Hodenbruch – Erkennen und Behandeln

Dr. Utz Anhalt
Der Hodenbruch ist ein Beschwerdebild, welches sich zwar im männlichen Genitalbereich abzeichnet, dessen Ursachen jedoch meist außerhalb der Genitalregion liegen. Oft bemerken die Betroffenen den Hodenbruch erst im fortgeschrittenen Stadium und es drohen dauerhafte Folgen – bis hin zu einer nicht umkehrbaren Zeugungsunfähigkeit.

Das männliche Geschlechtsorgan ist ausgesprochen komplex. Es besteht aus dem Hoden, der Hodenarterie, dem Kopf- wie Schwanzende, den Nebenhoden, dem Nebenhodenrand, dem freien Hodenrand, dem Hodengekröse und dem Samenstrang. Die männlichen Genitalien sind allerdings nicht nur komplex, sondern auch außerordentlich empfindlich. Druck kann sowohl zu direkten Verletzungen am Hoden als auch zu Schäden am Gewebe rings um die Hoden führen.

Ein Hodenbruch muss nicht unbedingt mit Schmerzen einhergehen. Teilweise treten lediglich Abgeschlagenheit und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Der Hodenbruch ist kein Bruch des Hodens

Beim Embryo wandern die Hoden durch den Leistenkanal in den Hodensack. Hodenbruch ist, genau genommen, ein falscher Begriff. Es bricht nämlich nicht ein Hoden, und es brechen auch nicht beide Hoden, sondern es bricht bzw. reißt das Gewebe in der Bauchwand. Oberhalb der Leiste liegen die Därme, und oberhalb der Hoden liegt ein „Bruchsack“ aus Bauchfell. Dieser kann bis in den Hodensack absinken, wenn das Gewicht der Därme überhand nimmt. Dieses Absinken der Gedärme in den Hodensack ist das, was wir als Hodenbruch bezeichnen.

Jeder 20. Mann erlebt in seinem Leben einen solchen Hodenbruch. Besonders gefährdet sind kleine Jungen und Männer zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr.

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Ursachen

Ein Hodenbruch geht nicht notwendig mit einem Leistenbruch einher, allerdings entsteht durch eine gebrochene Leiste eine Lücke in der Bauchwand, durch die Teile des Darms bis in den Hodensack absinken können. Leistenbrüche bei Erwachsenen entstehen oft durch ruckhaftes Heben von schweren Gewichten, denn der Druck auf die Bauchwand wird dann so groß, dass das Gewebe reißt.

Auch ein Bruch des Zwerchfells kann zu Geweberissen führen, bei denen Darmanteile bis in die Hoden absacken. Die Ursache ist meist ein angeborener Schaden des Zwerchfells, durch den sich Organe verlagern.

Hodentorsion

Am Hoden oder Nebenhoden kann sich aber auch der Stiel verdrehen. Dann handelt es sich um eine Hodentorsion. Betroffene sind meist Säuglinge, denn deren Hodenhülle ist noch nicht völlig verwachsen. Erwachsene erleiden eine solche Torsion insbesondere als Folge abrupter Bewegungen. In schweren Fällen kann eine solche Torsion zu einem Hodenbruch führen.

Auch eine Hodentorsion und andere Ursache können den Hodenbruch auslösen, in den meisten geht dieser jedoch auf einen Leistenbruch zurück. (Bild: joshya/fotolia.com)

Krebs

Hodenkrebs, Metastasen im Bauchgewebe oder im Leistenkanal können das dortige Gewebe so schädigen, dass eine Bruchlücke entsteht. Auch hier können Darmteile in den Hodensack sinken.

Symptome

Mögliche Symptome eines Hodenbruches sind:

  • Eine Vergrößerung des Hodens
  • Spannungen im Leistengewebe
  • Allgemeine Krankheitsgefühle
  • Blut im Stuhl
  • Abgeschlagenheit
  • Mangelnde körperliche Leistung
  • Schmerzen in Hoden und Unterleib
  • Verdauungsstörungen, Diarrhoe oder Verstopfung

Diagnose

Bei Verdacht auf Hodenbruch sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Der verwendet zur Untersuchung Methoden wie Kernspintomographie, Röntgen oder bisweilen sogar eine Bauchspiegelung. So erkennt er die Positionen von Bruchsack, Bauchfell und Gedärmen.

Behandlung

Ein Hodenbruch muss in jedem Fall operativ behandelt werden, nur so kann der Mediziner die betroffenen Organe zurück in ihre ursprüngliche Position bringen. Zuerst einmal bringt der Arzt ein Bruchband an. Dieses verhindert, dass der Bruchsack weiter nach unten sinkt. Zugleich drückt es das Bauchfell durch die Bruchpforte zurück in die Leistenregion. Ein Bruchband ist ein Gürtel mit fester Platte.

Gelingt es, den Bruchsack und die Gedärme in ihre gesunde Lage zu bugsieren, geht es darum, die Bruchpforte zu verschließen. Chirurgen verwenden hierfür eine besondere Nahttechnik, die Edorado Bassini entwickelte. Heute ist es indessen auch möglich, die Lücke im Gewebe durch ein Netz aus Kunststoff zu schließen. Dies geschieht entweder vor dem Bauchfell im Rahmen einer Bauchhöhlenspiegelung mit Metallclips oder auf dem Bauchfell, um die Bauchwand insgesamt zu verstärken.

Worauf müssen Patienten achten?

Wenn ihr Hodenbruch abheilt, sollten Sie jeden starken Druck und jede abrupte Bewegung vermeiden, bis die Bauchwand wieder intakt ist – also circa vier Monate. Belasten Sie Leistenkanal und Hoden in der Abheilphase, kann dies zu einem erneuten Hodenbruch führen.
Tragen Sie also nicht schwer, helfen Sie Freunden nicht bei Umzügen, wo Sie volle Kartons durch Treppenhäuser tragen und reduzieren Sie Sport, bei dem ihr Unterleib strapaziert wird oder wechselnde Bewegungen auftreten. Es gilt insbesondere:

  • Kein Ski!
  • Kein Skateboard, Inlineskaten oder Crossbike!
  • Kein Klettern!
  • Beim Kraftsport verzichten Sie auf alle Übungen, die den Unterleib belasten, reines Bizeps-, Trizeps- oder Schultertraining ist unproblematisch, Beckenübungen, Rumpfbeugen etc. sollten Sie keinesfalls durchführen.
  • Reck- und Barrenturnen, Auf- und Umschwung ebenso wie Bodenturnen unterlassen Sie bitte.

Spätfolgen

Bisweilen klemmen bei Hodenbrüchen Blutgefäße und Nerven ein. Dadurch wird oft der Darm schlechter durchblutet und sehr selten sterben sogar Organe ab. Sind Hodenarterie oder Samenstrang abgeklemmt, dann kann dies sogar zu permanenter Impotenz führen. (Dr. Utz Anhalt)