Streptokokken Infektion- Ursachen, Symptome, Ansteckung

Dr. Utz Anhalt
Streptokokken sind eine Gruppe von Bakterien, deren Arten uns als Erreger unterschiedlicher Krankheiten heimsuchen und sich vor allem auf den Schleimhäuten ansiedeln. Eine Infektion mit Streptokokken ist meist nicht die Ersterkrankung, denn die Bakterien können sich erst im Körper ausbreiten, wenn die Immunabwehr brach liegt.

Was bewirken Streptokokken?

Streptokokken gelangen in der Regel durch Tröpfchen oder Berührungen eines Infizierten in den Körper. Je nach Erreger lösen sie zum Beispiel eine Entzündung der Mandeln und des Gaumens aus, können aber sogar das Herz und die Lunge entzünden. Dann gefährden die Bakterien bisweilen das Leben. Die Krankheiten entstehen genau genommen nicht durch die Streptokokken selbst, sondern durch ihre Ausscheidungen. Ohne Behandlung breiten sich die Bakterien im Körper aus und Folgekrankheiten entstehen. Die Inkubationszeit beträgt zwischen 3 Tagen und zwei Wochen.

Streptokokken sind eine Gruppe von Bakterien, die vielfältige Erkrankungen auslösen können. (Bild: Tatiana Shepeleva/fotolia.com)

Welche Streptokokken-Arten gibt es?

Streptococcus pyogenes bedeutet „Eiter auslösend“. Diese Art gelangt vor allem durch die Mundschleimhäute in den Körper und löst Scharlach, Mandel- und Rachenentzündungen aus. Problematischer sind die Reaktionen des Immunsystems auf diese Bakterien. Diese „Kreuzreaktionen“ können Entzündungen der Haut und der Gelenke sowie der Muskeln und des Herzens auslösen.

Streptococcus pneumoniae befällt vor allem die Schleimhäute der Atemwege und löst typischerweise eine Lungenentzündung aus. Doch diese Bakterien können ebenso eine Hirnhautentzündung, Mittelohrentzündung, Nasennebenhöhlenentzündung und Hornhautentzündung der Augen verursachen.

Mehr zum Thema:

Streptococcus mutans bezeichnet eine Art, mit der fast jeder Mensch in Berührung kommt. Sie löst nämlich Karies aus. Die Ausscheidungen dieser Streptokokken enthalten Säure, die die Zahnoberfläche schädigt. So entstehen Löcher in den Zähnen. Streptococcus mutans beschert uns zudem Entzündungen der Zähne, des Zahnfleisches und der Zunge.

Gefahr für das ungeborene Kind

Die Bakterien stellen für Föten eine Gefahr da. Sie passieren problemlos die Nabelschnur und können so den Embryo infizieren. Das kann wiederum zu Missbildungen oder dem Tod des Kindes führen. Schwangere sollten deshalb alle Möglichkeiten, sich mit Streptokokken zu infizieren, meiden.

Die Art Streptococcus pyogenes wird meist über Tröpfcheninfektion oder engen Körperkontakt übertragen. (Bild: Andrey Popov/fotolia.com)

Wie infizieren Sie sich mit Streptokokken?

Streptokokken übertragen sich durch eine Tröpfchen- oder Schmierinfektion. Sie sind weit verbreitet und gewöhnlich haben wir immer eine kleine Anzahl von diesen Bakterien im Körper. Probleme gibt es erst, wenn ihr Immunsystem geschwächt ist, sei es durch eine chronische Erkrankung, sei es durch eine frisch überstandene Operation oder eine angeborene Immunschwäche.

Auch unmittelbar vorhergehende Krankheiten verschieben die Kräfte zwischen Abwehrkräften und Streptokokken. Das kann bereits ein grippaler Infekt sein, besonders aber schwerere Erkrankungen wie Pfeiffersches Drüsenfieber oder Tumore. Drogen- wie Alkoholmissbrauch schwächen die Immunabwehr in solchem Ausmaß, dass die Erreger sich im Körper einnisten können. Sie können sich jetzt nicht nur besser vermehren, sondern auch eine kleine Menge der Bakterien kann eine Krankheit auslösen.

Ein schwaches Immunsystem ist besonders die Ursache für Streptokokkeninfektionen, die sich im Bereich der Atemwege und Körperöffnungen befinden, also Entzündungen im Hals-Nasen-Ohrenbereich, im Rachen, an den Mandeln und den Nasennebenhöhlen.

Kontaminierte Oberflächen

Die Bakterien befinden sich auch an nicht gereinigten Oberflächen, an Wasserhähnen, Türgriffen oder auf Sitzen der Straßenbahn. Werden Lebensmittel nicht steril genug gelagert, dann können sie ebenfalls Streptokokken enthalten. Auch bei sachgemäßer Lagerung übertragen sie sich indessen, wenn ein von ihnen Befallener die Nahrung mit seinen Händen anfasst. Im Unterschied zur Tröpfcheninfektion ist hier die Vorbeugung einfach: Waschen Sie sich die Hände, wenn Sie mögliche kontaminierte Oberflächen berührt haben und waschen Sie Lebensmittel gründlich.

Mangelnde Hygiene

Das geht über in das dritte Risiko, nämlich mangelnde Hygiene. Um sich mit Streptokokken zu infizieren, reicht es aus, sich einmal mit Bakterien belasteten Händen die Nase zu wischen oder sich am Zahnfleisch zu kratzen. Dieses Risiko können Sie durch regelmäßiges Waschen der Hände vermeiden.

Küssen, Niesen und Husten

Da sich Streptokokken auch über Tröpfchen verbreiten, können Sie sich auch durch die Nähe zu Erkrankten infizieren. Das muss nicht einmal der Kuss einer infizierten Partnerin sein. Es reicht, dass ein Infizierter ihnen gegenüber in der Straßenbahn sitzt und niest. Gerade Streptokokken in Wassertröpfchen können mit der Luft weite Entfernungen zurück legen. Wenn Sie selbst infiziert sind, achten Sie darauf, in ein Tuch zu schniefen oder zu niesen; wenn jemand anders niest oder schnieft, halten Sie sich ebenfalls ein Tuch vor Nase und Mund.

Offene Wunden laden Streptokokken und andere Bakterien ein. Zum einen ist hier das Immunsystem voll beschäftigt, zum anderen bietet sich hier ein direkter Zugang zum Körper. Achten Sie darum darauf, eine Wunde sofort zu desinfizieren und abzudecken.

Bei einer Streptokokken-Infektion sollten Sie immer in ein Tuch niesen, um andere nicht anzustecken. (Bild: ryanking999/fotolia.com)

Unterschiedliche Symptome

Streptokokkeninfektionen sind „tricky“. Zum einen lösen die unterschiedlichen Arten der Bakterien verschiedene Symptome aus, zum anderen sind diese Symptome unspezifisch und lassen sich erst in ihrer Gesamtheit als von Streptokokken verursacht erkennen.

Streptococcus pyogenes wirkt leicht harmloser als es sein kann: Das „klassische“ Symptom ist hier eine Mandelentzündung. Doch die Mandeln, eine Art Schutzwall für die lebenswichtigen Organe im Körperinneren, entzünden sich aus vielerlei Gründen. Ihre Aufgabe als „Dreckfilter“ bringt es mit sich, dass sie sich häufig entzünden. Nichts in der Evolution ist perfekt, und bei den Mandeln zeigt es sich daran, dass sie häufig durch die von ihnen abgefangenen Substanzen selbst irgendwann so geschädigt sind, dass sie sich immer wieder von Neuem entzünden. Die Diagnose „Mandelentzündung“ kann also ein Hinweis auf Streptokokken sein, muss es aber nicht.

Die gängigen Symptome einer Streptokokkeninfektion treten auch bei anderen infektiösen Erkrankungen, Bakterien- und Virenbefall auf. Dazu gehören Abgeschlagenheit, Fieber, erhöhter Blutdruck, Gliederschmerzen, Halsschmerzen und Kopfschmerzen. Weitere mögliche Krankheitszeichen sind Ohrenschmerzen, Rötungen, Schwellungen, Störungen des Herzrhythmus, Schwindel, Schüttelfrost, Unwohlsein, allgemeines Schwächegefühl, Übelkeit und Erbrechen.

Blutvergiftung und Nekrose

Diese Ungewissheit wäre auch nicht dramatisch, wenn es bei einer reinen Mandelentzündung bliebe. Doch Pyogenes verbreitet sich gut im Blut, und so folgt auf die Entzündung der Mandeln und des Halses leicht eine Bakterienflut im Blutkreislauf. Jetzt wird es ernst, denn einmal im Blut können die Erreger systemische Erkrankungen auslösen – sogar eine Blutvergiftung, eine Herzentzündung oder Gewebenekrosen, die zum Tod führen.

Borkenflechte

Pyogenes kann die Haut ebenso infizieren wie das Unterhautgewebe, die Muskeln und Faszien. Typisch ist die ansteckende Borkenflechte, besonders an Mund, Nase und Beinen. Es bilden sich Pusteln, diese brechen auf und führen zu Verkrustungen (Schorf).

Scharlach

Scharlach kennen wir als eigenständige Krankheit, es handelt sich jedoch um eine Streptokokkeninfektion, die sich als Exanthem zeigt, das durch ein Gift der bakteriellen Ausscheidungen entsteht.

Die Erkrankung zeigt sich in kleinfleckigen Papeln, die am ersten Tag der Krankheit am Oberkörper auftreten und sich bis auf die Handinnenflächen und Fußsohlen überall ausbreiten. Die Patienten sind blass, ihre Zunge färbt sich charakteristisch himbeerrot. Der Hautausschlag verschwindet nach circa einer Woche, danach schuppt sich die Haut.

Scharlach rückte der Volksmund traditionell wegen seinen Symptomen in die Nähe von Masern, Röteln und Windpocken, und er galt als typische Kinderkrankheit. Doch im Unterschied zu diesen anderen Infektionen führt eine Erkrankung nicht zu einer langfristigen Immunisierung. Das Immunsystem wehrt die Streptokokken nur akut ab, eine mehrfache Infektion mit Scharlach ist jederzeit möglich.

Der toxische Schock

Das Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom ensteht ebenfalls durch die Gifte der Ausscheidungen. Hier kommt es zu einem Schock und einem Multiorganversagen. Jeder dritte Betroffene stirbt. Deutet sich ein toxischer Schock an, ist eine sofortige Behandlung auf der Intensivstation notwendig.

Ob eine Schwangere B-Streptokokken in sich trägt, kann der Gynäkologe leicht durch einen Abstrich feststellen. (Bild: Melpomene/fotolia.com)

B-Streptokokken

B-Streptokokken befinden sich in der Vagina jeder dritten Schwangeren, ohne dass die werdenden Mütter krank sind. Beim Neugeborenen, dass noch keine Immunabwehr entwickelt hat, kann es aber zu einer Erkrankung kommen. Es besteht die Gefahr einer Hirnhautentzündung.

Der Frauenarzt / die Frauenärztin kann am Ende der Schwangerschaft (35. bis 37. Woche) die Bakterien anhand eines Abstrichs aus der Vagina oder dem Rectum nachweisen. Die Betroffene erhält dann ein Antibiotikum, in der Regel Penicillin. Da die Erreger meist in geringer Menge vorhanden sind, reicht normalerweise die ein- oder zweimalige Einnahme.

Diagnose

Um die Bakterien zu erkennen, ist ein ausführliches Gespräch zwischen Arzt und Patienten notwendig. Dabei geht es um die spezifischen Schmerzen und Symptome. Dann sucht der Arzt den Körper auf optische Veränderungen ab: Ist die Haut gerötet? Der Mundraum? Sind Mandeln oder Lymphen geschwollen? Oder das Ohr?

Hat der Arzt jetzt einen Verdacht auf Streptokokken, nimmt er eine Blut- oder Speichelprobe, an der sich im Labor die entsprechende Bakterienart nachweisen lässt. Zuerst führt der Arzt in der Regel einen Antigen-Schnelltest durch. Ein positives Ergebnis zeigt eine Infektion mit Streptokokken der Serogruppe A. Um welche Art es sich genau handelt, kann erst ein Speziallabor feststellen, das ist aber für die Behandlung unerheblich.

Behandlung bei Streptokokken

Streptokokken sind Bakterien und lassen sich deshalb mit Antibiotika behandeln. Diese sind das Mittel erster Wahl, wenn sich die Erreger im Körper eingenistet haben. Für Infektionen der Haut gibt es antibakterielle Salben und Cremes. Die Antibiotika enthalten vor allem Penicillin, Clarithromycin oder Erythromycin.

Pyogenes ist in Deutschland nicht resistent gegen Penicillin. Deshalb wirkt eine 10-tägige Gabe von Penicillin effektiv gegen Infektionen im Rachen und auf der Haut. Reagieren Patienten allergisch auf Penicillin, dann bieten sich als Alternative Cephalosporine, Erythrmycin oder andere Makroliden an. Die sollten ebenfalls bis zu 10 Tagen eingenommen werden. Jedoch ist Pyogenes in 38 % der Behandlungen gegenüber Erythromycin resistent. Bei einem toxischen Schock, einer Sepsis oder Gewebenekrosen ist Clindamycin zusätzlich zum Penicillin notwendig.

Die Symptome der durch Streptokokken ausgelösten Entzündungen am Gaumen, im Rachen oder an den Mandeln lassen sich durch Medikamente gegen Halsweh lindern. Wirksame Hausmittel gegen Halsschmerzen sind Salbeitee und Salzwasser.

Sie sollten frühzeitig zum Arzt gehen, denn eine beginnende Infektion mit Streptokokken lässt sich gut behandeln. Innerhalb weniger Tage sind die Erreger gewöhnlich vernichtet. Eine fortgeschrittene Infektion kann hingegen Sepsis oder sogar den Tod bedeuten.

Häufigkeit der Erkrankung

Infektionen des Rachens durch Pyogenes gehören zu den häufigsten bakteriellen Infektionen bei Kindern zwischen 6 und 12 Jahren. In Deutschland gibt es vermutlich bis zu 1,5 Millionen Infektionen pro Jahr. In den meisten Fällen bleiben diese unproblematisch und viele Betroffene nehmen diese als grippalen Infekt oder kurzes Fieber wahr.

Eitrige Hautentzündungen durch Streptokokken sind vor allem in den Tropen und Subtropen verbreitet, und zwar bei Kleinkindern. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit können sich hier Bakterien gut auf der Haut sammeln, ungenügende hygienische Verhältnisse und Armut bieten den Erregern zusätzlich einen Nährboden. Das Immunsystem der betroffenen Kleinkinder ist oft durch andere Krankheiten und Mangelernährung bereits vorher geschwächt, sauberes Wasser fehlt ebenso wie sterile Nahrungsmittel. Die Bakterien können sich zudem durch das Zusammenleben der Menschen auf engstem Raum bestens verbreiten.

Bei einer Streptococcus pyogenes-Infektion dürfen die Erkrankten laut dem Infektionsschutzgesetz nicht in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten, in denen sie Kontakt zu den Betreuungspersonen haben. (Bild: baranq/fotolia.com)

Rechtliche Bestimmungen

Das Infektionsschutzgesetz verbietet es Menschen, die mit Streptococcus pyogenes infiziert sind, in Gemeinschaftseinrichtungen in der Pflege, Erziehung, Aufsicht und jedem anderen Bereich zu arbeiten, in dem sie Kontakt zu den dort Betreuten haben. Der Arzt entscheidet, wann keine Gefahr mehr besteht, die Krankheit zu übertragen. Bei einer Antibiotikatherapie dürfen Sie am zweiten Tag, wenn keine Symptome mehr auftreten, wieder ihrer Arbeit nachgehen.

Während der Infektion dürfen die Betroffenen die Gemeinschaftseinrichtungen weder betreten noch benutzen und auch nicht an Veranstaltungen teilnehmen.

Bei Hauterkrankungen, die durch Streptokokken ausgelöst sind, gilt § 42 des Infektionsschutzgesetzes. Betroffene dürfen während der Infektion keine Tätigkeiten ausüben, wo sie mit Kontakt in Lebensmitteln kommen, in Supermärkten ebenso wenig wie in der Gastronomie oder Küche, beim Herstellen oder Transport von Lebensmitteln.

Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen sind verpflichtet, das Gesundheitsamt zu verständigen, wenn in ihrer Einrichtung ein Fall von Scharlach oder einer anderen Infektion mit Streptokokken auftritt.

Besondere Risikogruppen

Streptokokkeninfektionen sind besonders gefährlich für Patienten, die an HIV oder Diabetes leiden. Hier können die Ausscheidungen der Bakterien einen septischen Schock auslösen. Auch für werdende Mütter besteht die Gefahr, dass ihr Kind bleibende Entwicklungsschäden bekommt. (Dr. Utz Anhalt)