Schulter-Arm-Syndrom – Ursachen und Behandlung

Susanne Waschke
Bei einem Schulter-Arm-Syndrom, in der Fachsprache auch Zervikobrachialgie oder Zervikobrachialsyndrom genannt, leiden die Betroffenen unter Schmerzen, die von der Halswirbelsäule ausgehen und in den Arm und/oder in den Kopf ausstrahlen. Die vielfältigsten Ursachen führen zu diesem Symptomenkomplex.

Beschwerden

Patienten, die unter einem Schulter-Arm-Syndrom leiden, berichten über Schmerzen im Bereich der Schulter, die bis in den Arm oder den Kopf ausstrahlen können. Eventuell ist auch die Beweglichkeit der Halswirbelsäule eingeschränkt. Kopfschmerzen, Nackenschmerzen und Bewegungseinschränkungen sind häufig begleitende Beschwerden. Zusätzliche Symptome sind Gleichgewichtsstörungen, Sehstörungen und schmerzhafte Muskelverhärtungen im Bereich der Wirbelsäule. Eventuell kommen noch Missempfindungen und Sensibilitätsstörungen hinzu.

Das Schulter-Arm-Syndrom ist ein komplexes Beschwerdebild, das unterschiedlichste Ursachen haben kann und leicht eine chronische Form annimmt. (Bild: staras/fotolia.com)

Die Schmerzen können ganz plötzlich und heftig einsetzen – in solchen Fällen ist von einem akuten Zervikalsyndrom die Rede. Die Ursache dafür bildet eventuell ein Bandscheibenvorfall. Jedoch ist das Schulter-Arm-Syndrom oftmals bereits chronisch geworden, bevor Betroffene Hilfe in Anspruch nehmen.

Ursachen

Zu den möglichen Ursachen gehören Fehlhaltungen, Blockaden, ein Bandscheibenvorfall, Arthrose, Tumore, Osteoporose, Traumen und muskuläre Verspannungen.

Fehlhaltungen

Durch Fehlhaltungen von Kopf und Nacken, zum Beispiel beim Arbeiten am Computer, Fehlbelastungen im Beruf oder bei langen Autofahrten, kann ein Schulter-Arm-Syndrom mit den erwähnten Beschwerden entstehen. Sind die Beschwerden schon länger präsent, versucht der Körper, diese mit einer Schonhaltung zu reduzieren. Dies erzeugt dann meistens erneute Schmerzen – ein Teufelskreis beginnt.

Bandscheibenvorfall

Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule kann das Schulter-Arm-Syndrom nach sich ziehen. In der Regel liegt einem Bandscheibenvorfall ein Verschleiß der Wirbelsäule zu Grunde. Dabei können Risse im knorpeligen Faserring der Bandscheibe entstehen. Dieser Ring umfasst den zähflüssigen Gallertkern, den sogenannten Nucleus pulposus. Bei einem Bandscheibenvorfall tritt durch Fehlhaltungen oder ständige massive Belastung der Kern über den Ring heraus – zur Seite oder nach hinten. Dies komprimiert im schlimmsten Fall die umliegenden Nerven oder sogar das Rückenmark.

Bleibt jedoch der knorpelige Faserring dabei intakt so liegt kein Prolaps, sondern eine Protrusion (Bandscheibenvorwölbung) vor. Dies verursacht unter Umständen ebenso massive Schmerzen und zieht ein Schulter-Arm-Syndrom nach sich.

Arthrose in der Halswirbelsäule

Eine Arthrose der Halswirbelsäule entsteht durch Degeneration (Abnutzung). Mögliche Ursachen dafür sind andauernde Fehlbelastungen, ein Trauma, das zur Instabilität geführt hat oder eine genetische Veranlagung. Mit der Zeit verschleißen die Knorpelflächen, wodurch der Körper Knochenanbauten entstehen lässt, die wiederum zu eingeklemmten Nerven führen können. Des weiteren werden die Bandscheiben schmaler. Dadurch fehlt der natürliche Puffer. Solch eine Arthrose beginnt meistens um das 40. Lebensjahr herum.

Eine Arthrose geht häufig in eine Entzündung über, was massive Schmerzen verursachen kann – die Nackenmuskulatur verspannt sich, die Beschwerden verstärken sich und der Grundstein für das Schulter-Arm-Syndrom ist gelegt.

Tumore

Tumore der Wirbelsäule können gut– leider aber auch bösartig sein. Primärtumore entstehen dort zum Glück sehr selten. Jedoch können sich im Rahmen einer Krebserkrankung Metastasen an der Wirbelsäule bilden. Drücken die Tumore auf die Nerven, entsteht eventuell ein Schulter-Arm-Syndrom.

Osteoporose

Osteoporose ist eine Erkrankung, bei der zu viel Knochenmasse abgebaut und der Knochen dadurch immer dünner und instabiler wird. Dabei steigt das Risiko eines Knochenbruches erheblich, wenn die Krankheit unbehandelt bleibt. Auch können Rückenschmerzen und Beschwerden, die an ein Schulter-Arm-Syndrom erinnern, auftreten.

Präventive Maßnahmen

Zugluft schadet dem Nacken. Die Muskeln verspannen sich, die Bewegung ist eingeschränkt und Schmerzen, die sich vom Hals über die Schulter bis in den Arm hinein erstrecken, sind oftmals die Folge. Deshalb sollte der Nacken immer vor Zugluft geschützt werden, auch im Sommer.

Ist die Halswirbelsäule der Schwachpunkt, so kann ein sanfter, vorsichtiger Muskelaufbau helfen. Auch sollten Fehlhaltungen vermieden werden. Wer jedoch bei der Arbeit eine stereotype Haltung nicht umgehen kann, tut gut daran, öfter mal aufzustehen, sich zu dehnen und ein paar Übungen für den Hals durchzuführen:

Sitzen Sie aufrecht auf einem Stuhl und legen Sie die rechte Hand seitlich an Ihren Kopf. Jetzt versuchen Sie etwas Druck gegen die Hand auszuüben – aber nur ganz leicht und nur kurz. Dies wiederholen Sie ein paar Male und wechseln dann zur anderen Seite. Dasselbe können Sie noch mit der Hand an der Stirn und am Hinterkopf ausüben.

Wer Schmerzen im der Bereich der Nackenmuskulatur und auch im Bereich der Schultern hat, dem kann Wärme helfen. Zu empfehlen sind die gute alte Wärmflasche oder aber ein Wärmepflaster, das über Nacht auf die betroffenen Stellen aufgebracht wird.

Beim Arzt

Wer mit Schmerzen im Bereich von Nacken, Schulter und Arm zum Arzt geht, wird zuerst einer ausführlichen Anamnese unterzogen: Wo sind die Schmerzen, strahlen diese aus, welcher Art sind diese, beschreiben Sie den Schmerzcharakter, was verstärkt die Schmerzen usw.? Dann wird der Arzt die betroffenen Gebiete abtasten. Ein Blutbild, in der Entzündungswerte oder auch Rheumafaktoren ans Licht kommen, und bildgebende Verfahren wie Röntgen und MRT unterstützen die Diagnosefindung.

Das Schulter-Arm-Syndrom ist keine Erkrankung, sondern ein Symptomenkomplex, der aber eventuell als Ursache eine zu behandelnde Erkrankung hat.

Die Therapie

Je nach Ursache sind unterschiedliche Behandlungsmethoden möglich. Gegen die Schmerzen werden anfangs in der Regel Schmerzmittel verordnet. Diese wirken nicht nur schmerzlindernd, sondern abschwellend und antientzündlich. Bei massiven Muskelverspannungen sind manchmal Muskel relaxierende Medikamente nötig. Damit lässt sich für kurze Zeit der Teufelskreis durchbrechen: Keine Anspannung – keine Schonhaltung und die Schmerzen nehmen ab.

Des weiteren kommen Wärmeanwendungen, Physiotherapie, Injektionen und Massage zum Einsatz. Die Patienten werden dazu angehalten, spezielle Übungen zuhause regelmäßig durchzuführen.

Die Beschwerden des Schulter-Arm-Syndroms lassen sich mit Physiotherapie meist erfolgreich lindern. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Hausmittel – Entspannende Bäder mit ätherischen Ölen

Gerade, wenn die Nackenmuskulatur schmerzt und noch dazu die Schulter weh tut, ist ein entspannendes Bad das Richtige. Hierfür bieten sich ätherische Öle, wie Cajeput, Wacholder, Rosmarin (nicht bei hohem Blutdruck!), Lavendel und Eukalyptus an. Maximal vier Tropfen werden mit etwas gutem Johanniskrautöl vermischt und dann, wenn sich das Badewasser bereits in der Wanne befindet, mit der Hand ins Wasser gerührt. Wer kein Johanniskrautöl zur Hand hat, kann die ätherischen Öle auch mit etwas Sahne vermischen.

Cayennepfeffer

Cayennepfeffer wärmt nicht nur innerlich, sondern ist mittlerweile in fertigen Pflastern und auch Salben enthalten. Die Pflaster sind nicht für jede/n geeignet. Bluthochdruckpatienten und Personen mit empfindlicher Haut sollten von der Anwendung absehen. Auch ist diese Wärme manchen grundsätzlich zu massiv. Eine etwas sanftere Variante ist eine Salbe, die Cayennepfeffer enthält. Diese kann vorsichtiger dosiert werden. Sowohl Pflaster, als auch Salbe sind in der Apotheke erhältlich.

In der naturheilkundlichen Praxis

Patienten mit einem Schulter-Arm-Syndrom gehen häufig auch den Weg in die naturheilkundliche Praxis. Gerade dann, wenn alle anderen Therapieformen nicht die gewünschte Linderung gebracht haben. Akupunktur, Fußreflexzonenmassage, Baunscheidttherapie, Schröpfen und die Anthroposophische Medizin sind hier ein paar Beispiele für Anwendungen der Naturheilpraxis gegen das Schulter-Arm-Syndrom. Die Phytotherapie, aber auch Homöopathie und Schüssler Salze bieten weitere therapeutische Möglichkeiten.

Die Phytotherapie hält bei den genannten Beschwerden Pflanzen wie die Teufelskralle, den Ackerschachtelhalm, Löwenzahn und Brennnessel parat. Bei den Schüßler Salzen kann beispielsweise das Salz Nr. 7 Magnesium phosphoricum, angewandt als „heiße Sieben“, die Muskelverspannungen und die Schmerzen lindern. Bei einer bestehenden Entzündung hilft die Nummer 3 Ferrum phosphoricum. Homöopathische Mittel bei einem Schulter-Arm-Syndrom sind zum Beispiel Rhus toxicodendron, Bryonia, Arnika, Magnesium phosphoricum, Arsenicum album und Formica rufa.

Auch Ohrakupunktur wird in der Naturheilkunde erfolgreich gegen das Schulter-Arm-Syndrom eingesetzt. (Bild: hjschneider/fotolia.com)

Bei der Ohrakupunktur werden gezielt die betroffenen Areale, wie Halswirbelsäule, Muskeln und Schulter genadelt. Dies, zusammen angewandt mit der Fußreflexzonentherapie, lindert die Schmerzen, reduziert die schmerzhafte Muskelspannung und macht beweglicher. Aus der Traditionell chinesischen Medizin ist zudem die Moxa-Therapie bekannt. Mit angewärmten Beifußkraut, offen oder in Form einer Zigarre, wird die Muskulatur durchwärmt und die Entzündung gemildert. Dies, regelmäßig durchgeführt, kann langfristig eine Erleichterung bringen. Gleiches gilt für das Baunscheidtieren, welche antientzündlich wirkt und die Durchblutung fördert. Zudem lindert regelmäßiges Schröpfen bei Muskelverspannungen die Symptome.

Häufig hängt ein Schulter-Arm-Syndrom mit einer generellen Übersäuerung des Körpers zusammen. Die Naturheilkunde empfiehlt daher basenreiche Kost, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr in Form von stillem Wasser, Bitterkräuter und Basenpulver.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Beschwerden bei einem Schulter-Arm-Syndrom unbedingt ernst genommen werden sollten. Je länger die Schmerzen bereits bestehen, desto schwieriger ist die Behandlung. Die Therapie der Grunderkrankung steht an erster Stelle. (sw)