Tropenkrankheiten: Symptome, Vorbeugung und Therapie

Tropenkrankheiten erreichen Europa. Bild: Henrie - fotolia
Dr. Utz Anhalt
Immer mehr Deutsche reisen in die Tropen. Dabei herrscht oft Unwissen über in diesen Ländern verbreiteten Tropenkrankheiten – und der Umgang damit schwankt zwischen Extremen. Die einen geraten in Panik, wenn es unter mehr als einer Milliarde Indern eine Handvoll Pestfälle gab, die anderen wundern sich, dass es in der Mohave-Wüste keinen Kiosk gibt, um Getränke zu kaufen.

Vorbeugung

Für alle Reiseländer gilt: Krankheiten haben Ursachen, und einige dieser Ursachen lassen sich vermeiden.

1) Circa zwei Monate vor Reiseantritt sollten Sie sich informieren, welche Impfungen im Reiseland vorgeschrieben, und welche ratsam sind. Dann sollten sie ihren Imfpass prüfen, welche Impfungen noch wirken, welche sie wiederholen müssen und welche sie nicht haben.

Tropenkrankheiten erreichen Europa. Bild: Henrie - fotolia
Tropenkrankheiten erreichen Europa. Bild: Henrie – fotolia

Dabei geht es auch um die Regionen, die sie aufsuchen und ihre Art zu reisen. Wenn sie zum Beispiel in Indien in Mittelklasse-Hotels absteigen und organisierte Touren buchen, ist es unwahrscheinlich, dass sie Kontakt zu einem an Tollwut erkrankten Hund oder Schakal haben.

Wenn Sie hingegen mit dem Rucksack durch das Land reisen, im Zelt oder unter freiem Himmel nächtigen, empfiehlt sich dringend eine Impfung gegen Tollwut.

2) Einfache hygienische Maßnahmen sollten Sie generell beachten.
Dazu gehören:

– Leitungswasser abkochen und auf Brunnenwasser zu verzichten, wenn es möglich ist.

– kein ungeschältes Obst essen.

– auf selbst gemachtes Speiseeis verzichten.

– wenn möglich überhaupt nicht bei Straßenverkäufern essen.

– lange Kleidung tragen, unter einem Moskitonetz schlafen, in Sumpfgebieten einen Moskitohut aufsetzen, Mittel gegen Stechmücken nutzen.

– waschen Sie sich die Hände, insbesondere vor und nach dem Essen, wenn Sie im Bus oder Bahn waren, Türen oder fremde Gegenstände anfassten. Der größte Teil der Infektionen läuft von der Hand in den Mund.

– reiben Sie nach dem Waschen die Haut mit einer Creme ein.

– verwenden Sie in Risikogebieten wie den Slums südamerikanischer Großstädte einen Mundschutz gegen Smog und Krnakheitserreger.

– vermeiden Sie es, streunende Tiere zu streicheln oder waschen Sie sich danach zumindest gründlich die Hände.

– führen Sie Sprays oder Pulver gegen Flöhe, Milben und Wanzen mit sich.

– nehmen sie eigenes Bettzeug mit. Schlafen Sie in Hotels mit mangelnder Hygiene im eigenen Schlafsack und legen zur Not eine Plastiktüte über das Bettlaken.

– nehmen Sie Badeschuhe mit, die sie anziehen, wenn Sie die Dusche benutzen.

Der Hygiene-Beutel

Kleine Dinge verhindern oft Großes. Unser „Kosmetikbeutel“ hilft bereits, Infektionen zu bremsen.

Er sollte enthalten:

– Toilettenpapier

– Zahnpasta und Zahnbürste

– Seife

– ein Stofftaschenbuch (regelmäßig mit klarem Wasser waschen)

– Rasierer und After Shave (desinfiziert)

– Kamm (bürstet auch Insekten und Parasiten aus dem Haar)

– Sonnenschutzcreme

– Hautcreme (rissige Haut öffnet vielen Erregern den Weg)

Wassermangel

Der gefährlichste Killer auf Tropenreisen ist nicht der Tiger oder der weiße Hai, sondern Wassermangel. Keine Gefahr wird derart unterschätzt! Gehen Sie niemals ohne Wasserreserven los – in der Wildnis wie in der Stadt. Denken Sie nie, irgendwo finden Sie schon Wasser.

Die Nähe zu Städten ist trügerisch – wenn Sie fünf Kilometer vom nächsten Ort verdursten, verdursten sie trotzdem.

In heißen Wüsten brauchen wir mehrere Liter Wasser pro Tag. Wenn wir mit dem Autofahren, bietet das keine Sicherheit. Vielleicht hat die nächste Tankstelle geschlossen, dann trocknen wir weiter aus, oder das Auto bleibt mit einer Panne liegen.

Denken Sie nie, „es ist ein Fluss auf dem Weg“. Vielleicht führt der gerade kein Wasser, oderSie verlieren den Pfad.

Wassermangel bedroht das Leben lange bevor, die Organe versagen. Fatal ist, dass wir die Konzentration und Orientierung gerade dann verlieren, wenn wir sie dringend bräuchten, um Hilfe zu holen.

Wir sind verwirrt, unsere Konzentraion leidet, wir werden antriebslos, die Zunge schwellt an, und wir sehen Dinge, die es nicht gibt.

Unser Urin wird dunkel und stinkt.

Wir beugen Wassermangel vor, indem wir als ehernes Gesetz mindestens zwei Liter Wasser ständig bei uns tragen – erheblich mehr bei Trekkingtouren.

– wir vermeiden es, zu schwitzen.

– wir verlegen anstrengende Märsche und Arbeiten in die Nacht oder der Schatten.

– wir tragen lockere helle Kleidung.

– wir schützen uns vor Wind, denn Wind fördert die Verdunstung.

– wir essen nichts, außer wasserreichem Obst.

– wir trinken keinen Alkohol und rauchen nicht.

– wir trinken, wenn wir Symptome zeigen, nie Salzwasser oder Urin. Das stört das osmotische Gleichgewicht und kann zum Tod führen.

– wir reinigen das Wasser mit Entkeimungstabletten; bei Wassermangel führt selbst der Flüssigkeitsverlust bei einem kleinen Durchfall schnell zum Tod.

Reisekrankheiten und die Symptome

Der Begriff Tropenkrankheiten umfasst nicht alle Erkrankungen, denen Touristen auf Fernreisen begegnen. Tollwut oder Malaria zum Beispiel sind zum Beispiel nicht auf die Tropen beschränkt, aber in Mitteleuropa inzwischen unter Kontrolle.

Das Dengue-Fieber:

Aedes aegypti, eine Stechmückenart überträgt ein gefährliches Virus, das Dengue-Fieber. Zehntausende an Menschen in Ländern wie Vietnam und Venezuela erkrankten daran. Zu den Symptomen gehören schwere Schmerzen in Muskeln, Gelenken und Gliedern. Blutungen und Schocksymptome können folgen.

Das Fieber lässt sich nicht heilen, sondern nur lindern, zum Beispiel durch Paracetamol. In Gebieten, in denen das Dengue-Fieber grassiert, sind alle Maßnahmen, um die tagaktiven Mücken abzuwehren, ein Muss: Moskito-Hut. Mücken vertreibende Sprays, und zur Not ein stark qualmendes Feuer.

Gelbfieber

Das Gelbfieber übertragen ebenfalls Stechmücken auf den Menschen. Der Virus ist endemisch in Teilen Afrikas, sowie in Mittel- und Südamerika. In Asien und der Karibik besteht keine Gefahr, doch befürchten Fachleute, dass das Virus sich nach Asien ausbreitet, weil hier passende Wirte und Vektoren leben.

Die Mücken saugen an infizierten Affen, übertragen das Virus dann auf andere Menschen oder auf Menschen. Oder sie saugen Blut von erkrankten Menschen und übertragen es auf andere Menschen. In der Natur sind Affen die Hauptträger, in Städten Menschen.

Die Übertragungen von Affen auf Menschen führen meist nur zu lokalen Epidemien in Walddörfern. In Ballungsgebieten bricht die Krankheit hingegen massenhaft aus.

Die Inkubation beträgt 3-6 Tage. Nach der Übertragung vermehrt sich das Virus im Körper. Die Betroffenen leiden unter hohem Fieber, das zudem schnell ansteigt. Dazu kommt Übelkeit, und Schmerz in Kopf wie Muskeln. Die Bindehaut entzündet sich und der Puls geht langsamer.

Dann verschwinden die Symptome, und die Betroffenen glauben, sich zu erholen. Doch jetzt beginnt die zweite Phase, in der das Gelbfieber die Organe befällt. Leber und Nieren versagen, der Körper wird vergiftet. In dieser Phase stirbt jeder zweite Erkrankte.

Gelbfieber löst zudem starke innere Blutungen aus. Bisweilen verläuft das Gelbfieber auch weniger schlimm.

Gegen die Krankheit hilft keine Medizin, und Arzneimittel lindern nur die Symptome.

Wer sich in Gelbfiebergebieten aufhält, sollte unbedingt Repellent benutzen, unter Moskitonetzen schlafen und deren Schutz insbesondere in der Dämmerung aufsuchen – dann sind die Tiere aktiv.

Impfung

Eine Gelbfieberimpfung ist bei Einreise in viele Länder Pflicht. Dabei werden abgeschwächte Viren auf Hühnereiern vermehrt – die Impfung erfolgt mit einer Spritze unter die Haut. Eine solche Impfung ist bei Reisen nach Afrika oder ins tropische Amerika unbedingt zu raten: Der Schutz liegt bei nahezu 100 % – und das bei einer Krankheit die bei jedem zweiten Ungeimpften zum Tod führt.

Die Grundimpfung erfolgt spätestens zehn Tage vor der Einreise und darf nur von offiziellen Impfärzten vorgenommen werden. Die Impfung hält ein Leben lang, aber manche Staatenverlangen, sie nach zehn Jahren zu erneuern.

Nebenwirkungen der Impfungen

Sehr selten kommt es zu Nebenwirkungen. Jeder zwanzigste Geimpfte berichtet von leichten Kopfschmerzen. Jedenfalls ist das Risiko, sich in Epidemiegebiten den Virus einzufangen, weit gefährlicher als eventuelle Nebenwirkungen.

Wer keinen Impfschutz hat und in Gelbfieberländern war, dem oder der verweigern andere Staaten bisweilen die Einreise.

Lassafieber

Das Lassafieber ist eine klassische Tropenkrankheit, denn es kommt nur in Westafrika vom Senegal bis Nigeria vor.

Eine Ratte, Mastomys natalensis, überträgt das Fieber bei Kontakt mit dem Menschen. Infizierte Menschen übertragen es dann auf andere Menschen.

Die Inkubation dauert 2-21 Tage. Die Krankheit beginnt mit Glieder-, Muskel- und Kopfschmerzen, Übelkeit und Abgeschlagenheit, sowie Fieber um die 40 Grad. Anfangs lässt es sich leicht mit einer Grippe verwechseln.

Gliederschmerzen sind ein wichtiges Zeichen für eine Infektionskrankheit. Bild: detailblick-foto - fotolia
Gliederschmerzen sind ein wichtiges Zeichen für eine Infektionskrankheit. Bild: detailblick-foto – fotolia

Nach drei oder mehr Tagen entzündet sich jedoch der Rachen. Die Betroffenen reagieren jetzt apathisch auf Außenreize. Die Lymphknoten am Hals schwellen und schmerzen. Nach sieben Tagen breiten sich Flecken auf der Haut aus, Knötchen am Gesicht, Hals und Armen, später am ganzen Körper. Dazu kommen Bauchschmerzen wie bei einer Kolik, der Kot wird breiig bis wässrig.

Auch andere Lymphknoten schwellen jetzt an, und Essen fällt schwer. Die Nierenfunktionen sind gestört. Nach dem siebten Tag senkt das Fieber, kommt aber oft wenige Tage später mit voller Wucht zurück. Die Sterberate liegt zwischen 50 und 90%.

Es gibt keine Therapie, und es gibt keine Impfung. Der einzige Schutz besteht darin, den Kontakt zu Ratten zu vermeiden. Führen Sie in betroffenen Ländern einen langen Stock mit sich und stochern mit diesem in möglichen Verstecken, bevor Sie diese betreten oder sich hinein setzen.

Loa-Loa

Loa-Loa bezeichnet einen Wurmbefall, den Bremsen übertragen. Bei den Würmern handelt es sich um Nematoden der Gattung Filarioidea. Loa-Loa ist in West- und Zentralafrika verbreitet.

Die Inkubation dauert Monate, und meist spüren Befallene die ersten Beschwerden erst nach der Reise. Die Nematoden wandern im Bindegewebe von Haut und Schleimhäuten, ihre Larven auch in den Blutgefäßen. Die Haut schwillt an, rötet sich und juckt.

Gegen Loa-Loa hilft ein Entwurmungsmittel, Diethylcarbamazin. Betroffene müssen in ein Krankenhaus. Es gibt keine Impfung. Gegen Bremsen helfen die gleichen Schutzmaßnahmen wie gegen Moskitos, allerdings mit speziellen Repellents gegen Fliegen.

Leishmaniasen

Leishmaniasen sind Hauterkrankungen, die Stechmücken übertragen. Die sogenannte Orientbeule kommt in Asien vor, im Mittleren Osten, rund ums Mittelmeer, Ost und Westafrika sowie im tropischen Amerika. Die viscorale Leishmaniase grassiert von Indien und Pakistan über den Mittleren Osten bis nach Mittel- und Südamerika.

Die Inkubation auf der Haut kann Monate dauern, der Organbefall zeigt sich oft erst nach Jahren. Nach dem Stich erscheint ein roter Ring ohne Schwellung. Bei diesem Symptom sollten Reisende einen Arzt aufsuchen. Die Hautleishmaniase zeigt sich als nekrotisierende Hautgeschwüre, die viscerale Leismaniase durch Fieber, Leber- und Milzschwellung, sowie Schmerzen in Magen und Darm.

Verschiedene Antibiotika helfen. Es gibt keine Impfung. Da Sandmücken die Krankheit übertragen, helfen Repellents und Moskitonetze.

Hepatitis A

Das Hepatitis A Virus findet sich in verschmutztem Essen, zum Beispiel in Meeresfrüchten, aber auch in Getränken und Toiletten.

Das Virus befällt die Leber, diese entzündet sich, und die Haut färbt sich gelb. Gesunde Menschen erholen sich von der Krankheit relativ schnell, bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem und bei Senioren sterben aber immerhin drei von hundert.

Der Virus ist in warmen Ländern am häufigsten. Bereits in der Türkei besteht ein 50mal so hohes Risiko, sich mit dem Virus zu infizieren wie in Deutschland. Ein extremes Risiko im tropischen Afrika und Amerika, und auch der Süden Asiens ist Gefahrenzone.

Die Imfpung gegen Hepatitis A ist Routine – eine solche Impfung wirkt zu nahezu hundert Prozent. Sie wird von den Krankenkassen übernommen.

Diarrhoe

Die häufigste Reisekrankheit ist nicht Malaria, auch nicht Wurmbefall oder ein infektiöser Rattenbiss, sondern Durchfall. 70 % aller Fernreisenden erleiden eine solche Diarrhoe mindestens einmal im Leben.

„Reisediarrhoe“ ist indessen ein Sammelbegriff – er umfasst verschiedene Infektionen. Kolibakterien sind die üblichen Verdächtigen, aber auch Viren kommen in Frage.

Am meisten gefährdet sind Reisende in Indien, Afrika, Malaysia, Indonesien und Indochina. Doch auch Mittelmeertouristen, Japanbesucher oder Pazifikglobetrotter kennen das Problem.

Meist wissen ddie Betroffenen auch um den Auslöser, denn der flüssige Stuhlgang beginnt in der Regel wenige Stunden nach einem Getränk oder einer Mahlzeit. Ohne Behandlung hält erdrei bis fünf Tage an.

Der Durchfall bedroht mitnichten das Leben, kann aber erhebliche Probleme verursachen. Am glimpflichsten kommt davon, wer ein Hotelzimmer mit eigener Toilette hat. Schwieriger wird es, wenn die Infektion sich ankündigt, wenn die Reisenden überland unterwegs sind. Nicht wenige saßen schon nachts in dunklen Toiletten irgendwo am Golf von Bengalen fest, während der Bus ohne sie los fuhr.

Frauen, die sexuelle Abenteuer suchen, sollten besonders aufpassen, denn der Durchfall hebt bisweilen die Wirkung der Pille auf.

Vorsorge gegen den Durchfall ist einfach, aber konsequent: Essen kochen, Obst schälen, kein Essen an Straßenständen zu sich nehmen, und die Hände waschen.

Tollwut

Eine weitgehend unterschätzte Bedrohung geht von der Tollwut aus. Das Lyssa-Virus ist zwar in Mitteleuropa unter Kontrolle, in Afrika und Indien aber eine tödliche Gefahr: Allein in Indien sterben daran jährlich vermutlich 20 000 Menschen.

Auf den Menschen übertragbare Tollwut. Bild: Irina84 - fotolia
Auf den Menschen übertragbare Tollwut. Bild: Irina84 – fotolia

Bei wem die Krankheit ausbricht, der stirbt (so gut wie) immer. Infizierte Tiere, in Europa vor allem der Fuchs, in Indien und Afrika meist Hunde, in Südamerika Vampirfledermäuse, aber auch Wölfe, Schakale und Katzen übertragen die Seuche mit ihrem Speichel.

Tollwut bricht bisweilen nach Tagen, oft nach Monaten, und manchmal erst nach Jahren aus.

Achten sie in betroffenen Ländern auf ungewöhnliches Verhalten von Tieren. Befallene Wildtiere verhalten sich unnatürlich zutraulich, sie japsen nach Luft, wirken irritiert, torkeln, sind abgemagert oder schnappen um sich. Vorsicht bei Straßenhunden: 99 % der Infektionen in Entwicklungsländern erfolgen über Hunde, und indische Kinder lernen früh, die Tiere mit einem Stock abzuwehren.

In Südamerika überträgt auch die Vampirfledermaus der Gattung Dendrobatus das Virus. Diese Tiere raspeln mit ihren Zähnen die Haut von Warmblütern auf und trinken ihr Blut. Infizierte Fledermäuse übertragen so das Virus wie bei Hunde bei einem Biss. Gegen die Fledermäuse hilft ein Moskitonetz.

Menschen infizieren sich durch Bisse kranker Tiere. Aber auch, wenn ein kranker Hund die Haut leckt, reicht eine kleine Wunde aus, damit das Virus in den Körper gelangt. Der Speichel des Tieres kann auch durch die Augen-, Nasen- oder Mundschleimhaut in den Organismus gelangen, wenn Reisende sich dort mit ungewaschenen Händen reiben.

Vorsicht bei Tierkadavern! Die toten Tiere stecken auch Wochen nach ihrem Ableben voller Viren. Einen toten Schakal zu untersuchen und sich danach in der Nase zu bohren, ist einKönigsweg, sich zu infizieren. Der Lyssa-Erreger ist sehr widerstandsfähig gegen Kälte und Verwesung.

Die größte Gefahr besteht indessen nicht darin, dass ein kranker Hund zubeißt, sondern einem „süßen Welpen“ zu helfen. Das Virus befällt häufig Babyhunde, und wer sich die Arme zerkratzt hat, was bei Outdoor-Reisen fast dazu gehört, und sich dann von dem armen Tier die Hand lecken lässt, setzt sich einem großen Risiko aus.

Verlauf

In der Inkubationszeit lässt sich der Ausbruch der Krankheit sicher zurück drängen, nach Ausbruch der Krankheit ist sie unheilbar. Das Virus wandert die Nervenbahnen entlang bis ins Rückenmark und weiter bis ins Gehirn. Dort vermehrt es sich.

In der ersten Phase erscheinen die Kranken paranoid. Sie fühlen sich übel, leiden unter Fieber und Kopfschmerzen. Dann folgen Spasmen der Schluckmuskeln, was zum alten Begriff „Wasserscheu“ für die Seuche führte.

Die zweite Phase zeigt sich durch Krämpfe, die immer stärker werden. Die Augen röten sich, der Mund trocknet aus, die Finger verkrümmen sich wie bei Rachitis, die Betroffenen leiden unerträgliche Schmerzen, ihre Haut wird hypersensitiv; sie leiden unter Wahnvorstellungen und werden aggressiv. Diverse Außenreize sind für sie eine Qual. Nach wenigen Tagen fallen sie ins Delirium und sterben.

Es gibt keine Heilung, den Leidenden kann lediglich völlige Ruhe, Dunkelheit und Narkose helfen. Sie müssen umgehend isoliert werdern, denn ihr Speichel, ihr Urin und ihre Tränen sind extrem infektiös.

Impfung

Eine Nachimpfung sollte unmittelbar nach einem Kontakt mit einem infizierten Tier erfolgen.Insgesamt erhalten Betroffene fünf Impfungen in einer Zeit von 28 Tagen.

Wer Outdoor-Touren in Risikoländer unternimmt, sollte sich in jedem Fall vorher impfen lassen. Für gefährdete Berufe ist eine Impfung sogar zwingend. Das gilt für Förster, Jäger, Tierpfleger oder Tierärzte. Rucksackreisende in Indien, Bangladesh, Vietnam, Kambodscha, Bali, Nepal, China oder Thailand sollten sich ebenfalls vor der Reise dringend um eine Imfpung kümmern. Hotelreisende müssen sich nicht unbedingt impfen lassen, sollten aber einen Bogen um Straßenhunde machen.

Eine dreimalige Impfung innerhalb eines Monat schützt zu nahezu 100 %. Sie muss im nächsten Jahr wiederholt werden, und dann erneut nach drei Jahren.

Weitere Tropenkrankheiten und ihre Symptome

Krankheiten, die Vorsorge bei Tropenreisen bedürfen, sind außerdem Malaria, Diphterie und Wundstarrkrampf, Kinderlähmung. Tuberkulose, Typhus, Cholera und Encephalitits, sowie Hepatitis B.

Malaria bedeutet schlechte Luft, und die Ausdünstungen der Sümpfe hielten die antiken Römer für die Ursache dieser Fieberkrankheit. Tatsächlich sind es nicht die Sümpfe selbst, sondern die Mücken, die sich dort aus Larven entwickeln, die die Malaria übertragen.

Vorsorge bedeutet hier, sich vor der Reise zu informieren, in welchen Biotopen die Mücken häufig sind, zu welcher Tageszeit sie ausschwärmen und die übliche Ausrüstung gegen Mücken einzupacken.

Ob Sie eine Prophylaxe durchführen, sollten Sie mit ihrem Arzt absprechen. Die vorbeugenden Medikamente gegen Malaria haben Nebenwirkungen, die einem grippalen Infekt ähneln, und sie verhindern keine Infektion, sondern töten die Erreger meist während ihrer Entwicklung.

Doch gegen die Tropenmalaria, die zum Beispiel im äquatorialen Afrika grassiert, helfen sie nur bedingt. Besser ist es oft, sich erst behandeln zu lassen, wenn eine Infektion vorliegt.

Trekking-Touristen sollten immer eine Dosis Malaria-Medikamente im Rucksack tragen.

Essen und Trinken

Gesunde Ernährung beugt vielen Krankheiten vor, ist aber auf vielen Routen schwer möglich, in verdreckten Slums wie im Regenwald.

Eine Notration enthält zum Beispiel:

– Nüsse

– Müsliriegel

– Rosinen

– Datteln

– Entkeimungstabletten

– Zucker / Traubenzucker

– Salz

Was gehört in die Reiseapotheke?

Insbesondere Trekking-Reisende sind oft auf sich selbst angewiesen. Unbedingt brauchen sie Verbandsmaterial, nämlich:

– Mullbinden

– Verbandspflaster

– Heftpflaster

– Elastische Binden

– Einmalhandschuhe

– Desinfektionsmittel

– Pinzetten

– Sicherheitsnadeln

– Verbandsschere

– Fieberthermometer

Medikamente

Reisende sollten alle Medikamente für spezifische Beschwerden mit sich führen. Generell gehört in den Medizinbeutel:

Anthistamingel gegen Insektenstiche und Sonnenbrand, Paracetamol oder Ibuprofen gegen Schmerzen und Fieber, Diclofenac-Salbe gegen Prellungen und Zerrungen, Mittel gegen Magenbeschwerden, Panthenol gegen Brandwunden, Wunden und Wasserblasen, Augentropfen zum Beispiel Berberil gegen Augenentzündungen, Dorithricin gegen Halsschmerzen, Silomat gegen Husten, Simuforton gegen Schnupfen, Salben oder Pulver gegen Pilzerkrankungen.

Noch wichtiger als Medikamente sind:

– Wasserreinigungs-Tabletten

– Vitamin- und Mineralientabletten zum Beispiel Vitamin C, Magnesium oder Eisen. Auf langen Reisen in der Natur kann die Vitaminzufuhr durch Nahrung unzureichend sein.

– Rehydrations-Mischung. Durchfall führt zu einem Verlust an Flüssigkeit, Mineralien und Nährstoffen. Der Cocktail, um diesen Mangel auszugleichen, ist besonders für Kinder wichtig.

Hausmittel und Tinkturen gegen die wichtigsten Beschwerden helfen ebenfalls: Salbei für Tee nimmt wenig Platz weg, ebenso getrocknete Malve, Zitronenschalen oder Minze.

Die Regel Nummer 1 lautet: Vorsicht mit Wasser, besonders bei Eis. Soft Drinks in Flaschen sind wenig problematisch (säubern sie, wenn nötig, die Flasche von außen), bei gezapftem Bier, Fruchtsäften oder Milkshakes sieht es anders aus. Tee, Kaffee und andere Heißgetränke sind meistens trinkbar, weil das Wasser gekocht wurde.

Regel Nummer 2 heißt: Achten Sie auf das Essen. Vermeiden Sie Meeresfrüchte ebenso wie nicht genug erhitztes Fleisch, insbesondere Hack. Ist das Restaurant sauber, die Teller und das Besteck ebenso wie die Küche? Dann gilt das vermutlich auch für das Essen. Wäscht der Küchenjunge in Delhi die Teller einen Meter neben dem Urinfluss von der Straßenmauer? Dann Finger weg.

Generell gilt: Je extremer die Tour und je abgelegener die Route, umso mehr müssen sich Reisende darauf vorbereiten, im Notfall ihr eigener Arzt zu sein.

Bei Trips allein in der Wildnis gehören auch Kanülen und Handschuhe in die Apotheke, ebenso Antibiotika. Kümmern Sie sich um Sets, die bei Schlangebissen helfen, also sowohl gegen Blut- wie Nervengifte. Informieren Sie sich bei einem Arzt und breiten Sie sich mit Kursen zum Beispiel in Wildnisschulen auf solche Reisen vor. (Dr. Utz Anhalt)

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Weitere Informationen:

http://tropeninstitut.de/reiseziel/index.php
Afrikanische Trypanosomiasis. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten).
Factsheet der WHO (engl.)
Informationen zur Schlafkrankheit der Ärzte ohne Grenzen
www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Tollwut.html