versteckten Herzproblemen leidet. Das gilt jedoch nicht für regelmäßigen Sport auf niedrigem Niveau, denn der lindert die Gefahr, einen Herzstillstand zu erleiden.

Wer also beim Fußballtraining unter Atemnot leidet, Druck auf der Brust spürt, oder wem dabei „schwummrig“ wird, der sollte die Warnhinweise ernst nehmen. Wenn er unter Herz-Kreislauf-Krankheiten leidet, ist dieser Sport nichts für ihn.

Trainer “alter Schule”, die meinen, dem Betroffenen müsse “jemand mal richtig in den Hintern treten”, spielen mit dem Leben der ihnen Anvertrauten, und solche Macho-Allüren sind vermutlich in der Kreisliga noch weiter verbreitet als im Profi-Sport, wo das Training zumindest eine sportwissenschaftliche Basis hat.

Herzstillstand im Fußball wurde ein Thema, nachdem der Nationalspieler Gregory Mertens in Belgien bei einem Spiel das Bewusstsein verlor, und auch ein Defibrillator nicht verhinderte, dass er in der Klinik ins künstliche Koma gelegt werden musste.

2012 ereilte es Fabrice Muamba von den Bolton Wanderers beim Viertelfinale in England. Ein Defibrillator und Herzdruckmassage sorgten dafür, dass sein Herz nach 78 Minuten wieder schlug. Doch der Italiener Piermario Morosini starb an Herzstillstand während eines Zweitligaspiels.

Die Gefahr bei Amateuren ist ebenso groß wie in der Nationalliga, doch vor Ort fehlen häufig Defibrillatoren und kein Arzt ist in der Nähe. Die FIFA fordert deshalb Defibrillatoren für jedes Stadion. Ein auch für Laien geeignetes Gerät erhöht die Überlebenschancen von 5 auf 75 %.

Am größten ist das Risiko für Golfspieler. Zum einen sind sie durchschnittlich viel älter als andere Sportler, und damit ist die Gefahr eines Herzleidens sowieso schon hoch, zum anderen ist Golfspielen mit einem enormen physischen Einsatz und geistiger Konzentration verbunden, was die Betroffenen jedoch oft unterschätzen.

Heute gibt es Defibrillatoren für Laien, die nur noch acht Sekunden brauchen, bis sie die Energie an den Körper weiterleiten. Niemand muss eine Gebrauchsanweisung lesen. Das Gerät teilt dem Helfer mit, was er tun muss. Der Defibrillator analysiert eigenständig, ob eine Behandlung nötig ist – mittels Elektroden, die an den Körper angelegt werden. Moderne Defibrillatoren benachrichtigen außerdem von selbst den Rettungsdienst.

Besonders gefährdet sind Menschen, die einen radikalen Lebenswandel vollziehen, während sie sich von einer Suchterkrankung befreien. Ehemalige Heroinabhängige oder trockene Alkoholiker verfallen bisweilen in das Gegenextrem und treiben fanatisch Sport, um Körper und Psyche wieder auf Touren zu bringen. Wenn sie es übertreiben, fügen sie dem alten Faktor, einen Herzstillstand zu erleiden, einen neuen hinzu: Sie überlasten ihren von Drogen geschwächten Herzkreislauf zusätzlich.

Trockene Alkoholiker sind also gut beraten, Sport langsam anzugehen und sich von einem Coach begleiten zu lassen, egal, ob sie Kraftsport betreiben oder joggen gehen. Dies gilt besonders, weil ehemalige Suchtkranke das Gefühl verloren, was ihrem Körper gut tut, und die Signale nicht wahrnehmen.

Aber auch Menschen ohne Vorbelastung sollten Leistungssport vorsichtig betreiben. Beim New York Marathon teilzunehmen kann eine wertvolle Selbsterfahrung sein, doch sich zuviel vorzunehmen, kann ebenso tödlich enden. Einem Herzstillstand vorzubeugen, bedeutet, sich vorzubereiten – nicht übermäßig, aber dafür regelmäßig.

Promimente mit Herzversagen

Das berühmteste Opfer eines Herzstillstands ist Michael Jackson. Der „King of Pop“ starb daran mit 50 Jahren. Helfer versuchten ihn zu reanimieren – ohne Erfolg. Im UCLA Medical Center belebten die Ärzte ihn eine Stunde lang, doch Jackson starb.

Brian Oxman, einer von Michaels Anwälten, vermutete schon früh, dass der Sänger eine tödliche Dosis verschreibungspflichtiger Medikamente geschluckt hatte. Davor hätte er ihn zuvor gewarnt. Oxman verglich Jacksons Tod mit dem Ende von Anna Nicole Smith, die ebenfalls an einer Überdosis Medikamente gestorben war.

Im Dezember 2009 starb die Schauspielerin Brittany Murphy unter der Dusche. Brittany nahm Drogen, uns sie litt unter Magersucht, beides erhöht das Risiko für einen Herzstillstand. Sie wurde nur 32 Jahre alt.

2015 brach Udo Jürgens im Alter von 80 Jahren zusammen, als er spazieren ging. Diagnose: Akuter Herzstillstand.

Der britische Sänger Pete Doherty ist durch seine Drogenexzesse berüchtigt. Auch er erlitt einen Herzstillstand und sagte dazu: „Wenn ich nicht an einer Herz-Lungen-Maschine angeschlossen worden wäre, wäre ich in Irland gewesen. Aber mein Herz setzte aus. Das war alles ziemlich schräg. Die Ärzte meinten, alles hätte etwas mit Drogen zu tun gehabt, aber so war es nicht. Es war eine Art Vergiftung. Was passiert ist? Keine Ahnung… Zuerst fuchtelte ich noch wie wild mit den Händen herum – und dann, alles stoppte. Mein Körper hielt quasi an.“

Die Pornodarstellerin Carolin Ebert, besser bekannt als „Sexy Cora“ starb an einem Herzstillstand während einer Brustoperation. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen die verantwortliche Anästhesistin und den Chirugen wegen fahrlässiger Tötung.

Die Klinik wies die Verantwortung zurück: Blutbild und EKG seien untersucht worden, sie hätten die Patientin über die Risiken aufgeklärt und zudem hätte der Herzstillstand vor der eigentlichen Operation eingesetzt. Das Gericht sprach die Angeklagten jedoch schuldig.

Gefriertherapie bei Stillstand des Herzens

Eine neue Therapie soll gegen den Herzstillstand helfen, indem der Patient „tief gekühlt“ wird, sprich, die Körpertemperatur wird auf 10 Grad Celsius gesenkt.

Die Idee zu dieser neuen Therapie lieferte die schwedische Ärztin Anna Bagenholm, die 1999 einen Skiunfall erlitt. Sie stürzte einen Berg hinunter und brach in Eis ein, ihr Körper lag in Schmelzwasser. Sie erlitt den „Kältetod“. Doch die Notärzte wärmten sie wieder auf, und das Herz begann zu schlagen.

Neue Gefriertherapie bei Herzstillstand. Bild: Tim UR - fotolia
Neue Gefriertherapie bei Herzstillstand. Bild: Tim UR – fotolia

Peter Rhee von der Universität Arizona entwickelte ein Verfahren, mit dem er die Phase zwischen Leben und Tod bei Schwerstverletzten ausdehnen will. Er friert die Körper auf 10 Grad Celsius hinunter und meist, so wertvolle Minuten zu gewinnen, um die Wunden zu versorgen.

Falls die Herzdruckmassage versagt, möchte Rhee seine Technik anwenden. Dazu öffnet er zuerst den Brustkorb und schiebt eine Kanüle in die Aorta, die eine kalte Salzlösung in den Brutkreislauf drückt. Dadurch stellen die Zellen ihre Arbeit ein und werden kältekonserviert.

Rhee sagt, so bliebe eine ganze Stunde mehr, um den Patienten zu behandeln. Danach wärmt eine Herz-Lungen-Maschine den Körper auf und pumpt warmes Blut in den Körper.

Andere Mediziner bezweifeln den Erfolg dieses „Schockfrierens“. Allerdings werden auch in Deutschland Patienten für Reanimationen „gekühlt“, allerdings nur auf 32 Grad Celsius.

In Deutschland gibt es ethische Probleme, die Therapie durchzuführen. Immerhin handelt es sich um einen künstlich herbei geführten „vorüber gehenden Tod“ der Zellen, dem die bewusstlosen Betroffenen in der Situation nicht zustimmen können.

Die Gefriertherapie zeigt indessen, dass der Medizin auch beim Herzstillstand ungenutzte Perspektiven zur Verfügung stehen: Herzinfarkte und Herzschwäche sind heute wesentlich weniger riskant als noch vor wenigen Jahrzehnten, und auch der plötzliche Herztod, der so schicksalhaft wirkt wie kein anderes Ende, lässt sich hoffentlich in Zukunft besser vermeiden als wir uns heute vorstellen. (Dr. Utz Anhalt)

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