Erdbeeren – Inhaltsstoffe, Anwendungen und Mythologie

Dr. Utz Anhalt
Erdbeeren – rot, saftig und gesund. Reich an Vitaminen und Spurenelementen sind sie nicht nur lecker, sondern können auch bei Erkrankungen die Symptome lindern und den Heilungsprozess fördern. Mai bis Juli ist Erdbeerzeit, sowohl für die wilde Walderdbeere als auch für die Kulturerdbeeren. In freier Natur wachsen die roten Früchte am Waldrand, an Wegen und im Gebüsch. Sie brauchen Böden mit vielen Nährstoffen.


Schon in der Antike war die heilende Wirkung der Erdbeere bekannt. In der griechischen Mythologie heißt es, dass, wenn sich das Blut des Adonis und die Tränen der Aphrodite vereinen, dort die Walderdbeere wächst. Sie galt schon bei den Griechen als Heilpflanze für Gallen- und Lebererkrankungen. In der Literatur fand ihre blutrote Farbe unter anderem Einzug als erotische Farbe der Lippen:

„Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund, ich schrie mir schon die Lungen wund, nach deinem weißen Leib, du Weib.“ Francois Villon, 15. Jh

Frische Erdbeeren aus regionalem Freilandanbau gibt es zwischen Mai und Juli. (Bild: alicja neumiler/fotolia.com)

Inhaltsstoffe

Erdbeeren schmecken nicht nur vorzüglich, sondern sind auch wichtige Heilpflanzen, besonders wegen ihrem hohen Gehalt an Vitamin C, der mit dem Reifegrad zunimmt. Früchte wie Blätter enthalten ebenfalls in größerem Ausmaß Vitamin K, B-Vitamine, Biotin und Folsäure. Erdbeeren sind kalorienarm und leicht verdaulich.

Vitamin A baut die Haut auf, die B-Vitamine fördern Stoffwechsel wie Nerven, Vitamin C ist ebenso nötig für den Stoffwechsel und stärkt das Immunsystem.

Sekundäre Pflanzenstoffe

Die in der Erdbeeren enthalten sekundären Pflanzenstoffe erweitern ihren gesundheitsfördernden Charakter. Dazu gehören Polyphenole, die vermutlich Entzündungen hemmen und das Herz-Kreislauf-System stärken. Zudem regen sie die Immunzellen des Körpers an und können so eventuell sogar Krebs vorbeugen.

Flavonoide, Gerbstoffe und Salicylsäure

In den Blättern befinden sich:

  • Flavonoide,
  • Gerbstoffe und
  • Salicylsäure.

Gerbstoffe fördern die Verdauung, wirken Entzündungen entgegen und helfen bei der Wundheilung. Salicylsäure ist ein Mittel gegen Hautprobleme wie Akne, Warzen oder Hühneraugen, leichte Hautverletzungen, Hautausschlag oder Hautreizung. Die Säure wirkt vor allem als natürliches Schmerzmittel, hilft bei der Blutbildung und dem Wachstum der Zellen.

Erdbeeren selbst enthalten Ellag- und Ferulasäure, zwei seltene Säuren, die Herzinfarkten und Thrombosen vorbeugen.

Frische und gekühlte Erdbeeren eignen sich gut für die Sommerzeit besonders für Menschen, denen die Hitze zu schaffen macht, weil sie unter Kreislaufproblemen leiden. Sie kühlen den aufgeheizten Körper ab und belasten Magen und Darm wenig, weil sie sich leicht verdauen lassen.

Mineralien

Erdbeeren sind reich an Antioxidantien:

  • Catechin,
  • Quercetin,
  • Kampferol,
  • Beta-Carotin,
  • Lutein,
  • Zeaxanthin.

Unter den Mineralien sticht besonders Eisen hervor: Von allen „Beeren“ (wissenschaftlich sind Erdbeeren keine Beeren, sondern Sammelnüsse) haben Erdbeeren den höchsten Gehalt an Eisen. Weitere Mineralien in den Früchten sind Phosphor, Calcium, Kalium und Magnesium.

Bei Erschöpfung und Mattigkeit ist der Verzehr von Erdbeeren durch ihren hohen Anteil an Vitamin C hilfreich. (Robert Kneschke/fotolia.com)

Anwendungen

Die Blätter der Erdbeeren dienen als Tee gegen Durchfall. Bei Entzündungen in Hals und Rachen können Sie diesen Tee gurgeln, bei Problemen mit dem Stoffwechsel trinken. Erdbeerwurzeln werden in der Volksmedizin gegen Blutarmut, Erkältungen, Nervosität sowie Erkrankungen der Harnwege eingesetzt. Die wissenschaftlich belegten Inhaltsstoffe lassen solche Anwendungen sinnvoll erscheinen.

Die Früchte selbst fördern als Diät die Heilung folgender Beschwerden:

Spezifische Krankheiten

Bei verschiedenen Erkrankung können Erdbeeren durch ihre vielfältigen Inhaltsstoffe heilungsunterstützend und symptomlindernd wirken.

Asthma

Bei Asthma schüttet der Körper vermehrt Histamin aus und das verursacht die Symptome. Vitamin C bremst das Ausschütten von Histamin und so können Erdbeeren der Krankheit entgegen wirken.

Diabetes

Das Spurenelement Bor verringert die Menge an Insulin, die der Körper braucht, um den Blutzucker zu regulieren. Deshalb sind Erdbeeren für die Diät bei Diabetes besonders empfehlenswert.

Gicht

Das in den Erdbeeren enthaltene Vitamin C senkt den Spiegel an Harnsäure im Körper und wirkt damit der Gicht entgegen.

Grippale Infekte

Vitamin C und Anthocyan stärken das Immunsystem gegen Viren. Damit beugen sie der klassischen Erkältung vor, die ja nicht durch Kälte, sondern durch Viren entsteht. Vitamin C ist aber kein Mittel, um einen bestehenden grippalen Infekt zu behandeln, sondern dient der Prävention und Nachbehandlung.

Sonnenbrand

Wenn Sie sich die Haut verbrannt haben und im Garten oder Wald nicht wissen, was Sie tun sollen, freuen Sie sich, wenn Erdbeeren zur Verfügung stehen. Erstens kühlen die zermatschten Früchte die Haut und lindern so Schmerzen und Schwellungen. Zweitens fördern die Tanine in Rosengewächsen die Heilung – das gilt nicht nur für Erdbeeren, sondern auch für Him- wie Brombeeren, Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Mandeln, Kirschen und Pflaumen.

Erschöpfung

Erschöpfung ist keine eigene Krankheit, sondern bezeichnet unspezifische Symptome. Diese können aber an einem Mangel an Vitamin C liegen. Ist dies der Fall, sind Erdbeeren ein gutes Gegenmittel.

Erdbeerblättertee

Nicht nur die Früchte, auch die Blätter wirken heilend. Dafür pflücken Sie diese und trocknen Sie, entweder an der Sonne oder im Backofen bei nicht mehr als 30 Grad Celsius. Einen Teelöffel der getrockneten Blätter übergießen Sie mit circa 200 ml kochendem Wasser, lassen den Sud zehn Minuten ziehen und trinken den Tee dann in kleinen Schlucken.

Dieser Tee hilft gegen Magenverstimmung und Durchfall ebenso wie gegen Verstopfung. Er lindert Entzündungen der Schleimhäute und mindert Halsschmerzen.

Erdbeerpeeling

Um die Haut zu regenerieren, hilft ein Erdbeerpeeling. Dafür pürieren Sie einen Becher frische Erdbeeren mit drei Teelöffeln Milch, zwei Esslöffeln Weizenkleie und zwei Teelföffeln Honig. Mit der Mischung reiben Sie Gesicht und Hals ein und massieren die Haut. Nach circa zehn Minuten waschen Sie das Peeling ab.

Bei einer Erdbeermilch braucht kein Zucker mehr zugesetzt werden, da die Erdbeeren genügend Fruchtzucker haben. (psdesign1/fotolia.com)

Erdbeeren zubereiten

Waschen Sie frisch gepflückte Erdbeeren nur kurz unter fließendem Wasser ab – langes Waschen verwässert im Wortsinn den Geschmack. Entfernen Sie dann die Blütenansätze. Um Sie roh zu verzehren, brauchen Sie meist keinen zusätzlichen Zucker. Die ganzen oder halbierten Beeren sind ideal für Joghurts oder Obstsalate.

Für Milchshakes geben Sie eine Handvoll Erdbeeren und 250 ml Milch in einen elektrischen Mixer. Dazu passen auch einige Spritzer Zitronen-, Limetten- oder Orangensaft sowie Blätter der Minze und / oder Zitronenmelisse. Für eine Teemischung passen zu Erdbeerblättern ausgezeichnet die Blätter von Brombeeren und Himbeeren. Ein Tee lässt sich auch aus getrockneten Beeren zubereiten.

Wald- und Kulturerdbeeren passen vorzüglich in Fruchtaufstriche, Marmeladen, Eis, Gelees, zu Puddings, Kuchen, Quark sowie Desserts und in größeren Mengen geben Sie zudem einen köstlichen Saft.

Wo wachsen wilde Erdbeeren?

Die Walderdbeere liebt den Halbschatten. Sonne verträgt sie nur, wenn der Boden nicht austrocknet, und er nicht zu heiß wird. Direkte Mittagssonne tötet die Pflanze auf Dauer ab, Morgen- und Abendsonne gefällt der Erdbeere besser.

Als Waldpflanze liebt sie Boden mit viel Humus und Feuchtigkeit, der zugleich durchlässig ist und viele Nährstoffe enthält. Dann kann er etwas sauer aber auch kalkhaltig sein.

Erdbeeren im Mythos

Walderdbeeren dienten seit der Steinzeit den Menschen als Nahrung und hatten schon früh eine symbolische Bedeutung. So war die Erdbeere die Pflanze der germanischen Göttin Freya, die für Fruchtbarkeit, Sexualität und eheliche Liebe stand. Diese Göttin der Mütter versteckte angeblich die Seelen verstorbener Kinder in Erdbeeren und schmuggelte sie so nach Walhalla, wohin eigentlich nur die Krieger kamen, die in der Schlacht gefallen waren.

Adonis Blut und Aphrodites Tränen

In der griechischen Mythologie löste der Schönling Adonis ein Eifersuchtsgemetzel aus. Die Göttinnen Aphrodite und Persephone begehrten den Jüngling gleichermaßen. Ares, Aphrodites Geliebter, tobte vor Zorn und verwandelte sich in einen Keiler, um Adonis umzubringen. Er brachte dem Verehrten tödliche Wunden bei, und während Adonis verblutete, weinte Aphrodite. Aus seinem Blut entstanden die Anemonen, aus den Tränen die Rosen – als Blut und Tränen sich vermischten, wuchsen Walderdbeeren aus dem Boden.

Brustwarze oder Frucht für das Paradies?

Der christliche Volksglauben in Nordeuropa übernahm die heidnischen Vorstellungen und die Göttin Freya wurde zur Jungfrau Maria uminterpretiert, die jedes Jahr vom Himmel auf die Erde kam und Erdbeeren für die Kinderseelen im Paradies zu pflücken.

Der Sage nach wuchsen an der Stelle, an der die Tränen der Aphrodite und das Blut des Adonis sich trafen, Erdbeeren. (Archivist/fotolia.com)

Für diese Assoziationen der Erdbeere zu Mutterschaft und Fruchtbarkeit gibt es verschiedene Interpretationen. Eine ist, dass die Walderdbeere in Form, Farbe und Größe an die Klitoris erinnere und somit der Weiblichkeit zugeordnet wurde. Eine andere, dass die eisenreichen Früchte gegen Eisenmangel bei starken Monatsblutungen helfen und die alte Volksheilkunde sie als linderndes Mittel bei Menstruationsproblemen einsetzte.

Begriffe wie „Pflaume“ oder „Kirsche“ für die Klitoris zeigen, dass diese gedanklichen Verknüpfungen zwischen Früchten von Rosengewächsen und dem weiblichen Geschlechtsorgan existieren. Indessen könnte die Verbindung zur Mütterlichkeit auch an Assoziationen zur Brustwarze der Frau liegen, darauf deuten deutsche Volksnamen der Erdbeere hin wie „Bresling“.

Verlockung und Unschuld

Unter christlichen Vorzeichen wurde die Erdbeere folgerichtig zum Symbol der Verführung zur Sünde. So malte Hieronymus Bosch eine Erdbeere, nach der Menschen gieren und, weil sie der Verlockung nicht widerstehen, zu Monstern und Tieren mutieren. Dichtern war die Erdbeere eine Metapher für erotische Liebe, christlicher Moral ein Sinnbild „unzüchtiger Gedanken“. Die Blüten hingegen galten den Christen als Symbol für Unschuld und Demut.

Für die Christen zeigte sich in den dreiblättrigen Pflanzen zudem die Dreifaltigkeit, die Frucht stand für die Blutstropfen von Jesus, die fünfzähligen Blütenblätter erinnerten an die Wunder des „Gottessohns“. Hildegard von Bingen hielt Erdbeeren für ungesund, da die Früchte Schleim im Menschen verursachten.

Die Beere der Menstruation

In der Neuzeit rieten Gelehrte zum sorgsamen Gebrauch der Früchte, so in einer Enzyklopädie 1785: „Da (Wein) ihr schleimichtes schwammichtes Fleisch nicht auflösen kann, so verzögert er ihre Verdauung im Magen, worin sie denn desto leichter versäuern und verderben.“ Wenige Jahrzehnte später verbrauchte Madame Tallien, eine Kurtisane von Napoleon Bonaparte, den Saft von 11 Kilo Erdbeeren täglich, um ihre Haut weich zu halten.

Erdbeerblätter sollten Kurzatmigkeit, Leber, Nieren und Blase heilen. Sie wurden zerrieben, um Wunden zu heilen, dienten als „Zahnpasta“, also zur Pflege von Zähnen und Zahnfleisch. Die Wurzel sollte gegen Gelbsucht wirken. Zudem hieß die Erdbeere „Monatsblume“, da ihr Verzehr die Menstruation vorantreiben sollte. (Dr. Utz von Anhalt)