Rosenöl – Anwendung und Wirkung

Dr. Utz Anhalt
Die Rose gilt nicht nur als Königin der Blumen – ihr Öl pflegte auch die Körper der Königinnen, und nur sehr wenige konnten es sich leisten. Ein Liter Rosenöl kommt aus 5000 Kilogramm Rosenblättern – ein einzelner Pflücker bringt davon höchstens 50 Kilogramm pro Tag zusammen. Im Mittelalter Europas diente Rosenwasser dazu, die Hände vor dem Essen zu reinigen, und Ärzte rund um die Welt nutzten es, um die Organe zu stärken und das Herz zu schützen. Rosenöl war ein äußerst wertvolles Parfüm. In Persien galt die Rose als Symbol für Schönheit, ebenso in Griechenland, Rom und dem Europa der Neuzeit.


Die Geschichte der Rose

Die Chinesen züchteten Rosen nachweislich schon vor rund 4700 Jahren und pflegten sie in extra angelegten Gärten. In Ägypten sind sie aus der Zeit von Ramses II überliefert, also 1200 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Aus Ägypten gelangte sie nach Griechenland, Rom und später nach Mitteleuropa, während die Perser vermutlich unabhängig Rosen kultivierten.

Die Rose ist nicht nur eine wunderschöne Pflanze, ihr Öl wird seit Jahrtausenden auch zu medizinischen Zwecken eingesetzt, zum Beispiel bei Krämpfen oder äußerlich zur Hautpflege. (Bild: Christine/fotolia.com)

Die Wirkung des Rosenöls

Rosenöl wird seit Jahrtausenden zu unterschiedlichsten Zwecken eingesetzt: Um Krämpfe zu lösen, Depressionen zu lindern, Entzündungen zu bekämpfen, das Haar zu stärken, die Haut zu straffen, Schmerzen bei der Periode zu lindern oder gegen Bauch- und Kopfschmerzen.

Inhaltsstoffe

Ätherisches Rosenöl quillt geradezu über vor heilenden Substanzen. Die wichtigsten sind die Terpenalkohole Geraniol und Citronellol. Beide wirken gegen Mikroorganismen. In der Pflanze dienen sie vermutlich dazu, schädliche Mikroben abzuwehren, Menschen nutzen sie für die Hautpflege. Beide Stoffe sind absolut verträglich. Weitere Stoffe sind Famesol, Nerol, Ethanol, Linalool, Eugenol, Citral, Phenyläthylalkohol, Carvon, Eugenolmethyleter, Aldehyde, Apfel- und Bernsteinsäure. Citronellol, Geraniol, Phenylalkohol und Linalool lassen sich auch anderweitig zusammen mischen, und deshalb gibt es auch synthetisches Rosenöl. Dieses ist viel günstiger, reicht aber von der Wirkung und dem Geruch bei weitem nicht an echtes Rosenöl heran, denn mehrere hundert Duft- und Wirkstoffe fehlen.

Medizinische Anwendungen

Rosenöl beruhigt die Psyche, dient aber auch als Mittel gegen diverse andere Krankheiten, nämlich:

  • Allergische Reaktionen
  • Depressionen, besonders nach der Kindsgeburt
  • Müdigkeit und Abgespanntheit
  • Fieber
  • Menstruationsprobleme
  • Zahnfleischentzündungen
  • Kopfschmerzen
  • Mangelnde Potenz bei Männern
  • Herpes
  • Nervosität
  • Darmträgheit
  • Herzrasen
  • Muskelverspannungen und Krämpfe

Aber passen Sie auf: Rosenöl ist exorbitant teuer. Wenn ihnen ein beliebiges Kopfschmerzmittel ausreicht, sind sie mit Aspirin oder Paracetamol wesentlich günstiger bedient.

Rosenöl dient als Mittel gegen diverse Krankheiten, von allergischen Reaktionen bis hin zu Kopfschmerzen. Allerdings ist es äußerst teuer und die regelmäßige Anwendung daher möglicherweise nicht für jede/n bezahlbar. (Bild: Antonioguillem/fotolia.com)

Äußerliche Anwendungen

Äußerlich aufgetragen dient Rosenöl der Babypflege, gegen Schmerzen beim Geburtsprozess, gegen Schwangerschaftsstreifen (weil es die Haut glättet), bei Verdauungsproblemen (als kalter Wickel), zur Hautpflege im Gesicht und am Körper.

Innere Anwendungen

Um Rosenöl innerlich anzuwenden, geben Sie zwei Tropfen davon in eine Tasse Tee. Behandeln können Sie damit entzündete Bronchien, Erkrankungen des Uterus, Infektionen der Scheide, Kopfschmerzen wie Migräne, Herzschwäche und Beschwerden beim Bilden von Gallensekret.

Die Rose in Mythen und Legenden

Die Rose spielte schon eine Rolle in den Erzählungen über die Schöpfung der Welt und des Menschen. Bei den Hindus formte Vishnu, der höchste Gott Indiens, seine Braut Lakshmi aus 108 großen und 1008 kleinen Rosen. Die Rose war den Indern das Symbol der Schönheit. Griechen und Römer ordneten die Rose den Götter zu, die Perser assoziierten sie in ihren Gedichten und Bildern mit der Nachtigall. Bei den Muslimen nennt Allah die weiße Rose die „Königin der Blumen“.

Die Nachtigall soll von der Schönheit der weißen Rose so verzückt gewesen sein, dass sie herunter flog zur Blume und dabei die Brust mit ihren Dornen verletzte. Die Tropfen fielen auf die Erde und daraus wuchsen neue Rosen. Diese wurden die blutroten Rosen des heutigen Iran. Eine Erklärung für diese Fantasie ist, dass „Nachtigall“ bei den Persern nicht die europäische Nachtigall meint, sondern eine Übersetzung des Farsi-Wortes bolbol, das die Bülbüls bezeichnet – eine Familie der Sperlingsvögel. Deren häufigster Vertreter im Iran ist der Rotohrbülbül, der charakteristische „blutrote“ Wangen hat.

Die frühen Griechen und Römer verbanden mit der Rose Liebe, Schönheit, Reinheit und Leidenschaft. So sollten die Rosen entstanden sein, als sich Schaum vom Körper der Aphrodite löste, während sie auf die Welt kam, und sich in weiße Rosen verwandelte. Dies stand für Aphrodites Schönheit und Unschuld. Die Christen verknüpften mit der Rose ganz ähnliche Assoziationen, und die weiße Rose stand für die Reinheit der Jungfrau Maria. Die Rosa rubiginosa hingegen sollte aus einem Blutstropfen von Jesus gewachsen sein, der herunter tropfte als er die Dornenkrone trug.

Wo findet sich Rosenöl?

Rosenöl findet sich in Cremes, Bodylotions, Badezusätzen, Haarshampoos, Duschgels und diversen Kosmetika, in Kapseln und Haarölen.

Rosenöl findet sich heutzutage in allerlei Kosmetika und ist berühmt als wirksamer Anti-Ager. (Bild: fotoknips/fotolia.com)

Herstellung

Circa 120 Rosensorten dienen heute dazu, Öl herzustellen. Die wichtigste davon ist Rosa damascenas, aus der das am meisten begehrte Rosenöl stammt. Die Rosen werden zwischen Mitte Mai und Mitte Juni von fünf bis zehn Uhr morgens gepflückt, bevor die Sonne zu hoch steht, denn sonst verdampft leicht bis zur Hälfte des feinen Öls. Zwischen 3000 und 5000 Kilogramm der Rosenblätter ergeben einen Liter des Öls und hinterlassen Rosenwasser wie Maische, die zu Marmelade, Likören, Medikamenten und Speisearomen verwendet werden.

Rosenöl – Anwendungen

Rosenöl ist berühmt als mächtiger Anti-Ager. Es steckt voll mit Antioxidantien, die freie Radikale abhalten. Freie Radikale sind instabile Sauerstoffmoleküle, die Sauerstoff von gesunden Zellen stehlen, um sich zu stabilisieren. Wenn sie jetzt den gesunden Zellen den Sauerstoff wegnehmen, sterben die Zellen und die Haut altert.

Haarpflege

Hohe Konzentrationen an Vitamin E, A und K im Rosenöl stärken die Haarfollikel von innen. Sie gesunden, und das Haar bekommt mehr Volumen. Kalium im Rosenöl stimuliert den Blutfluss von den Zellen in das Kopfhaar, was dazu führt, dass mehr Mineralien das Haar erreichen und es zum Wachstum inspirieren.

Depression

Rosenöl wirkt entspannend, lindert Schlafstörungen und hilft sogar bei minderschweren Depressionen. Die beruhigende Wirkung macht es zum beliebten Wirkstoff in der Palliativmedizin und Sterbebegleitung. Bei Depression, Stress und Angststörungen eignet sich Rosenöl bestens für eine Aromatherapie: Dazu stellen Sie einfach eine Duftlampe mit wenigen Tropfen dieses intensiven Öls in ihre Wohnung und lassen das Öl verdunsten. Das Setting bestimmen Sie selbst – sie können nebenbei lesen, kochen, im Bett liegen oder die Wohnung aufräumen.

Bei der Aromatherapie harmoniert Rosenöl mit Lavendel, Geranie, Myrrhe, Weihrauch, Bergamotte, Melisse, Sandelholz, Jasmin und Zitrusölen.

Rosenöl hilft nicht nur bei Depressionen, sondern auch gegen Stress und Probleme beim Einschlafen. Diverse Berichte erwähnen Rosenöl, um das posttraumatische Stresssyndrom zu behandeln. Der Einsatz von Rosenöl ist weit verbreitet in Berufen, die mit viel Stress verbunden sind, wie z.B. bei militärischem Personal, professionellen Athleten und Feuerwehrleuten.

Rosenöl wirkt entspannend, lindert Schlafstörungen und hilft sogar bei minderschweren Depressionen. (Bild: Sven Vietense/fotolia.com)

Schutz des Uterus

Dieses Öl hilft bei Frauenproblemen wie unregelmäßiger Menstruation, Blutungen und Uterusausfluss. Es reinigt die Gebärmutter und hilft ihr beim Funktionieren. So bekämpft es auch die mit Gebärmutterstörungen verbundenen Beschwerden wie exzessive Blutungen, Krämpfe, Aufblähungen, Heißhunger, Hormonschwankungen und Gemütswechsel. Erstens wirkt Rosenöl antispasmisch und mindert auf diese Weise die Kontraktionen beim Entspannen der Gebärmuttermuskeln. Zweitens sorgt es für einen gesunden Blutfluss und erleichtert so dem Uterus die Arbeit, wenn er die Schleimhaut ausstößt.

Rosenöl für die Gesichtshaut

Rosenöl ist eines der begehrtesten Produkte überhaupt, um die Gesichtshaut zu pflegen, und ist seit der Antike dafür berühmt. Neben den pflegenden Eigenschaften spielte auch der exzellente Geruch in diesen guten Ruf hinein. Das Rosenöl regt die Durchblutung an, verbessert durch ungesättigte Fettsäuren die Spannkraft und Feuchtigkeit der Haut.

Rosenöl wird meist gemischt, und Sie können es auch selbst mixen. Hier eignet sich besonders die Kombination mit Mandelöl, Sojaöl, Olivenöl, Arganöl (bei sehr trockener Haut) und Jojobaöl, um Feuchtigkeit zu speichern. Im Handel kosten alle diese Produkte viel Geld.

Massagen, Bäder und Umschläge

Für Bäder, Umschläge und Massagen sollten Sie keinesfalls pures Rosenöl verwenden, das wäre Verschwendung. Denn das Öl ist so intensiv, dass wenige Tropen Rosenöl auf einer Maßeinheit des viel preiswerteren Oliven- oder Mandelöls völlig ausreichen. Wenn Sie Rosenöl zum Waschen benutzen, reichen circa 20 Tropfen für ein Glas mit Wasser.

Parfüm

Selbstredend ist Rosenöl ein erstklassiges Parfüm und für viele Menschen die Mutter aller Düfte. Die Körperwärme verstärkt das süßliche Aroma. Die Düfte wirken leicht euphorisierend.

Hagenbuttenöl

Kein Parfüm hingegen ist Hagebuttenöl. Dieses gewinnen wir nicht aus Kultur- sondern aus Wildrosen. Es wird aus den Samen der Rosen extrahiert und raffiniert, hält sich kühl und dunkel ungefähr ein Jahr lang. Dieses Öl ist gelb bis orange (wie die Hagebutten). Es riecht nicht so traumhaft wie das Öl der Rose von Damaskus, sondern säuerlich, etwas nussig, leicht metallisch oder sogar unangenehm fettig. Wildrosenöl riecht nicht nach Rose! Es besteht vor allem aus Linolensäure, Ölsäure und Linolsäure. Wildrosenöl ist voll mit Vitamin A und C. Es versorgt die Haut mit Feuchtigkeit, glättet sie (Vitamin A) und baut das Hautkollagen mit auf.

Statt als Duftöl findet Wildrosenöl vor allem in der Medizin Anwendung und dient dem Behandeln von trockener und rissiger Haut, hilft gegen Ekzeme und starke Pigmentbildung, außerdem gegen Brandwunden, aber auch gegen Verletzungen im Mund und Rachenraum. Zudem ist Hagebuttenöl Teil von Nachtcremes, die die Haut regenerieren.

Rosenöl in der Küche

Rosenblätter, Rosenwasser und besonders Rosenöl geben vielen Leckereien den letzten Pfiff. Rosenöl verfeinert Essig für Salate, es macht sich ausgezeichnet in Eiscremes, Kuchen und Desserts. Die türkische Süßspeise Lokum ist mit Rose zubereitete und die Menschen auf dem Balkan würzen Honig mit Rosenöl. In Indien dienen Rosenpastillen als Bonbons. Auch Cocktails gibt Rosenöl eine besondere Note und eigent sich vor allem in fruchtigen Mixgetränken.

Rosenöl harmoniert mit Honig, Holunderblüten, Vanille, Himbeeren, Brombeeren, Erdbeeren, Bananen, Zitrusfrüchten, Äpfeln, Birnen, Pfirsichen oder Mangos. Sie können auch einige Tropfen Rosenöl in einen Früchte- oder Schwarztee geben. In Tees harmoniert Rose mit Minze, Zitronenmelisse, Lavendel und Ringelblumen, mit Weißtee, mildem Grüntee und blumigem Schwarztee. Auch ein Earl Grey profitiert von einem Schuss Rosenöl. (Dr. Utz Anhalt)