Sanddorn – Inhaltsstoffe, Heilwirkung und Tipps für den eigenen Anbau

Dr. Utz Anhalt
Sanddorn- Natürliches Heilmittel
Der Sanddorn trägt viele Namen: Dünen- und Haffdorn verweisen darauf, dass er auch auf Meeresdünen wächst und dem Salzgehalt trotzt, Sandbeere betont, dass dieser Dornenpflanze leckere Beeren produziert, andere Namen sind Weidendorn oder Rote Schlehe. Es handelt sich um ein Ölweidengewächs. Sanddorn bietet Früchte mit einem hohen Gehalt an Vitamin C, die säuerlich schmecken und ihn als Nahrungsmittel attraktiv machen.


Ein sommergrüner Strauch

Sanddorn ist ein sommergrüner Strauch, der bis zu sechs Meter Höhe erreichen kann. Seine Zweige bilden dornige Triebe, eng anliegende Schuppen lassen sie in der Farbe von Bronze schimmern. Der Strauch bildet ein ausgedehntes Wurzelsystem, das sich besonders in die Breite erstreckt – in der Tiefe erreicht es 3 Meter, in der Breite bis 12 Meter. Dieses Wachstum in die Breite ist eine Anpassung an den sandigen Boden, auf dem Sanddorn wächst, zum Beispiel an der Meeresküste. Dort sorgt das Wurzelgeflecht selbst in flachem Grund für einen festen Halt der Pflanze. Sie eignet sich folglich ausgezeichnet, um Erosion vorzubeugen.

Der sommergrüne Sanddornstrauch kann bis zu sechs Meter in die Höhe wachsen. (Bild: jonnysek/fotolia.com)

Die Laubblätter stehen wechselständig mit einem kurzen Stiel. Die Blattspreiten sind lanzettförmig, die Blattspitze ist spitz bis stumpf, der Blattrand rollt sich nach oben. Die Oberseite der Blätter bedecken sternförmige Haare, diese fallen später aus und zurück bleibt eine blassgrüne Färbung. Auf der Unterseite wachsen weiße Haare zu einem Filz.

Die Blüten

Sanddorn blüht, bevor das Laub austreibt. Die Blüten sind gelb, klein und eingeschlechtlich. Sie sprießen im März, und der Strauch blüht von März bis Mai. Die Pollen sammeln sich in den Kelchblättern, und der Wind verbreitet sie, nachdem sie trocknen.

Die Früchte

Von August bis Dezember trägt der der Strauch Früchte. Diese haben eine ovale Form und sind orangegelb bis orangerot. Sie wachsen um die Zweige der weiblichen Pflanzen und entwickeln sich aus den Kelchröhren, die die Samen umschließen.

Das Fruchtfleisch ist schmierig und steckt voller ätherischer Öle. Es umschließt den Samen; dieser ist hart und braun gefärbt, in seinem Innern befindet sich ein weißer Kern. Die Samen keimen bei Licht und Kälte.

Verbreitung von Sanddorn

Das Ölweidengewächs wird vom Wind bestäubt. Die Samen verbreiten sich zum einen durch Verdauung – viele Vögel und Kleinsäuger fressen die Früchte, zum anderen durch Wasser. Bekannt sind die Früchte als Nahrung des Fasans, was dem Strauch den Namen Fasanenbeere einbrachte. Wurzelsprosse verbreiten die Pflanze am Ort.

An der Ostsee gibt es viele Stellen, an denen Sanddorn in freier Natur wächst. (Bild: JanButzlaff/fotolia.com)

Vorkommen

Sanddorn wächst in Mitteleuropa bis zu den Pyrenäen, von den Alpen bis zum Kaukasus und im Norden bis Norwegen. Seine Hauptverbreitung liegt aber in Asien, in Sibirien und China. Zwar wurde der Haffdorn als Kulturpflanze in ganz Europa eingeführt, doch eiszeitliche Pollenfunde zeigen, dass es sich um eine natürlich hier vorkommende Art handelt. Wildbestände in Deutschland sind in Süd- wie Mittelbayern und Baden-Württemberg. Im Nordwesten Niedersachsens, in Mecklenburg-Vorpommern und im Osten Schleswig-Holsteins wächst er in größeren Beständen, an der Ostsee- und Nordseeküste gibt es versprenkelte Vorkommen.

Alle diese Regionen, in denen er natürlich vorkommt, zeichnen sich aus durch kalkhaltige Sand- oder Kiesböden. Sanddorn ist eine typische Pflanze von Heidelandschaften und Lichtungen in trockenen Kiefernwäldern. Er wächst an Kiesufern von Flüssen ebenso wie auf Dünen und in Steppen. Hier gilt er als Pionierpflanze und wächst gemeinsam mit der Berberitze.

Eine Vitaminbombe

Sanddornbeeren enthalten wesentlich mehr Vitamin C als Zitrusfrüchte, aber weniger als Hagebutten – pro 100 g bis zu 900 mg. Hinzu kommen Beta-Karotin und Gerbstoffe. Für Veganer ist die Pflanze interessant, weil die Beeren Vitamin B12 enthalten. Gewöhnlich ist Vitamin B12 in Tieren enthalten, beim Sanddorn bildet es sich durch eine Symbiose mit Bakterien auf der Außenschale der Früchte.

Das Fruchtfleisch enthält bis zu 5 % Öl, und dieses ist reich an ungesättigten Fettsäuren, Carotin und diversen Vitaminen.

Sanddorn als Heilpflanze

Sanddorn wird für diverse Beschwerden eingesetzt: Gegen Appetitlosigkeit, Darmentzündung und Durchfall, vorbeugend gegen Erkältungen (Vitamin C), gegen Vitamin-C-Mangel, Hautausschlag, leichte Brandwunden und Akne.

Aus den Sanddornbeeren lässt sich unter anderem köstliche Marmelade herstellen. (Bild: zia_shusha/fotolia.com)

Die Früchte lassen sich zu Saft verarbeiten, Früchte und Samen zu Tee aufkochen, Sanddorn ist eine Basis für Marmeladen und Gelees. Das Öl findet sich in Hautcremes wieder. Es dient unter anderem als hilfreiches Hausmittel gegen Sonnenbrand.

Die Pflanze wird besonders in China kultiviert. Da die Früchte aber zwischen den Dornen von Hand gepflückt werden und die erste Ernte erst nach sechs Jahren möglich ist, ist der Preis hoch.

Sanddorn als Nahrungsmittel

Sanddornsaft ist dickflüssig. Er wird selten pur getrunken, sondern gibt Mixgetränken eine typische Note. Sanddornlikör, die so genannte Fasanenbrause, ist vor allem ein lokales Produkt in Sanddorngegenden.

Da die Beeren ähnlich mühselig zu gewinnen sind wie Hagebutten, finden sie sich vor allem getrocknet als Zutat in Tees wieder. Zu den klassischen Früchtetees mit Sanddorn und Hagebutten gesellen sich heute neue Varianten – das gesunde Wildobst harmoniert zum Beispiel mit dem Rooibos-Tee Südafrikas.

Sanddorn im Garten?

Die Pflanze eignet sich hervorragend für große Hecken, die Dornen bieten Schutz vor ungewollten Gästen, die leuchtenden Beeren und bronzefarbenen Zweige haben gerade im Winter einen hohen Zierwert, und die Beeren sind außerdem eine wichtige Nahrungsquelle für diverse Vogelarten.

Der sommergrüne Strauch ist eine sehr gute Wahl für eine Gehegegrenze in Wildparks und Zoologischen Gärten, in der offenen Landschaft oder als Wiederbelebung der ausgeräumten Agrarwüste.

Kleingärtner seien jedoch gewarnt. Als Vogelnähr- und Nistgehölz ragt Sanddorn heraus, doch bei einer begrenzten Fläche verdrängt er andere Pflanzen durch seine ausufernden Wurzeln. Es ist nur schwer möglich, ihn einzudämmen. Wenn Sie ihn trotzdem im Garten anpflanzen wollen, dann planen Sie von Anfang an Wurzelsperren ein.

Wurzelsperre

Für eine Rhizomsperre nutzen Sie zum Beispiel Polyethylen als Meterwaren, bringen es als Ring um den Sanddorn in die Erde ein und verschließen es mit einer speziellen Schiene. Das Material sollte mindestens 2 mm stark sein. Die Wurzelsperre sollte mindestens 1,5 m Durchmesser umfassen und mindestens 60 cm hoch sein.

Das Ölweidengewächs eignet sich bestens, um Sandböden zu befestigen, kann also gut für den Deich- und Dünenschutz an der Meeresküste und an Flussufern eingesetzt werden.

Eine Kulturpflanze

In den 1960er Jahren wurde Sanddorn in der DDR kultiviert. Ziel war es, die Menschen in Ostdeutschland autark mit Vitaminen zu versorgen, und auf den sandigen Böden in Mecklenburg und Brandenburg gedieh die Pflanze sowieso.

Sanddornfrüchte enthalten jede Menge Vitamin C. (Bild: Tim UR/fotolia.com)

Heute liegen die Hauptanbaugebiete in Deutschland in Brandenburg (300 ha), Mecklenburg (200 ha), Ludwigslust (120 ha) und Sachsen-Anhalt (100 ha). Insgesamt wird die Pflanze in Deutschland also nur auf einer sehr geringen Fläche angebaut.

Der Schnitt

Wenn Sie Sanddorn im Garten pflanzen, dann achten Sie auf folgendes. Die Krone wächst in die Breite, und bald bilden sich Früchte nur noch außen, während das Innere der Krone verholzt. Das können Sie verhindern, indem sie die Triebe jeweils im Januar stark zurück schneiden.

Um einen guten Ertrag zu erzeugen, sollten Sie mindestens zwei weibliche und einen männlichen Strauch pflanzen. Schneiden Sie die weiblichen Exemplare jedes Jahr im Wechsel, dann können Sie jährlich ernten.

Ernte der Sanddornfrüchte

Sie können ab August ernten. Zeichen für die Reife ist die Orangefärbung der Früchte. Tragen Sie unbedingt Handschuhe. Verletzungen durch die langen Dornen sind schmerzhaft und ohne Schutz kaum zu vermeiden.

Entweder Sie pflücken die Früchte oder Sie schütteln diese ab. Zum Abschütteln müssen die Früchte bereits einige Wochen gereift sind. Sie legen dazu eine Decke unter den Strauch, dann greifen Sie an die Äste und schütteln.

Gesundheit

Um die Gesundheit des Sanddorns müssen Sie sich wenig Gedanken machen. Bei passendem Boden wächst der Strauch ohne Probleme. Die Pflanze ist kaum anfällig für Krankheiten und Schädlinge. (Dr. Utz Anhalt)