Tarsaltunnelsyndrom

Tarsaltunnelsyndrom
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Tarsaltunnelsyndrom – Schmerzen und Taubheit in den Füßen

Pro Tag legen wir durchschnittlich circa 10.000 bis 15.000 Schritte zurück, bei denen das volle Körpergewicht auf unseren Füßen ruht. Ein Garant für unsere Fortbewegung ist, dass die Füße gut und schmerzfrei funktionieren. Bei dem sogenannten Tarsaltunnelsyndrom kommt es hier zu Störungen infolge der Kompression eines Nervs.

Definition

Das Tarsaltunnelsyndrom beschreibt eine Nervenkompression im Bereich des Tarsaltunnels, wobei der Schienbeinnerv bertroffen ist. Der Tarsaltunnel liegt am Innenknöchel unter einem Halte-Band (genannt Retinaculum musculi flexorum). In ihm – und somit auch unter dem Band hindurch – verläuft der Schienbeinnerv (genannt Nervus tibialis). Dieser kann dort abgeklemmt werden, was zu Missempfindungen, Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigungen führt.

Tarsaltunnelsyndrom
Missempfindungen und Schmerzen unter der Fußsohle, die bis in die Zehen und den Unterschenkel ausstrahlen können, sind mögliche Anzeichen des Tarsaltunnelsyndroms. (Bildnachweis: Lupo/pixelio.de)

Symptome der Nervenkompression

Plötzliche einsetzende Schmerzen und Störungen in der Sensibilität (Parästhesien) mit Berührungsempfindlichkeit, Kribbeln und Taubheit an der Ferse und unter dem Fuß sind mögliche Folgen des Tarsaltunnelsyndroms, da der Schienbeinnerv in diesen Regionen seine sensiblen, von ihm versorgten Bereiche hat. Ebenso werden die Beugemuskeln des Unterschenkels und die der Fußsohle vom Nervus tibialis versorgt, so das entsprechende Beschwerden auch hier auftreten können. Selbst wenn die Symptome nicht besonders ausgeprägt sind, empfinden die Betroffenen diese meist als sehr belastend. Schnelle Abhilfe ist geboten, weil sie stark in ihrer Bewegung und somit dem sozialen Leben eingeschränkt sind. Sie haben das Gefühl, dass sie sich nicht mehr auf ihre Füße verlassen können und werden unsicher beim Gehen. Viele klagen gerade nachts in Ruhephasen über Beschwerden und leiden in der Folge zusätzlich unter dem Schlafmangel.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann die dauerhafte Kompression zu irreversiblen Schäden des Nervs und gegebenenfalls einer Atrophie der versorgten Muskeln führen. Die Beschwerden sind in diese Fall dauerhaft vorhanden und es kommt eine augeprägte Muskelschwäche hinzu, die mmit Bewegungs- und Belastungseinschränkungen einhergeht.

Ursachen

Als Ursachen des Tarsaltunnelsyndroms sind akute Geschehen an der Knöchelregion wie Verdrehungen, starke Blutergüsse und Brüche, aber auch Überlastungen zu nennen. Andere Erkrankungen der benachbarten Strukturen, beispielsweise der Sehnen, Knochen oder Gelenke (rheumatische Erkrankungen) oder Venen, können ebenfalls zu einer Enge im Kanal führen, die oben genannte Beschwerden verursacht. Gleiches gilt für Fehlstellungen der Füße, die zu entsprechenden Fehl- bzw. Überlastungen führen. Nicht zuletzt werden Durchblutungs- und Hormonstörungen, Schwangerschaft und Wechseljahre in Zusammenhang mit dem Auftreten der Beschwerden gebracht.

Bei einer vorliegenden Arthritis kann die Entzündung zu Schwellungen und einem erhöhten Druck auf den Tarsaltunnel führen, was eine Kompression des Schienbeinnervs verursacht. (Bild: stockdevil/fotolia.com)
Bei einer vorliegenden Arthritis kann die Entzündung zu Schwellungen und einem erhöhten Druck auf den Tarsaltunnel führen, was eine Kompression des Schienbeinnervs verursacht. (Bild: stockdevil/fotolia.com)

Diagnose

Anhand einer ausführlichen Befragung der Patienen zu den auftretenden Beschwerden lässt sich das Tarsaltunnelsyndrom in der Regel bereits gut eingrenzen. Eine anschließende körperliche Untersuchung mit Abtasten des Fußes, Knöchels und Unterschenkels kann den Verdacht erhärten. Mechanisch ist es darüber hinaus sinnvoll, die ganze Strecke des Nervs zu betrachten und auf eventuelle Kompressionen schon vor dem Tarsaltunnel zu untersuchen. Die Belastungsverteilung im Bein und natürlich besonders im Fuß in Ruhe und Bewegung ist ebenfalls zu überprüfen und gegebenfalls zu behandeln.

Durch Abtasten und Abklopfen lässt sich das Tarsaltunnelsyndrom in der Regel bereits relativ verlässlich diagnostizieren. (Bild: Microgen/fotolia.com)
Durch Abtasten und Abklopfen lässt sich das Tarsaltunnelsyndrom in der Regel bereits relativ verlässlich diagnostizieren. (Bild: Microgen/fotolia.com)

Durch eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit werden Kompressionen der Nerven in der Regel gut erkennbar und eine Elektromyografie kann Aufschluss über eine mögliche Beeinträchtigung der Muskeln geben. Als bildgebende Verfahren zur Untersuchung der Beschaffenheit des Tarsaltunnels werden klassische Röntgenuntersuchungen und die Magnetresonanztomografie angewandt. Im Rahmen der Diagnose geht es jedoch nicht nur darum, das Tarsaltunnelsyndrom und dessen Ausmaß festzustellen, sondern auch die Ursachen sollten möglichst exakt ermittelt werden, um diese bei der anschließenden Therapie zu berücksichtigen.

Behandlung des Tarsaltunnelsyndroms

Zunächst gilt es im Rahmen der Behandlung weitere Fehl- bzw. Überlastungen zu vermeiden, wobei dies in Abhängigkeit von dem jeweiligen Auslöser zu sehen ist. Beispielsweise können Einlagen in den Schuhen Fehlstellungen korrigieren und gleichzeitig die Belastung beim Gehen reduzieren. Oft wird zusätzlich versucht, mit Kortison gegen vorliegende Entzündungen vorzugehen und ein Abschwellen der Gewebestrukturen im Tarsaltunnel zu erreichen, um den Druck vom Nerv zu nehmen. Ist allerdings beispielsweise ein Knochensporn Ursache der Kompression, lässt sich dieser nicht mit Medikamenten beheben und eine Operation bleibt die letzte Option.

Wird mit der konventionellen Behandlung keine Linderung der Beschwerden erreicht, kann grundsätzlich eine Operation in Betracht gezogen werden, bei der durch eine Trennung des Halte-Bandes Retinaculum musculi flexorum und ein Abtragung raumfordernen Gewebestrukturen eine Entlastung des Nervs erreicht werden soll. Die Heilung nach der Operation kann jedoch einige Monate in Anspruch nehmen und nicht bei allen Patienten wird ein vollständiges Abklingen der Symptome erreicht. Hier spielt auch der Grad der Nervenschädigung vor der Operation eine wichtige Rolle für den Behandlungserfolg.

Nicht selten bleibt bei dem Tarsaltunnelsyndrom eine Operation die einzige erfolgversprechende Behandlungsoption. (Bild: edwardolive/fotolia.com)
Nicht selten bleibt bei dem Tarsaltunnelsyndrom eine Operation die einzige erfolgversprechende Behandlungsoption. (Bild: edwardolive/fotolia.com)

Wenn Betroffene spüren, dass sie sich durch eine erfolgreiche Behandlung wieder auf ihre Füße verlassen und diese ohne Einschränkungen einsetzen können, ist dies eine große Erleichterung und führt sie wieder zurück zu einem Zustand, in dem sie ihre sozialen Aktivitäten voll wahrnehmen können. Bei entsprechenden Beschwerden sollte daher zeitnah ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Auch wenn eine erfolgreiche Behandlung mitunter einige Monate dauert, bestehen gute Aussichten auf ein weitgehend beschwerdefreies Leben danach. (tf, fp, zuletzt aktualisiert 31.10.2106)

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