Stirnhöhlenentzündung

Susanne Waschke

Eine Stirnhöhlenentzündung, in der Fachsprache Sinusitis frontalis genannt, ist eine Form der Nebenhöhlenentzündung. Zu den paarig angeordneten Nasennebenhöhlen gehören die Kieferhöhlen (Sinus maxillares), die Keilbeinhöhlen (Sinus sphenoidales) die Stirnhöhlen (Sinus frontales) und die Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales). Der Begriff Sinusitis wird häufig in der Umgangssprache mit Stirnhöhlenentzündung gleichgesetzt, wobei dies richtig übersetzt eigentlich Nasennebenhöhlenentzündung heißt.

 

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Inhaltsverzeichnis

Anatomie und Physiologie der Nasennebenhöhlen
Akute oder chronische Stirnhöhlenentzündung
Symptome der Stirnhöhlenentzündung
Stirnhöhlenentzündungen bei Kindern
Ursachen
Diagnose
Konventionelle Therapie
Naturheilkunde bei Stirnhöhlenentzündungen

Anatomie und Physiologie der Nasennebenhöhlen

Die vier Nasennebenhöhlen schließen sich an die Nasenhöhle an. Sie stellen Hohlräume dar, die mit Schleimhaut ausgekleidet sind. Diese besitzen schleimbildende Zellen und Flimmerhärchen. Die feinsten Härchen bewegen sich rhythmisch auf der feuchten Schleimhaut. So wird die eingeatmete Luft ständig angefeuchtet und von eingedrungenen Fremdstoffen gereinigt. Treffen Erreger, zum Beispiel Viren oder Bakterien, auf die Schleimhaut, wird diese stärker durchblutet und die Gefäße erweitern sich, um den Abwehrzellen den Weg zum Infektionsherd zu erleichtern. Durch die Entzündung produzieren die Drüsen mehr Schleim, der anfangs meist dünnflüssig ist, später jedoch immer zäher werden kann.

Stirnhšhle.Nasenraum.Schnupfen
Eine Entzündung der Stirnhöhle verursacht meist starke Kopfschmerzen. Bild: www.fotolia.com © Henrie

Akute oder chronische Stirnhöhlenentzündung

Einer akuten Stirnhöhlenentzündung geht meist ein akuter Schnupfen voraus, bei dem durch zähflüssiges Sekret und geschwollene Nasenschleimhaut die Ausführungsgänge der Stirnhöhlen verengt sind. Die chronische Stirnhöhlenentzündung entwickelt sich meist aus der akuten Form, vor allem dann, wenn diese nicht ganz ausgeheilt ist. Begünstigende Faktoren dafür sind Allergien im Hals-Nasen-Bereich, anatomische Besonderheiten, wie zum Beispiel eine schiefe Nasenscheidewand oder ein geschwächtes Immunsystem. Greift eine Sinusitis auf alle Nasennebenhöhlen über, wird dies als Pansinusitis bezeichnet.

Symptome der Stirnhöhlenentzündung

Bei einem Schnupfen schwillt die Schleimhaut in der Nase an, ausgelöst durch Viren oder Bakterien. Durch den Entzündungsreiz produzieren die Becherzellen vermehrt Schleim. Solange das Sekret, das hierbei gebildet wird noch dünnflüssig ist, kann dieses einigermaßen abfließen. Wird dies jedoch zähflüssig, ist der Abfluss behindert, die Erreger vermehren sich immer mehr und wandern dann nach oben in die Stirnhöhlen.

Zu den allgemeinen Schnupfensymptomen kommen bei einer Stirnhöhlenentzündung Kopfschmerzen hinzu, die vor allem beim Bücken sehr massiv sein können. Manchmal wird auch ein ständiger, drückender Kopfschmerz verspürt. Eine Sinusitis frontalis ist häufig begleitet von Schmerzen im Wangenbereich und im Oberkiefer, wobei das Kauen oft erhebliche Beschwerden auslöst. Fieber kann dabei ebenso auftreten wie ein schlechter Allgemeinzustand, Schwindel und Hörbeeinträchtigung. In manchen Fällen leiden sogar Geschmack und Geruch unter einer Stirnhöhlenentzündung.

Chronische Formen verlaufen in der Regel fieberfrei. Die Betroffenen leiden jedoch unter ständig verstopfter Nase und Druckgefühl im Kopfbereich.

Stirnhöhlenentzündungen bei Kindern

Die Nasennebenhöhlen sind bei Säuglingen noch nicht komplett ausgebildet. Vorhanden sind bei der Geburt die Kieferhöhlen und die Siebbeinzellen. Die Keilbeinhöhlen und die Stirnhöhlen entwickeln sich erst im Laufe der Kindheit.

Eine Stirnhöhlenentzündung tritt meist erst ab dem achten Lebensjahr auf. Die Symptome dabei sind Schnupfen, Halsschmerzen, Druckgefühl und Schmerzen im Bereich der Augen und Schläfen. Begleitet wird dies häufig mit einem Reizhusten, ausgelöst durch den ständigen Schleim, der sich entlang der Rachenwand befindet. Die Schmerzen werden verstärkt durch Husten, Schnäuzen und Bücken. Eventuell tritt Fieber auf.

Ursachen

Normalerweise sollten alle Nasennebenhöhlen gut belüftet sein. Bei einer Stirnhöhlenentzündung ist dies aber nicht der Fall. Das Anschwellen der Schleimhäute kann das Abfließen des Sekrets behindern, wobei ein normaler Schnupfen meist nach einigen Tagen wieder vorbei ist. Klingt die Entzündung nicht ab, vermehren sich auch die Erreger, die in diesem Falle meist Bakterien sind. Die Erreger wandern weiter in die Stirnhöhlen und können dort ebenfalls eine Infektion auslösen. Hier ist also ein langwieriger, nicht auskurierter Schnupfen die Ursache für eine Stirnhöhlenentzündung. Aber auch Allergien, eine krumme Nasenscheidewand , lymphatische Wucherungen, wie Polypen oder gar wiederkehrende Entzündungen im Zahnhalteapparat, können eine Sinusitis frontalis auslösen.

Diagnose

Ein Schnupfen, der schon länger existiert, zähflüssiges Sekret, Kopf – und Gesichtsschmerzen lenken den Verdacht in Richtung Stirnhöhlenentzündung. Beim Abklopfen des Stirnbereiches reagieren die meisten Betroffenen mit Schmerzen, ebenso verursacht das Bücken ein Druckgefühl im Kopf. All dies deutet auf eine Sinusits frontalis hin. Durch einen Abstrich, bei dem mit Hilfe eines Wattestäbchens etwas Sekret aus der Nase entnommen wird, kann im Labor herausgefunden werden, welche Bakterien die Übeltäter sind. Danach richtet sich die Wahl des Antibiotikums.

Tritt bei der Behandlung nicht der gewünschte Erfolg ein, wird meist eine Rhinoskopie veranlasst. Dies ist eine Nasenspiegelung, bei der ein flexibles Röhrchen mit einer Lichtquelle und einer Kamera in die Nase eingeführt wird und dabei die erkrankten Schleimhäute genau betrachtet werden können. Mit Hilfe einer Rhinoskopie können Verengungen, aber auch Tumore erkannt werden. Um die Nasennebenhöhlen noch genauer zu betrachten, ist ein CT (Computertomographie) nötig. Dies ist eine Röntgenuntersuchung, bei der Schichtaufnahmen des betroffenen Gebietes gemacht werden. Liegt als Ursache eine Allergie vor, so wird ein Allergietest, zum Beispiel der Pricktest, durchgeführt, um das auslösende Allergen zu identifizieren.

Ein ganz normaler Schnupfen kann als Komplikation zu einer Nasennebenhöhlen bzw. Stirnnebenhöhlenentzündung münden. (Bild: Henrie/fotolia)
Ein ganz normaler Schnupfen kann als Komplikation zu einer Nasennebenhöhlen bzw. Stirnnebenhöhlenentzündung münden. (Bild: Henrie/fotolia)

Konventionelle Therapie

Generell gilt, dass sich der Patient bei einer Stirnhöhlenentzündung, wie bei einer Erkältung, schonen sollte. Warm halten und Kälte meiden sind gleichermaßen wichtig. Auch wenn die Symptome schon abgeklungen sind und sich der Betroffene gut fühlt, ist auf geeignete Kleidung, wie Mütze, Stirnband und dicke Socken zu achten.

Um die Nasenschleimhaut zum Abschwellen zu bringen, werden dafür geeignete Nasentropfen verordnet. Sind Bakterien die Auslöser der Stirnhöhlenentzündung, ist ein Antibiotikum das Mittel der Wahl. Zusätzlich helfen sogenannte Mukolytika, das sind Medikamente, die den Schleim verflüssigen sollen. Tägliches Inhalieren wird den Patienten empfohlen. Die Betroffenen werden dazu angehalten, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, damit der Schleim sich nicht festsetzen kann. In seltenen Fällen ist bei wiederkehrenden oder auch chronischen Entzündungen eine Operation nötig. Zum Beispiel, wenn eine massive Verkrümmung der Nasenscheidewand oder auch große Nasenpolypen (gutartige Schleimhautwucherungen) vorliegen.

Naturheilkunde bei Stirnhöhlenentzündungen

Bei unkomplizierten Erkrankungen spricht eine naturheilkundliche Behandlung meist recht gut an. Aber auch bei heftiger verlaufenden Stirnhöhlenentzündungen können alternative Behandlungsmethoden begleitend zur konventionellen Medizin lindernd eingesetzt und damit der Krankheitsverlauf verkürzt werden.

Den Betroffenen wird gesunde, vitaminreiche Kost und eine Flüssigkeitszufuhr in Form von stillem Wasser oder Tee empfohlen. Enzyme sind Beschleuniger in den vielfältigsten Stoffwechselprozessen im Körper. Sie wirken anitviral und antibakteriell. Ananas, Mango und Papaya enthalten eine große Menge an diesen Stoffwechselbeschleunigern. Die positive Wirkung der Enzyme ist bekannt und somit werden diese bei der Behandlung von Stirnhöhlenentzündungen in Tablettenform verabreicht. Tägliches Inhalieren mit Meersalz unterstützt jede Therapie. Aber auch Nasentropfen auf Meersalzbasis kommen zum Einsatz.

Die Homöopathie empfiehlt bei Stirnhöhlenentzündungen Mittel, wie zum Beispiel Cinnabaris (roter Zinnober), wenn zäher Schleim vorliegt, Hydrastis (kanadischer Gelbwurz) bei Stirnkopfschmerz und dickem grünem Sekret, Luffa (Kürbisschwämmchen), wenn die Nasenschleimhaut trocken ist, aber auch bei Stockschnupfen. Eine chronische Stirnhöhlenentzündung wird in der Homöopathie mit dem individuell gewählten Konstitutionsmittel behandelt. Schüssler Salze, die bei dieser Erkrankung gerne empfohlen werden, sind Nr. 1 Calcium fluoratum D12, Nr. 3 Ferrum phosphoricum D12, Nr. 4 Kalium chloratum D6, Nr. 6 Kalium sulfuricum D6 und Nr. 11 Silicea.

Eine uralte Methode, ziemlich unbekannt, jedoch hilfreich, ist die Nasenreflextherapie. Dabei werden mit einem in Nasenreflexöl getauchten Watteträger bestimmte Reflexpunkte der Nasenschleimhaut massiert. Dies ist jedoch eine Behandlung, die nur bei Patienten angewandt werden darf, die nicht empfindlich oder gar allergisch auf die Inhaltsstoffe des Öls reagieren.

Die Phytotherapie hält viele Mittel parat, die bei einer Stirnhöhlenentzündung hilfreich zum Einsatz kommen. Beispiele dafür sind Primel und Efeu, die das zähe Sekret verflüssigen. Des Weiteren wird auch Kapuzinerkresse und Meerrettich, die beide antibiotisch wirken, eine positive Wirkung bei Stirnhöhlenentzündungen zugeschrieben.

Die Neuraltherapie ist eine vor allem bei chronischen Stirnhöhlenentzündungen häufig angewandte Therapieform. Dabei werden subkutane (unter die Haut) Injektionen mit einem Lokalanästhetikum und/oder einem naturheilkundlichen Präparat in Akupunkturpunkte oder Nervenaustrittsstellen im Bereich der Nasennebenhöhlen verabreicht. Bei wiederkehrenden Entzündungen der Nasennebenhöhlen behandeln viele Heilpraktiker mit der Eigenbluttherapie. Das dem Körper entnommene und anschließend reinjizierte Blut erhöht die Abwehr und bewirkt eine vegetative Umstimmung.

Bei chronischen oder sich ständig wiederholenden Stirnhöhlenentzündungen muss der Ursache auf den Grund gegangen werden. Häufig liegt hier die Ursache in einer gestörten Darmflora, die mit Hilfe einer mikrobiologischen Therapie wieder ins Gleichgewicht gebracht werden kann (Darmflora aufbauen). Die Fußreflexzonentherapie bezieht den ganzen Organismus in die Behandlung mit ein. So wird hier nicht symptomatisch, sondern ursächlich gearbeitet. Gerade bei chronischen Prozessen ist dies eine hilfreiche naturheilkundliche Behandlungsform. (sw)

Bild: Schemmi / pixelio.de