Ackersenf – Anbau, Verwendung und Heilwirkung

Dr. Utz Anhalt
Anwendung von Ackersenf in der Naturheilkunde
Macawurzel, Chia-Samen oder Goji-Beeren – die Globalisierung bringt immer wieder neues „Superfood“ in Mode. Je „exotischer“ die Pflanzen sind, umso interessanter erscheinen sie. Aus dem Blick geraten dabei allgegenwärtige Kräuter, die die Gesundheit fördern und am Wegesrand wachsen. Zu diesen Übersehenen gehört der Ackersenf.

Senf kennen wir meist nur noch im Glas aus dem Supermarkt. Senfgemüse bereiten wir hingegen hierzulande kaum noch zu, dabei war es noch vor wenigen Generationen selbstverständlich. Den wilden Senf benutzten bereits Menschen in der Jungsteinzeit, später war er in Rom und Griechenland weit verbreitet. Er galt als Mittel, um die sexuelle Lust zu „schärfen“, während Pythagoras glaubte, er stärke den Verstand. Im Mittelalter trugen Frauen Senfsamen und glaubten, dass ihnen so die Männer verfallen würden.

Biologie

Ackersenf ist eine Zeigerpflanze für stickstoffreichen Boden. Ackersenf ist einjährig, wächst bis 60 cm hoch, sein Stängel trägt Haare, die unteren Blätter sind gestielt. Die Blüten sind zwittrig und weisen vier waagerechte Kelchblätter auf; die Kronblätter leuchten charakteristisch „giftgelb“ und lassen sich so mit Raps verwechseln.

Bis zu 13 Samen in zwei Fächern befinden sich in der kahlen Schote, und der Senf blüht von Mai bis Oktober. Den Senf bestäuben vor allem Käfer und Fliegen. Die Samen umhüllt eine Samenschale, und diese quillt auf, wenn es feucht ist. Sie klebt, und dadurch verbreitet sich der Senf.

Ackersenf war früher ein vielfach genutztes heimisches Gewächs, das heute ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Er ähnelt in seinem Erscheinungsbild dem Raps und wird nicht selten mit diesem verwechselt. (Bild: hjschneider/fotolia.com)

Verwechslung

Wilder Senf lässt sich mit Raps und Hederich verwechseln, doch die Blütenblätter des Hederichs zeigen violette Adern und die Blüten eine weiße Farbe. Raps hat seinerseits keine Haare.

Herkunft

Ackersenf stammt mutmaßlich aus dem Mittelmeergebiet, jedenfalls brachten ihn frühe Bauern von dort nach Mittel- und Nordeuropa. Natürlich verbreitet ist er in Europa, Nordafrika und Asien, heute kommt er aber weltweit in den gemäßigten Zonen vor.

Wilder Senf wächst überall auf Brachland, am Wegesrand wie auf Bahndämmen, auf Schuttplätzen wie auf leerstehenden Grundstücken. Er bevorzugt lehmreiche Böden mit vielen Nährstoffen. Sind diese gegeben, kann die Pflanze sich schnell ausbreiten. Dabei bevorzugt Ackersenf mäßige Wärme und Halblicht.

Natürlicher Schutz

Der typische Senfgeschmack kommt durch das scharfe Senföl. Dieses hält pflanzenfressende Insekten ebenso ab wie Pilze und andere Krankheitserreger. Wenige Arten haben sich gerade deswegen auf Senf spezialisiert: So fressen die Raupen des Kohlweißlings bevorzugt Senfpflanzen, da diese sie vor Fressfeinden schützen.

Verwendung in der Küche

Die Blätter des Ackersenfs dienen klein geschnitten als Gewürz, die Blütenknospen lassen sich braten, kochen oder backen. Die Pflanze selbst müssen wir lange kochen, damit sie weicher wird, dann ergibt sie ein gutes Gemüse.

Senfblätter- und Samen lassen sich hervorragend mit Grünkohl zusammen auf- und einkochen und geben diesem ein besseres Aroma als einfach Fertigsenf aus dem Glas dazu zu reichen. Senfgemüse eignet sich auch gut als Beilage zu Fischgerichten und zu fettigem Fleisch.

Wir können die rohen Blätter auch klein hacken und in Quark einrühren oder mit Butter und Salz mischen und als Dipp oder Brotaufstrich verwenden.

Bei Halsschmerzen können äußerlich angewandte Umschläge mit Ackersenf für Linderung sorgen. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)

Heilpflanze

Ackersenf wärmt und hält Bakterien ab. Er fördert die Durchblutung und regt die Verdauung an. Die Volksmedizin nutzte ihn gegen rheumatische Schmerzen, Halsweh, Bronchitis, Verdauungsbeschwerden und Gelenkschmerzen. Er enthält Schleimstoffe, fettes Öl und Senfölglykoside, viel Vitamin C und Mineralstoffe. Der Verzehr der Blätter und Pflanzenteile regt zudem den Stoffwechsel an.

Wir können Ackersenf ebenso äußerlich wie innerlich anwenden. Äußerlich zerstampfen wir die Samen zu einem Brei. Diesen legen wir auf einen Umschlag und legen diesen auf die wunde Hautstelle. Der Senf wärmt die Haut jetzt auf, kurbelt die Durchblutung an und beschleunigt so die Wundheilung. Wir sollten aber die betroffenen Hautstelle zuvor mit einer Fettcreme einreiben, da das scharfe Öl die Haut reizt.

Vorsicht: Wir sollten Senfumschläge niemals auf offene Wunden legen, sondern nur auf schmerzende Stellen, bei denen Wärme die Beschwerden mindert.

Äußere Umschläge lindern auch die Symptome bei Halsschmerzen, Bronchitis und rheumatischen Beschwerden.

Innerlich können wir aus den Keimlingen und/oder Samen einen Tee kochen und ihn trinken, wenn wir an Verstopfung oder Darmverstimmung leiden.

Senf zubereiten

Wir können aus Ackersenf einfach Küchensenf herstellen. Dazu brauchen wir als Grundstoff Senfsamen und Essig. Für den Geschmack eignen sich zum Beispiel Honig, Nelken, Zimt, Wacholderbeeren, zerstoßene Lavendelblüten, Thymian, Rosmarin, Majoran, Dill, Petersilie, Schnittlauch, Knoblauch, Salbei oder milde Paprika, aber auch Lorbeerblätter, schwarzer Pfeffer oder Muskat. Etwas Salz und einige Löffel Öl gehören immer dazu.

Eine Handvoll Samen wird zu Pulver zerstoßen, dieses mit kochendem Wasser übergossen und zu einem Brei verrührt. Der Brei sollte für einen Tag ruhen, dann rühren wir die übrigen Zutaten hinein und lassen alles drei Stunden im Kühlschrank ziehen.

In Kombination mit klassischen Senfsamen können Samen des Ackersenfs zur Herstellung eines selbstgemachten Senfs genutzt werden. (Bild: graletta/fotolia.com)

Senf im Garten

Ackersenf eignet sich ausgezeichnet, um Fressfeinde wie Nematoden von Gartengemüse abzuhalten. Mit seinem Schwefelgehalt tötet er Bakterien und Pilze im Boden ab. In Mischkulturen ist Ackersenf ein guter Filter, um den Boden zu desinfizieren. Sie können ihn als Schutzschild einsetzen, um Pflanzen, die häufig von Fressfeinden befallen werden, zu schützen. Dazu gehören zum Beispiel Zucchini. Die Samen verwenden wir von Juni bis August, die Blätter ab April.

Boden auflockern

Ackersenf eignet sich bestens, um schwere Böden aufzulockern. Wenn Sie also ein Grundstück mit schwerer Muttererde haben, bietet er eine gute Alternative dazu, den Boden umzupflügen. Lassen Sie den Senf einen Sommer wachsen und sehen Sie, wie sich die Erde verändert.

Ackersenf lässt sich zudem ausgezeichnet als Gründünger verwenden.

Raupenparadies

Möchten Sie im Naturgarten heimischen Schmetterlingen etwas Gutes tun? Dann gehört Ackersenf zu den Pflanzen, die auch Raupen Nahrung bieten – im Gegensatz zum beliebten „Schmetterlingsstrauch“, dem Sommerflieder. Zu den Raupen, die den Ackersenf lieben, gehören neben den Weißlingen auch Aurora- und Resedafalter.

In einer wilden Ecke für Schmetterlingsraupen können Sie Ackersenf für die Weißlinge kombinieren mit Doldenblütlern für den Schwalbenschwanz, Brennnesseln für Tagpfauenauge, Distelfalter, kleinen Fuchs, Admiral und Landkärtchen sowie Klee für Bläulinge,

Wo pflanzen?

Ackersenf braucht viel Sonne, Kalk und Lehm. Setzen Sie ihn also an einen Ort mit direkter Sonnenbestrahlung, ideal ist die Südseite eines Hügels. (Dr. Utz Anhalt)

Referenzen:

  • http://deacademic.com/dic.nsf/grammatisch/1845/Ackersenf%2C_der
  • http://www.floraweb.de/pflanzenarten/artenhome.xsql?suchnr=5640&
  • https://www.naturwelt.org/kr%C3%A4uter/gew%C3%BCrze/die-senfpflanze/
  • http://www.pflanzen-deutschland.de/Sinapis_arvensis.html
  • http://universal_lexikon.deacademic.com/60083