Tendovaginitis de Quervain

Tendovaginitis-de-Quervain
Jeanette Vinals Stein
Sogenannte Sehnenscheidenentzündungen können an unterschiedliche Stellen des Körpers auftreten. Eine spezielle Form ist die Tendovaginitis de Quervain, welche eine schmerzhafte Erkrankung der Strecksehne des Daumen bildet. Der Name stammt von dem schweizer Chirurgen Fritz de Quervain, der 1896 die Erkrankung zum ersten Mal beschrieb. Für die Betroffenen ist diese spezielle Sehnenscheidenentzündung oft mit erheblichen Einschränkungen verbunden, da die Bewegung des Daumens starke Schmerzen verursacht und die Bewegungsfähigkeit entsprechend beeinträchtigt ist.

Definition

Die Strecksehnen des Daumens (vom Muskel Abductor pollicis und Extensor pollicis brevis) verlaufen, wie auch die Strecksehnen der anderen Finger, in einer Art Tunnel, der als Sehnenfach bezeichnet wird. Bei der Quervain-Krankheit ist das erste Sehnenfach der Hand betroffen. Hier bildet sich eine Entzündung, welche anschließend entsprechende Beschwerden verursacht. In der internationalen Klassifikation von Krankheiten durch die Weltgesundheitsorganisation (ICD-10-WHO Version 2016) wird das Beschwerdebild unter „M65.4 Tendovaginitis stenosans [de Quervain]“ geführt. Andere verwendete Bezeichnungen sind zum Beispiel Quervain-Krankheit, Quervain-Tendovaginitis und Quervain´schen Erkrankung.

Die Tendovaginitis de Quervain ist mit stechenden Schmerzen bei Bewegung des Daumens verbunden. (Bild: Adiano/fotolia.com)
Die Tendovaginitis de Quervain ist mit stechenden Schmerzen bei Bewegung des Daumens verbunden. (Bild: Adiano/fotolia.com)

Ursachen

Die Ursachen der Quervain´schen Erkrankung sind bis heute nicht abschließend geklärt, jedoch gelten Fehl- beziehungsweise Überlastungen als eindeutiger Risikofaktor. Tätigkeiten, bei denen ein häufiges Abspreizen des Daumens erfolgt, wie beispielsweise das Tippen von Kurznachrichten auf dem Smartphone, aber auch das Halten des Kindes beim Stillen und viele Tätigeiten im Haushalt gehen mit entsprechenden übermäßigen Belastungen des Daumens einher (teilweise wird das Beschwerdebild auch Hausfrauendaumen genannt).

Allerdings sind Überlastungen nicht die einzigen bekannten Risikofaktoren. Auch gehen Mediziner von einen Zusammenhang mit bestehendem Platzmangel im ersten Sehnenfach aus. Hier reiben die Sehnen unter Umständen aneinander, was anschließend die Tendovaginitis de Quervain bedingt. Zudem verlaufen bei manchen Menschen – als anatomische Besonderheit – statt zwei drei Sehnen in dem ersten Sehnenfach, woraus natürlich eine gewisse Enge folgt, die das Auftreten der Erkrankung begünstigt. In diesen Fällen besteht eine sozusagen eine anatomische Veranlagung für die Erkrankung.

Symptome

Schmerzen bei Bewegung des Daumens sind ein wesentliches Merkmal der Tendovaginitis de Quervain. Diese können von dem Bereich unterhalb des Daumengelenks über den Handrücken bis in den Unterarm ausstrahlen. Auch zeigen sich unter Umständen eine Schwellung und lokaler Druckschmerz im Bereich des ersten Sehnenfachs. Auch empfinden manche Betroffene bei Daumenbewegungen ein Gefühl des Reibens im Sehnenbereich. Langfristig drohen bei unterlassener Behandlung schlimmstenfalls Vernarbungen und Verklebungen der Sehne im ersten Sehnenfach, was mit entsprechende Einschränkungen der Beweglichkeit des Daumens einhergeht.

Diagnose

Als zuverlässiger lokaler Test zur Diagnose der Quervain-Krankheit gilt der sogenannte Finkelstein-Test, benannt nach dem amerikanischen Chirurgen Harry Finkelstein, der diesen Anfang des 20. Jahrhunderts in einer entsprechenden Facharbeit beschrieb. Die Hand wird dabei praktisch wie bei einem Handschlag gehalten, nur deutlich nach unten geneigt und die Daumenspitze nach unten in Richtung des kleinen Fingers gezogen. Zeigt sich hierbei eintechender Schmerz im Bereich des seitlichen-unteren Endes des Speichenkochens, am sogenannten Processus styloideus radii, ist dies als deutlicher Hinweise auf die Quervain-Krankheit zu werten.

Differentialdiagnostisch können auch bildgebende Verfahren wie Röntgenuntersuchungen eingesetzt werden, um beispielsweise Gelenkerkrankungen in Form einer Rhizarthrose auszuschließen. Zudem werden bei einer ganzheitlichen Herangehensweise alle Zu- und Abflusswege der Handgefäße mit untersucht, wobei mehrere Engstellen im Bereich der Arme und Schultern zu berücksichtigen sind. Gerade bei stillenden Müttern gibt es durch das Einfallen der Schultern oft Faktoren, die außerhalb des Handgelenks zu einer Abklemmung der Gefäße und somit einem Stau führen können. Zusätzlich sollten neben den mechanischen Faktoren hormonelle und Stoffwechsel-Besonderheiten, die alle die Qualität des Gewebes beeinflussen, in die Anamnese einbezogen werden.

Die Ruhigstellung des Daumens ist bei der Quervain-Krankheit meist unerlässlich. (Bild: TasfotoNL/fotolia.com)
Die Ruhigstellung des Daumens ist bei der Quervain-Krankheit meist unerlässlich. (Bild: TasfotoNL/fotolia.com)

Behandlung

Schonung beziehungsweise Ruhigstellung des Daumens ist die Basis der Therapie. Weitere Überlastungen gilt es dringend zu meiden. Ein Tapeverband, eine Schiene oder ein Gipsverband können hier für Entlastung sorgen. Begleitend werden oft entzündungshemmende Arzneien verabreicht. Auch manuelle Therapien sind hier ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung und in den meisten Fällen lässt sich das Beschwerdebild mit den genannten Maßnahmen nach einiger Zeit beheben. Ist dies nicht der Fall, kann Cortison gegen die Erkrankung eingesetzt werden, allerdings besteht auch hier keine Garantie für den Erfolg. Die letzte Option bildet ein operativer Eingriff, bei dem das erste Sehnenfach der Länge nach geöffnet und mögliche Beengungen bzw. Verklebungen behoben werden.

Naturheilkunde bei der Tendovaginitis de Quervain

Neben den Möglichkeiten der manuellen Therapie bieten sich in der Naturheilkunde verschiedene äußerliche Behandlungen bei der Quervain-Krankheit an. Insbesondere Umschlägen auf Basis von Aluminiumdiacetat (essigsaurer Tonerde) und kalten Lehmwickeln, die über mehrere Stunden (am besten Nachts) aufgebracht werden, wird hier eine positive Wirkung zugesprochen. Darüber hinaus können auch verschiedene homöopathische Mittel zur Anwendung kommen, wobei neben Arnica vor allem Rhus toxicodendron hier vielfach eingesetzt wird. (jvs, fp)

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Bild 1: Lupo  / pixelio.de