Giersch – Heilpflanze, Tee und Rezepte

Dr. Utz Anhalt

Giersch – als Unkraut getarnte Heilpflanze

Aegopodium podagraria, ist ein Doldenblütler – also ein entfernter Verwandter von Möhren und Pastinaken, und das verrät der Geschmack seiner Blätter. Weil er sich so penetrant ausbreitet und andere Pflanzen verdrängt, ist er bei vielen Gartenbesitzern regelrecht verhasst. Dabei ist Giersch überreich an Mineralien und Vitaminen, schmeckt gut und lässt sich zubereiten wie Spinat. Hier die wichtigsten Fakten zum Giersch vorab:

  • Giersch ist ein Doldenblütler wie Dill, Petersilie und Karotte. Er ist zugleich eine wichtige Heil- wie Küchenpflanze.
  • Giersch birgt enorm viel Vitamin C, dazu eine große Menge an Mineralien wie Calcium, Kalium und Eisen.
  • Wissenschaftlich belegt sind entzündungshemmende Wirkungen, ebenso seine entwässernden Eigenschaften.
  • Giersch hilft gegen Blasenentzündungen, leichte Hautverletzungen, Entzündungen der Atemwege und rheumatische Beschwerden.
  • Giersch lässt sich in der Küche ebenso vielfältig nutzen wie Spinat.

Inhaltsstoffe

Inhaltsstoffe des Gierschs sind: Ätherische Öle, Chlorogensäure, Phenolcarbonsäuren, Cumarine, Flavonoglykoside, Harz, Saponin, Kaffeesäure, Hyperosid und Isoqurcitin. An Mineralstoffen Kalium, Calcium, Magnesium, Zink, Titan, Eisen, Mangan sowie Kupfer und Kieselsäure. Hinzu kommen Beta-Carotin, Vitamin A, vier mal so viel Vitamin C wie in Zitrone und doppelt so viel wie in Rosenkohl, der am meisten dieses Vitamins von unseren Küchengemüsen enthält. Giersch glänzt mit einer vielfachen Menge an Mineralien im Vergleich zum Beispiel zu Grünkohl.

Giersch wird von vielen Menschen ausschließlich als ein lästiges Unkraut bewertet, doch eignet sich dieser mit seinen zahlreichen gesunden Inhaltsstoffe gut zum Verzehr und kann auch als Hausmittel gegen verschiedene Beschwerden dienen. (Bild: Denis Sandmann/fotolia.com)

Wirkung

Giersch entwässert und entsäuert, treibt den Harn und bremst Entzündungen. Er löst die Harnsäure und hilft gegen Rheuma, Gicht sowie rheumatische Erkrankungen. Er regt die Verdauung ebenso an wie den Appetit, stillt den Blutfluss und entgiftet.

Anwendungen

Giersch lässt sich gegen folgende Beschwerden anwenden:

  • Durchfall,
  • Husten,
  • Blasenentzündung,
  • Erkältung und weitere entzündliche Erkrankungen der Atemwege,
  • Übergewicht,
  • Rheuma,
  • Hautausschlag,
  • Hautverletzungen,
  • Insektenstiche,
  • Arthrose,
  • Skorbut,
  • und Krampfadern.

Gicht und Rheuma

Ein Volksname von Giersch ist Gichtkraut. Sein lateinischer Name bedeutet „Gicht heilender Ziegenfuß“. Eine Wirkung gegen Rheuma ist wissenschaftlich indessen nicht belegt. Vermutlich liegt sein Ruf als Mittel gegen die Gicht an seinen Eigenschaften als Krampflöser und Schmerzlinderer. Damit heilt er die Gicht zwar nicht, mindert aber die Symptome. Auch seine entwässernde Wirkung hilft, abgelagerte Harnsäurekristalle auszuschwemmen, was wiederum Gicht und Rheuma lindert.

Einsatz gegen weitere Beschwerdebilder

Die harntreibende Wirkung des Gierschs verbunden mit seiner Wirkung gegen Entzündungen macht ihn zu einem wertvollen Mittel bei Blasen- und Harnröhrenentzündungen. Da Giersch Entzündungen hemmt, kühlt und die Haut beruhigt, lindern auf die entsprechende Stelle aufgelegte Gierschblätter Sonnenbrand und Insektenstiche.

Gierschbad

Ein Bad mit Giersch lindert die Schmerzen bei Rheuma und hilft gegen Hämorrhoiden ebenso wie gegen Krampfadern. Dazu übergießen Sie frische Gierschblätter mit einem Liter kochendem Wasser, lassen alles 15 Minuten ziehen, seihen es ab und geben es zu dem warmen Badewasser. Darin baden Sie circa 20 Minuten und ruhen sich danach aus.

Rheumatee

Ein Tee aus getrockneten Gierschblättern soll die Schmerzen bei Rheuma lindern. Dazu gießen Sie zwei Esslöffel der Blätter mit 250 ml heißem Wasser auf und lassen alles fünf Minuten ziehen.

Dem Giersch-Tee wird eine lindernde Wirkung bei Gicht und Rheuma zugeschrieben. (Bild: Hetizia/fotolia.com)

Verwechslung

Sie können Giersch mit der Bibernelle, Wald-Engelwurz und den Giftpflanzen Bärenklau oder Schierling verwechseln. Die Alleinstellungsmerkmale von Giersch sind ein dreikantiger Blattstiel, dreigeteilte Blätter und wiederum dreigeteilte Einzelblätter. Die zerriebenen Blätter riechen ähnlich wie Petersilie.

Unkraut? Wildgemüse

Giersch breitet sich mit seinen spaghettiartigen Wurzeln flächendeckend aus und lässt sich kaum eindämmen. Hacken führt nur dazu, dass die Wurzelstücke neue Pflanzen bilden. Indessen ist es absurd, wenn die gleichen Leute ein Heidengeld für Smoothiepulver aus Grünkohl ausgeben, aber den wohl schmeckenden und noch gesünderen Giersch in der Biotonne entsorgen. Um den dominanten Bodendecker in den Griff zu bekommen, gibt es nur ein Mittel: Aufessen. Wenn Sie den Giersch abernten, werden die Pflanzen schwächer und treiben weniger aus.

Giersch vereint alles, was ein Gärtner sich von einem Gemüse wünscht: Er braucht keine Pflege, wächst in Mengen von April bis in den Herbst hinein und lässt sich durchgehend ernten. Er lässt sich genau so verwenden wie Spinat, also roh als Salat, in Pesto, Quark oder Joghurt, gekocht in Suppen, Saucen, Eintöpfen oder als Beilage zu Fleisch und Fisch, mit Rührei und Kartoffel, in Aufläufen, Pizzen und Quiche. Getrocknet ist er ein gutes Gewürz für Fleisch, Fisch und Suppen, Bratlinge oder Brot. Der Geschmack von Giersch drängt sich nicht auf und erinnert an Karotten und Petersilie.

Giersch-Rezepte

Grundsätzlich bieten sich zahlreiche verschiedene Verwendungen des Gierschs in der Küche an und entsprechend breit gefächert ist das Spektrum der Rezepte. Für Salate, in Quarks oder Dipps sind beispielsweise die ganz jungen Blätter am besten, im Geschmack stehen sie zwischen Spinat, Möhre, Petersilie und Sellerie. Die älteren Blätter sind härter und schmecken intensiver. Sie schmecken deshalb gekocht besser, eignen sich aber auch für Kräuterbutter oder Pesto. Die Samen schmecken recht scharf und dienen daher als Gewürz in Suppen und Saucen. Für alle Rezepte, für die Sie getrocknete Petersilie nutzen, können Sie auch Gierschsamen oder getrocknete Gierschblätter nehmen.

Giersch lässt sich auf unterschiedlichste Weise in der Küche verwenden, wobei die Zubereitung von gesunden Smoothies zu den einfachsten Verarbeitungsmethoden zählt. (Bild: J.Mühlbauer exclus./fotolia.com)

Die Blüten schmecken süßer und eignen sich zum Aromatisieren von Ölen, Essig, Limonaden und Säften. Wenn Sie eine Saftmaschine haben können Sie aus jungen Blättern und Blüten einen Smoothie herstellen.

Giersch harmoniert mit jungem Löwenzahn, lässt sich mit Spinat wie Mangold mischen, passt zu Kartoffeln, Reis, Bulgur und Nudeln, schmeckt ausgezeichnet mit Bärlauch, Knoblauch, Schnittlauch und Zwiebeln sowie in Kombination mit Tomaten, Auberginen, Zucchini, Paprika und Champignons.

Giersch Pesto

Für einen Gierschpesto benötigen sie eine Handvoll Pinienkerne, vier bis fünf Knoblauchzehen, circa 200 ml Oliven- oder Sonnenblumenöl, und vier bis fünf Esslöffel Parmesan- oder Pecorinokäse.

Säubern Sie die Blätter, schütteln Sie diese trocken und schneiden Sie die dicken Stängel ab. Dann ziehen Sie die Knoblauchzehen ab und hacken Giersch wie Knoblauch in kleine Stücke. In einer Schüssel mischen Sie beides mit dem Käse und geben Löffel für Löffel das Öl dazu. Die Pinienkerne rösten Sie bei in einer Pfanne bei Stufe 3 kurz an, zerhacken sie dann und geben sie ebenfalls hinzu.

Das Pesto geben Sie in ein geschlossenes Gefäß und kippen ein wenig Öl darüber, um das Ganze besser zu konservieren. Im Vergleich zu Basilikum-Pesto sollten Sie immer mehr Knoblauch verwenden, da Giersch einen starken Eigengeschmack hat.

Giersch-Suppe

Für eine Giersch-Suppe zerhacken Sie die gewaschenen Blätter und Triebe. Sie rühren etwas Mehl in siedende Butter ein, braten darin eine klein geschnittene Zwiebel und füllen alles mit Wasser auf. Hinzu kommen drei geschälte und gewürfelte Kartoffeln. Sie würzen mit Salz und weißem Pfeffer. Der Giersch kommt erst hinzu, wenn die Kartoffeln fast gar sind. Jetzt stellen Sie die Temperatur auf niedrig und lassen die Suppe circa 15 Minuten köcheln.
Tipp: Wenn Sie im April einige Blätter frischen Bärlauch hinzugeben, schmeckt es noch besser. Auch ein Esslöffel Schmand verfeinert die Suppe.

Giersch-Brennnessel-Suppe

Für eine Suppe mit Giersch und Brennnessel sammeln wir junge Giersch- und Brennnesselblätter nach Augenmaß und je nach Anzahl der Portionen. Um sich an den Nesseln nicht zu verbrennen, pflücken sie diese mit Handschuhen und waschen die Blätter danach ab. Dann verlieren die Nesseln ihre Kraft.
Sie ziehen eine kleine Zwiebel und drei bis vier Knoblauchzehen ab, würfeln beides in eine Topf und dünsten es in Olivenöl, bis die Zwiebel glasig wird. Dann schälen Sie drei kleine Kartoffeln und schneiden Sie in Scheiben. Jetzt geben Sie den Giersch und die Brennnessel hinzu und dünsten alles, bis die Blätter zusammen fallen. Dann fügen Sie die Kartoffeln hinzu, füllen mit Wasser auf, bis die Kartoffeln bedeckt sind und salzen. Die Suppe bei niedriger Temperatur köcheln lassen, bis die Kartoffeln weich sind. Dann pürieren Sie alles und schmecken es ab. Am besten schmeckt die Suppe frisch serviert und mit einem Schlag Schmand auf dem Teller.

Auch als Zutat bei einer Suppe aus heimischen Wildkräutern darf Giersch nicht fehlen. (Bild: Hetizia/fotolia.com)

Grüne Suppe

Die grüne Suppe ist ein traditionelles Bauernrezept aus Norddeutschland. Sie besteht aus Giersch, Löwenzahn, Brennnessel, Bibernelle, Gänseblümchen, Mauerpfeffer, Schafgarbe und Sauerklee. Sie können wie in den beiden obrigen Rezepten erst eine Zwiebel und Knoblauch anbraten. Dann geben Sie die zerkleinerten Kräuter hinzu, dünsten alles, gießen mit Wasser auf und lassen es circa 15 Minuten köcheln.

Gierschquark

Hierfür benötigen Sie eine kleine Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, 125 g Joghurt, 250 g Quark, 100 ml Sahne, Milch, Salz und Honig nach Augenmaß sowie Zitronensaft. Sie waschen eine Handvoll Gierschblätter und -triebe, schneiden diese klein, ebenso die Knoblauchzehe und die Zwiebel. Diese Zutaten rühren sie in den Joghurt ein, verquirlen ihn mit dem Quark und schmecken am Ende mit Zitronensaft, Salz und Honig ab. Ist die Masse zu dick, verdünnen Sie mit Milch. Die Sahne schlagen Sie steif und heben Sie vorsichtig unter den Quark.

Brotaufstrich aus Giersch

Hierzu hacken Sie eine Handvoll junge Gierschblätter klein, mischen sie in eine Packung Frischkäse und geben Salz, Pfeffer und – je nach Geschmack – Currypulver oder Kurkuma hinzu.

Gierschlimonade

Sie brauchen 500 ml Apfelsaft, 250 ml Mineralwasser, eine halbe Zitrone, circa 5 Stängel Giersch und einen Stiel Zitronenmelisse. Sie waschen die Zitrone und die Kräuter, die Zitrone schneiden Sie in Scheiben. Den Apfelsaft füllen Sie in eine Kanne, geben die Kräuter und die Zitronenscheiben hinzu und lassen alles über Nacht im Kühlschrank ziehen. Am nächsten Tag geben Sie das Mineralwasser hinzu und genießen den Drink gekühlt.

Giersch-Limonade ist erfrischend und gesund. Hergestellt wird diese zum Beispiel aus Apfelsaft, Mineralwasser, frischer Zitrone, Giersch und etwas Zitronenmelisse. (Bild: goldbany/fotolia.com)

Giersch als Gemüse

Giersch als Gemüse bereiten Sie ähnlich zu wie Spinat. Zum Beispiel dünsten Sie fünf Handvoll Gierschblätter und zwei gehackte Zwiebeln und drei Knoblauchzehen in Butter oder Pflanzenöl, lassen den Giersch eine Minute köcheln, nehmen ihn dann heraus, lassen ihn abtropfen und geben ihn in die Pfanne. Alles dünstet bei mäßiger Hitze, bis der Giersch weich ist. Am Ende schmecken Sie mit Salz, Pfeffer und Balsamico-Essig ab.

Giersch mit Mozarella

Statt der üblichen Basilikumblätter mit Mozarella, Tomatenscheiben und Balsamico-Essig können Sie auch die Blätter von Giersch, Knoblauchsranke oder Bärlauch verwenden.

Giersch – eine alte Geschichte

Giersch galt als Frühlingsbote, weil er sich ab Ende März auf dem Boden ausbreitet. In der Vergangenheit war er als Gichtmittel beliebt, und darum bauten Mönche und Nonnen ihn extra an. In Wein gekocht sollte er gegen „faules Fieber“ helfen, dazu diente ebenfalls ein Pulver aus der getrockneten Wurzel. Wundärzte legten ihn auf Hautverletzungen.

Im Spätmittelalter war Giersch in der Küche beliebt, da er gut schmeckte und zugleich der Heilung diente. Die Volksheilkunde nutzte ihn gegen Würmer, Darmbeschwerden und rheumatische Erkrankungen. Frisch zerdrückte Blätter legten die Menschen auf Insektenstiche, Hundebisse oder Schnittwunden.

Vorkommen

Giersch passt sich an und kommt in fast ganz Europa in gemäßigtem Klima vor. Er ist ein Stickstoffanzeiger, denn er besiedelt vor allem stickstoffreiche Böden. Im feuchten Schatten gedeiht er vorzüglich und findet sich deshalb auch in dichten Laubwäldern. (Dr. Utz Anhalt)