Schwarzrettich – Wirkung und Anwendung

Susanne Waschke
Wer ihn sich ansieht, wird mit Sicherheit nicht von seinem Äußeren angezogen. Schwarz, plump, rund und rau – der Schwarzrettich. Keine Augenweide, jedoch ein Lebensmittel, das bereits im rohen Zustand seine Wirkung entfalten kann.


Der schwarze Rettich, in der Fachsprache Raphanus sativus niger genannt, gehört so wie Senf, Meerrettich und Radieschen zur Gattung der Kreuzblütler. Er ist eine uralte Nutzpflanze und war bereits im alten Rom und Griechenland als Lebensmittel und auch als Heilmittel bekannt. Er wurde roh mit Salz und Essig verfeinert gegessen und ein Saft daraus als Hustenmittel zubereitet. Hildegard von Bingen bezeichnetet ihn als reinigend und schleimlösend.

Schwarzrettich spielt zwar als Gemüse eine relativ unbedeutende Rolle in der modernen Ernährung, doch als Heilmittel gegen Verdauungsbeschwerden und Husten ist dieser bis heute beliebt. (Bild: thongsee/fotolia.com)

Inhaltsstoffe

Der Schwarzrettich enthält verschiedene Vitamine, Mineralstoffe und vor allem Senfölglykoside.

Heilwirkung – Verdauungstrakt

Der Verdauungstrakt profitiert von dem Verzehr des Schwarzrettichs. Die Produktion der Verdauungssäfte wird angeregt, die Darmtätigkeit aktiviert, und die Gallensaftproduktion angekurbelt. Die Fettverdauung wird unterstützt. Die Fette werden in ihre Einzelteile zerlegt und somit Blähungen und Völlegefühl vermindert. Auch wirkt der Schwarzrettich krampflösend.

Heilwirkung – Atemtrakt

Die enthaltenen Senfölglykoside wirken sich positiv auf den Atemtrakt aus. Sie machen den Bakterien den Garaus und helfen bei hartnäckigem Husten. Hierfür wird aus dem Schwarzrettich ein Rettichsaft als probates Hustenmittel hergestellt.

Dieses Gemüse hat im Oktober Saison und dies ist genau die Zeit, in der die Erkältungswelle beginnt. Der Rettich kann, ähnlich wie Karotten, über ein paar Monate hinweg gelagert werden. So ist er immer parat bei Husten oder Heiserkeit. Besorgen Sie sich die schwarze Kugel und los geht’s:

  • Schneiden Sie den Rettich oben auf und höhlen Sie ihn aus (circa ein Drittel des Fruchtfleisches).
  • Dann stechen Sie mit einer langen Nadel von oben nach unten durch den Boden des Rettichs hindurch – das Ganze ungefähr fünf Mal.
  • Der Rettich wird anschließend auf ein Gefäß gesetzt, das den Saft auffangen soll.
  • In die ausgehöhlte Öffnung werden fünf Esslöffel Honig gefüllt und jetzt kann die Produktion des Hustensaftes beginnen.
  • Nach ein paar Stunden hat sich die erste Flüssigkeit gebildet und fertig ist das Hustenmittel.
  • Ist kein Saft mehr da, wird wieder etwas Fruchtfleisch ausgehöhlt und der Rettich erneut mit Honig befüllt. Das Ganze beginnt von vorn.
  • Ein Erwachsener kann mehrmals am Tag einen Teelöffel voll zu sich nehmen – Kinder entsprechend ihres Alters, weniger.

Wer keinen Honig mag, kann für den Hustensaft auch Kandiszucker verwenden.

Bei Husten hat sich Schwarzrettich-Sirup als natürliches Hausmittel vielfach bewährt. (Bild: RFBSIP/fotolia.com)

Verwendung in der Homöopathie

Der Schwarzrettich kommt auch in der Homöopathie zum Einsatz. Hier wird er als Raphanus sativus niger in potenzierter Form wie zum Beispiel in D6 angewandt. Bei Verdauungsbeschwerden wie häufigem Durchfall, bei Blähungen, aber auch bei Verstopfung, Magenverstimmung, ständigem Völlegefühl und Reizdarm wird der Schwarzrettich verordnet. Des Weiteren wird dieses Mittel eingesetzt bei Nieren -, Blasen- und Gallensteinen. Ist die Darmflora gestört, kann der homöopathisch zubereitete Schwarzrettich eine Darmsanierung unterstützen. Bei Migräne, die eine hepatische Ursache hat, ist Raphanus sativus einen Versuch wert.

Basisches Gemüse

Basisches Gemüse wirkt entzündungshemmend, so zum Beispiel bei Rheuma. Des Weiteren hilft basische Kost dabei, überschüssige Säuren, Gifte und Schlacken im Körper zu neutralisieren und auszuleiten. Zu den Basenlieferanten gehören unter anderem Kartoffeln, Bananen, Spinat, Löwenzahn getrocknete Feigen und eben auch der Schwarzrettich, sowie alle anderen Rettichsorten. Der schwarze Vertreter gehört mit Sicherheit, gerade schon wegen seines Aussehens, nicht zu den Lieblingsgemüsen, jedoch ist er unbedingt zu empfehlen.

Der Schwarzrettich enthält eine große Menge an Mineralstoffen und Vitaminen. Das Wichtigste ist jedoch das sogenannte Senföl, das der Rettich in großer Menge inne hat. Dies wirkt, wie bereits erwähnt, positiv auf den Magen-Darm-Trakt, anregend auf die Gallensaftproduktion und antibakteriell im Atemtrakt. Auch gelten Senföle, bei regelmäßigem Verzehr, als krebsfeindlich. Ebenso sind diese Isothiocyanate (Senföle) in der Lage, den Körper zu entgiften, was gerade in der heutigen Zeit bei vielen Menschen sehr wichtig ist.
Wer den Schwarzrettich roh essen möchte, sollte ihn vorher salzen. Dies nimmt etwas die Schärfe. Ansonsten kann er auch warm in einer Kartoffelsuppe gegessen werden. Hier das Rezept für eine Schwarzrettich-Kartoffelsuppe für vier Personen:

  • 500 Gramm geschälte, klein gewürfelte Kartoffeln,
  • 300 Gramm Schwarzrettich, ebenso geschält und klein geschnitten,
  • eine fein gehackte Knoblauchzehe,
  • eine klein geschnittene Zwiebel,
  • Olivenöl,
  • circa ein Liter Gemüsebrühe,
  • 200 Milliliter Sojasahne oder Mandelsahne,
  • etwas Salz und Pfeffer zum Abschmecken.

Erhitzen Sie das Olivenöl und braten Sie die Zwiebeln an. Dann geben Sie Knoblauch und Kartoffeln hinzu und gießen das Ganze mit der Gemüsebrühe auf. Wenn die Kartoffeln weich gekocht sind, kommen die Schwarzrettichwürfel und die Sahne hinzu. Das Ganze wird noch eine kurze Weile gekocht, püriert und mit den Gewürzen abgeschmeckt. Dies ist Alles in Allem ein basenreiches und leckeres Mittags – und/oder Abendessen.

Kapseln und Saft

Schwarzrettich ist in Form von Kapseln aber auch als Pflanzensaft erhältlich. Sowohl der Saft, als auch die Kapseln lindern leichte Verdauungsbeschwerden, wirken entschlackend, regen die Fettverdauung an und werden zur allgemeinem Entgiftung empfohlen. Beides wird am besten kurweise angewandt. Sind Gallensteine vorhanden, ist von der Einnahme jedoch abzusehen. Hier sollte auf die homöopathische Form zurückgegriffen werden. Aber auch damit wird besser keine Eigenmedikation betrieben, sondern vorher ein Arzt oder Heilpraktiker befragt.

Für eine Entgiftungskur können Pflanzensäfte von Löwenzahn, Mariendistel, Schwarzrettich und Brennnessel eingesetzt werden, wobei diese jedoch nicht gleichzeitig, sondern in aufeinanderfolgenden Zeitintervallen eingenommen werden. (Bild: Tijana/fotolia.com)

Entgiftungskur

Eine Entgiftungskur mit Frischpflanzensäften ist eine einfache aber doch wirkungsvolle Möglichkeit, den Körper zu entgiften. Diese Kur sollte, wenn möglich, vier Wochen durchgeführt werden. In der ersten Woche ist der Löwenzahn an der Reihe. Dies ist ein Alleskönner. Er reinigt das Blut, und entgiftet Leber, Galle und die Nieren. Nach einer Woche Einnahme kommt die Mariendistel dran. Dies ist eine absolute Leberpflanze. Sie wirkt heilend und regenerierend auf die Leber. In der dritten Woche ist der Schwarzrettich an der Reihe und zum Schluss die Brennnessel. Diese wirkt vor allem ausscheidungsfördernd auf die Nieren und Blase.

Von jedem dieser Pflanzensäfte, die in Reformhäusern zu erwerben sind, wird dreimal täglich vor den Mahlzeiten ein Esslöffel voll pur oder mit etwas Wasser eingenommen. Während der ganzen Zeit sollte auf eine gesunde, ausgewogene basische Ernährung geachtet und ausreichend stilles Wasser getrunken werden. Bei Unwohlsein oder Unverträglichkeiten wird die Einnahme selbstverständlich beendet. Dies ist eine sehr sanfte Kur, um den Körper zu reinigen. Am besten wird sie im Frühling oder im Herbst durchgeführt. Oder einfach zwischendurch, um sich etwas Gutes zu tun. (sw)