Schilddrüsenunterfunktion – Hypothyreose

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Hypothyreose: Symptome, Ursachen und Behandlung

Die Beschwerden bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) sind oftmals relativ unspezifisch und die Betroffenen leiden häufig schon eine ganze Weile, bevor der Verdacht auf eine Störung der Schilddrüsenfunktion fällt. Scheinbar grundlose Müdigkeit, geringe Belastbarkeit, Leistungsschwäche, Beeinträchtigungen des Hautbildes oder auch psychische Probleme können im Zusammenhang mit einer Hypothyreose stehen.

Definition

Die Schilddrüsenunterfunktion ist gekennzeichnet durch eine verminderte oder ausbleibende Bildung von Hormonen durch die Schilddrüse. Dabei wird zwischen angeborenen und erworbenen Formen der Erkrankung unterschieden. Zudem kann anhand der Ursachen eine Einteilung in primäre (Ursache direkt in der Schilddrüse) und sekundäre Hypothyreosen (Ursache außerhalb der Schilddrüse) erfolgen.

Die Schilddrüsenunterfunktion ist ein relativ weit verbeitetes Beschwerdebild, wobei äußerliche Veränderungen in Form eine Kropfs zwar als typiches Anzeichen gelten, jedoch nur bei einem geringen Anteil der Betroffenen zu beobachten sind. (Bild: Gabriel Blaj/fotolia.com)
Die Schilddrüsenunterfunktion ist ein relativ weit verbeitetes Beschwerdebild, wobei äußerliche Veränderungen in Form eine Kropfs zwar als typiches Anzeichen gelten, jedoch nur bei einem geringen Anteil der Betroffenen zu beobachten sind. (Bild: Gabriel Blaj/fotolia.com)

Symptome der Schilddrüsenunterfunktion

Die Unterfunktion kommt seltener vor als die Schildrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), sie ist jedoch trotzdem keine Seltenheit. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, wobei das Alter zum Zeitpunkt der Diagnose bei den erworbenen Formen der Erkrankung meist zwischen 40 und 50 Jahren liegt. Die möglichen Beschwerden unterscheiden sich bei den angeborenen und erworbenen Formen der Erkrankung oftmals deutlich. Bei ersterer drohen gegebenenfalls massive Entwicklungsstörungen, während bei der erworbenen Form in der Regel eher Beschwerden wie Leistungsschwäche oder psychischen Problemen festzustellen sind. Bei beiden Krankheitsformen droht jedoch schlimmstenfalls ein sogenanntes Myxödemkoma, das potenziell tödlich ist. Eine detailliertere Darstellung der jeweiligen Symptomatik erfolgt im Rahmen der Ausführungen zu den erworbenen und angeborenen Formen der Erkrankung.

Störungen der Schilddrüsenfunktion können weitreichende Folge haben, wobei eine Unterfunktion beispielsweise mit Müdigkeit, Veränderungen des Hautbildes und Leistungsschwäche einhergeht. (Bild: Henrie/fotolia.com)
Störungen der Schilddrüsenfunktion können weitreichende Folge haben, wobei eine Unterfunktion beispielsweise mit Müdigkeit, Veränderungen des Hautbildes und Leistungsschwäche einhergeht. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Angeborenen Hypothyreose

Die Schilddrüse liegt schmetterlingsförmig im Halsbereich und ihre Hauptaufgabe besteht in der Bildung und Abgabe der Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (L-Thyroxin), die grundlegend Einfluss nehmen auf Wachstum und Entwicklung (von Gehirn und Knochen), den Gesamtstoffwechsel, den Sauerstoffverbrauch, die Wärmeproduktion, den Nährstoffumsatz, die Herztätigkeit und vieles mehr. Für die Hormonproduktion benötigt die Schilddrüse Jod.

Die angeborenen Hypothyreose (Kretinismus) entsteht durch eine Jodunterversorgung der Mutter bezeihungsweise des Fötus in der Schwangerschaft, einen Defekt der Hormonbildung (Enzymopathie), das Fehlen oder eine Fehlbildung der Schilddrüse. Ihre Folgen sind mitunter dramatisch. Es drohen Entwicklungsdefizite in Bezug auf Körperwachstum, Knochen- und Zahnreifung bis hin zur geistigen und physischen Retardierung. Die betroffenen Säuglinge werden als auffallend „trinkfaul“ und bewegungsarm beschrieben und leiden außerdem an Verstopfung.

Eine Frühdiagnose durch das gesetzlich vorgeschriebenen Neugeborenenscreening in den ersten Lebenstagen dient der sofortigen medikamentösen Einstellung von Säuglingen und entscheidet über den weiteren Entwicklungsverlauf. Die Medikamente werden lebenslang benötigt, im Gegensatz zur Nerven- und Hirnreifung lässt sich der Körperwachstum später noch ausgleichen.

Erworbene Hypothyreose

Die erworbene Hypothyreose zeigt sich in einer allgemeine Verlangsamung körperlicher und psychischer Prozesse und Rhythmen: Es kann trotz vermindertem Appetit zu einer Zunahme des Körpergewichts kommen, zu Verstopfung, einem verlangsamten Herzschlag (Bradykardie), verstärkter Kälteempfindlichkeit sowie einem gestörten Menstruationszyklus. Als äußerliche Anzeichen kommen eine kühle, trockene Haut (Myxödem), Lidödeme, eine heisere, tiefe Stimme sowie sprödes, struppiges Haar in Frage. Die Entwicklungs eines sogenannten Kropfs am Hals, der oft als typisch für Schilddrüsenerkrankungen bewertet wird, kann ebenso auftrteten, bleibt jedoch häufig aus.

Die allgemeine Leistungsschwäche, welche häufig mit depressiven Verstimmungen und Antriebsarmut daherkommt, wird nicht selten als Depression bzw. (bei älteren Menschen) als Alterserscheinung verkannt. Es können allerdings auch drastische psychische Störungen bis hin zu Wahnvorstellungen durch die Schilddrüsenunterfunktion ausgelöst werden.

Ursachen: Primäre und sekundäre Schilddrüsenunterfunktion

Nach ihrer Ursache wird die primäre von der sekundären Hypothyreose unterschieden.
Bei der primären Form liegt die Ursache in der Schilddrüse selbst, z.B. als Folge von Entzündungen der Schilddrüse (Thyreoiditis, v.a. Hashimoto-Thyreoiditis), nach einer Schilddrüsenoperation oder einer Strahlentherapie (Radiojodtherapie). Bei der sekundären Hypothyreose ist ein anderes Glied im hormonellen Regelkreis gestört, welches der Schilddrüse vorgeschaltet ist. Ist die Hypophyse in ihrer Funktion beeinträchtigt (z.B. bei Hypophysenvorderlappeninsuffizienz), erhält die Schilddrüse kein Signal zur Bildung und Abgabe seiner Hormone. Neben der Hirnanhangsdrüse kann auch der Hypothalamus betroffen sein. Außerdem kann eine Hypothyreose durch Jodmangel bedingt sein.

Naturheilkundlich werden als Ursache auch Schwermetallbelastung, z.B. nach Amalgamentfernung und nicht sachgerechter Ausleitung, Spannungsaufbau durch unterschiedliche Metalllegierungen im Mund, chronische Infektionen (z.B. mit dem Eppstein-Barr-Virus, Herpesviren, Yersinien) oder bestimmte Impfstoffe vermutet.

Eine Ultraschalluntersuchung kann Aufschluss über das Ausmaß der Schilddrüsenveränderungen geben. (Bild: Alterfalter/fotolia.com)
Eine Ultraschalluntersuchung kann Aufschluss über das Ausmaß der Schilddrüsenveränderungen geben. (Bild: Alterfalter/fotolia.com)

Diagnosestellung

Eine primäre Schilddrüsenunterfunktion wird bei vielen betroffenen Kindern bereits im Rahmen des Neugeborenen-Screenings festgestellt. Schwieriger fällt die Diagnose oft bei einer erworbenen Hypothyreose, denn unspezzifische Beschwerden wie Leistungsschwäche oder Müdigkeit werden nicht unbedingt mit einer Störung der Schilddrüsenfunktion in Zusammenhang gebracht. Besteht der Verdacht auf eine Hypothyreose lässt sich dieser leicht anhand einer Blutuntersuchung überprüfen. Die Konzentration der Schilddrüsenhormone, bestimmter Antikörper und anderer Biomarker sind hier verlässliche Hinweise auf eine Störung der Schilddrüsenfunktion.

Das Ausmaß möglicher Veränderungen der Schilddrüse kann mit bildgebenden Verfahren wie einer Ultraschalluntersuchung oder einer sogenannten Szintigrafie überprüft werden und gegebenenfalls ist auch die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) mögliche, um die Art der Gewebeveränderungen zu bestimmen.

Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion

Die Therapie der Schilddrüsenunterfunktion richtet sich nach deren Ursache, die primäre Form ist mit einer z.T. lebenslangen Hormongabe verbunden, die ärztlich überwacht werden muss. Eine unterlassene oder unzureichende Behandlung kann zum Myxödemkoma führen. Hierbei kommen neben verstärkten Symptomen der Hypothyreose Bewusstseinstörungen, Krampfanfälle, Untertemperatur (Hypothermie), Atemstörungen und Elektrolytentgleisung vor, die eine sofortige Klinikeinweisung unbedingt notwendig machen!

Naturheilkunde

Unterstützend bzw. bei leichter Schilddrüsenunterfunktion kann naturheilkundlich z.B. mit einer Ernährungstherapie vorgegangen werden, wobei vor allem die Regulierung des Jodhaushalts im Vordergrund steht. Neben dem Verzehr jodreicher Lebensmittel ist ein Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel (insbesondere Kohlgemüse) angeraten, die zu einer Hemmung der Jodaufnahme führen. Auch eine Entgiftung, ausleitende Verfahren und homöopathische Mittel werden oftmals zur ergänzenden Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion genutzt. (jvs, fp; aktualisiert 26.09.20016)

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