Insektenhotel – Nutzen, Material, Bauanleitung und wertvolle Tipps

Dr. Utz Anhalt

Insektenhotel selbst bauen – So geht’s

Bienen, Hummeln und Wespen, Schmetterlinge und Libellen sind in ihrem Bestand bedroht. Neben Nahrungspflanzen fehlt es ihnen an Unterschlüpfen. Helfen können wir mit so genannten Insektenhotels, in denen wir ihnen diese Nist- und Winterplätze bereit stellen.

  • Bienen, Wespen und Hummeln bieten wir mit Röhren von 2,5 mm bis 1 cm eine Nistmöglichkeit.
  • Käfer und Ohrwürmer lieben trockene Nester aus Holzwolle und Stroh. Diese sollten aber entfernt von den Bienenhäusern liegen, damit die Ohrwürmer nicht die Bienenlarven fressen.
  • Insektenhotels lassen sich aus verschiedenen Materialien bauen. Wichtig ist, dass diese wetterfest sind, innen nicht nass werden, und die Löcher die richtige Größe für die Tiere haben.
  • Neben gekauften Materialien wie Bambus können Sie ihre Insektenhotel-Utensilien auch im Garten sammeln und dafür Stängel, Hartholz und Baumrinde verwenden.
  • Ein Insektenhaus ist nur sinnvoll, wenn Sie ansonsten ebenfalls für einen Insektengarten sorgen und passende Nährpflanzen für Larven und Alttiere anbieten.

Keine nutzlosen Fertigprodukte kaufen

Aber Vorsicht: Insektenhotels sind ein Hype, und jedes Gartencenter bietet sie heute an. Die Mehrzahl dieser Fertigprodukte ist als Lebensraum für die Insekten ungeeignet: Mal sind die Löcher im Holz zu klein, mal zu kurz gebohrt, oder es finden sich darin Materialien, mit denen die Tiere nichts anfangen können.

Ein richtig gebautes Insektenhotel bietet einer Vielzahl von Insekten wertvollen Unterschlupf. (Bild: tektur/fotolia.com)

Unterschiedliche Bedürfnisse

Die ökologischen Nischen der Wildbienen und Hummeln sind sehr unterschiedlich. Sandbienen graben ihre Nester in Sand, einige Hummeln wühlen sich unter die Erde. Andere nutzen die Gänge in Totholz, die Käfer hineinfressen, manche nisten sich in Baumlöchern an oder in Holzhaufen. Wieder andere bewohnen Felsspalten oder Mauerritzen. Dann bevölkern welche die hohlen Stängel von Pflanzen.

Heute verschwinden Sandflächen unter Einkaufscenter, an der Stelle alter Schuppen stehen Einfamilienhäuser und morsche Bäume entfernt die Stadtverwaltung, Streuobstwiesen gehen verloren, Trockenmauern werden abgetragen.

Nahrung und Unterschlupf

Ein Insektenhotel im manikürten englischen Rasen ist so sinnvoll wie eine Wohnung mit leerem Kühlschrank und ohne die Möglichkeit, etwas zu essen zu bekommen. Legen Sie zum Insektenunterschlupf eine Wildblumenwiese an, pflanzen Sie eine Naturhecke mit Hasel, Weißdorn, Salweide, Mädesüß, Schlehe und Kornelkirsche.

Nisthilfen für verschiedene Arten

Kennen wir die Bedürfnisse der einzelnen Spezies, können wir einfach Nisthilfen herstellen. Dafür binden wir zum Beispiel Schilfhalme zusammen oder füllen die Löcher eines Hohlziegels mit Halmen und hängen alles an einer Sonnenstelle auf. Der Platz sollte trocken, gen Süden gerichtet und windstill sein.

Die gebohrten Löcher dürfen nicht zu groß sein, sonst werden sie von den Insekten nicht angenommen. (Bild: alexandersw/fotolia.com)

Fehler vermeiden

Bevor Sie anfangen, achten Sie darauf, die häufigsten Fehler beim Bau eines Insektenhotels zu vermeiden:

  • Sind bei Stängeln zum Beispiel die Stängelknoten im vorderen Teil, können die Tiere nicht hindurch kriechen.
  • Ytong-Steine wirken wie ein Schwamm und saugen Wasser auf. Die Insekten können die Nässe nicht vertragen.
  • Insekten nehmen keine Stängel an, die platt sind, ausfransen oder splittern.
  • Für Wildbienen haben Kiefernzapfen, Stroh oder Rinde keine Bedeutung. Diese ziehen stattdessen Ohrenkneifer ein.
  • Wollen Sie beiden Gruppen ein Zuhause geben, trennen Sie die Nester mit Zapfen, Stroh oder Rinde von den Unterschlüpfen für Wildbienen. Sonst fressen die Ohrwürmer die Nektarspeicher leer.
  • Lehm besiedelnde Bienen graben ihre Löcher selbst. Deswegen darf der Lehm nicht zu hart sein. Verzichten Sie auf Insektenhotels mit vorgebohrten Löchern im Lehm.
  • Das Ende von Stängeln und Röhren sollte geschlossen sein. Sind beide Seiten offen, egal ob bei Staudenstängeln, Bambusröhren oder Schilf, nehmen die Insekten sie nicht an.
  • Bohren Sie nicht größer als 1 cm Durchmesser. Es gibt keine Insekten in solcher Übergröße hier, die die Löcher annehmen würden.
  • Bohren Sie nicht parallel zu den Holzfasern. Die Fasern können den Tieren den Weg versperren.
  • Wählen Sie Weichholz statt Hartholz.
  • Gipsbeton ist als Baumaterial ungeeignet. Er nimmt Wasser auf, und das tötet die Insekten.

Insekten und Garten profitieren

Ein Insektenhotel unterstützt:

  • Wildbienen: Diese bestäuben Obst und Gemüse
  • Wildhummeln: Wie die Bienen bestäuben sie Gartenpflanzen.
  • Marienkäfer: Die und ihre Larven fressen Blattläuse.
  • Florfliegen: Deren Larven fressen Blattläuse.
  • Laufkäfer: Die fressen Nacktschnecken und Kartoffelkäfer.

Florfliegen, Ohrwürmer sowie ihre Larven sind auch wichtige Nahrung für Kröten, Echsen und Vögel – also für natürliche Feinde der Schnecken, die den Salat wegraspeln.

Anleitung zum Bau eines Insektenhotels

Ein Insektenunterschlupf liegt am besten im Halbschatten mit den Öffnungen nach Süden und freiem Zugang – also nicht im Gestrüpp. Vollschatten ist ungeeignet, das die Larven die Sonnenwärme brauchen, um sich zu entwickeln. Es darf nicht nach Nordwesten ausgesetzt sein, weil sonst Feuchtigkeit in die Behausungen gerät. Pilze können sich ausbreiten, und die Tiere sterben.

Der Unterschlupf steht am besten erhöht, dann können Beutegreifer ihn nicht zu einfach erreichen. Außerdem ist es auf dem Boden meist zu schattig. Am besten ist in der Nähe eine Insektenweide vorhanden, also Blumen oder mit Blattläusen befallene Pflanzen. Auch eine Wasserstelle vor Ort ist notwendig. Besser ist es, den Platz um das Insektenhotel im Dunklen nicht zu beleuchten. Ein Drahtgitter hält Vögel ab.

Wann stellen wir das Hotel auf?

Insektenhotels können wir das ganze Jahr aufstellen, denn sie dienen nicht nur zur Brut, sondern auch als Winterquartier. Es ist aber besser, sie vom Frühling bis Herbst anzubieten, weil die Insekten im Winter nicht aktiv sind. Stellen Sie die Behausung an einer festen Stelle auf und lassen es dort.

Achtung: Kommen Sie nicht auf die Idee, den Insekten „etwas gutes tun“ zu wollen und den Unterschlupf im Winter ins Warme zu bringen. Bei steigenden Temperaturen schlüpfen die Larven, und das bringt den natürlichen Rhythmus durcheinander.

Beim Bau eines Insektenhauses kommen die unterschiedlichsten Materialien zum Einsatz. (Bild: alexandersw/fotolia.com)

Womit füllen wir den Unterschlupf?

Unterschiedliche Insekten haben verschiedene Bedürfnisse, deshalb nutzen wir in den einzelnen Bereichen des Hauses diverse Materialien für das Insektenhotel.

Dazu gehören:

  • Schilf
  • Bambusröhren. Bambus hat feste Trennwände im Stängel, so dass wir jeweils eine abgeschlossene Röhre erhalten.
  • Pflanzenstängel (fallen im Winter und Frühjahr bei abgestorbenen Stauden reichlich an).
  • Nisthölzer
  • Holzwolle
  • Ziegelsteine
  • Blätter
  • Schneckenhäuser
  • Äste, Zweige (zum Beispiel Holunder, Heckenrose, Kirsche, Weide)
  • Rinde

Schilf, Bambus und Stängel lassen sich einfach verarbeiten. Die Pflanzenstängel sollten von 2,5 mm bis 1 cm Durchmesser haben und am Ende abgeschlossen sein. Das Mark sollten Sie mit einem Stock oder Schraubenzieher entfernen.

Wir drücken die circa 10 cm langen Stängel in eine Blechdose, aus der sie nicht heraus fallen und befestigen diese.

Eine passende Blechdose sorgt dafür, dass die Stängel nicht heraus fallen können. (Bild: christiane65/fotolia.com)

Für Nisthölzer verwenden wir Hartholz wie Eiche oder Buche und bohren Löcher von 2,5 mm bis 1 cm hinein. Das entspricht den Gängen, die Wildbienen im Totholz aufsuchen. Wir bohren von der Längsseite, von der sich auch die Käfer hinein fressen.

Das Holz durchbohren wir nie ganz, ein Gang von circa 10 cm ist optimal, wir brauchen also dicke Holzstücke. Optimal sind Bohrungen von schräg oben – dann läuft kein Wasser hinein. Die Bohrungen dürfen sich nicht überschneiden.

Je nach Größe der Löcher ziehen wir unterschiedliche Bienen an:

  • Die Gehörnte Mauerbiene bevorzugt 8 mm, die Rote 7 mm, die Stahlblaue nur 4-5 mm.
  • Die Scherenbienen nehmen schon mit 3 mm vorlieb.
  • Maskenbienen und Wespen bisweilen schon mit 2,5 mm, manche Arten brauchen aber 5 mm.

Geeignet sind Esche, Erle, Buche und Eiche, gut abgelagert und quer zur Faserrichtung gebohrt, damit keine Risse entstehen.

Ziegelsteine

In Insektenhotels eignen sich besonders Strangfalzziegel. Diese haben kleine Löcher in der richtigen Größe für Wildbienen.

Schneckenhäuser

Rare Wildbienen brüten in Schneckenhäusern. Dafür nehmen wir aber nicht die großen Häuser von Weinberg- oder gar Achatschnecken, sondern die mittelgroßen von Bänder- oder Schnirkelschnecken.

Stroh

Stroh eignet sich für Ohrwürmer und Käfer. Eine Strohbox legen wir aber separat und in Abstand zu den Bienenhäuschen an. Ohrwürmer fressen die Larven der Bienen, und ihr Unterschlupf sollte deshalb eine Sicherheitsdistanz aufweisen. Ohrwurmunterschlüpfe sollten Sie in der Nähe von Blattläusen anlegen, nicht in der Nähe von Wildbienenhäusern. Sie können dafür alte Tonblumentöpfe mit Stroh füllen und kopfunter in den Garten hängen.

Bambushäuschen

Für eine Bienennisthilfe aus Bambus sägen wir Bambusrohr in acht Zentimeter lange Stücke und entfernen Spliss und Risse aus der vorderen Öffnung. Die Länge der Röhre sollte acht Zentimeter betragen, befinden sich im Stück Knoten, bohren wir diese auf. Wir kleben die Stücke mit einem Fliesenkleber auf die Rückseite. Dazu füllen wir eine zwei Zentimeter dicke Schicht von dem Kleber in das Holzhaus und drücken die Bambusstücke in diesen hinein.

Für ein einfaches Haus nehmen wir vier je acht Zentimeter lange Holzstücke, die Breite bemisst sich nach der Anzahl der Bambusröhrchen. Sie sollten alle hinein passen, aber keine Lücken lassen. Die Rückseite messen wir entsprechend aus. Da die Wände nicht zum Nisten dienen, müssen sie nur so stabil sein, dass das Haus Wind und Wetter standhält. Spanplatten reichen völlig aus.

Schilfröhrchen und Bambusstücke dienen den Insekten als Nisthilfe. (Bild: EDEN/fotolia.com)

Stängelhotel

Wir können im Herbst eine Anzahl Stängel von einem halben Meter Länge zum Beispiel von Holunder, Brombeere, Schmetterlingsflieder oder Heckenrose schneiden und über den Winter trocknen. Im März holen wir diese dann in den Garten und befestigen sie schräg an Bäumen, Zäunen oder Mauern. Übrigens: Wenn Sie die Stängel ihrer Stauden stehen lassen, erzielen Sie den gleichen Effekt.

Vorbild Natur

Insekten ziehen in der Natur in die aufrecht stehenden Stängel markhaltiger Pflanzen ein. Deshalb sollten Sie ihre Stängel aufrecht stellen statt waagerecht wie leider in den meisten käuflichen Insektenhotels.

Generell gilt: Wenn Sie ihren Garten „klinisch“ rein halten, also wilde Möhre und Brennnessel ausreißen, auf denen Raupen ihre Nahrung finden, Wildblumen als „Unkraut“ entfernen, und Totholz auf den Wertstoffhof bringen, nutzt ein Insektenunterschlupf gar nichts.

Legen Sie eine Trockenmauer an, umrahmen Sie ihre Beete mit alten Ästen und Rindenstücken, lassen Sie einen Steinhaufen liegen, behalten Sie eine wilde Ecke, in der Sie nicht mähen oder harken. Dann haben Sie schon das meiste, was ein Insektenhotel auszeichnet. Bauen Sie dieses also zusätzlich zur Struktur eines insektenfreundlichen Gartens – und nicht statt diesem.

Nistplatz für Sandbienen

Für Sandbienen brauchen Sie eine Sandfläche. Dafür tragen Sie die Erde auf circa 2 x 2 m circa 50 cm tief ab und füllen dann Humus, Kies und Sand auf. Der Sandanteil sollte 2/3 betragen. Der Boden sollte locker und zugleich stabil sein. Ist er zu dicht, können die Bienen keine Gänge bohren. Ist er zu locker, stürzen die Gänge ein. Sie können verhindern, dass die Sandfläche zuwuchert, indem sie die Stelle mit Brettern einrahmen. (Dr. Utz Anhalt)