Knie verdreht – Symptome, Behandlung und erste Hilfe

Dr. Utz Anhalt
Verdrehtes Knie – Distorsion
Eine Distorsion als Folge eines verdrehten Knies, gehört zu den häufigsten Verletzungen am Kniegelenk. Verdrehen wir das Knie, rückt die Gelenkfläche aus ihrer normalen Position durch das Einwirken von Kraft. Es handelt sich dabei noch nicht um ein Ausrenken. Das Knie gerät zwar wieder in seine ursprüngliche Lage, leidet aber unter einer Zerrung und Überdehnung.

Das Kniegelenk

Von Natur aus ist das Kniegelenk auf Belastung ausgerichtet und insofern eines der robustesten Gelenke. Als Verbindung zwischen Ober- und Unterschenkelknochen beanspruchen wir es permanent, um uns fortzubewegen. Es handelt sich um ein Scharniergelenk. Wir können es strecken und beugen. Doch das Kniegelenk verfügt auch noch über eine Roll-Gleitbewegung. Während wir es beugen oder strecken, gleitet zugleich die Fläche zwischen Ober- und Unterschenkelknochen. Dadurch bereitet das Gehen uns keine Probleme.

Das Kniegelenk verbindet den Oberschenkelknochen, die Kniescheibe und das Schienbein miteinander. (Bild: m3ron/fotolia.com)

Die Muskeln rund ums Kniegelenk, sowie die Menisken und Kreuzbänder halten die fließende Bewegung zusammen. Das Kniegelenk ist zwar ein „zäher Bursche“, trotzdem verletzen wir es von allen Gelenken am häufigsten. Kein Wunder, es ist den diversen Verletzungsgefahren auch am stärksten ausgesetzt. Das Knie zu verdrehen, Bänderriss von Meniskus, Kreuzband oder Knorpel sind typische Verletzungen von Sportlern.

Was ist eine Distorsion?

In der Mitte des Kniegelenks liegen die beiden Kreuz-, an den Seiten die beiden Seitenbänder (Innen- und Außenband). Die Fasern dieser Bänder stabilisieren das Kniegelenk. Bei einer Distorsion verstaucht das Knie. Eines der Bänder oder mehrere wird über seine Dehnfähigkeit hinaus belastet, und Fasern nehmen Schaden.

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Bei einer Distorsion ersten Grades sind weniger als zehn Prozent der Fasern gerissen, beim zweiten Grad viele Fasern, aber die Bänder funktionieren noch. Beim dritten Grad ist das Band gerissen.

Ursachen einer Distorsion

Ursachen einer Distorsion sind eine starke Verdrehung des Kniegelenks, eine übermäßige Belastung durch die Verlagerung des Körpergewichts zum Beispiel beim Skifahren, ein falscher Aufprall bei einem Sprung, eine Verletzung außen oder innen am Knie.

Risiko für Sportler

Sportler verdrehen sich das Knie von allen Menschen am häufigsten und bestimmte Sportarten stechen dabei heraus. Skifahren, Fußball und Kampfsport sind die Tätigkeiten, die am meisten Unfälle erzeugen, die zu einem verdrehten Knie führen.

In der Regel läuft das so ab: Der Sportler fällt auf das Knie und dieses verdreht sich in eine nicht im Körper angelegte Position. Jetzt wirken starke Kräfte auf das Kniegelenk ein, und schwere Verletzungen können die Folge sein. Am schlimmsten trifft es die Bänder des Kniegelenks, das Kreuzbein, die Gelenkkapsel, die Muskeln oder die Menisken.

Sportarten wie Fußball oder Skifahren bergen ein erhöhtes Risiko für eine Knieverdrehung. (Bild: Andrey Popov/fotolia.com)

Weitere Risikofaktoren sind erschlaffte Bänder, unzureichende Koordination und schlechter Sinn für das Gleichgewicht sowie ungenügende Gelenkigkeit.

Wie fühlt sich ein verdrehtes Knie an?

Direkt nach dem Verdrehen des Gelenkes folgen starke Knieschmerzen. Dann schwillt das Knie an, meist bildet sich ein blauer Fleck (Bluterguss), das Gelenk überwärmt sich. Die Symptome selbst geben keinen genauen Hinweis auf die Art der Verletzung. Dazu sind Röntgen und bildgebende Verfahren notwendig.

Die Bewegung ist durch die Verdrehung sehr eingeschränkt, doch die Betroffenen können das Kniegelenk weiterhin mäßig belasten. Das Ausmaß der Verletzung lässt sich anfangs kaum erkennen. Generell gilt: Eine Zerrung verursacht wesentlich länger Schmerzen als eine Dehnung. Selten schwillt das Knie an, ohne dass Schmerzen auftreten.

Was tun bei einer Knieverdrehung?

Wenn Sie sich das Kniegelenk verdrehen, stoppen Sie bitte sofort die körperliche Aktivität. Lagern Sie das geschädigte Gelenk hoch und kühlen es. Schwillt das Gelenk an und bilden sich Blutergüsse, dann suchen Sie einen Arzt auf.

Die Therapie richtet sich nach der Art der Verletzung. Sind nur die Bänder überdehnt, dann geht es darum, dass Knie zu kühlen und hoch zu lagern. So mindert sich die Schwellung, und die Kälte lindert den Schmerz. Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Novaminsulfon helfen. Um das Knie zu entlasten, können Sie zeitweise Krücken benutzen.

Krücken sorgen bei einem verdrehten Knie für eine Entlastung des Gelenks. (Bild: highwaystarz/fotolia.com)

Sind hingegen Bänder gerissen, ist der Meniskus verletzt oder eine Gelenkkapsel beschädigt, kann eine Operation nötig sein. Das gilt auch für Kreuzbandrisse, bei denen eine Operation die Regel ist. Die Operationen verlaufen so schonend wie möglich, und die Ärzte achten darauf, Muskeln oder Sehnen nicht zu entfernen.

Nach der Operation steht eine Physiotherapie an, um wieder „richtig gehen zu lernen“. Die Patienten tragen Krücken oder eine Schiene und Schritt für Schritt belasten sie das Gelenk wieder.

Die Tests

Um welche Knieverletzung es sich handelt, zeigen Tests. Der vordere Schubladentest gibt dem Mediziner Einblick in die Funktion der Wade, indem er den Unterschenkel des Patienten bei gebeugtem Knie nach vorne zieht. Kann er es über die normale Stellung hinaus ziehen, liegt ein Riss im vorderen Kreuzband vor.

Beim hinteren Schubladentest ist die Lage des Patienten identisch, der Mediziner fasst das Schienbein an der Schienbeinbeule und drückt es nach hinten. Wieder sieht er daran, wie weit sich das Schienbein schieben lässt, ob ein Riss des (hinteren) Kreuzbandes vorliegt.

Der Valgusstresstest zeigt, ob das Innenband gerissen ist. Bei einem zu 30 Grad gebeugten Kniegelenk wird der Knöchel stabil gehalten und das Knie nach innen gedrückt. Lässt sich das Knie zu weit nach innen schieben, liegt ein Innenbandriss vor.

Drückt der Arzt beim gleichen Test das Knie nach außen, erkennt er, ob das Außenband beschädigt ist.

Mithilfe verschiedener Tests kann der Arzt herausfinden, um welche Art der Knieverletzung es sich handelt. (Bild: rocketclips/fotolia.com)

Wohin geht es?

Bei einer schmerzhaften Verdrehung des Kniegelenks lassen Sie sich am besten direkt in die Notaufnahme des Krankenhauses fahren, da diese das technische Equipment hat, um ein MRT vom Knie oder eine Röntgenaufnahme durchzuführen. Fachärzte sind Orthopäden, Sportmediziner und Unfallchirugen.

Zerrungen und Dehnungen

Handelt es sich „nur“ um eine Distorsion, dann heilt diese in der Regel allein aus. Bei leichten Dehnungen dauert das circa zwei Wochen, doch auch in den Wochen danach sollten Sie ihr Knie schonen, und nach drei Monaten ist das Knie wieder voll belastbar. Eine schwere Distorsion kann jedoch zu Langzeitfolgen führen wie einer Arthrose oder andauernden Kniegelenkschmerzen. (Dr. Utz Anhalt)