Brunnenkresse – Wirkung, Anbau und Rezepte

Dr. Utz Anhalt
Scharf heißt auf althochdeutsch „cresso“, und der Name ist bei der Brunnenkresse Programm. Die Schärfe geben ihr Senfölglycoside, die zugleich eine heilende Wirkung haben und die Kresse als Würz- wie Salatpflanze in den Fokus rücken. Hier ein kurzer Überblick zu den wichtigsten Fakten vorab:

  • Brunnenkresse kommt in Europa wild in klaren Fließgewässern vor und wird seit Jahrhunderten kultiviert.
  • Die Kresse ist zugleich Würz- und Heilpflanze, und so lässt sich hier gesunde Ernährung mit dem Behandeln von Krankheiten verbinden.
  • Brunnenkresse ist einer der besten Vitamin- und Mineralienspender und schmeckt durch Senfölglycoside bitter-scharf.
  • Die Pflanze reinigt das Blut, treibt den Harn und wirkt gegen Bakterien.

Inhaltsstoffe

Brunnenkresse glänzt mit den Vitaminen A, B1, B2, B6, C, D, E und K in größeren Mengen. Hinzu kommen ätherische Öle, Gerbstoffe, Bitterstoffe und Senfölglycoside, die für einen scharfen Geschmack sorgen. Die Pflanze enthält reichlich Jod und eignet sich deshalb zur Behandlung von Jodmangel. An Mineralien bietet Brunnenkresse zudem Eisen, Kalium, Calcium, Folsäure, Zink und Niacin.

Brunnenkresse enthält unter anderem viele Vitamine, ätherische Öle, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Senfölglykoside und reichlich Jod. (Bild: jeepbabes/fotolia.com)

Wirkung

Brunnenkresse wirkt ausgezeichnet gegen diverse Erkrankungen, denen Vitaminmangel zugrunde liegt und war in der kalten Jahreszeit hierzulande eine hervorragende Quelle für Vitamin C und Vitamin D. In alten Zeiten nahmen die Menschen es deshalb, um Skorbut zu behandeln oder vorzubeugen.

Die Pflanze reinigt das Blut, treibt den Harn, wirkt gegen Bakterien und löst Schleim. Brunnenkresse hilft gegen:

  • Husten,
  • Erkältung,
  • Hals- und Rachenentzündungen,
  • Bronchitis,
  • entzündetes Zahnfleisch,
  • Verdauungsprobleme,
  • Appetitlosigkeit,
  • Entzündungen der Gallenblase,
  • Würmer,
  • Rheuma,
  • Gicht,
  • eine entzündete Blase,
  • durch Vitamin- oder Mineralienmangel gestörten Stoffwechsel,
  • äußerlich gegen Hautunreinheit, Krätze, Schuppen, Akne, Ekzeme und Hautausschlag.

Brunnenkresse fördert die Arbeit der Entgiftungsorgane Nieren, Leber und Galle, und die Bitterstoffe regen den Appetit an. Die harntreibenden Eigenschaften machen sie auch zu einem Mittel gegen Harnsteine.

Welche Pflanzenteile nutzen wir?

Brunnenkresse lässt sich frisch oder getrocknet verwenden. Generell ist in Europa aber besonders die frische Pflanze bzw. ihr Saft das Mittel erster Wahl. Da sich Brunnenkresse auch gut als Küchenkraut eignet, bietet sich die Verwendung als Salatzutat an. Die frischen Blätter werden hierfür meist mit anderen Wildkräutern kombiniert, die den scharfen Geschmack der Brunnenkresse dämpfen.

Dabei sollten in solchen Salaten nicht mehr als 20 Gramm Kresse pro Portion und Tag enthalten sein, denn die Senfölglycoside können bei hoher Dosis den Magen reizen. Für Schwangere, kleine Kinder oder Menschen mit gereiztem Darm ist Brunnenkresse nicht zu empfehlen.

Ökologie

Der Name Brunnenkresse sagt bereits, dass der Bachsalat (andere Bezeichnung der Kresse) es nass mag. Es handelt sich um eine Wasserpflanze, die klare Fließgewässer bevorzugt. Dann hat sie wenig Ansprüche und wächst in „Teppichen“ auf Sand wie Kies, meistens auf kalkhaltigem Boden, in Quellen und Bächen in bis zu zwei Metern Tiefe.
Die gesamte Pflanze wächst bis zu 90 cm in die Breite, dabei gehen die einzelnen Wurzeln von einer kriechenden Grundachse aus. Die winzigen Kreuzblüten stehen in Trauben und öffnen sich nur bei Sonnenschein. Die Blätter sind gefiedert und elliptisch.

Brunnenkresse blüht in weißen Kreuzblüten, welche in Trauben zusammenstehen. (Bild: Marén Wischnewski/fotolia.com)

Vorkommen

Ursprünglich stammt die Echte Brunnenkresse aus Europa, Nordafrika und Asien, hat sich aber als Neophyt auf fast allen Kontinenten etabliert, in kaltem ebenso wie in wärmerem Wasser.

Geschichte

Bereits die antiken Römer und Griechen kannten Brunnenkresse als Heilpflanze. So schrieb der Arzt Dioskurides: „Das Cardamine treibt und erwärmt den Harn. Auch roh wird es gegessen. Es vertreibt Leber- und Sonnenbrandflecken, wenn es die ganze Nacht aufgelegt und morgens abgewaschen wird.“

Im Mittelalter war die Medizin zwar von religiös-magischen Vorstellungen bestimmt, doch bei Kresse galt die Wirksamkeit gegen die Erkrankungen, für die sie als Mittel genutzt wurde, als wissenschaftlich belegt: Bronchitis, Blutreinigung, zum Abtöten von Würmern und um den Harnfluss anzuregen.

In der Frühen Neuzeit war frische Brunnenkresse ein oft Mittel gegen Tuberkulose und Rheuma genutztes Mittel. Und Paracelsus erwähnt sie als Medizin gegen Würmer und um das Blut zu reinigen sowie außerdem gegen Zahnschmerzen.

Matthiolus warnte 1626 davor, Schwangeren Brunnenkresse zu verabreichen, weil sie zu sehr den Urin treibe. Stattdessen empfahl er sie gegen Skorbut. Bemerkenswert ist das deshalb, weil seinerzeit nicht bekannt war, dass es sich bei Skorbut um einen Mangel an Vitamin C handelt und das „Bachkraut“ hier real hilft.

Mit ihrem hohen Gehalt an Vitamin C war/ist Brunnenkresse ein effektives Mittel gegen Skorbut. (Bild: Michail Petrov/fotolia.com)

1742 schreibt Weinmann, Brunnenkresse sei als Mittel „in der scorbutischen Abzehrung und so genandten Miltz-Beschwerung ein Specificum.“ Ansonsten sieht er die Pflanze als Arznei gegen „faulige Geschwüre“, Gelbsucht und Steine. Ob es sich dabei um Harnsteine handelt, ist nicht bekannt.

Kneipp, der Erfinder des Wassertretens, empfahl die frische Brunnenkresse für Frühlingskuren und setzte sie gegen Erkrankungen der Lunge und bei Blutarmut ein.

Brunnenkresse Anbau

In Deutschland wurde Brunnenkresse zumindest seit 1650 kultiviert und 1809 übernahm Napoleon den Anbau der Arzneipflanze aus Deutschland. Ab 1810 ließ er sie bei Senlis und Chantilly pflanzen. Der Bedarf war so groß, dass Frankreich noch 100 Jahre später Brunnenkresse importieren musste.

Im 20. Jahrhundert nahm der Anbau rapide ab, bedingt durch die industrielle Verschmutzung von Gewässern, die der Pflanze zu schaffen machten. Seit den 1990er Jahren erlebt die Brunnenkresse hingegen eine Wiederkehr. Führend im Anbau der Brunnenkresse sind die Briten, die jährlich tausende Tonnen davon produzieren. In der englischen Küche ist sie eine begehrte Würzpflanze und die „Felder“ zwischen London und Oxford bedienen auch einen großen Markt vor Ort.

Echte Brunnenkresse braucht vor allem kaltes sauberes Quellwasser. In England gibt es das nach wie vor in Fülle. Zur Kultivierung dienen bis zu 60 cm tiefe Gräber, die mit langsam fließendem Wasser gefüllt sind und im Winter windstill liegen. Stehende Gewässer verschmutzen leichter.

Brunnenkresse in der Küche

Brunnenkresse lässt sich genau so verwenden wie Gartenkresse und Kapuzinerkresse. Sie schmeckt leicht bitter und scharf.

Nicht nur als Zutat in einem Wildkräuter-Salat ist Brunnenkresse gut geeignet. Zahlreiche Speisen können mit der scharfen Note der Kresse verfeinert werden. (Bild: eflstudioart/fotolia.com)

Zwar eignet sich auch die ganze Pflanze als blanchiertes Gemüse, hierzulande mischen wir aber vor allem die rohen Blätter mit Quark, Joghurt oder Frischkäse und bestreichen Grau- wie Schwarzbrot damit.

In grünen Salaten ist Brunnenkresse in der Regel nicht der Hauptbestandteil, dafür schmeckt sie zu intensiv. Sie macht aber aus einem langweiligen Kopfsalat ein prickelndes Erlebnis. Wem die Kresse mundet, der kann sie mit diversen Salatpflanzen kombinieren, nicht zu empfehlen ist dabei allerdings eine Kombination mit anderen „Scharfmachern“ wie insbesondere Zwiebelgewächsen.

Brunnenkresse passt zu Möhren, Giersch, Kürbis, Gurken und Borretsch, zu Kopf-, Endivien-, Eisberg- oder Romanesco-Salat, vorzüglich zu Tomaten und Mozzarella, aber auch zu Bohnensalaten, Erbsensuppen und zu Rührei, Kartoffelsalat und Nudelsalat.

Brunnenkresse rundet Sandwiches ab, ob mit Spiegelei, Putenbrust, Räuchertofu, Shrimps oder Linsenpatties. Dazu streuen wir einfach die klein geschnittenen Blätter auf das Sandwich. Unter den Küchen- wie Heilkräutern harmoniert Brunnenkresse besonders mit Minze und Zitronenmelisse, bei Früchten mit Äpfeln und Zitrusfrüchten.

In Deutschland wenig verbreitet, aber ein guter Geheimtipp ist Brunnenkresse in Saucen. Zu Fisch und Geflügel, aber auch zu Kohlgemüse gibt Kresse der Sauce ein I-Tüpfelchen. Vorsicht ist jedoch angesagt, denn der dominante Geschmack verdeckt leicht ein zartes Bouquet. (Dr. Utz Anhalt)