Intimpiercing – Varianten, Durchführung, Vorteile und Risiken

Dr. Utz Anhalt

Piercings an den Genitalien dienen nicht nur ästhetischen Zwecken; Männer und Frauen tragen sie auch, um sexuell interessanter zu werden und sich selbst beim Geschlechtsverkehr zusätzlich zu stimulieren.

Piercings an den Genitalien: Kultur und Geschichte

Das Durchstechen des Penis und Hodensacks praktizierten viele Kulturen. In Südasien hängten und hängen sich zum Beispiel Fakire Metallkugeln an Ringe, die durch Löcher an der Unterseite des Penis verlaufen. Aborigines in Australien spalteten sogar ihren Penis und brachten kleine Steinchen in das Gewebe ein. In Japan platzierten Männer kleine Perlen unter die Haut von Penis und Hoden.

Bei den Maya bohrten die Herrscher Pflanzendornen in ihren Penis, um die Götter milde zu stimmen. (Bild: diegograndi/fotolia.com)

Sakrale Bedeutung hatte das Piercen des Penis bei Maya. Diese glaubten, dass Leben sitze im Blut und ein Blutopfer an die Götter würde diese gnädig stimmen. Dazu durchstach sich der Herrscher mit Pflanzendornen den Penis, tanzte und ließ das frische Blut auf ein Pergament tropfen. Dieses Pergament verbrannten die Priester dann als Opfergabe für die Götter.

Sexuelle Erregung durch Genitalpiercing

Bei Frauen gilt besonders ein waagerecht durch die Vorhaut der Klitoris eingebrachtes Schmuckstück als erregend, weil es die Klitoris reizt. Bei Männern hat das Prinz-Albert-Piercing von der Harnröhre durch die untere Peniswand den Ruf, sowohl dem Träger wie auch seiner Partnerin einen Lustgewinn zu verschaffen. Männer werden durch einen Reiz auf die Harnröhre beim Intimverkehr zusätzlich stimuliert, bei Frauen sorgt der größere Druck für stärkere Erregung. Aber Vorsicht: Die individuellen Unterschiede sind groß, und für viele wirkt Intimschmuck nicht erregend, sondern verursacht Schmerzen.

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Intimpiercings für Männer

Piercings für Männer im Intimbereich umfassen solche am Hodensack, am Penis, an Harnröhre und Vorhaut. Das Guiche-Piercing führt durch die Hodensacknaht, das Dydoe durch den Rand der Eichel, das Hafada durch den Hodensack unterhalb des Penis, und das Pubic horizontal durch den Penisansatz.

Das „Prinz-Albert“ ist bei Männern besonders beliebt. Bis zum Ausheilen der Wunde vergehen bis zu vier Monate, allerdings verläuft die Heilung meist ohne Komplikationen. Noch verbreiteter ist das Frenulum-Piercing, also ein Ring durch das Bändchen der Penisvorhaut. Das Stechen ist nicht schmerzhafter als ein Ohrring, und die Wunde verheilt oft in wenigen Tagen.

Wesentlich mehr Schmerzen verursacht ein Piercing durch die Eichel. Das Ampallang verläuft horizontal, das Apadravya vertikal durch die Eichel. Die Länge und Tiefe des Stichkanals führt zu einer verlängerten Heilung, die Stichstelle ist einem ständigen Druck ausgesetzt, und Infektionen sind bei unzureichender Pflege möglich.

Ein Piercing im Intimbereich kann auch starke Schmerzen verursachen. (Bild: catinsyrup/fotolia.com)

Ampallang und Apadravya sind Begriffe von Indigenen der Insel Borneo, wo diese speziellen Piercings ihren Ursprung haben, nämlich bei den Dayak, Kayan und Iban. Hier gelten Männer erst mit dem Durchbohren des Penis als Männer; es handelt sich also um einen Initiationsritus. Zugleich war es Ausdruck des Status: Häuptlinge und ausgezeichnete Krieger durften zusätzlich einen Ring aus den Schuppen des Schuppentiers um den Penis tragen oder ihren Penis ein zweites Mal durchstechen. Ampallang, Burah palang oder Palang bezeichnet in Borneo nicht die spezifische Ausrichtung.

Penis-Piercing im Kamasutra

„Der Palang“ findet sich bereits im Kamasutra und soll dort der Luststeigerung dienen. Hier wird beschrieben, dass unter den Völkern des Südens (Indiens) die Überzeugung vorherrsche, dass echte sexuelle Lust nur empfunden werden könne, wenn der Penis mit einem Apadravya durchstochen wurde. Hierfür sollte laut dem Kamasutra ein spitzer Gegenstand verwendet werden, zudem wurde dem Mann angeraten, sich so lange im Wasser aufzuhalten, bis die Blutung aufhört. Abends sollte der Gepiercte zum Zwecke der Wundreinigung Geschlechtsverkehr praktizieren, anschließend die Wunde mit einem speziellen Absud pflegen und ein Stück Bambus in die Öffnung einbringen. Diese wurde schließlich gedehnt, indem das Holzstück nach und nach vergrößert wurde.

Ein solches Piercing gehört absolut in professionelle Hände. Der Piercer muss einen Freiraum berücksichtigen, damit die Erektion keine Schmerzen auslöst, tut er dies nicht, bedeutet Sex mit diesem Schmuck keine Luststeigerung, sondern unerträgliches Leid und dauerhafte Entzündungen.

Der typische Schmuck ist ein Barbel mit zwei Millimeter Durchmesser, Ringe sind nicht zu empfehlen, da hier durch den Reiz Entzündungen wahrscheinlich werden.

Verheilt dieses Piercing problemlos, gilt es als stark lustfördernd: Es stimuliert die sensitive Harnröhre.

Worauf müssen Männer achten?

Auch mit einem korrekt gestochenen Piercing durch die Harnröhre müssen Männer erst einmal lernen umzugehen. Einer, der einen Ring trug, berichtete, dass er in den ersten Wochen danach „um den Ring herum“ und auf den Boden gepinkelt hätte, und auch bei der Ejakulation sich Sperma im Ring verfing.

Durchführung von Genitalpiercings

Piercings im Genitalbereich sollten unbedingt Profis durchführen. Hier verlaufen viele Nervenstränge, und die Gefahr ist groß, diese zu verletzen.

Nach dem Stechen und in der Phase des Abheilens sollten Sie sich immer die Hände waschen, bevor Sie ihre Genitalien anfassen. Benutzen Sie frische Handtücher. Um die Wundheilung zu beschleunigen, empfiehlt sich lauwarmer Kamillentee.

Komplikationen können entstehen, weil sich die gestochene Stelle entzündet. Gehen Sie bitte dann umgehend zu einem Arzt. Es kann zu einer Blutvergiftung kommen, außerdem zu Lähmungen oder Desensibilisierungen. Schmuck im Intimbereich kann in Unterhose, Gürtel oder Reißverschluss hängen bleiben und heraus reißen. Gerade bei Eichel- oder Genitalpiercings löst das immense Schmerzen aus.

Beim „Prinz-Albert“ muss der Piercer darauf achten, nicht die Harnröhre zu spalten. Um dies zu verhindern, eignen sich Ringe bzw. Stäbe ab 1,6 mm.

Genitalpiercings verbreiteten sich bei Frauen erst im Zuge des Trends zur Intimrasur. (Bild: PhotographyByMK/fotolia.com)

Intimpiercings für Frauen

Die Psychologin Dr. Ada Borkenhagen schreibt im FORUM Sexualaufklärung und Familienplanung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), dass sich Intimpiercings erst im Zuge des Trends zur teilweisen bzw. vollständigen Intimrasur als Breitenmode durchsetzen konnte. In den vergangenen Jahren habe sich in die Haut eingebrachter Schmuck im Genitalbereich gerade bei jungen Frauen zu einer „immer beliebteren Körpermodifikation“ entwickelt, so die Expertin.

Circa zwei Dutzend unterschiedliche Piercings rund um die weiblichen Genitalien existieren. Die gebräuchlichsten sind: Christina, Schamlippen, Fourchette, Klitoris, Isabella, Nefertiti und Prinzessin Albertina.

Das Fourchette liegt dort, wo die kleinen Schamlippen in der Nähe des Anus aufeinander treffen; ein Klitoris-Piercing gehört in professionelle Hände, da hier schnell Nerven beschädigt werden; das Nefertiti-Piercing führt durch die Vorhaut der Klitoris und den Venushügel. Die Variante „Prinzessin-Albertina“ führt von der Harnröhrenöffnung zum Ausgang der Vagina; das Triangle läuft unter der Klitoris und von dort horizontal durch deren Vorhaut.

Klitoris- und Schamlippenpiercing

Die verbreitetsten Intimpiercings bei Frauen sitzen an der Klitorisvorhaut und den Schamlippen. Vertikal sollen sie an der Klitorisvorhaut sexuell stimulieren, da sie hier direkt auf der Klitoris liegen. Ein Klitorispiercing durchsticht hingegen direkt die Klitoris.

Schmuckstücke an den äußeren und inneren Schamlippen dienen in höherem Ausmaß der Optik. Das Christina-Piercing läuft zum Beispiel von der Schnittstelle der äußeren Schamlippen zum Venushügel.

Für ein Piercing im Intimbereich sind unzählige Schmuckstücke erhältlich. (Bild: chones/fotolia.com)

Pflege bei Frauen

Frauen sollten der Pflege ihrer Intimpiercings noch mehr Aufmerksamkeit widmen als Männer. Das warmfeuchte Scheidenmilieu ist für Infektionen besonders empfänglich, und der Stichkanal eines Piercings ist erst einmal eine offene Wunde, in die sich Keime einnisten können.

Klares Wasser und Salbeitee

Nutzen Sie statt Desinfektionssprays klares Wasser. Die Scheidenflora enthält zahlreiche desinfizierende und antibiotische Stoffe; Desinfektionssprays können diese zerstören. Unproblematisch sind lauwarme Kamille- und Salbeitees. Tupfen Sie diese mit einem Wattebausch auf die Piercingstelle.

Erotischer Gewinn?

Auch wenn sexueller Lustgewinn der Grund für das Piercing ist. Warten Sie bei jedem Intimpiercing mindestens einen Monat, bevor sie loslegen, bei tiefen und schwer heilenden Piercings bis zu vier Monaten. Wie jeder andere äußere Druck reizt Geschlechtsverkehr die Wunde.

Frauen mit Klitorispiercings berichten, dass sie mit dem Piercings schneller und häufiger zum Orgasmus kamen als vorher, sowohl bei der „Missionarsstellung“ wie beim Oralsex. Einige sagen sogar, dass das Piercing sämtliche Gefühle im Genitalbereich verstärkt hätte. (Dr. Utz Anhalt)

Quellen
http://www.bjmp.org/files/2010-3-2/bjmp-2010-3-2-315.pdf
https://www.forum.sexualaufklaerung.de/index.php?docid=1425
Elayne Angel: The Piercing Bible. The Definitive Guide to Safe Body Piercing. 2011.
Erich Kasten: Body-Modification. Psychologische und medizinische Aspekte von Piercing, Tattoo, Selbstverletzung und anderen Körperveränderungen. 2006