Griffonia – Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen

Dr. Utz Anhalt

Griffonia – die afrikanische Schwarzbohne

Griffonia simplicifolia, auf deutsch afrikanische Schwarzbohne, nutzen Menschen traditionell, um gute Stimmung zu erzeugen und die Libido anzukurbeln. Es handelt sich um eine Schlingpflanze, die verholzt und im Regenwald West- wie Zentralafrikas wächst. Als Aphrodisiakum gilt sie vor allem in Ghana.

Aus den grünen Blüten bilden sich Hülsen, und wenn diese reif sind, verschleudern sie schwarze Samen. Um genau diese Bohnen (Samen) geht es, wenn Griffonia zum Einsatz kommt – bei Angstzuständen wie Panikattacken, Verstimmungen, Depressionen, Migräne, gestörtem Schlaf und einem Mangel an Serotonin. Sie lindern auch die Symptome beim Alkoholentzug.


Griffonia als Heilmittel

Die Samen werden zuerst getrocknet, dann gemahlen und mit Alkohol extrahiert bzw. durch wiederholtes Kristallisieren gesäubert. Das entstandene Pulver wird zu Tabletten gepresst.

Griffonia wächst im Regenwald West- wie Zentralafrikas und wird traditionell unter anderem zur Steigerung der Libido eingesetzt. (Bild: Constantina Dirica/fotolia.com)

Chemische Wirkstoffe

Schwarzbohne enthält bis zu 20 % 5-Hydroxytryptophan (5-HTP). Es handelt sich um ein Zwischenprodukt der Aminosäure Tryptophan und um eine „Rohmasse“ für den Botenstoff Serotonin. Der Körper kann Tryptophan nicht selbst herstellen.

Gehirn und Leber bilden bei jungen Menschen aus der Aminosäure mit dem Enzym Tryptophan-Hydroxylase 5-HTP. Allerdings verfügen viele Menschen über zu wenig dieses Stoffes. Das kann am Alter liegen oder am Stress. Sie sollten sich dann 5-HTP zuführen. Das Gehirn kann dieses zu Serotonin wandeln.

Bananen und Schokolade

Bananen und Schokolade, vor allem aber die Samen der Schwarzbohne, enthalten den Stoff. Bei Schokolade gilt dies vor allem für schwarze Schokolade mit besonders hohem Kakaoanteil. Schwarze Schokolade verbessert nicht nur die Stimmung, sie macht auch weniger dick als Schokolade mit weniger Kakao. Besonders viel Tryptophan enthalten auch Edamer und Emmentaler Käse, Sojabohnen- wie Weizenkeimen und Cashewnüsse.

Heißhunger verhindern?

Der „Heißhunger auf Schokolade“ stammt häufig von einem Mangel an Serotonin, der wiederum zu einem „Japp“ auf Kohlenhydrate und zu unkontrollierten Essattacken führt. Griffonia bietet eine Alternative, diesen Heißhunger zu verhindern und so Übergewicht einzudämmen.

Heißhunger auf Schokolade kann durch einen Serotoninmangel bedingt sein. (Bild: contrastwerkstatt/fotolia.com)

Wozu führt Serotoninmangel?

Dysfunktionen im Serotonin-Haushalt können affektive Störungen mitverursachen. Verhalten und Wahrnehmung werden ebenfalls durch das sogenannte Glückshormon beeinflusst. Es wirkt zudem auf die Blutgerinnung, die Regeneration von Leber und Bauchspeicheldrüse wie auf das Herz.

Ein Mangel an Serotonin führt bisweilen zu Depressionen, Ängsten und Aggressivität. Der Botenstoff wirkt darüber hinaus auf den Schlafrhythmus, den Appetit, das Erinnerungsvermögen, die Lernfähigkeit, Schmerzkontrolle, die Darmtätigkeit und Entzündungen. Niedrige Serotoninspiegel lassen sich zudem erkennen bei Suizidfantasien, Stress, Übergewicht, Migräne, Suchtverhalten und dem prämenstruellen Syndrom.

Folgeerkrankungen bei Serotoninmangel

Ein Mangel an Serotonin spielt auch in weitere Krankheiten hinein. Im Herzkreislauf hilft es, den Blutdruck zu kontrollieren. In den Muskeln des Skeletts erweitert der Stoff die Gefäße und steigert so die Durchblutung.

Fibromyalgie bezeichnet eine Krankheit mit folgenden Symptomen: Muskelschmerzen, Müdigkeit, Fieber, Schlaflosigkeit, Reizdarm und Lymphknotenschwellung. Die Ursache dieser Erkrankung ist nicht bekannt, sie geht aber mit einem Serotonin-Mangel einher.

Die Biogena Studie

Der Salzburger Arzt Dr. Walter Wührer und andere Wissenschaftler erstellten eine Studie zum Einsatz von Griffonia bei depressiven Zuständen, Angststörungen und Stress. Dabei untersuchten sie ob aus der afrikanischen Schwarzbohne gewonnenes 5-HTP in Kombination mit B-Vitaminen hilft.

In einer Studie mit knapp 70 Probanden führten Griffonia-Präparate bei Menschen mit Depressionen und Ängsten zu deutlich besseren Ergebnissen als Placebos. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Sie erforschten 69 Menschen mit Depressionen, Angstzuständen und außerordentlichem Stress. Eine Gruppe erhielt drei Wochen lang Biogena Griffonia50 Serolution, die andere ein Placebo. Am Beginn und Ende der Studie stellten die Ärzte Depressionen, Ängste und Stress mit dem DASS-Fragebogen fest (Depression, Anxiety, Stress Scales).

Griffonia besser als Placebo

Das Präparat aus der Schwarzbohne zeigte wesentlich bessere Ergebnisse als das Placebo: Bei der Depression um 45 % gegenüber 22 % beim Placebo; bei der Angst 63 % gegenüber 34 %; beim Stress erreichten die Griffonia-Probanden immerhin 50 % gegenüber 39 % bei denen, die das Placebo nutzten.

Falsche Hoffnungen?

Zu den spekulierten Wirkungen von Griffonia auf Übergewicht, Migräne, Schmerz- wie Schlafstörungen gibt es bisher keine validen Studien. In jedem Fall sollten sie Präparate aus der Schwarzbohne nicht ohne ärztliche Begleitung einnehmen.

Vorsicht ist auch bei einer Überdosis gegeben: Steigt der Serotonin-Spiegel im Gehirn übermäßig an, kommt es zum Serotonin-Syndrom: Fieber, Übelkeit und Erbrechen, Angst, Schweißausbrüche, Krämpfe sowie Herzbeschwerden.

Wechselwirkungen

Griffonia sollten Sie nicht zusammen mit Johanniskraut, Antidepressiva, Beruhigungsmitteln und manchen Schmerzmitteln einnehmen, da es deren Wirkungen verstärkt. Schwangere sollten die Präparate meiden.

Oral eingenommen erhöht 5-HTP erstens den Serotoninspiegel, zweitens den Spiegel anderer Botenstoffe wie Dopamin, Melatonin und Noradrenalin.

Nebenwirkungen von Griffonia

5-HTP kann zu Nebenwirkungen führen. Dazu zählen Übelkeit, Müdigkeit, Magen-, Muskel und Kopfschmerzen, Durchfall, Blähungen sowie Schwindel.

Arzneimittelgesetz

In den USA und Großbritannien sind Schwarzbohnen-Präparate als Nahrungsergänzung frei verkäuflich. 5-Hydroxytryptophan fällt in Deutschland jedoch unter das Arzneimittelgesetz (AMG). Es besteht Rezeptpflicht.

Vorsicht: Die aus den Samen der Schwarzbohne gewonnenen Drinks, Pulver, Kapseln und Tabletten, die als Nahrungsergänzung dienen, sind in Deutschland verboten.

Treten „Alarmzeichen“ wie Herzklopfen, Schwindel oder Übelkeit auf, sollte das Schwarzbohnen-Präparat sofort abgesetzt werden. (Bild: Antonioguillem/fotolia.com)

Wann sollten Sie 5-HTP absetzen?

Sie sollten die Präparate nicht weiternehmen, wenn Sie Zittern und Krämpfe verspüren, bei Herzklopfen und Herzbeschwerden, bei Erbrechen und Übelkeit, schneller Atmung, Halluzinationen und anderen Bewusstseinsstörungen.

Wer sollte 5-HTP nicht einnehmen?

5-HTP eignet sich nicht für Menschen mit Anorexie und niedrigem Gewicht. Personen, die unter Magendarm-Geschwüren leiden, oder Blutanomalien zeigen, sollten darauf achten, ob sich das Blutbild verändert.

Für weitere mögliche Risikogruppen fehlen Studien. Bis diese vorliegen, ist 5-Hydroxytryptophan tabu für Menschen mit schweren Erkrankungen von Leber wie Niere, Allergiker und Patienten mit Autoimmunerkrankungen. (Dr. Utz Anhalt)

Links
http://www.alexanderroemmler.com/uploads/tx_sbdownloader/2010_Roemmler_A._Roemmler_J._ZKM_Ser_5HTP.pdf
http://www.apotheke-holler.at/?de/gsundbleibn/aktuelles_november_2012/das_glueck_aus_der_bohne
https://www.biogena.com/de/at/wissen/schaffen/studien/griffonia-studie.html
http://www.phytodoc.de/heilpflanzen/griffonia/pflanzenprofil#aussehen-und-herkunft