Mönchspfeffer – Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen

Dr. Utz Anhalt
Mönchspfeffer gehört zu den Eisenkrautgewächsen und kommt ursprünglich aus dem mediterranen Raum und Vorderasien. Sein lateinischer Name agnus castus bedeutet „keusches Lamm“. Der Strauch kann fünf Meter Höhe erreichen. Die einzelnen Stängel sind vierkantig; die Blätter haben die Form von Lanzetten, sind oben schwarzgrün und auf der Unterseite mit weißem Flaum bedeckt. Mönchspfeffer blüht in blau, rosa und violett von Juni bis September, er bildet braunschwarze Steinfrüchte aus.

Mönchspfeffer im Mittelalter

Im Mittelalter sollte Mönchspfeffer die sexuelle Begierde dämmen, darum aßen Mönche und Nonnen angeblich die Früchte. Nahe liegender ist aber, dass auch die Geistlichen die Früchte vor allem als Gewürz nutzten. Die Steinfrüchte schmecken scharf und boten einen guten Ersatz für echten Pfeffer. Der kam aus dem Orient und war im Mittelalter exorbitant teuer. Mönchspfeffer hingegen wuchs zwar ursprünglich an den Küsten des Mittelmeeres, verbreitete sich jedoch ohne Probleme in den Klöstergärten Mitteleuropas.

Im Mittelalter boten die getrockneten, reifen Früchte des Mönchspfeffers einen guten Ersatz für echten Pfeffer. (Bild: womue/fotolia.com)

Symbol für Keuschheit und Enthaltsamkeit

Bereits in der griechischen Mythologie stand die Pflanze indessen für die Keuschheit. So sollte die Göttin Hera unter einem solchen Strauch zur Welt gekommen sein, hatte jedes Jahr unter einem solchen Baum Sex mit Göttervater Zeus und wurde durch ein Bad wieder zur Jungfrau. Griechinnen säuberten sich mit den Blättern des Mönchspfeffers die Geschlechtsorgane.

Bei den Tonaiafeiern umwickelten die Gläubigen ein Bild der Hera mit Zweigen eines Mönchspfeffers, der im Heraion auf Samos stand. In Greichenland war der Mönchspfeffer ein Symbol ehelicher Keuschheit, im Mittelalter der sexuellen Enthaltsamkeit der Mönche.

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In der frühen Neuzeit ist er als Pflanze, um die Wolllust zu zähmen, erwähnt. So schrieb Franz von Sales (1567-1622): „Wer sich auf das Kraut Agnus castus bettet, wird selbst keusch und schamhaft. So wird auch dein Herz von jeder Makel und böser Lust gereinigt, wenn es im Heiland ruht, dem wahrhaft reinen und makellosen Lamm.“

Matthiolus gab 1626 konkrete Hinweise, um die Pflanze anzuwenden: „Er nimmt die Begierde zum Venushandel und solches tut nicht allein der Samen, sondern auch die Blätter und Blumen, nicht aber nur so man sie esset, sondern auch wenn man sie im Bett verstreut.“

Der Begriff Mönchspfeffer bezieht sich darauf, dass Mönche die Früchte des Strauches wie Pfeffer verwendeten, der volkstümliche Begriff Keuschlamm verbindet das „unschuldige Lamm“ als Symbol für Jesus Christus, der sich wie ein „unschuldiges Lamm“ geopfert haben soll, mit dem christlichen Ideal der sexuellen Enthaltsamkeit.

Medizinisch wirksame Stoffe

Es handelt sich nicht um reinen Aberglauben. Der Mönchspfeffer enthält medizinisch wirksame Stoffe. So befindet sich in den Früchten ätherisches Öl, außerdem Iridoidglykoside, Diterpene, Flavonoide und Gerbstoffe.

Mönchspfeffer fördert die Durchblutung. Das liegt an Cumarinen und Flavonoiden. Damit hilft er bei Erkrankungen der Gelenke, sowie bei rheumatischen Beschwerden. Durch den hohen Anteil an Bitterstoffen wird die Produktion des Gallensaftes angekurbelt, sie stärken die Verdauung.

Mönchspfeffer enthält viele wichtige Wirkstoffe wie z.B. Flavonoide und ätherisches Öl. (Bild: tunedin/fotolia.com)

Verwendung in der Volksmedizin

In der Volksmedizin gilt Mönchspfeffer traditionell als Heilpflanze, um Unregelmäßigkeiten der Periode und Probleme beim Menstruieren zu behandeln, außerdem hilft er gegen Spannungsschmerzen in den Brüsten.

Die Pflanze wurde eingesetzt gegen (!) Impotenz, und um die Milchproduktion der Mütter zu steigern. Während Frauen sie vielerorts einsetzen, um ungewünschte Kinder zu verhindern, diente sie andernorts dazu, die Fruchtbarkeit zu steigern. Weder das eine noch das andere wurde in wissenschaftlichen Studien belegt.

Wissenschaftliche Studien zu Mönchspfeffer

Wissenschaftlich belegt ist folgendes: Die Früchte des Mönchspfeffers können den weiblichen Hormonspiegel ausgleichen. Sie führen dazu, dass weniger Prolaktin freigesetzt wird, ein Hormon, dass nicht nur die Milchbildung in der Brust fördert, sondern im Übermaß auch Schmerzen in der Brust verursacht oder mitschuldig ist, wenn die Periode unregelmäßig kommt.

Die Kommission E (Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte) und ESCOP (Europäischer Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie) halten Mönchspfeffer für hilfreich bei: Störungen der Periode, dem prämenstruellen Syndrom und Regelschmerzen.

Mönchspfeffer gilt als bewährtes Naturheilmittel bei Menstruationsbeschwerden. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)

Risiken und Nebenwirkungen von Mönchspfeffer

Mönchspfeffer verursacht gewöhnlich wenig Probleme. Selten tritt aber ein Juckreiz auf der Haut auf, verbunden mit Entzündungen. Auch Übelkeit und Durchfall können vorkommen. Da Mönchspfeffer die Hormone beeinflusst, sollten Schwangere und Stillende auf keinen Fall Arzneien zu sich nehmen, die Mönchspfeffer enthalten.

Greifen Sie nicht auf eigene Faust zu Mönchspfeffer, wenn Sie während der Pubertät Schmerzen in den Brüsten empfinden oder erstmalig Probleme rund um die Menstruation haben. Hier sollten Sie zuerst den Frauenarzt / die Frauenärztin ihres Vertrauens um Rat fragen.

Wegen dem Einfluss auf die Hormone dürfen folgende Menschen keinen Mönchspfeffer verwenden: Patienten, die unter Erkrankungen leiden, die mit dem Hormonhaushalt zusammen hängen. Dazu zählen Menschen, die an Krebs in Gebärmutter, Eierstöcken oder den Brüsten leiden.

Wechselwirkungen

Mönchspfeffer kann zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten führen. Dazu zählen bestimmte Neuroleptika und Medizin gegen Übelkeit. Hier sollte der entsprechende Arzt einschätzen, ob und welche Wechselwirkungen entstehen könnten. Wechselwirkungen gibt es auch mit Ritalin und Dopamin-Wiederaufnahme-Hemmern.

Mönchspfeffer als Medizin sollten sie nur einnehmen, wenn ein Arzt die Ursachen geklärt hat. Beschwerden während der Periode oder Spannungsschmerz in der Brust muss nicht notwendig etwas mit Hormonen zu tun haben.

Ein Vielzahl von Mitteln

Falls Sie keinen eigenen Mönchspfefferbusch haben, können Sie auf eine Vielzahl von Präparaten zurück greifen. Sie erhalten in Apotheken Mönchspfeffer als Dragees, Kapseln, Tinkturen oder Trockenextrakte. Auch in Tees und Teemischungen findet er sich.

Weit verbreitet sind Tees mit anderen gynäkologischen Pflanzen, zum Beispiel Schafgarbe oder Frauenmantel.

Mönchspfeffer im Naturgarten

Mönchspfeffer ist neben seiner medizinischen Anwendung auch eine ausgezeichnete Pflanze für den Naturgarten. Die zahlreichen Blüten sehen nicht nur gut aus, sondern bieten auch von Mai bis September eine hervorragende Weide für Bienen und Hummeln.

Durch die lange Blühzeit und die auffällig geformten Blätter eignet sich Mönchspfeffer als Zierstrauch, kann also einzeln im Zentrum des Gartens stehen. Er bietet sich aber auch als Heckenpflanze an, lässt sich einfach zurückschneiden und bietet so ein Versteck für Vögel, die er im Herbst zusätzlich mit Früchten versorgt.

Durch die lange Blühzeit ist die Heilpflanze auch als Zierstrauch im eigenen Garten sehr gut geeignet. (Bild: ElenaMirage/fotolia.com)

Früchte selbst ernten

Bevor Sie Mönchspfeffer einsetzen, um gynäkologische Beschwerden zu mindern, setzen Sie sich bitte mit einem Arzt auseinander. Dann können Sie die Früchte ohne weiteres selbst ernten. Das ist denkbar einfach: Sie sammeln die beerenartigen Steinfrüchte im September und Oktober. Entweder nutzen Sie diese frisch, zum Beispiel in würzigen Saucen, als Zutat zu vegetarischen Gerichten oder in Tees, oder Sie trocknen die „Beeren“ und haben so länger etwas davon.

Zum Trocknen suchen Sie einen Raum mit niedriger Luftfeuchtigkeit und Heizung. Sie entfernen die Kerne und legen das Fruchtfleisch auf Geschirrhandtüchern oder einen sauberen Oberfläche aus. Je nach Temperatur dauert es einige Tage bis einige Wochen, bis der Mönchspfeffer vollständig getrocknet sind.

Die getrockneten Früchte können sie in Gläser füllen oder mit anderen getrockneten Pflanzenteilen zu einem Tee mischen. Falls Sie Frauenmantel oder Schafgarbe im Garten haben, ergibt das eine Teemischung für Mentruationsprobleme; ist ihnen die Förderung der Durchblutung wichtiger, können Sie Brombeer- und Himbeerblätter hinzufügen, aber auch Chillies oder Ingwer.

Der pfeffrige Geschmack der Früchte verleiht einem Tee einen ungewöhnlichen Geschmack. Falls dieser ihnen aber zu scharf ist, können Sie mit Minzblättern oder Fenchel eine süßliche Note hinzufügen. (Dr. Utz Anhalt)

Quellen:
http://www.arzneipflanzenlexikon.info/moenchspfeffer.php
http://www.baumkunde.de/Vitex_agnus-castus/
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/1998/daz-51-1998/uid-4416
http://www.evimed.ch/journal-club/artikel/detail/behandlung-des-praemenstruellen-syndroms-mit-moenchspfeffer-vitex-agnus-castus/
http://www.moenchspfeffer.de/praeparate/
http://www.katzenminze24.de/moenchspfeffer/