Schönheitsoperationen: Risiken und Nebenwirkungen

Dr. Utz Anhalt
Schönheitsoperationen sind uralt. In den letzten beiden Jahrzehnten boomen sie jedoch in einem Ausmaß wie nie zuvor – mit kritischen Nebenwirkungen. Die ersten Operationen aus ästhetischen Gründen kennen wir von den alten Ägyptern vor rund 3000 Jahren. Sie dienten dazu, Missbildungen im Gesicht auszugleichen, doch die Resultate waren desaströs. Der Hindu-Arzt Sushruta beschrieb 600 v.u.Z. im Detail die Mühen der Mediziner, Nasen und Ohrläppchen zu rekonstruieren, die als Strafe in der damaligen Hindujustiz abgeschnitten worden waren.

Die plastische Chirurgie entwickelte sich in der Römerzeit, erlitt aber einen Niedergang im Mittelalter. Eine Wiedergeburt erfolgte in der Renaissance mit Texten auf türkisch und italienisch, die eine große Kenntnis über die Rekonstruktion von Nasen und die Brustbildung bei Männern zeigen.

Gesellschaftlich angepasst sein: Schönheitsoperationen nehmen immer mehr zu. Bild: © V&P Photo Studio
Gesellschaftlich angepasst sein: Schönheitsoperationen nehmen immer mehr zu. Bild: © V&P Photo Studio

Die plastische Chirurgie scheint Ende des 18. Jhs. Europa erreicht zu haben, zu dieser Zeit schritt sie langsam, aber kontinuierlich voran, und die Techniken verfeinerten sich ebenso wie die medizinischen Geräte. Kosmetische Operationen blieben jedoch eine sekundäre Aufgabe der plastischen Chirurgie, und die Ergebnisse waren ästhetisch für viele Jahre katastrophal.

Schönheitsoperationen in der Moderne

Kosmetische Chirurgie als eigenständige Disziplin entstand erst mit der modernen Anästhesie in der Mitte des 19. Jhs. In dieser Zeit expandierte sie indessen ungemein, und die Operationen wurden immer sicherer, weil die Chirurgen sich auf ihre Arbeit konzentrieren konnten, ohne darauf zu achten, dass der Patient keinen Schmerzen litt.

Gesichtslifting, Augenlid- und Ohroperationen entwickelten sich gegen 1900. Die Methoden schritten nur langsam fort, denn die Ärzte führten sie heimlich durch, und diese Art der Chirurgie genoss keine Akzeptanz – weder in der wissenschaftlichen Community noch in der Öffentlichkeit.

Vor dem ersten Weltkrieg galt kosmetische Chirurgie als unethisch und unmoralisch. Einige plastisch Chirurgen praktizierten nichtsdestotrotz im verborgenen, und die meisten von ihnen leugneten, in solche Operationen involviert zu sein.

Viele “kosmetische Chirurgen” dieser Zeit hatten keinerlei medizinische Ausbildung, machten einfach, was sie für richtig hielten, und oft experimentierten sie mit den Patienten, um neue Prozeduren auszuprobieren. Dennoch schuf diese Zeit die Fundamente für das, was wir heute kosmetische Chirurgie nennen.

Im ersten Weltkrieg versuchten Chirurgen massenhaft, durch Granaten und Kugeln zerfetzte Gesichter wieder halbwegs menschlich aussehen zu lassen, doch die Ergebnisse waren häufig noch fürchterlicher als die Entstellungen durch die Verletzungen. Kriegsverletzte wurden, ethisch in schlimmster Art und Weise, zu “Versuchskaninchen”.

Manche der Patienten konnten sich nicht mehr artikulieren, Ärzte hielten sie für intellektuell und emotional abgestorben und schnitten an ihnen herum wie Künstler an Skulpturen aus Speckstein. Abrupte Bewegungen ihrer Gliedmaßen galten als unbewusste Zuckungen der Nerven wie bei einem Schwein nach dem Bolzenschuss, dessen Körper noch einmal Signale ausstreut.

Per Zufall erkannte ein Anwesender, dass diese vermeintlichen Nervenzuckungen Morsesignale waren. Der Unglückliche war zuvor Funker gewesen: Er konnte nicht mehr sprechen, aber flehte die Chirurgen, die ihm ohne Betäubung den Körper zerschnitten, an, ihn in Ruhe zu lassen – mit seinen Fingern.

Auf solche entsetzliche Art lernten die Ärzte einiges, insbesondere der zweite Weltkrieg brachte dann riesige Fortschritte in der plastischen Chirurgie. Die Chirurgie als solche expandierte bereits immens durch die Lektionen, die die Ärzte beim Behandeln von Kriegsverletzungen sammelten, aber auch durch die Entdeckung des Penizillins und neuer Anästhetika.

Chirurgen brachten also ihre Erfahrung in der allgemeinen Chirurgie, die sie im Krieg gemacht hatten, in die kosmetische Chirurgie ein, doch diese Entwicklungen blieben vorerst geheim, weil Presse und Öffentlichkeit dieser Intervention feindlich gegenüberstanden.

In den 1950ern war kosmetische Chirurgie das Privileg der Reichen und Berühmten, die die ästhetischen Vorzüge der Chirurgie nutzten, aber ihr Geheimnis für sich behalten wollten. Es blieb aber nicht verborgen, und wo Hollywood-Stars das Vorbild boten, folgte bald die Öffentlichkeit.

In den 1960ern wurden die Medien auf technische Neuerungen in der Schönheitschirurgie aufmerksam, und die öffentliche Meinung kippte. Einen großen Einfluss auf das veränderte Stimmungsbild hatte die Einführung des Silikonbrustimplantates 1962, mit dem der Traum eines vergrößerten Busens in greifbare Nähe rückte.

Eine weitere wichtige Entwicklung, die die ästhetischen Möglichkeiten des Feldes zeigte, war die Entdeckung, dass das Endoskop (ein kleines Teleskop mit einer angebrachten Kamera) eingesetzt werden konnte für Operationen, die nur kleine Narben auf der Hautoberfläche hinterließen.

Vielleicht der größte Impuls für die öffentliche Wahrnehmung kam mit den Möglichkeiten, die sich in den 1980ern aus dem Einspritzen der Lippen eröffneten, welches bis heute zur populärsten Prozedur der kosmetischen Eingriffe avancierte.

Die Geschichte solcher kosmetischen Injektionen begann mit der Manipulation von Botulinumgift nach seiner Entdeckung 1895. Die nächste entscheidende Entwicklung war die Einführung von injektionsfähigen Collagen, gefolgt von diversen anderen Füllmitteln. Zuletzt kam die Möglichkeit, Laser und Hitzeenergie zu manipulieren, wodurch die kosmetischen Methoden heute vielfältiger sind als je zuvor.

Body Dysmorphic Disorder

Die Akzeptanz der Schönheitschirurgie unterliegt sozialen und psychologischen Faktoren: Selbsteinschätzung, Körperbild und Konformität arbeiten effektiv, um Schönheitsoperationen anzunehmen.

Individuen denken manchmal, dass sie das Idealbild von sich selbst mittels kosmetischer Eingriffe erreichen könnten, obwohl das niemals nötig ist. Deshalb wird eine psychiatrische Untersuchung empfohlen, bevor sich jemand kosmetischen Eingriffen unterzieht.

Body Dysmorphic Disorder (BDD) heißt in den USA eine Störung “imaginierter Hässlichkeit”. Die davon Betroffenen sind besessen davon, in ihrer körperlichen Erscheinung schlecht auszusehen, und diese Störung kann nicht durch andere psychische Erkrankungen erklärt werden. BDD ist eine ernsthafte Störung, gekennzeichnet durch die Vorstellung eines imaginären Defektes im Aussehen oder einem exzessiven Fixieren auf eine leichte körperliche Abweichung von der “Norm”.

Die Mehrheit der Betroffenen glaubt, sie litten unter einer Deformation, die von einer kosmetischen Behandlung korrigiert werden könnte und konzentrieren sich auf diese “Defekte” statt psychiatrische Hilfe zu suchen.

Von Zeit zu Zeit ist fast jeder Mensch mit seinem Aussehen unzufrieden, aber diese Gedanken kommen und gehen und werden vergessen. Für jemand mit BDD jedoch löst dieser Gedanke an eine Missbildung sehr viel Stress aus und geht nicht weg.

Patienten, die an BDD leiden, vertiefen sich zudem in obsessive Verhaltensweisen oder mentale Akte, sie verkleiden sich, sie vergleichen sich permanent mit anderen, was für sie immer negativ ausfällt, sie vergewissern sich ständig, ob sie “gut aussehen” und wenn die so Genervten dies bejahen, halten die Betroffenen sie für Lügner – die Chirurgie verspricht scheinbar Erlösung. Die Betroffenen verfügen oft über eine unterentwickelte Innensicht und neigen dazu, Gewaltakte gegen ihren Chirurgen auszuüben.

Wegen ihrem Verhalten haben BDD Patienten oft zerbrochene Beziehungen hinter sich, leben allein und vermeiden soziale Situationen, in denen ihr vermeintlicher Defekt erkannt werden könnte. BDD ist also oft verbunden mit sozialen Phobien und Ängsten, von anderen negativ beurteilt zu werden.

Körperliche Entstellungen

Das BDD-Syndrom ist also eine psychische Störung und keine körperliche Auffälligkeit. Manche Menschen plagen jedoch reale Missbildungen, und bei ihnen halten auch seriöse Ärzte kosmetische Operationen für sinnvoll, um sie von dem damit verbundenen Leidensdruck zu befreien.

Große Warzen im Gesicht, Hängelippen und hängende Augenlider, extrem abstehende Ohren, extrem heraus stehende Pferdezähne, aber auch schief verwachsene Nasen nach einem Nasenbruch, schiefe Becken, ein verkürztes Bein, deformierte Schädelknochen, Narben als Folgen von Verletzungen, oder einer Staphilokokkendermitis sind nur einige Auffälligkeiten, die den Individuen das soziale Leben verleiden können – ebenso extremes Übergewicht.

Kulturübergreifende Stereotype wie der von der Hexe mit der krummen Nase, den hängenden Lippen und den Warzen im Gesicht zeigen, dass bestimmte Auffälligkeiten generell als hässlich gelten.

Der Leidensdruck ist auch hier subjektiv, im Gegensatz zu BDD hat er aber einen objektiven Grund. Es gibt allerdings Menschen, die mit solchen Auffälligkeiten leben und sich weigern, sie operativ aufzuheben. Manche von ihnen haben ein so starkes Selbstbewusstsein, dass es ihnen egal ist, ob sie Schönheitsnormen entsprechen, andere leben in einer Milieukultur, in der sie nicht auf die Idee kommen, sich aus ästhetischen Gründen einer Operation zu unterziehen.

Mary Shelley hat in ihrer Parabel von Frankensteins Kreatur das Schicksal eines Individuums gezeigt, dass in einem verunstalteten Körper lebt: Doktor Frankenstein ist so von der Idee besessen, künstliches Leben zu schaffen, dass er irgendwann nicht mehr darauf achtet, ob die Körperteile, wie anfangs gedacht, wohl geformt sind, und er näht sich ein Wesen aus verschiedenen Leichenteilen zusammen.

Die Kreatur hat nicht nur keine Familie, auch ihr Äußeres lässt die Menschen die Flucht ergreifen. Ein blinder Greis wird zum ersten und einzigen Freund, den der künstliche Mensch findet. Von allen ausgestoßen, flieht er in die Arktis und richtet den Hass des Ausgegrenzten gegen Frankenstein, seinen Schöpfer.

Bis vor wenigen Jahrzehnten legten sich “Normalbürger” meist nur wegen besonderen Auffälligkeiten unter das Messer, die sich zudem unkompliziert beheben lassen, dazu zählten insbesondere abstehende Ohren und besonders große gekrümmte Nasen.

Es handelt sich dabei zwar nicht um monströse Auswüchse wie im Horrorfilm, aber die Betroffenen hatten verständlicherweise keine Lust mehr, ihr Leben lang Spitznamen wie “Zwerg Nase” oder “Prinz Segelohr” zu tragen.

Regelhafte Chirurgie, um den den Körper zu “optimieren” hingegen, ist in Deutschland ein Phänomen der letzten beiden Jahrzehnte.

Ethnische kosmetische Chirurgie

Seit dem Aufschwung der kosmetischen Chirurgie um die Wende zum 20. Jh nutzen Individuen kosmetische Chirurgie nicht nur als einen Weg, ihr Aussehen zu verändern, sondern auch, um physische Auffälligkeiten zu minimieren, die – wie sie glauben – sie als “anders” markieren, was bedeutet, anders als der dominante oder gewünschte ethnische Phänotyp.

Ethnische plastische Chirurgie intendiert, die Erscheinung eines Individuums mehr oder weniger aussehen zu lassen wie eine andere Ethnizität. Solche ethnisierenden kosmetischen Operationen sind nicht neu: Einige Juden in Deutschland veränderten ihr Aussehen, als die Nazis an die Macht kamen, ebenso manche Iren in Amerika im 19. Jh., um in Gesellschaften nicht aufzufallen, die fälschlicherweise die Form der Ohren und Nasen als Indikatoren der Minderwertigkeit ansahen.

In Mitteleuropa im 19. Jh war der “Andere” der Jude. Stereotype Bilder kursierten, die den jüdischen Körper als anders, deformiert und pathologisch darstellten. Juden hatten in diesen Abwertungen flache Füße (was sie unfähig zum Militärdienst machte), abstoßende Hautkrankheiten (“Judenkrätze”), abstehende Ohren mit fleischigen Ohrläppchen (“Moritz-Ohren”), charakteristische Nasen (“Judennasen”), und, selbstredend, deformierte Genitalien.

Diese rassistischen Merkmale wurden assoziiert mit sozialen Stigmata von Schwäche, Krankheit und Degeneration, und konstruierten die äußere Erscheinung als Hindernis dafür, Juden in die “arische Gesellschaft” zu assimilieren.

Die Antisemiten benutzten dabei etablierte Stereotypen der Judenfeindschaft, das Problem der Judenhasser war gerade, dass diese “Merkmale” sich selten erkennen ließen: Einer der angesehensten Ärzte Deutschlands, Rudolph Virchow, erklärte schon 1879, nach umfangreichen Vergleichen von Schädelform, Augen- und Haarfarbe, dass es im wissenschaftlichen Sinn keine Rassen gäbe.

Doch die Antisemiten brauchten ihre physiognomischen Stereotypen, denn im 19. Jh emanzipierten sich die deutschen Juden; sie konnten in immer mehr Berufen arbeiten, und die überwiegende Mehrheit wollte sich voll in der Gesellschaft assimilieren: Sie wollten jüdische Deutsche sein wie katholische oder protestantische Deutsche, und die Antisemiten erfanden körperliche Kennzeichen, um die Juden erneut zu separieren.

Der plastische Chirurg Jacques Josef, selbst assimilierter deutscher Jude, entwickelte chirurgische Methoden, die es jüdischen Patienten erlaubten, “ethnisch unsichtbar” zu werden.

In den USA wurden kosmetische Operationen populär in einer großen Migrationswelle um 1900. Die erste Nasenoperation unternahm John Roe an der “pug nose”, einer Nasenform, die irischen Einwanderern unterstellt wurde und mit der angeblich negative Charaktereigenschaften einher gingen wie hündische Unterwürfigkeit (das sagt der Begriff “pug”).

Europäische Einwanderer in den USA, Juden, Italiener und Osteuropäer, unterzogen sich Nasenoperationen ebenso wie weiße Amerikaner, die fürchteten “jüdisch” auszusehen.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden kosmetische Operationen in Korea, China, Japan und unter Amerikanern asiatischer Herkunft populär; sie ließen sich die Lidfalte operieren, um “westliche Augen” zu bekommen. Afroamerikaner ließen sich die Nasen und Lippen operieren und ihre Haut bleichen.

Plastische Operationen sind heute verbreiteter als jemals zuvor. Doppelt so viele Angehörige ethnischer Minderheiten wie vor zehn Jahren verändern ihr Aussehen mit dem Skalpell. Von 2005 bis 2013 stiegen kosmetische Operationen bei Amerikanern mit asiatischem Hintergrund um 126 %, bei Afroamerikanern um 56 % und bei Hispanics um 84 %.

Ethnische kosmetische Medizin orientiert sich meist an den typischerweise zugeschriebenen und karikierten Gesichtsformen, bei Juden sind das die Nasen, bei Asiaten die Augen und Nasen, und bei Afroamerikanern Nasen und Lippen. Nichtsdestotrotz, kein Körperteil ist sicher davor, rassistisch gebrandmarkt zu werden.

Patienten mit BDD sind gut beraten, einen Psychiater zu Hilfe zu ziehen statt eines kosmetischen Chirurgien. Wenn Menschen sich indessen zu Schönheitsoperationen gezwungen sehen, weil sie Opfer rassistischer Projektionen werden, ist die Gesellschaft gefragt, dem Rassismus entgegen zu wirken.

Kulturelle Besonderheiten

Schönheitsoperationen nehmen global zu, doch was als Makel gilt, ist in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich.

Der Iran ist das Land der beauty surgery, und Iranerinnen lassen sich vor allem ihre Nasen operieren. Die klassische “Persernase” zeigen bereits Statuen aus der Zeit von Dareios II – eine Adlernase mit eindrucksvollen Nasenöffnungen, oft verbunden mit starken Wangenknochen. Europäer und Europäerinnen sehen diese Nasen oft nicht nur als “typisch iranisch” an, sondern auch als ebenso markant wie schön und insbesondere zu den “orientalischen Gesichtszügen”, dunklen Haaren und dunklen Augen passend.

Im Iran sind jedoch kleine und gerade Nasen das Ideal. In keinem anderen Land der Welt sieht man so viele Frauen mit einem Nasenverband nach einer frischen Operation wie in Teheran oder Isfahan. Viele der Operierten bleichen sich auch die Haut und färben sich die Haare blond, um “westlich” auszusehen.

Auch andere Operationen sind populär. So lassen sich ältere Ehefrauen häufig die Schamlippen straffen, und bei beiden Geschlechtern sind ästhetische Korrekturen von Zähnen viel stärker ein sozialer Standard als im Westen.

Brustoperationen stehen im Iran, anders als zum Beispiel in den USA oder Brasilien, nicht an erster Stelle, und die Konzentration auf das Gesicht liegt am politischen System. Das Gesicht ist der einzige Teil des Körpers, den Frauen offen zeigen können. Wer, wie Frauen in Deutschland, mit einem gewagten Dekolletee oder straffen Hotpants auf sich aufmerksam macht, landet in Teheran zumindest im Gefängnis.

Einzelne Haarsträhnen, knallige Lippenstifte und Mascara betonen das Gesicht ebenso wie die operierte Nase.

Prostituierte gibt es unter der Herrschaft der islamistischen Mullahs offiziell gar nicht, in Wirklichkeit gibt es sie natürlich, und sie manipulieren ihren Körper in sogar noch höherem Ausmaß als Pornostars in Europa. Brüste, Po, Hüften, Achseln, Augenlider, Lippen – dem Ideal vom perfekten Körper entgeht nichts.

Vor allem Brustvergrößerungen werden häufig durchgeführt. Bild: bilderzwerg - fotolia
Vor allem Brustvergrößerungen werden häufig durchgeführt. Bild: bilderzwerg – fotolia

Am östlichen Mittelmeer steht hingegen Fett absaugen an erster Stelle, insbesondere an den Hüften und am Po. Die weiblichen Rundungen, die beim Bauchtanz zur Geltung kommen, empfinden gerade junge Libanessinnen oft als belastend.

Diese Freude am schlanken Körper zeigt im kriegsgebeutelten Land einen Bruch mit arabisch-islamischen Traditionen, in denen füllige Frauen das patriarchalische Ideal der guten Köchin und Mutter repräsentierten. Der schlanke und zugleich frauliche Körper jedoch steht für die Freiheit, das eigene Leben zu genießen und sich der tradierten Rolle zu entziehen.

In den westlichen Ländern ist erst seit einigen Jahren die Intimrasur bei jungen Frauen fast Standard. Warum das so ist, darüber streiten sich die Sexualwissenschaftler: Kritische Stimmen vermuten im Freudschen Sinne eine Teilkastration (wie auch die Beschneidung bei Männern), um sich als ein infantiles Wesen ohne das sekundäre Geschlechtsmerkmal Schamhaar zu präsentieren, das sich servil jeder Herrschaft unterwirft.

Andere Forscher sehen die Geschlechtsteile immer mehr aus der Ebene des Verborgenen in die äußere Präsentation wandern, wo die Haare jetzt eben so wenig wuchern sollen wie der Bart bei Männern. Dafür spricht, dass westliche Pornostars sich inzwischen fast immer die Schamhaare rasieren, und häufig auch die männlichen Darsteller.

Auch das Überschwappen amerikanischer Vorstellungen von Hygiene, in denen weibliches Schamhaar als “dirty” gilt, beeinflusst vermutlich den Trend unter jungen Frauen, sich der Körperbehaarung komplett zu entledigen.

Wie auch immer, in Korea sieht es genau umgekehrt aus. Üppige Schamhaare gelten hier als Zeichen von Fruchtbarkeit, und immer mehr Patientinnen lassen sich Kopfhaare in den Intimbereich transplantieren.

In China boomt der Kapitalismus und erzeugt ebenso eine Mittelschicht wie Superreiche. Unter Mao wären Schönheitsoperationen bestenfalls unter “bürgerliche Dekadenz” gefallen, heute herrscht statt der faschistoiden Disziplin der “blauen Ameisen” die “Selbstoptimierung” in der Unternehmenskonkurrenz; der Körper wird zum profitablen Produkt.

Lange Beine gelten bei den normalerweise eher kurzbeinigen Chinesen als weibliches Schönheitsideal, und viele unterwerfen sich einer brachialen Prozedur, um ihre Chancen auf dem Arbeits- und Heiratsmarkt zu erhöhen: Chirurgen zersägen ihre Unterschenkel und ziehen sie danach in die Länge.

Der Rekordhalter unter den Schönheitsoperationen ist Brasilien mit 2013 sage und schreibe 1,49 Millionen Eingriffen. An erster Stelle steht das Absaugen von Fett, dann folgt das Vergrößern der Brüste mit Silikon und das Straffen der Brüste, aber auch Haarverpflanzungen sind sehr beliebt.

Die USA führen hingen bei den Einspritzungen: Jede fünfte Injektion von Botulinumtoxin erfolgt zwischen Alaska und Mexiko.

Der perfekte Körper?

Studien in den USA belegen, dass der Auslöser für eine Operation meist das in den Medien vermittelte Schönheitsideal ist, und da die Celebrities unterernährt sind, können sich gesunde Frauen diesem “Ideal” nur durch Manipulationen nähern.

Nicht nur kosmetische Operationen, auch Ess-Störungen wie Anorexie und Bulemie verbreiten sich in den Industrieländern.

Bei Jugendlichen, der “Generation Porno”, die Pornofilme rund um die Uhr im Internet konsumieren können, sind zunehmend Pornostars der Maßstab für den weiblichen Körper.

Michaela Schaffrath, alias Gina Wilde, holte Pornos aus der Schmuddelecke und wurde auch in “normalen” Medien zum Star und zur Schauspielerin. Sie schrieb über ihre Verwandlung vom “hässlichen Entlein”, mit dem in der Tanzschule kein Junge tanzen wollte, zum Sexidol und erzählte offenherzig, wo Chirurgen nachgeholfen hatten.

Weibliche Pornodarstellerinnen sind, außer in so genannten Amateurproduktionen, die auf einen Alltagskörper Wert legen, fast immer selbst operiert. Eine Wespentaille bei gleichzeitig kugelrunden und festen Riesenbrüsten haben Frauen von Natur aus äußerst selten.

Fehler der kosmetischen Chirurgie

Schönheitsoperationen boomen in den letzten Jahren. Für einen hohen Prozentsatz der Menschen sind sie eine wählbare Möglichkeit, besser auszusehen und sich besser zu fühlen. Andere sind nicht so glücklich und bei den Operationen passieren entstellende Unfälle oder Krankheiten folgen. Was auch immer der jeweilige Grund dafür ist, viele Prozeduren sind heute zwar Routine – aber am Ende ist Chirurgie immer noch Chirurgie und birgt deshalb ein Risiko.

Menschen vertrauen plastischen und kosmetischen Chirurgen, dass sie ihnen helfen, besser auszusehen, und der Wert eines positiven Selbstbildes darf nicht unterschätzt werden. Wenn jedoch während eines kosmetischen Eingriffes ein Fehler geschieht, kann das Ergebnis das genaue Gegenteil des Wunsches sein: Deformierende Verletzungen oder sogar der Tod. In den USA kursiert für die von solchen Unfällen Betroffenen der Begriff “plastic surgery zombies” oder auch “Frankensteins Monster”.

Prominente und Unbekannte greifen zu plastischer Chirurgie, aus ästhetischen Gründen, und weil sie sich unattraktiv fühlen. Heute gibt es chirurgische Veränderungen für praktisch jeden Körperteil, ob Kiefernknochen-Implantate, Brustimplantate, Augenlidoperationen, Poimplantate, dazu nicht chirurgische Maßnahmen wie Einspritzungen in Stirn, Wangen, Kinn und Lippen, chemische Gesichtspeelings und “body reshaping.”

Obwohl kosmetische Operationen als der leichteste Weg gelten, das Aussehen zu gestalten, gibt es sehr reale Risiken und Grenzen dieser Chirurgie. Die dunkle Seite sind die fehl geschlagenen Operationen, entweder aus Inkompetenz oder aus mangelnder Erfahrung. Diese Seite der plastischen Chirurgie, über die die Gesellschaft ungerne spricht, verursacht, neben dem “Monster-Aussehen” oft vielfältige Wunden und Infektionsherde.

Kosmetische Chirurgie wurde der beste Freund der Promis. Seit Prominente sich ständig im Auge der Öffentlichkeit befinden, nehmen die Medien ihr Aussehen unter die Lupe. Im Versuch, eine jugendliche Erscheinung zu bewahren, pilgert die Schar der Stars in die Kliniken.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass es sich in Hollywood nur Originale wie Robert de Niro leisten können, auf Schönheits-Ops zu verzichten. Auch in die Tage gekommenen Schauspieler, die alte Menschen spielen, sollen dabei “frisch” aussehen: Altersflecken, Tränensäcke und Orangenhaut stören die Karriere, auch wenn der Computer sie heute weg retuschiert. Aber zu viel Chirurgie oder die falschen Methoden können den Eintrag auf dem “Walk of Fame” ebenfalls verhindern.

Besonders die fehl geschlagenen Operationen der Stars steigern die Auflagen der Yellow Press. Das Supermodel Janice Dickinson kam zum Beispiel in die Schlagzeilen, weil sie einen großen Fehler machte, indem sie sich zu oft unter das Messer legte. Den Ärzten passierte kein Kunstfehler, aber nachdem sich Dickinson unter anderem das Gesicht hatte liften, die Brüste manipulieren und die Lippen aufspritzen lassen, sah sie aus wie eine Puppe.

Gerade in den USA ist das Problem oft weniger ein wirklicher Unfall, in dem zum Beispiel ein Implantat verrutscht, oder sich beim Einspritzen die Oberlippe aufblährt wie bei einem Überbiss, die implantierten Kieferknochen schräg stehen etc., sondern eine Reihe von Implantaten, die das Individuum künstlich erscheinen lassen.

Zu perfekte halbkugelförmige Busen wirken irgendwann nicht mehr natürlich, aufgespritzte Lippen sehen aus wie aus Plastik, Botox in der Stirn und den Wangen strafft zwar die Haut, “glättet” dabei aber auch die individuellen Gesichtszüge.

Donatella Versace ist bekannt als eine erfolgreiche Modedesignerin und zugleich für ihre extremen plastischen Operationen, die ihr Gesicht deutlich veränderten. Mit kosmetischer Chirurgie vergrößerte sie ihre Lippen auf das doppelte der normalen Größe, und heute sind ihre überdimensionalen Lippen das erste, was die Leute an ihr wahrnehmen.

Bei solchen extremen Schönheitsoperationen lässt sich die Grenze zu body modifications, also Veränderungen des Körpers, um eine andere Person zu werden, kaum noch ziehen; das berühmteste Beispiel ist Michael Jackson, der sein Aussehen umkehrte von dem eines “typischen” Afroamerikaners mit dunkler Haut und breiter Nase über Nasenoperationen, bei denen er seine dunkle Haut beibehielt bis zu einem Weißen mit kleiner Stupsnase und fast femininen Gesichtszügen.

Einige plastische Eingriffe können sogar den Tod verursachen. Der menschliche Körper ist sehr anfällig dafür, sich bei Operationen zu infizieren – jede Operation ist eine offene Wunde, und je mehr kosmetische Operationen sich ein Mensch unterzieht, um so mehr dieser Wunden hat er, und umso größer ist die Gefahr, dass sich Keime einnisten.

Miss Argentina Solange Magnano war ein argentinisches Model und eine Schönheitskönigin, die die Miss Argentina Krone 1994 gewann und später ihre eigene Modelagentur gründete. Sie starb an den Komplikationen einer kosmetischen Operation an ihrem Hintern.

Fazit

Schönheitsoperationen gehören zum kulturellen Erbe der Menschheit. Wie mit Schmuck, Kleidung oder Schminke setzen Menschen seit jeher ihre technischen Fähigkeiten ein, um ihren Körper so zu präsentieren, dass er ihnen selbst oder einer gesetzten Norm entspricht. Diese Normen indessen sind in den jeweiligen Kulturen sehr unterschiedlich.

Photoshop und kosmetische Chirurgie machen es heute möglich, dass die in den Medien präsenten Leitbilder reale Menschen als unvollkommen erscheinen lassen, und gerade junge Frauen brauchen ein starkes Selbstbewusstsein, um sich nicht als mit Makeln behaftet misszuverstehen.

Wenn psychische Labilität den Wunsch nach einer kosmetischen Operation auslöst, ist in jedem Fall ein soziales Umfeld wichtiger als das Chirurgenskalpell, ein Umfeld, das die Betroffenen integriert und ihnen zeigt, dass wirkliche Freunde sie auch anerkennen, wenn sie nicht den Körper von Michaela Schaffrath haben.

Ärzte, die kosmetische Operationen durchführen, sind in der besonderen Verantwortung, nicht jeden Auftrag zu übernehmen, wenn sie nämlich merken, dass psychische Probleme der Grund für die Entscheidung sind.

Generell liegt es aber in der freien Entscheidung jedes erwachsenen Menschen, über seinen Körper selbst zu entscheiden. Allerdings bedeutet dies heute nicht nur die Freiheit zu Schönheitsoperationen, sondern auch die Freiheit von Schönheitsoperationen.

Wenn ein Muttermal auf der Schläfe oder eine Zahnlücke zum Karrierehindernis wird, und das Aufspritzen der Stirn mit Botox ab 45 zur Pflicht, dann steuern wir auf einen neuen Totalitarismus zu, der den individuellen Wert jedes einzigartigen Menschen mit Füßen tritt. (Somayeh Khaleseh Ranjbar)

Quellen:

Jan Stanek with Hayley Treacy, 2007, 10 Years Younger.

Problems related to BDD

http://livingbooksaboutlife.org/pdfs/cosmeticsurgery/SURGICAL_PASSING_DAVIS.pdf