Histaminunverträglichkeit: Symptome und Behandlung

Eine Histaminunverträglichkeit kann zu allergischen Reaktionen nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel und Getränke führen. (Bild: DOC RABE Media/fotolia.com)
Susanne Waschke

Bei einer Histaminintoleranz bzw. Histaminunverträglichkeit ist das Verhältnis zwischen dem anfallenden Histamin und dessen Abbau gestört. Histaminintoleranz ist keine Allergie, sondern eine Unverträglichkeit. Sie kommt vor allem bei Frauen im Alter zwischen 35 und 40 Jahren vor. Wir zeigen, wie sich Beschwerden äußern und welche Behandlung in Frage kommen kann.

Inhaltsverzeichnis

Histamin
Wie Histamin im Körper wirkt
Ursache: verminderte DAO Aktivität
Ursache: verminderte HNMT Aktivität
Beschwerden bei erhöhten Histaminwerten
Symptome
Histaminaufnahme durch Nahrungsmittel
Stoffe, die die Diaminoxidase hemmen
Stoffe, die die Darmdurchlässigkeit erhöhen
Übersäuerung – Zusammenhang mit Histamin
Zusatzstoffe, die Histamin enthalten
Diagnose

Histamin

Histamin gehört zur Gruppe der biogenen Amine, die im menschlichen Körper die vielfältigsten Aufgaben haben. So wird dieser Stoff bei allergischen Reaktionen und Entzündungen ausgeschüttet, er steuert die Magensaftproduktion, führt zu einer Erweiterung von einigen großen Gefäßen und ist auch im zentralen Nervensystem vorhanden.

Histamin wird durch zwei verschiedene Wege abgebaut. Das Enzym DAO (Diaminoxidase), welches vor allem in der Darmschleimhaut gebildet wird, baut extrazellulär anfallendes Histamin ab. Hiermit kann das Hormon schon im Nahrungsbrei eliminiert werden. HNMT (Histamin-N-Methyltransferase) hingegen kommt intrazellulär vor und ist vor allem in der Leber damit beschäftigt, dem Histamin zu Leibe zu rücken.

Eine Histaminunverträglichkeit kann zu allergischen Reaktionen nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel und Getränke führen. (Bild: DOC RABE Media/fotolia.com)
Eine Histaminunverträglichkeit kann zu allergischen Reaktionen nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel und Getränke führen. (Bild: DOC RABE Media/fotolia.com)

Typisch für eine Histaminintoleranz ist eine schnelle Reaktion in Form von Beschwerden, wie zum Beispiel Durchfall, Hautausschlag, Magenkrämpfe. Gerade mit Hilfe des Durchfalls will der Körper versuchen, das Histamin so schnell wie möglich loszuwerden. Aber auch Langzeitsymptome, wie Erschöpfung oder Stimmungsschwankungen sind möglich.

Wie Histamin im Körper wirkt

Das Histamin ist ein völlig natürlicher Stoff, der im Körper gebildet wird und durchaus wichtige Funktionen übernimmt. So ist dieser vor allem bei entzündlichen und allergischen Reaktionen beteiligt. Histamin bewirkt, dass eine Schwellung entsteht, sich die Blutgefäße erweitern und die Gefäßwände durchlässiger werden. Auf diese Art und Weise wird der Ort des Geschehens besser durchblutet und die Abwehrzellen können den Weg leichter und schneller finden.

Bei einer Allergie wird sehr viel Histamin ausgeschüttet, was zu den bekannten Allergiesymptomen führt. Bei der Histaminintoleranz verhält sich dies jedoch anders. Hier kann der Körper das anfallende Histamin nicht abbauen. Die dafür nötigen Mechanismen funktionieren nicht mehr richtig. So führen vor allem zugeführte, histaminreiche Lebensmittel zu einem Histaminüberschuss, woraufhin sich verschiedenste Symptome entwickeln können.

So wirkt Histamin im menschlichen Körper. (Bild: designua/fotolia.com)
So wirkt Histamin im menschlichen Körper. (Bild: designua/fotolia.com)

Ursache: verminderte DAO Aktivität

Verschiedene Ursachen sind für das Entstehen einer Histaminintoleranz verantwortlich. Das vor allem im Darm aktive Enzym DAO ist normalerweise in der Lage, das Histamin, das nicht mehr gebraucht wird, abzubauen. Ist dies jedoch vermindert, kann daraus eine Histaminintoleranz entstehen. Das Zuviel an Histamin gelangt in die Blutbahn, wodurch verschiedene körperliche Symptome auftreten können.

Auch existieren DAO blockierende Medikamente, beziehungsweise Wirkstoffe, die die Aktivität des wichtigen Enzyms hemmen können. Dazu gehört zum Beispiel Metoclopromid, das in Motilität beeinflussenden Arzneimitteln enthalten ist. Ebenso können Alkohol und Nikotin sich hemmend auf die Aktivität von DAO auswirken. Vitamin C und Kupfer sind wichtig für die Synthese dieses Enzyms. Kommen diese Mikronährstoffe vermindert vor, kann dies daher letztlich ebenso zu einer Histaminintoleranz führen.

Wie erwähnt, ist DAO vor allem in der Darmschleimhaut vorzufinden. Ist diese in ihrer Funktion gestört, kann dies zu einer Histaminintoleranz führen. So ist zum Beispiel häufig nach einer Antibiotikatherapie die Darmflora in einem Ungleichgewicht. Darmerkrankungen, wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Sprue beziehungsweise Zöliakie oder das Leaky Gut Syndrom werden ebenso dafür verantwortlich gemacht und können der Grund für eine HIT sein. Eine Darmdysbiose, ausgelöst durch Pilzbefall oder Ungleichgewicht der physiologischen Darmbakterien, gehört gleichermaßen zu den möglichen Ursachen für eine gestörte Darmschleimhaut.

Ein weiterer Grund für Histamin induzierte Beschwerden ist das Vorliegen einer sogenannten Östrogendominanz. Diese tritt häufig in der prämenopausalen Phase aber auch in Verbindung mit anderen Hormonveränderungen im Leben einer Frau auf. Umgekehrt regt das vorhandene Histamin die Produktion von Östrogen an. In diesem Zusammenhang wurde auch festgestellt, dass bei Frauen, die unter einer Histaminallergie leiden, deren Symptome während der Schwangerschaft geringer werden, weil in dieser Zeit der weibliche Körper eine Menge an Progesteron produziert, welches der Gegenspieler von Östrogen ist.

Eine Histaminunverträglichkeit, bedingt durch eine gestörte Aktivität des Enzyms DAO kann darüber hinaus in seltenen Fällen angeboren sein.

Ursache: verminderte HNMT Aktivität

HNMT ist für den intrazellulären Abbau von Histamin zuständig und befindet sich vor allem in der Leber, aber auch in der Haut, in den Atemwegen und im zentralen Nervensystem.

Die Vitamine B 9 und B 12 sind Kofaktoren für die Synthese von HNMT. Aufgrund von Unter- oder Fehlernährung, einer Pankreasinsuffizienz oder Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes können diese Stoffe fehlen. Ebenso sind eine Leberschwäche oder auch Lebererkrankungen eventuell „schuld“ an dem Vorliegen einer Histaminintoleranz. Zudem kann die verminderte Aktivität des HNMT angeboren sein.

Zu den möglichen Symptomen einer Histaminunverträglichkeit zählen unter anderem Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Atemprobleme und Hautirritationen. (Bild: Rob Byron /fotolia.com)
Zu den möglichen Symptomen einer Histaminunverträglichkeit zählen unter anderem Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Atemprobleme und Hautirritationen. (Bild: Rob Byron /fotolia.com)

Beschwerden bei erhöhten Histaminwerten

Durch zugeführtes Histamin, vor allem enthalten in Nahrungsmitteln, können eine Vielzahl von Beschwerden auftreten. So sind Erkrankungen im Kopfbereich, wie zum Beispiel Migräne oder Kopfschmerzen möglich. Des Weiteren können die Atmungsorgane, der Verdauungstrakt oder das Herz-Kreislaufsystem auf erhöhte Histaminwerte reagieren. Ebenso sind Ödembildungen, Erschöpfungszustände, Gelenkprobleme, Hauterkrankungen oder eine Abwehrschwäche möglich.

Symptome

Die Symptome bei der Histaminintoleranz unterscheiden sich durch die zugrundeliegende Ursache. Ist zu wenig an DAO vorhanden oder fehlt eher das EnzymHNMT oder sind eventuell beide betroffen ? Ist nur DAO vermindert, wird dies als akute Form bezeichnet. Ist zu wenig von HNMT vorhanden, so sprechen die Fachleute von der chronischen Form. Die Symptome treten bei der akuten Form relativ plötzlich oder schubweise auf, bei der chronischen Form beginnen diese ganz langsam und steigern sich allmählich. Die Beschwerden sind sehr individuell. Typische Leitsymptome sind eine geschwollene Nasenschleimhaut mit laufender Nase, Niesattacken, Hustenreiz und Atembeschwerden. Hinzu kommen noch Probleme im Verdauungstrakt, wie plötzlicher oder schubweise auftretender Durchfall, Blähungen, Blähbauch, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Die Haut reagiert häufig mit Rötung und Juckreiz, im Gesicht durch sogenannten Flush (Erröten), Schweißausbrüche, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen. Blutdruckabfall, Kopfschmerzen, Migräne, Erschöpfung, Menstruationsstörungen und Ödembildungen sind ebenso möglich. Die Patienten können gleichzeitig von mehreren Beschwerden betroffen sein, aber auch nur ein einziges Symptom ist möglich. Die Ausprägung ist sehr individuell.

Ist die Nahrung stark Histamin belastet, treten Bauchkrämpfe und akute Durchfälle teilweise schon innerhalb von fünfzehn Minuten nach Nahrungsaufnahme auf. Weitere mögliche Beschwerden im Zusammenhang mit einer Histaminintoleranz sind Hautunreinheiten, Reibeisenhaut, Aphthen der Mundschleimhaut, chronischer Hustenreiz, Nesselfieber, Ekzeme, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Unruhe, Melancholie, Muskelzucken, grippeähnliche Symptome, Mandelentzündungen, ein Kloß im Hals und Vieles mehr.

Häufig wird Alkohol gar nicht oder nur in kleinen Mengen vertragen. Vor allem ist hier Rotwein als Auslöser von Beschwerden zu nennen, da dieser reich an Histamin ist.

Histamin ist in zahlreichen Lebensmitteln, wie beispielsweise auch in Käse und Rotwein zu finden. (Bild: steinerpicture/fotolia.com)
Histamin ist in zahlreichen Lebensmitteln, wie beispielsweise auch in Käse und Rotwein zu finden. (Bild: steinerpicture/fotolia.com)

Histaminaufnahme durch Nahrungsmittel

Die Histaminintoleranz ist eine ziemlich komplizierte und noch nicht eindeutig geklärte Erkrankung. So unterscheiden sich auch die Tabellen zu den histaminhaltigen Nahrungsmitteln, die im Zusammenhang mit der Erkrankung veröffentlicht werden. Nahrungsmittel, die mit Hilfe von Bakterien, Hefe oder Alkohol einem Gärungs,- Reifungs- oder Fermentationsprozess ausgesetzt wurden, enthalten meist eine große Mengen an Histamin. Fertigprodukte, Konserven und Lebensmittel, die lange gelagert wurden gehören ebenfalls dazu. Weitere Lebensmittel, die Beschwerden bei einer Histaminintoleranz auslösen können, sind gepökeltes, geräuchertes, getrocknetes, aber auch stark zerkleinertes oder gar püriertes Fleisch, wie dies zum Beispiel in manchem Brotaufstrich enthalten ist. Innereien und Eigelb zählen ebenfalls zu den möglichen Auslösern der Beschwerden. Bei dem Eiklar existieren unterschiedliche Meinungen.

Bei Fisch gilt ganz frischer Ware als am Histamin arm. Älterer Fisch, geräuchert, mariniert oder gesalzen, hat demgegenüber einen deutlich erhöhten Histamingehalt. Meerestiere, wie Muscheln, Krebse Shrimps und Krabben zählen ebenso zu den „belasteten“ Nahrungsmitteln.

Bei den Käsesorten gilt die Regel, dass je reifer der Käse, desto mehr Histamin ist vorhanden. Hefehaltiges Gebäck und Weizen sind ebenso histaminhaltig. Auch Gemüse, wie Sauerkraut, Tomaten, Auberginen, Spinat und Avocados sowie Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen und Soja sind bei vorliegender Histaminintoleranz zu meiden. Darüber hinaus zählen Zitrusfrüchte, Bananen, Ananas, Kiwi, Erdbeeren und Papaya und Nüsse zu den „gefährlichen“ Nahrungsmitteln. Auch Kakao, Alkohol, schwarzer Tee, Schokolade und scharfe Gewürze dürfen hier auf keinen Fall unerwähnt bleiben.

Stoffe, die die Diaminoxidase hemmen

Zu den Stoffen, welche die Diaminoxidase hemmen, gehören, wie bereits erwähnt, einige Medikamentenwirkstoffe, wie zum Beispiel Pancuronium, Thiopental, Dobutamin, Aminophyllin. Alkohol und bestimmte biogene Amine – enthalten in Ananas, Birnen Grapefruit, Himbeeren, Hülsenfrüchten, Weizenkeimen, Papaya, Orangen und Bananen – zählen ebenso dazu.

Stoffe, die die Darmdurchlässigkeit erhöhen

Wird die Darmdurchlässigkeit erhöht, können Makromoleküle über den Verdauungstrakt in den Körper gelangen. So wird vermutet, dass scharfe Gewürze den Darm durchlässiger machen und somit Histamin besser aufgenommen wird.

Übersäuerung – Zusammenhang mit Histamin

In der Magenschleimhaut wird Histamin gebildet. Je mehr Säuren abgearbeitet werden müssen, desto mehr wird von diesem Stoff hergestellt. Auf diesem Wege steht eine Übersäuerung auch im Zusammenhang mit einer Histaminunverträglichkeit. Das Zuviel an Histamin führt des Weiteren zur erhöhten Allergiebereitschaft und zur vermehrten Entzündungsneigung.

Zusatzstoffe, die Histamin enthalten

Zusatzstoffe, die durch E-Nummern gekennzeichnet werden, können ebenso Histamin enthalten. Beispiele dafür sind bestimmte Konservierungsstoffe, Nitrate oder Farbstoffe.

Diagnose

Für die Diagnose einer Histaminintoleranz ist eine ausführliche Anamnese wichtig. Beschwerden, eventuell im zeitlichen Zusammenhang mit der Zufuhr bestimmter Nahrungsmittel, sollten genau beschrieben werden. Erkrankungen, wie Reizdarm, Laktoseintoleranz, Fructoseintoleranz und Zöliakie werden differentialdiagnostisch abgegrenzt. Blut- und Urinuntersuchungen werden durchgeführt. Eine Eliminationsdiät, bei der über ein paar Wochen hinweg alle histaminhaltigen Nahrungsmittel gemieden werden, ist wichtig, um eine sichere Diagnose treffen zu können. Der Mangel an einem der Vitamine B9, B12, C oder dem Spurenelment Kupfer könnte den Hinweis auf eine Histaminintoleranz geben. Eine vorhandene Lebererkrankung oder bestehende Darmerkrankungen stehen eventuell im Zusammenhang mit dem Auftreten der HIT.

Behandlung

In vielen Fällen reicht das Meiden bestimmter Nahrungsmittel aus. Ansonsten wird nach einer Eliminationsdiät, die einige Wochen dauert, nach und nach das eine oder andere Lebensmittel wieder mit auf den Speiseplan gesetzt. Dabei helfen Arzt und Diätberater. Während der Diät sind Reis und Kartoffeln zu empfehlen, da hierdurch der Histamingehalt im Blut reduziert wird. Eventuell müssen Medikamente, wie Antihistaminika und/oder Enzyme verabreicht werden. Eine Substitution mit den Vitaminen B 9, B 12, C oder dem Spurenelement Kupfer ist ebenso möglich.

Vorliegende Erkrankungen und Störungen, die als Ursache für die Histaminunverträglichkeit in Frage kommen, werden soweit wie möglich behandelt. So wird zum Beispiel nach längerer Antibiotikaeinnahme eventuell zu einer Darmsanierung geraten, bei einer vorliegenden Übersäuerung die Ernährung überdacht und ein Diätplan mit basenarmer Kost erstellt. Zusätzlich können auch Mittel wie Daosin eingenommen werden. Diese bauen zusätzlich Histamin ab. Dao sollte allerding mindestens 10 Minuten vor einer Mahlzeit eingenommen werden, damit eine entsprechende Wirkung erzielt werden kann. (sw)

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