Suizid und Freitod

Dr. Utz Anhalt
Suizid setzt sich aus den lateinischen Wörtern sui, also selbst, und caedere, Töten, zusammen, das heißt Selbsttötung – negativ Selbstmord, positiv Freitod. Es bedeutet, das eigene Leben selbst zu beenden. Meist ist der aktive Suizid gemeint, in dem ich mich aufhänge, erschieße, Gift nehme oder die Pulsadern aufschneide. Selbstmord kann aber auch passiv erfolgen, indem ich zum Beispiel nicht mehr esse, trinke oder das Leben erhaltende Medikamente einstelle.

Eine suizidale Handlung, die nicht erfolgreich ist, bei der ich also überlebe, heißt Suizidversuch. Diese sind weit häufiger als vollendete Selbsttötungen. Ist jemand in Gefahr, sich selbst zu töten, sprechen wir von Suizidalität.

Todesangst und Todessehnsucht. Menschen mit Suizid-Gedanken benötigen schnelle therapeutische Hilfe. Bild: Johan Larson - fotolia
Todesangst und Todessehnsucht. Menschen mit Suizid-Gedanken benötigen schnelle therapeutische Hilfe. Bild: Johan Larson – fotolia

Ein Fall für die Medizin?

Suizidalität kann ein Fall sein für die Medizin – muss es aber nicht. Geistig klare Menschen, die ihren Zustand bewusst reflektieren und nicht mehr leben wollen, gehen die Medizin, salopp gesagt, nichts an. Anders sieht es aus, wenn die Gefahr der Selbsttötung aus einer psychischen Störung resultiert.

Bestimmte psychische Auffälligkeiten bergen ein hohes Risiko, sich selbst zu töten. Dazu gehören: Die bipolare Störung, das Borderline-Syndrom, klinische Depressionen und Formen der Schizophrenie. Auch Krankheiten, die mit starkem Selbsthass verbunden sind oder daraus resultieren, wie Ess- und Brechsucht, können Warnzeichen für einen sich anbahnenden Selbstmordversuch sein.

Fortschreitende Krankheiten, bei denen der Patient einen immer unerträglicheren Zustand vor Augen hat wie multiple Sklerose oder Muskelschwund können dazu führen, das Leben vorzeitig zu beenden. Das gilt auch für Krankheiten, die mit dem Verlust der geistigen Zurechnungsfähigkeit einher gehen wie beginnende Demenz oder Alzheimer. Hier kann der Entschluss reifen, ein Ende zu setzen, solange der Betroffene noch klar denken kann.

Bei psychisch Kranken und anderen Menschen, denen in der Situation keine volle Mündigkeit über ihre Handlung zugestanden werden kann, besteht eine Fürsorgepflicht. Das gilt auch für Kinder, und teilweise für Drogen- und Alkoholkranke.

Suizid ist aber nicht allein Thema der Medizin, sondern auch der Rechtswissenschaft, der Psychologie, Soziologie, der Theologie und der Philosophie. Die Suizidologie widmet sich der Selbsttötung vor allem aus Sicht der psychiatrischen Medizin.

Suizidalität

Ein Suizid betrifft nicht nur den, der den Akt begeht, sondern auch sein Umfeld: Eltern, Freunde oder Mitschüler. Diese brauchen oft therapeutische Hilfe. Die Trauerarbeit dauert bisweilen Jahre, oft sind die Hinterbliebenen traumatisiert. Wer professionell mit Selbsttötung konfrontiert ist, zum Beispiel Pfleger, Ärzte oder Rettungssanitäter, braucht ebenfalls Unterstützung.

Insbesondere bei Jugendlichen kann ein Suizid (sogar ein fiktiver) einen Sog auslösen auf Freunde und Fremde, die sich real oder vermeintlich im Motiv des Verstorbenen wieder erkennen. Ein Beispiel ist Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“, der eine Selbstmordwelle auslöste.

Circa 10.000 Menschen bringen sich jährlich in Deutschland um, zwei Drittel davon sind Männer – zehn mal mehr Menschen unternehmen einen Suizidversuch, besonders häufig Frauen und Jugendliche.

Die hohe Rate von „nicht erfolgreichen“ Selbsttötungen lässt vermuten, dass es sich meist um „Hilferufe“ handelt. Aber Vorsicht: Jeder Dritte unternimmt mindestens einen weiteren Selbstmordversuch, und jeder zehnte ist dabei erfolgreich.

Risikogruppen für einen Selbstmord sind vor allem Männer, alte Menschen, Jugendliche, Homosexuelle und junge Frauen mit Migrationshintergrund. Es gibt zwar eine Reihe Faktoren, die die Suizidalität pushen wie schwere Krankheiten, Zusammenbruch einer Lebensstruktur oder Gefängnis, auch alle diese Risikofaktoren zusammen erklären jedoch nicht den Selbstmord. Die Gefährdung ist vorher vorhanden.

Selbstmord, Suizid, Freitod?

Juristen sprechen meist von Selbsttötung, da diese eine Wertung unterlässt. Selbstmord ist oft stigmatisierend, insbesondere aus Kirchenkreisen, aber auch konkreter, denn Mord bedeutet das vorsätzliche (und geplante) Töten eines Menschen. Die Briten unterschieden zwischen self-homicide als moralisch vertretbare und self-murder als moralisch anstößige Selbsttötung.

Freitod bezeichnet die gleiche Handlung, rückt aber die Freiwilligkeit der Entscheidung in den Vordergrund. Ein Mensch bestimmt selbst und frei über seinen Tod.

Diese positive Wortschöpfung richtet sich vor allem gegen das Stigma, das die christlichen Kirchen der Selbsttötung auferlegen. Laut christlicher Lehre kommt alles Leben von Gott, und nur er hat das Recht, es zu nehmen. Fundamentalistische Christen, die den selbst bestimmten Tod durch eigene Hand als Sünde geißeln, sind auch die radikalsten Feinde von Abtreibungen und sogar Verhütung. Andere Menschen zu töten, wenn diese als Ungläubige gelten, erlaubt diese Lehre aber durchaus.

Der Kirchenkritiker Friedrich Nietzsche verherrlichte hingegen den „freien Tod zur rechten Zeit.“ Der Philosoph Sokrates befürwortete nicht nur die Selbsttötung, sondern brachte sich auch selbst um, nachdem das Gericht ihn zum Tode verurteilt hatte, und er einen Becher mit Schierlingsgift trank, obwohl er hätte fliehen können.

Psychische Krankheiten

Heute gelten psychische Erkrankungen als häufigster Grund für einen Suizid; entweder ist die Krankheit selbst Ursache für die Tat, oder sie beeinflusst die Stimmungen, die einen Suizid unausweichlich erscheinen lassen. Manche Autoren halten sogar nur jede zehnte Selbsttötung als nicht durch eine psychische Störung ausgelöst.

Solche Zahlen sind jedoch äußerst kritikwürdig. Die Diagnose wird nämlich fast immer erst nach einem Suizidversuch oder vollendetem Selbstmord gestellt. Bei einem vollendeten Suizid können aber nur noch Freunde, Bekannte und Angehörige die Diagnose stützen, und die Erinnerung von Hinterbliebenen arbeitet nach dem Muster Sinngebung: Das Gehirn konstruiert also Geschehnisse, Verhalten oder Äußerungen des Toten als klare Hinweise auf das Ende, vermischt mit Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen – um sich selbst zu entlasten, spielt auch der Gedanke, dass der Verstorbene nicht bei Sinnen war, hinein. Bisweilen gab es zwar wirklich Signale, aber die meisten Erinnerungen interpretieren Bedeutungen in etwas hinein, was in der Situation keine Bedeutung hatte.

Bei Selbsttötungsversuchen sind die hohen Zahlen von „psychisch Gestörten“ ebenfalls problematisch. Wer einen Selbstmordversuch überlebte, macht nämlich in den seltensten Fällen so weiter wie in der Zeit zuvor. Der Überlebende ist meist traumatisiert, oder hat zumindest einen existentiellen Einschnitt hinter sich, nach dem er sein Leben ganz neu organisieren muss. Er ist also zumindest psychisch verwirrt.

Allerdings ist auch bei Betroffenen mit einer zuvor diagnostizierten Krankheit der Anteil der Selbsttötungen weit höher als bei Menschen ohne solche Störungen. Auch psychische Störungen, die nicht diagnostiziert sind, dürften in vielen Fällen zum Selbstmord führen.

Gerade bei Auslösern wie dem Verlust des Arbeitsplatzes, Beziehungskrisen oder finanziellen Katastrophen hilft ein genauer Blick auf den psychischen Zustand des Betroffenen. Nur sehr selten sind solche Faktoren allein die Ursache.

Psychische Probleme verweben sich oft mit äußeren Triggern: Vielleicht litt der Verstorbene am Borderline-Syndrom und setzte seine Partnerin so unter Druck, dass diese ihn verließ – und dann machte er seine wieder kehrenden Drohungen „Ich bringe mich um“ wahr; vielleicht liegt der Schuldenberg darin, dass der Selbstmörder in manischen Phasen Geld zum Fenster heraus warf; oder die prekäre soziale Situation machte den Betroffenen depressiv, doch die Neigung der Depression hatte er schon vorher.

Klinisch Depressive sehen keinen Sinn im Leben. Über allem liegt eine bleierne Schwere. Sie halten sich für wertlos und denken, sie seien eine Belastung für ihre Mitmenschen. Ihre Gedanken kreisen immer wieder um Tod und Selbsttötung und viele gehen diesen Schritt. Der Selbstmord von Robert Enke rückte die Depression aus ihrer Tabuzone einer Gesellschaft, die Winner-Typen verherrlicht.

Psychiater streiten sich, ob die so Leidenden zu „ihrem Glück gezwungen werden dürfen“. Menschen, die unter klinischen Depressionen leiden, sind nämlich zurechnungsfähig, im Unterschied zum Beispiel zu offenen Psychosen.

Die Frage ist, ob es legitim ist, einen Menschen, der an Depressionen leidet, und der sich, mit einer zwar abgrundtief negativen, aber klaren Sicht auf seine Umwelt, zum Selbstmord entscheidet, daran mit Zwang gehindert werden darf.

Generell handeln Fachleute, also Ärzte, Psychologen und Psychiater, nämlich fahrlässig, wenn sie als psychisch Kranke Eingestufte, die Selbsttötung ankündigen, nicht (!) in eine Psychiatrie einweisen – auch gegen deren ausdrücklichen Willen.

Die bipolare Störung ist die psychische Auffälligkeit mit der höchsten Selbstmordrate. Phasen grandiosen Rausches wechseln mit der Hoffnungslosigkeit der Depression. Wenn Bipolare nach der manischen Phase in die Depression fallen, haben sie häufig zuvor einen Scherbenhaufen hinterlassen: Schulden und zerstörte Beziehungen treiben die latente Suizidalität zusätzlich voran.

Auch in den stabilen Phasen wird ihnen schmerzhaft bewusst, dass sie die großartigen Fantasien ihrer Manie niemals umsetzen können, während ihnen die realen Möglichkeiten farblos erscheinen. Bekannt ist Ernest Hemmingway, der unter dieser Störung litt und sein Leben beendete, indem er eine Schrotflinte in den Mund steckte und abdrückte.

Für Menschen, die am Borderline-Syndrom leiden, ist die Suizidtendenz Teil ihrer Störung. Viele der davon Betroffenen richten Aggressionen gegen den eigenen Körper, und der Gedanke an den Tod spielt immer mit. Viele Betroffene selbst bezeichnen ihre Krankheit als Selbstmord auf Raten.

Ob das Spiel mit dem Selbstmord bei Borderlinern dazu dient, Andere zu manipulieren, damit sie sich um den Borderliner kümmern, ob der Borderliner einen Kick sucht, um seinen Körper zu spüren, so wie er auch Drogen missbraucht und Tabubrüche begeht, oder ob er es ernst meint – das lässt sich schwer auseinanderhalten, am wenigsten durch den Borderliner selbst.

Eine Betroffene aß zum Beispiel Eibennadeln, sie sprang mit einem Rucksack voll Steinen in einen See, sie legte sich vor einen Zug, um sich im letzten Moment wegzurollen, und sie biss sich in einer Klinik die Pulsadern auf.

Das „vor den Zug legen“ ließe sich als gefährliche Mutprobe wie in James Deans „denn sie wissen nicht, was sie tun“ interpretieren, die Pulsadern aufzubeißen könnte auch ein Mittel sein, die Ärzte zu erpressen. Diese Spiele können, auch das gehört zur Krankheit, aber genau so ernst gemeint sein, und viele Borderliner sterben durch Selbstmord – und hier ist der Begriff gerechtfertigt, denn sie können sich selbst nicht ertragen.

Dissozial Gestörte sind unfähig zur Empathie. Sie schüchtern Andere ein, lösen Konflikte mit Gewalt und wollen totale Kontrolle. Sie empfinden nicht nur kein Mitgefühl für Andere, sondern auch nicht für sich selbst. Gewalt bedeutet für sie Spaß, oft haben sie eine lange Karriere im Gefängnis hinter sich, in der sie nur lernten, ihre Brutalität zu perfektionieren.

Ohne sich oder Andere zu lieben, fehlt ihnen der Sinn im Leben. Dissoziale stellen einen hohen Anteil an Kapitalverbrechern wie Serienmördern. Aber viele mit dieser Persönlichkeitsstörung bringen sich auch selbst um.

Dissozial Gestörte bevorzugen dabei die harten Methoden. Klassisch für sie wäre ein (unpolitischer) Amoklauf, an dessen Ende sie sich selbst erschießen.

Der Hilferuf

Die Rate von Selbstmordversuchen ist sehr viel höher als die von vollendeten Selbsttötungen. In vielen Fällen steckt hinter dem vermeintlichen Suizidversuch ein bewusster oder unbewusster Ruf nach Hilfe.

Einige Methoden, sich umzubringen, wirken mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Wer sich vor einen Zug legt, oder sich mit einem Großkalibergewehr in den Mund schießt, der hat keine Rückfahrkarte in Reserve. Auch wer mit dem Auto in den Wald fährt und Kohlenmonoxid einleitet, rechnet selten damit, im letzten Moment gerettet zu werden.

Auf der anderen Seite des Spektrums steht die Frau, die mehrmals Medikamente in einer Dosis schluckt, die zwar lebensgefährlich, aber nicht notwendig tödlich ist – bei offener Badezimmertür und ihrem Ehemann im Wohnzimmer.

Das Signal lautet: Ich brauche Hilfe, kümmert euch um mich. Die Grenze zwischen Menschen, die wirklich nicht mehr weiter wissen und emotionaler Erpressung lässt sich nur im Einzelfall ziehen.

Manche vollendeten Selbstmorde sind solche Hilferufe, die aber schief gingen. Der Ehepartner kam zu spät, und die Dosis war doch tödlich.

Die Angehörigen stehen vor einem Dilemma. Wie bei den „Hunden, die bellen, aber nicht beißen“ werden sie vielleicht beim hundertsten „ich bringe mich um“, oder „wenn ich mich umbringe, bist du schuld“ den Kopf schütteln, doch eine Garantie, dass es sich um leere Worte handelt, gibt es nicht. Auch manche „Schauspieler“ nehmen sich am Ende wirklich das Leben. Selbst Experten können zwischen so genannten parasuizidalen Handlungen und gescheiterten Selbstmordversuchen kaum unterscheiden.

Diesen „Schauspielern“ stehen die Selbstmordkandidaten gegenüber, deren Hilferufe niemand hörte – ob real oder vermeintlich spielt für ihre Entscheidung keine Rolle. Dies sind oft sehr sensible Menschen, die Andere immer wieder subtil darauf aufmerksam machten, wie schlecht sie sich fühlen. Am Ende sehen sie keinen Ausweg mehr.

Jugendliche und junge Erwachsene

Die Pubertät und die Zeit zwischen 18 und Anfang 20, wenn junge Menschen das Elternhaus verlassen, wirken zwar im Rückblick als besonders aufregende Zeiten, sind aber auch Phasen der Unsicherheit, der chaotischen Gefühle und der Herausforderung, sich in der Welt zu orientieren, der sich manche nicht gewachsen fühlen.

Unter Jugendlichen ist Selbstmord in Deutschland die zweithäufigste Todesursache, Jugendliche verüben die meisten Selbstmordversuche, und Suizidgefahr bei jungen Menschen ist insofern unbedingt ernst zu nehmen.

Die wichtigsten Ansprechpartner für Jugendliche sind Menschen, denen sie vertrauen aus ihrem engsten Umfeld: Die Eltern, oder in kaputten Familien, Lehrer, Sozialarbeiter und Erzieher ebenso wie Freunde. Sätze wie „ich will nicht leben“, oder „hier ist kein Platz für mich“, sollten diese Vertrauenspersonen annehmen und ein Gespräch anbieten.

Verständnis ist für Jugendliche extrem wichtig. Ob Eltern, andere Erwachsene oder psychisch stabile Menschen die Probleme aus ihrer Sicht für leicht halten, spielt keine Rolle – wichtig ist, dass der Betroffene sie als überwältigend empfindet.

Eltern könnten den Faden aufnehmen, indem sie akzeptieren, dass für ihre Kinder die Probleme unlösbar erscheinen, zum Beispiel, indem sie sagen: „Ich verstehe, dass du Schwierigkeiten in der Schule und zu Hause hast, und dass du damit überfordert bist. Wenn du so nicht weiterleben kannst, dann lass uns sehen, wie wir die Situation ändern.“ Entscheidend ist das Gespräch selbst.

Wem suizidale Jugendliche ihre Absichten offenbaren, der sollte keine falsch verstandene Geheimniskrämerei betreiben. Suizid ist vielschichtig, und ein einziger Ansprechpartner kann die ihm zugrunde liegenden Probleme nicht in den Griff kriegen. Professionelle Berater sollten also unbedingt einbezogen werden; der unprofessionelle Vertraute darf auf keinen Fall eigene Deutungen geben, indem er versucht, den Gefährdeten umzustimmen, ihm erzählt, wie schön diese Welt ist etc. Er hilft, indem er zuhört. Ansonsten macht der Suizidale schnell die Schotten dicht.

Jugendliche wenden sich mit ihren Todeswünschen vor allem an Gleichaltrige, geschulte Berater, die im Team arbeiten und sich untereinander austauschen, sind für sie deshalb die besten Berater.

Die gesellschaftliche Entwicklung des Neoliberalismus fördert Suizidgedanken statt sie zu lindern. Jugendliche sind in der Schule einem extremen Leistungsdruck ausgesetzt und erfahren, dass sie nichts wert sind, wenn sie nicht zu den „Besten“ zählen.

Die Sozialforschung spricht von einer Generation von Egotaktikern, die früh lernen, ihr Ego möglichst profitabel zu platzieren. Dieser Euphemismus verschleiert, dass heute bereits Kinder wegen Stress-Symptomen in Therapie gehen, die vor 20 Jahren Managerkrankeit hießen, dass die suizidale Störung Borderline sogar die Symbolkultur einer Subkultur, der „Emos“ inspiriert, Krankheiten, die aus Leistungs- und Anpassungswahn entstehen wie Bulemie und Magersucht, immer mehr zunehmen, und dass die Selbstmordgedanken von Jugendlichen ebenso explodieren wie die Selbstmordversuche.

Das Mantra derjenigen, die es geschafft haben, geriert sich zur Bergpredigt des von allen fesseln befreiten Kapitalismus, und individualistisch ausgerichtete Psychologen als Prediger dieser antisozialen Ideologie verleugnen die sozialen Verhältnisse; folgerichtig beleuchten sie bei den Faktoren für Suizidalität unter Jugendlichen nur die Oberfläche: Rauschhaftes Trinken, Migrationshintergrund, ADHS-Diagnosen, Trennung der Eltern, vernachlässigte Erziehung oder Schulverweigerung.

Warum jemand die Schule verweigert, warum jemand trinkt, warum der Migrationshintergrund ein Trigger für Selbstmordgefahr sein kann, bleibt (gewollt?) hinter einem Schleier verborgen, und ist doch offen sichtlich.

Wer nämlich früh erfährt, dass Schule lediglich bedeutet, bis zum Erbrechen abrufbares Wissen in sich hinein zu stopfen (Schüler fanden den treffenden Begriff Bulemielernen), und sein Existenzrecht von den Zahlen auf dem Zeugnis abhängig zu machen, der hat beste Gründe, sich dem zu verweigern. Wenn er dann trinkt, weil er dieses Zwangssystem nicht ertragen kann, ist das folgerichtig. Wenn sich dann noch die Eltern trennen, und er durch „vernachlässigte Erziehung“, also das Fehlen außerschulischer Nachhilfe etc. im Leistungswahn nicht mehr mithalten kann, aber sich auch keine Alternativen außerhalb des Hamsterrads bieten, dann erscheint der Freitod vielleicht irgend wann als letzter Fluchtpunkt der Selbstbestimmung.

„Therapien“, die darauf abzielen, den passiv Widerständigen an das System anzupassen, negieren dessen Willen zur Selbstbestimmung. Freiräume, in denen der Jugendliche Kritik artikulieren kann, helfen ihm jedoch, seine „Todeswünsche“, die in Wirklichkeit Wünsche nach einem erfüllten Leben sind, positiv zu transformieren.

Der Affekt

Manche Selbstmorde geschiehen im Affekt und / oder in Psychosen, die wirken wie verstärkte Affekte, in denen jede Kontrolle aussetzt. Überlebende berichten von solchen Kurzschlusshandlungen.

Eine Frau sprang zum Beispiel aus dem achten Stock eines Krankenhauses – sie stand erstens unter Medikamenten und war zweitens in psychiatrischer Behandlung. Sie konnte sich zwar erinnern, dass sie in der Situation „nicht mehr wollte“, beschrieb den Prozess vom Fenster öffnen bis zum Aufprall aber als „wie in einer anderen Welt“, hatte diesen Beschluss also nicht geplant und sah das Überleben als Geschenk.

Auch Menschen, die keine psychiatrischen Symptome zeigen, begehen Selbstmordhandlungen, die sie später bereuen. Gefährdet sind vor allem psychisch labile Menschen, die impulsiv handeln statt Situationen zu analysieren und zu reflektieren.

Häufen sich bei ihnen persönliche Desaster, bietet sich die Selbsttötung als Notbremse an: Die Freundin trennt sich, das Studium scheitert oder eine Lebensstruktur endet. Der Betroffene sieht vor sich einen Berg von Problemen außerhalb und innerhalb von ihm selbst, den er Stück für Stück abtragen müsste. So sehen es jedenfalls Außenstehende.

Auch in weniger kritischen Situationen entzog er sich durch Flucht; er flüchtete in Liebschaften, in Drogen, oder er wechselte die Stadt. Jetzt wird die Angst, sich der Herausforderung zu stellen, übermächtig.

Solche Gefährdete mit einem labilen Charakter wollen nicht wirklich sterben. Sie sehen nur keinen Ausweg und stehen hilflos davor, eine Situation zu ändern. Unter allen Suizidalen bieten sie das größte Potenzial für eine Psychotherapie, die sie dabei unterstützt, Schritt für Schritt in die eigene Kraft zu vertrauen.

Im Idealfall setzt eine solche Therapie an, bevor Menschen mit einem brüchigen Nervengerüst den ersten Suizidversuch unternehmen, und der Betroffene lernt -im günstigsten Fall- sich seine Fluchtwege zu versperren und Probleme anzugehen.

Der politische Selbstmord

„Lieber tot als Sklave“ lautet ein alter Kampfruf der Bauern an der friesischen Nordseeküste. Der Tod durch eigene Hand, um sich dem Feind nicht auszuliefern, und die eigene Freiheit zu erhalten, hat eine lange Tradition und gilt kulturübergreifend als ehrenvolle Form, sich selbst zu töten.

Dieser Selbstmord ist in manchen Kulturen allerdings keine freie Entscheidung des Individuums: Im zweiten Weltkrieg flogen so genannte Kamikaze-Piloten japanische Flugzeuge als lebende Waffen gegen die Amerikaner. Ein Pilot, der abstürzte, überlebte in amerikanischer Gefangenschaft; er ging nie nach Japan zurück und erst fünfzig Jahre nach Kriegsende sprach er das erste Mal öffentlich von seiner Geschichte: Allein, weil er überlebt hatte und in Gefangenschaft geraten war, brachte er Schande über seine Familie. Dieser Zwang zum Selbstmord hat mit einem frei gewählten Tod ebenso wenig zu tun, wie das Sterben von Soldaten, die Offiziere als Kanonenfutter verheizen.

Japan kennt auch den Sepukku, eine grausame Art, sich selbst zu töten, um eine verlorene Ehre wiederherzustellen. Der „Ehrlose“ rammt sich dazu ein Schert in den Unterbauch und durchschneidet nach einem festen Ritual die inneren Organe.

Bei vielen Eliteeinheiten und Geheimdiensten ist die Zyankali-Pille fester Teil der Ausrüstung. Jeder, der für solche Organisationen arbeitet, ist bereit, sich zu töten, falls er dem Feind in die Hände fällt.

Auch manche Massenselbstmorde sind solche Kriegsakte. Weltgeschichte schrieben die Zeloten in der Bergfestung Masada. Die Festung galt als uneinnehmbar, und die Zeloten stellten den harten Kern des Widerstandes gegen die römischen Invasoren. Sie waren eingeschlossen, die Römer bauten raffinierte Maschinen, um die Festung einzunehmen, doch, als sie die Mauern überwanden, fanden sie nur Leichen. Die Zeloten hatten sich die Kehlen durchgeschnitten.

Die Zeloten schufen ein mächtiges Symbol. Herrschaft beruht in letzter Konsequenz auf der Macht, über Leben und Tod zu entscheiden. Wenn die Freiheit aber sogar wichtiger ist als das eigene Leben, verliert die Herrschaft ihre Macht. Diese Art des Freitods ist im engsten Sinne kein Selbstmord. Das individuelle Leben dessen, der sich tötet, wird ausgelöscht, aber die Idee, für die er steht, lebt gerade dadurch weiter. Wie freiwillig die Individuen in den Tod gingen, sei dahin gestellt, denn maßgeblich ist in solchen ausweglosen Situationen der Druck der Gruppe.

Auch die Gegenseite kannte indessen die politische Selbsttötung. Die Römer verherrlichten den Suizid aus ehrenwerten Motiven als „römischen Tod“, sie verlangten ihn sogar von hohen Militärs und Würdenträgern.

Der römische Feldherr, der sich ins Schwert stürzt, ist keine literarische Fiktion, sondern war eine verbreitete Praxis. Zum Beispiel begingen die römischen Offiziere, die gegen die germanischen Krieger in der Varusschlacht verloren, Selbstmord. Der galt jedoch nicht als ehrenhaft. Denn das Motiv war Angst, in Gefangenschaft zu geraten, und, zumindest bei Varus selbst, dem römischen Kaiser vor die Augen zu treten, der ihn vermutlich ebenfalls mit dem Tod bestraft hätte.

Indianische Kulturen sahen es als besondere Ehre von Kriegern an, sich für die Gruppe zu opfern. Ein alter Komantsche, der allein stehen blieb und sich den Feinden entgegen stellte, starb zwar nicht von eigener Hand, aber er beging eine Form von Selbstmord.

Bei den Inuit war es verbreitet, dass Alte und Kranke, die nicht mehr mit der Gruppe mitziehen konnten, ihrem Leben selbst ein Ende setzten.

Prävention

Suizid-Gefährdete in modernen Gesellschaften haben große Probleme, über ihre Suizidgedanken zu reden, sei es, weil sie sich dafür schämen sei es, weil sie Angst haben, als psychisch krank zu gelten, oder weil sie diese Gedanken ja gerade entwickeln, weil sie den Bezug zu anderen Menschen verloren und eine Mauer zwischen sich und ihren Mitmenschen sehen, oder aber, weil sie den Beschluss bereits gefasst haben. Oft fürchten sie, in die Psychiatrie zu kommen und so das letzte zu verlieren, was ihnen bleibt – ihre selbst bestimmte Entscheidung über ihr Leben.

Gerade in der Phase, wo sie ihren Tod bewusst planen, wirken Suizidale oft sehr klar. Menschen, die ihre Freunde zuvor als labil erlebten, um die sie sich „Sorgen machten“, scheinen ihr Leben auf einmal „im Griff zu haben“. Sie besuchen alte Freunde und führen mit diesen tief gehende Gespräche, oder sie suchen alte Liebschaften auf, um offene Fragen der Beziehung zu klären – Angehörige sind oft positiv überrascht. Bisweilen verschenken die Suizidalen wichtige Bücher oder Erinnerungsstücke.

Der „positive Lebenswandel“, der die Freunde so überrascht, ist jedoch ein Warnsignal. Der Betroffene hat sich entschieden. Die Probleme, die ihn belasteten, spielen keine Rolle mehr, weil er diese Welt bald verlassen wird; er klärt offene Fragen, um sich zu verabschieden. Suizidale suchen vor der vollendeten Tat häufiger Ärzte auf als gewöhnlich, die die Gefahr jedoch oft nicht erkennen.

Prävention ist schwierig, aber möglich. Dazu zählen vor allem unbürokratische Behandlungen, Fortbildungen für Lehrer, Pfleger, Ärzte und Therapeuten, um eine Suizidgefahr zu erkennen und ein offener Umgang in der Gesellschaft und den Medien mit dem Thema.

Suizidgefährdeten kann geholfen werden, wenn sie dies wollen. Die Schwelle dazu ist meist groß. Viele Suizidgefährdete betrachten die Selbstmordgedanken als das intimste, was sie haben. Sie sehen oft nicht ein, dass sie professionelle Hilfe benötigen oder ihnen damit geholfen werden kann. Am einfachsten ist es, sie zu überzeugen, wenn die Suizidgedanken dem Hilferuf entsprechen.

Die Behandlung richtet sich nach Problemlage. Kapituliert der Betroffene vor seiner Lebenssituation? Lebt er in einer Messie-Wohnung, weiß er nicht, wie und wo er beruflich seinen Platz finden soll? Dann hilft vielleicht betreutes Wohnen und das schrittweise Heranführen an praktische Aufgaben im Alltag, durch die er merkt, dass er diesen bewältigen kann.

Medien haben eine besondere Verantwortung. Nach dem Tod von Robert Enke gab es zum Beispiel eine Welle von Suiziden nach dem gleichen Muster. Medien, die sich der Verantwortung bewusst sind, sollten ebenso kritisch wie differenziert über die Ursachen von Suiziden berichten, ohne die Selbsttötung zu dämonisieren bzw. zu verherrlichen, aber auch zeigen, an wen sich Gefährdete wenden können und was es für Alternativen gibt.

Fast alle, die einen Suizidversuch unternehmen, waren in den Monaten davor in ärztlicher Behandlung, insbesondere beim Hausarzt. Jeder dritte Arzt wurde indessen von der Suizidhandlung überrascht. Nach dem Versuch sind so gut wie alle Suizidalen in irgendeiner Art von ärztlicher Behandlung, sei es eine Psychotherapie, eine Psychiatrie, eine internistische Intensivstation oder eine Reha-Klinik.

C.H. Reimer sieht ein Problem darin, dass Ärzte und Schwestern Suizidpatienten negativ gegenüber ständen. Sie trennten häufig immer noch zwischen ernsthaften Selbstmordversuchen, die sie respektieren und „Simulanten“, die sich wichtig machen wollen. Dabei sei der Umgang mit Suizidpatienten kein fester Bestandteil des Medizinstudiums und der Pflegeberufe. Ärzte delegierten die psychische Betreuung des Patienten oft auf die Fachleute, die Psychotherapeuten und Psychiater. Das sei aber gefährlich, weil der Suizidale vor allem mit „normalen“ Ärzten und Pflegern zu tun hätte, und auf den „rein medizinischen“ Umgang mit seinem Leid reagierte, indem er sich einigele.

Ärzte, Pfleger, Angehörige, Freunde und Kollegen reagieren auf den Selbstmordversuch mit Angst, die sich selbst oft nicht eingestehen: Sie fühlen sich überfordert, in ihnen nagen Schuldgefühle, die sie auf den Patienten übertragen, sie setzen sich mit ihrem eigenen Tod auseinander. Zudem weigern sich viele Überlebende, über ihren Selbstmordversuch zu sprechen; wenn es kein „Hilferuf“ war, und jemand anders sie gerettet hat, geschah die Rettung gegen ihren Willen. Ärzte und Pfleger fühlen sich dann vom Patienten abgelehnt und reagieren entsprechend.

Der Arzt muss erstens die Suizidalität erkennen und beurteilen. Das obliegt leider meist dem Hausarzt, der keinerlei Schulung dazu hat. Der Freiburger Psychiater Bochnik schätzt, dass Fehler in der Diagnose und Behandlung für 7000 Selbstmorde pro Jahr verantwortlich sind.

Phasen des Suizids

Folgende Phasen gehen in der Regel einem Suizid voraus:

In Phase 1 spielt der Suizidale mit Selbstmord als möglicher Konfliktlösung. Berühmte Selbstmörder oder Suizide im persönlichen Umfeld stärken diese Gedanken, ebenso aber Autoaggressionen.

Solche Gedankenspiele sind zum Beispiel bei Jugendlichen weit verbreitet, sei es als trotzige Selbstbehauptung „bevor ich mich anpasse, jage ich mir eine Kugel in den Kopf“, als schwarzromantische Fantasie „ich schneide mir im lauwarmen Wasser die Pulsadern auf und höre dazu meine Lieblings-CD“ – sei es als ultima ratio „einen Ausweg gibt es immer“.

Wenn sich „local heroes“ aus Jugendmilieus umbringen, die besonders unter sozialen und psychischen Problemen leiden, zum Beispiel in Heimen oder bei Straßenkindern, müssen alle Anstrengungen unternommen werden, auf niedrigster Schwelle Hilfe anzubieten.

Die Phase II kennzeichnet Ambivalenz. Vor- und Nachteile eines Suizids stehen im Wechselspiel. Der Betroffene kündigt bisweilen bereits eine Selbsttötung an „ich mach Schluss“, „ich will nicht leben…“ und guckt, wie sein Umfeld reagiert.

Besonders bei Teenagern werden solche Ankündigungen meist nicht ernst genommen, nach dem Motto „hör auf, dich selbst zu bemitleiden“. Diese Einschätzung ist fatal: 8 von 10 Selbstmördern kündigen ihren Suizid an, manchmal kurz davor, in einigen Fällen aber auch seit Jahren: Zum Beispiel sagte ein Mann mit 18, er wolle nicht älter als 34 werden, und an seinem 34. Geburtstag brachte er sich um.

Phase III ist die Entscheidung. Jetzt ist der Entschluss gefallen, entweder zu sterben oder zu leben. Diese Ruhephase ist trügerisch. Der Betroffene spricht nicht mehr über Selbstmord. Manchmal hat er mit dem Gedanken daran abgeschlossen hat; häufiger jedoch plant er seinen Abgang jetzt konkret. Angehörige, Freunde und Ärzte sollten jetzt unbedingt mit ihm darüber reden, warum er nicht mehr über Selbstmord spricht.

Wer sich bewusst für das Leben entschieden hat, redet meistens gerne darüber. Wer sich für den Tod entschieden hat, gibt das selten zu, sendet aber durch sein Verhalten eindeutige Signale: „Ist doch klar, oder?“, „warum soll ich darüber reden?“, „entweder man macht es oder man lässt es bleiben“, „die Entscheidung ist gefallen“, „es gibt kein Zurück“ …

Falls jemand möglicherweise in Suizidgefahr schwebt, ohne darüber zu reden, können Freunde, Angehörige und Ärzte ihn darauf behutsam ansprechen. Anzeichen sind zum Beispiel:

– er zieht sich von Freunden zurück

– er leidet unter Depressionen

– er verwickelt sich in Selbstzerstörungen, läuft bei Rot über die Ampel zwischen fahrende Autos, provoziert Gewalt gegen sich selbst, lässt die Kerzen brennen, während er in der Holzhütte schläft…

– in der Vergangenheit erlitt er mysteriöse „Unfälle“

– beschäftigt sich mit spirituellen Themen, die um das Jenseits, Selbstmord, Beerdigung etc. kreisen, ohne dies zuvor getan zu haben

– wirkt merkwürdig „kindlich“, sucht Orte seiner Vergangenheit auf, besucht Personen, mit denen er längst keinen Kontakt mehr hatte…

Die Phasen der Suizidalität laufen nicht notwendig bewusst: Oft stößt der Gefährdete in seinen Nachtträumen und Tagesfantasien immer wieder auf bizarre Todesarten, Nachrichten über Selbstmörder ziehen ihn magisch an; dann verdichten sich diese Bilder seines Unbewussten, entwickeln ein Muster, das andere, das Leben bejahende Muster ersetzt – und die Konstruktionen des Unbewussten erscheinen dem Betroffenen immer mehr als die eine Wirklichkeit.

Besondere Aufmerksamkeit gilt, wenn der Betroffene zuvor bereits parasuizidal handelte, damit sind „misssglückte Selbstmordversuche“ gemeint, die Selbstmord zitierten, aber nicht lethal enden sollten. Das alles sind Appelle, sich um sein Problem zu kümmern – eine nonverbale Kommunikation.

Besondere Risikofaktoren sind:

– Lebenskrisen bei Krisenanfälligen

– suizidale Entwicklung

– präsuizidales Syndrom

– Depressionen

Alkoholismus, Drogen- und Medikamentsucht

– Alter und Vereinsamung

– Suizidankündigungen- und versuche

Fragen, die an den möglichen Suizidkandidaten gestellt werden können, sind:

Hat der Betroffene versucht, sich das Leben zu nehmen? Hat er es schon vorbereitet? Hat er Zwangsgedanken an Selbstmord? Unterdrückt er Aggressionen gegen bestimmte Personen? Erlebte er Krisen, die er nicht verarbeitet hat? Ist er traumatisiert? Hat er seine Kontakte zu anderen Menschen reduziert?

Hinterbliebene eines Suizidalen, dem sie halfen, der sich aber doch tötete, sollten ihre Möglichkeiten im Nachhinein nicht überschätzen: Wer sich bewusst entscheidet, von eigener Hand zu sterben, der wird es irgendwann tun. Wenn er bei klarem Verstand war, ist der letzte Respekt ihm gegenüber, seine Entscheidung zu akzeptieren. Vor einem Suizid schützt nur die Entscheidung für das Leben. (Dr. Utz Anhalt)

Literaturtipps:

Anlaufstellen für Suizid-Gefährdete:
Onlineberatung für Gefährdete unter 25 Jahren: www.u25-freiburg.de
www.krisen-intervention.de/suizikrs.html

Abram A, Berkmeier B, Kluge K-J.: Suizid im Jugendalter. Teil I: „Es tut weh, zu leben“. Darstellung des Phänomens aus pädagogischer Sicht. München 1980

Aebischer-Crettol E.: Aus zwei Booten wird ein Floß – Suizid und Todessehnsucht: Erklärungsmodell, Prävention und Begleitung. Zürich 2000