Knoblauch – Wirkung, Anwendung und eigener Anbau

Dr. Utz Anhalt

Wunderknolle Knoblauch enthält viele wichtige Nährstoffe

Knoblauchknollen kennen wir aus jedem Supermarkt. Die Pflanze selbst wächst bis zu 90 cm hoch, die Laubblätter färben sich blaugrün. Um eine Hauptzehe bilden sich bis zu 20 Nebenzehen. Sie schmecken scharf, und aus der Hauptzehe in der Mitte wächst ein runder Stängel. Auf diesem sitzt ein Blütenstand, aus dem sich bis zwanzig Brutzwiebeln entwickeln. Knoblauch blüht weiß bis rosa.


Herkunft

Der wilde Knoblauch ist heute ausgestorben. Sein Ursprung liegt in Westasien – von Zentralasien bis zum Norden des Iran. Die Lauchart wurde aber bereits in der Antike in der alten Welt kultiviert. Die alten Ägypter nutzten sie als Mittel gegen Läuse und Darminfektionen – die Arbeiter an den Pyramiden aßen täglich Knoblauch und streikten, wenn sie keinen bekamen. Die antiken Juden lobten ihn ebenfalls als Arznei gegen Darmparasiten, als Potenzmittel und zur Schärfung des Geistes.

Schon die alten Ägypter nutzten Knoblauch als Heilpflanze gegen Läuse und Darmerkrankungen. (Bild: mates/fotolia.com)

Mittel gegen alles

Im Mittelalter galt es als Allroundmittel: Knoblauch war Medizin gegen Haarausfall, Schlangen und Hundebisse, Zahnschmerzen, Lungenbeschwerden, Hautausschlag oder Menstruationsprobleme. Bei vielen dieser Leiden wirkte die Knolle real, nicht jedoch bei der Pest, und auch gegen die setzten die Hilflosen sie ein.

Im heutigen Deutschland verbreiteten die Römer die Pflanze, und in christlicher Zeit kultivierten Mönche und Nonnen sie in Klostergärten. Karl der Große kannte den Knoblauch als Kulturpflanze.

Seine entgiftende Wirkung dehnten die religiösen Menschen auch auf eingebildete Bedrohungen aus. Er sollte Dämonen, Geister und lebende Tote abwehren. Er sollte vor Schadenszaubern schützen und den Bösen Blick abwehren.

Umgekehrt galten aber diese bösen Geister als Ursache von realen Infektionen, gegen welche die Lauchart tatsächlich half. Vampire mit der Knolle fernzuhalten, war dann sinnvoll, wenn diese Vampire als Krankheitsbringer galten, die der Knoblauch tatsächlich aufhielt.

Knoblauch in der Küche

Der Siegeszug der würzigen Pflanze lag zum einen an seiner Heilwirkung, zum anderen würzt er Speisen ausgezeichnet. Die Mittelmeerküche, und die Kochkunst Westasiens ist ohne die stark würzende Lauchart undenkbar. Das türkische Cacik, das griechische Tzatziki, die spanische Aioli oder Auberginenpüree im Iran basiert auf Knoblauch.

Für Menschen, die ihn selbst essen, ist der Geruch kein Problem. Menschen aus Kulturen, die keinen Knoblauch verwenden, empfinden den Geruch jedoch als unangenehm. Er baut schwefelhaltige Stoffe ab, und die Konsumenten geben diese über die Atemluft und die Poren ab.

Knoblauchsprossen schmecken mild und sind in spanischen Rezepten verbreitet.

Eine leckere Aioli lässt sich schnell mit Knoblauch, Eigelb, Öl und Gewürzen selbst zubereiten. (Bild: chandlervid85/fotolia.com)

Knoblauch selbst anbauen

Knoblauch selbst anzubauen, ist einfach. Sie müssen dazu nur frische Knoblauchzehen im Herbst oder im Frühling in die Erde stecken. Im Frühjahr wachsende Knollen bleiben jedoch kleiner. Das Liliengewächs ist winterhart, mag es sonnig und nicht zu feucht. Es verträgt keine Staunässe, weil dann die Wurzeln verfaulen. Sie stecken die Zehen im Abstand von circa 20 cm in 4 cm Tiefe. Die Pflanze mag nährstoffreichen Boden und eine Extralage Kompost sorgt für kräftige Knollen.

Abwehr von Schädlingen

Das Liliengewächs ist immun gegen die meisten Schädlinge. Läuse, Fliegen und Spinnen, die andere Pflanzen heimsuchen, ist bei ihm kein Problem. Im Gegenteil: Sie schützen sogar die Nachbarpflanzen, wenn sie diese in einem Wall aus Knoblauch ansiedeln, zum Beispiel Rosen, Karotten, Gurken oder Erdbeeren.

Lauchmotten, die auf Zwiebelgewächse spezialisiert sind, gehen indessen auch auf Knoblauch, und Pilze befallen die Pflanze ebenfalls. Dagegen hilft lockere Erde und niedrige Luftfeuchtigkeit.

Ernte und Vermehrung

Wir ernten die Knollen im Frühsommer (beim Stecken im Herbst) oder im Spätsommer (beim Stecken im Frühling). Wir ernten, bevor sich die Blüten bilden. Schneiden wir die Blütenstände, ernten wir dicke Knollen.

Das Laub färbt sich im Juli braun, beim Stecken im Frühling später. Wir ernten, wenn nur noch wenig Laub grün ist. Auch das grüne Laub lässt sich essen, schneiden wir es frühzeitig, bleiben die Knollen jedoch kleiner.

Um die Pflanze zu vermehren, lassen wir die Blüten wachsen. Sie bildet außer den Blüten dann kleine Knollen aus, die wir pflanzen können. Die Stängel lassen sich abschneiden und wie Lauchzwiebeln verzehren. Wir können Knoblauch in Blumenkästen auf dem Balkon ziehen. Mit einer Schicht Blähton, Steinen oder Kompost am Boden verhindern wir Staunässe und Schimmel.

Für den eigenen Anbau müssen nur frische Knoblauchzehen in die Erde gesteckt werden. (Bild: encierro/fotolia.com)

Blutfett, Arteriosklerose und Darmkrebs

Knoblauch riecht. Genau gesagt, die Abbauprodukte des Alliins riechen. Dieses wird beim Schneiden in Allicin verwandelt. Der Stoff selbst riecht nicht. Doch schneiden oder pressen wir die Zehen, verbindet sich Alliin mit Enzymen, es bilden sich Allicin und andere Stoffe. Allcin ist die Grundlage für weitere Schwefelverbindungen, die beim Erhitzen entstehen, zum Beispiel für Diallyldisulfid, Diallythiosulfonat und Ajoen. Letzteres wirkt Thrombosen entgegen.

Die chemischen Stoffe in der Knolle senken die Blutfettwerte und helfen damit gegen Arteriosklerose. Wahrscheinlich lindert Knoblauch auch Darmkrebs.

Knoblauch ist natürliches Antibiotikum

Er wirkt gegen Bakterien wie Pilze und hemmt Virusinfektionen. Allicin ist, dem heutigen Stand der Forschung zufolge, ein natürliches Breitband-Antibiotikum. Es könnte ein Schlüssel zum Bekämpfen resistenter Bakterien sein. Denn die Enzyme, die dieses bilden, sind auch für die Bakterien notwendig. Deswegen entwickeln diese mutmaßlich keine Resistenzen gegen Stoffe, die sie selbst benötigen.

Heilpflanze gegen Gefäßerkrankungen

Knoblauch wirkt gegen Gefäßerkrankungen, vermutlich, weil er Enzyme blockiert, die an der Synthese von Cholesterin mitmischen. Allicin reagiert mit Sulfhydrylen und lässt sich dem Anschein nach gegen die Produktion von Cholesterin einsetzen, welches die Arterien verstopft.

Die Pflanze enthält zudem ätherische Öle, Flavonoide, Vitamine und Mineralien, darunter Vitamin C und Vitamin K, Eisen und Kalzium. Hier ist sie indessen kein Wundermittel: Die Konzentration an Vitamin C ist so gering, dass wir circa 800 g Knoblauch pro Tag essen müssten, um auf unseren Level zu kommen.

Knoblauchgeruch vermeiden

Den Geruch von Knoblauch empfinden manche Menschen als störend. Dies liegt am Schwefel im Allicn. Pfefferminzkaugummis oder Zahnpasta helfen gegen diesen Geruch wenig. Das beste Mittel ist Milch: Sie neutralisiert die Schwefelverbindungen um 50 %. Auch Chlorophyll, der Stoff, der Pflanzen grün färbt, wirkt dem Geruch entgegen.

Um den Knoblauchgeruch abzumildern, eignen sich zum Beispiel Pfefferminzkaugummis und Milch. (Bild: kei907/fotolia.com)

Deswegen ist der grüne Verwandte, der Bärlauch, eine Alternative, und deshalb verwendet die Küche des Nahen Ostens Knoblauch oft gemeinsam mit Petersilie. Ingwer dämmt den Geruch ebenfalls ein. Völlig vermeiden lässt sich der Geruch jedoch nicht, denn wir verströmen ihn nicht nur aus dem Mund, sondern geben ihn auch über die Haut ab.

Knoblauchöl und Knoblauchessenz

Knoblauchöl hilft gegen Muskelschmerzen und Gelenkentzündungen. Dazu massieren wir es an der entsprechenden Stelle ein. Knoblauchessenz wirkt ebenfalls gegen Entzündungen. Dazu sollten wir den „Saft“ nicht kochen, da die verantwortlichen Proteine durch erhitzen verschwinden.

Hausmittel gegen Fußpilz

Die Ajoen-Mikroben in der Knolle bekämpfen Pilzbefall. Sie können zum Beispiel einen Fußpilz mit rohem aufgeschnittenen Knoblauch einreiben oder betroffene Stellen in einem Umschlag einwickeln, in den sie rohe Zehen pressen.

Knoblauch und das Immunsystem

Roher Knoblauch beugt grippalen Infekten wie Erkältungen vor, besonders, wenn Sie ihn regelmäßig essen. Er hilft aber nicht gegen einen bereits ausgebrochenen grippalen Infekt.

Campylobacter-Bakterien und Darmerkrankungen bekämpft das in der Pflanze enthaltene Diallylsulfid hingegen effizient auch nach dem Ausbruch.

Hilfe bei hohem Blutdruck

Schuld an hohen Blutdruck sind oft Blutgerinnsel. Knoblauch verhindert, dass die Thormbozyten im Blut aneinander kleben. Passiert dies, dann bilden sich die Gerinnsel, und diese lösen nicht nur Bluthochdruck aus, sondern Schlaganfälle und Herzinfarkte. Neben den Allicin senkt auch das enthaltene Selen den Blutdruck.

Knoblauch zum Abnehmen

Die Pflanze senkt den Spiegel des Blutzuckers, dadurch wird weniger Nahrung zu Fett umgewandelt. Dazu kurbelt Knoblauch noch die Verdauung an. Der Körper setzt also nicht nur weniger Fett an, er verbrennt zugleich vorhandenes Fett.

Um die Diät „sozial verträglich zu halten“, können Sie ihn mit Ingwer, Petersilie und Milch kombinieren. Ein Frühstück mit Knoblauch, Ingwer und Zitrone ist arm an Kalorien, aber überreich an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen.

Petersilie mindert den strengen Geruch nach dem Verzehr von Knoblauch ab. (Bild: elena_hramowa/fotolia.com)

Unverträglichkeit

Wenige Menschen vertragen keinen Knoblauch. Die Ursache ist nicht belegt, wahrscheinlich überfordert das Gewächs die Verdauung und reizt so Menschen mit einem empfindlichen Magen-Darm-Trakt. Auch frei gesetzter Schwefel könnte diese Reaktionen auslösen. Ist der Magen-Darm-Trakt bereits angegriffen, erhöht sich das Risiko, die Lauchart nicht zu vertragen. Eine Schilddrüsenüberfunktion fördert diese Unverträglichkeit ebenfalls, da die Pflanze die Schilddrüse zusätzlich stimuliert.

Eine Knoblauch-Unverträglichkeit äußert sich in schmerzhaften Blähungen, Magen- und Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall. Kommt es zu Juckreiz, Atembeschwerden und/oder Hautausschlag, liegt aber keine Unverträglichkeit vor, sondern eine Knoblauchallergie.

Leiden Sie nach dem Genuss der würzigen Knolle an diesen Symptomen, dann klärt ein Arzt, ob es sich um eine Unverträglichkeit oder Allergie handelt.

Ernährungstagebuch

Unverträglichkeit ist nicht gleich Unverträglichkeit. Bei einem treten die Symptome nur in Kombination mit anderen Lebensmitteln auf, bei einem anderen nur bei frischem Knoblauch. Wieder andere reagieren auf verschiedene schwer verdauliche Speisen, darunter auch die Lauchart.

Führen Sie ein Ernährungstagebuch. Das beantwortet Fragen wie „folgen die Symptome, wenn ich große Mengen Knoblauch verzehre oder auch bei geringen Dosen?“, „reagiere ich, wenn er gepresst wurde oder auch auf ganze Zehen?“ Sie sollten die Mengen, die Art der Zubereitung und sämtliche Zutaten notieren.

Behandlung

Am ehesten hilft es, keinen Knoblauch zu essen. Oft müssen Menschen mit Unverträglichkeit aber nicht völlig auf den Lauch verzichten. Viele Menschen können ihn nur zeitweise nicht vetragen.

Ursache für eine temporäre Unverträglichkeit sind zum Beispiel ein geschwächter Magen-Darm-Trakt nach einer Grippe oder eine Magenschleimhautentzündung. Mit einem Ernährungstagebuch erkennen Sie, ob es Zubereitungen gibt, die für Sie harmlos sind. Dafür sollten Sie aber anfangs komplett auf die Pflanze verzichten, und sich dann Stück für Stück an diese in verschiedenen Formen herantasten – alt, jung, ganz, in Stücken, in Produkten verarbeitet, als Pulver, Dragee oder roh, erhitzt, gebraten, gebacken etc.

Eine Unverträglichkeit kann zu unangenehmen Bauchschmerzen führen. (andriano_cz/fotolia.com)

Knoblauch und Knoblauchprodukte – Fakten

  • Nahrungsergänzungsmittel mit Knoblauch sind keine Arzneimittel und damit nicht standardisiert.
  • Enthalten die Nahrungsergänzungsmittel hohe Dosen der Lauchart, kann dies zu Magen-Darm-Problemen führen.
  • Hohe Konzentrationen der in der Knolle enthaltenen Stoffe lösen potenziell Wechselwirkungen mit Blutdrucksenkern und Gerinnungshemmern aus. Sie können deren Wirkung verstärken. Weitere Wechselwirkungen entstehen mit Vitamin-K-Antagonisten, Saquinavir und Antikoagulantien. Sprechen Sie mit ihrem Arzt. Verzichten Sie vor und nach Operationen auf Produkte mit Knoblauch.
  • Die Lauchart kann allergische Reaktionen auslösen, zum Beispiel Hautreizung und Asthma, besonders bei einer Pollenallergie.
  • Kinder reagieren stärker auf die Inhaltsstoffe und sollten deshalb keine Nahrungsergänzungsmittel mit Knoblauch zu sich nehmen.
  • „Knoblauchpillen“ etc. ohne Geruch sind zwar „sozial verträglich“, aber sinnlos, da ihnen der Hauptwirkstoff Allicin fehlt.
  • Um die Gesundheit zu fördern, sollten wir nicht selten große Mengen des Lauchs verschlingen, sondern täglich eine Dosis von circa 4 Gramm.

(Dr. Utz Anhalt)

Quellen
https://arzneipflanzen.fnr.de/arzneipflanzen/knoblauch/
http://www.bluthochdruck-hilfe.net/knoblauch-bluthochdruck.html
http://www.heilkraeuter.de/lexikon/knoblauch.htm
https://www.lykon.de/magazin/ernaehrung/unvertraeglichkeiten/knoblauchunvertraeglichkeit
http://www.spektrum.de/news/gute-nachrichten-fuer-knoblauch-fans/340008
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/knoblauch-ist-nicht-gleich-knoblauch-8559