Süßkraut – Anwendung, Wirkung und Rezepte

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Das Süßkraut, oder auch Aztekische Süßkraut (Lippia dulcis), ist bei uns als Heilkraut noch relativ unbekannt. In seiner amerikanischen Heimat Mexiko gehört es dagegen bereits seit Jahrhunderten, wenn nicht sogar Jahrtausenden, zur traditionellen Volksheilkunde. Charakteristisch für die süßlich duftende Pflanze ist dabei nicht nur ein hoher Zuckergehalt, sondern auch ein beachtlicher Gehalt an Kampfer, der die Pflanze zu einem in Mexiko hoch geschätzten Heilmittel gegen Atemwegserkrankungen und schmerzhafte Entzündungen macht. Was Lippia dulcis noch so alles kann und wie die Pflanze am besten als Heilkraut genutzt wird, verrät Ihnen unser nachstehender Beitrag.

Vorsicht, Verwechslungsgefahr! Nicht zu verwechseln ist Lippia dulcis mit der ebenfalls gerne als Süßkraut bezeichneten Stevia. Zwar sind beide Gewächse sogenannte Süßstoffpflanzen, jedoch kann das Aztekische Süßkraut aufgrund seines hohen Kampfergehalts nicht als Süßungsmittel genutzt werden.


Steckbrief für Süßkraut

Pflanzengattung: Süßkräuter (Lippia)
Pflanzenfamilie: Eisenkrautgewächse (Verbenaceae)
Volkstümlicher Name: Tzopelic Xihuitl, süßer Zitronenstrauch, Mexikanisches Lippiakraut, süßer Oregano
Vorkommen: Mittelamerika, Mexiko
Anwendungsgebiete:

  • Asthma
  • Bronchitis
  • Erkältung
  • grippale Infekte
  • Husten
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Verdauungsbeschwerden

Verwendete Pflanzenteile: Blätter, Blüten, Wurzeln

Das Süßkraut, oder auch Aztekische Süßkraut (Lippia dulcis), ist bei uns als Heilkraut noch relativ unbekannt. In seiner ursprünglichen Heimat Mexiko gehört es dagegen bereits seit Jahrhunderten zur traditionellen Volksheilkunde. (Bild: Melica/fotolia.com)

Kräuterportrait

Gemeinsam mit Zitronenverbene gehört Aztekisches Süßkraut zu den sogenannten Eisenkrautgewächsen (Verbenaceae). Besondere Aromen liegen bei diesen Gewächsen also in der Familie. Und auch der hohe Zierwert im Garten ist unter den Verbenaceae relativ üblich. Bei Lippia dulcis besteht dieser zum einen aus den zart gezähnten, eiförmigen Blättern, die während der Blütezeit ein grünlich-rotes Farbspiel aufweisen. Zum anderen muten auch die kopfigen Blütenstände des Süßkrauts sehr schmuckvoll an. Wie die Blätter der Pflanze verströmen sie einen süßlichen Duft, der nicht nur menschliche Gartenbesucher, sondern auch eine Reihe von Nützlingen magisch anlockt.

Tipp: Die bis zu 60 Zentimeter hohe Pflanze besitzt einen kriechenden Wuchs und eignet sich deshalb wunderbar als Bodendecker. Sie braucht keine übermäßige Pflege, es sei aber darauf hingewiesen, dass das exotische Gewächs keinen Frost verträgt und bei uns deshalb im Haus überwintert werden muss.

In Europa wurde Süßkraut erst im 16. Jahrhundert bekannt, nachdem der spanische Mediziner Francisco Hernández die Pflanze 1578 erstmals in seinem Werk „Rerum Medicarum Histora“ beschrieb. Bei den Azteken Mittelamerikas war Lippia dulcis jedoch schon viel früher bekannt, hier allerdings unter dem Namen Tzonpelic Xihuitl. Die amerikanischen Ureinwohner nutzten das Kraut als Allheilmittel gegen Atemwegserkrankungen und Koliken. In der Moderne hat sich die medizinische Verwendung von Süßkraut noch deutlich erweitert und umfasst inzwischen folgende Gesundheitsbeschwerden:

  • Atemwegsbeschwerden (z.B. Asthma, Atemnot, Bronchitis, Erkältung und Husten);
  • Magen-Darm-Beschwerden (z.B. Durchfall, Koliken, Magen-Darm-Grippe oder Verstopfung);
  • sonstige Gesundheitsbeschwerden (z.B. Menstruationsstörungen oder Durchblutungsstörungen).

Inhaltsstoffe und Wirkung

Was den süßlichen Geschmack, wie auch die Heilwirkung von Aztekischem Süßkraut anbelangt, so sind maßgeblich die pflanzeneigenen ätherischen Öle ausschlaggebend. In ihnen enthalten sind einige, in der Medizin wohlbekannte Wirkstoffe, deren Gesundheitswert größtenteils belegt ist.

Terpene

Seine extreme Süße verdankt das Süßkraut vor allem dem Sesquiterpen Hernandulcin. Es wurde unverkennbar nach dem Erstbeschreiber der Pflanze, Francisco Hernández, benannt und ist in etwa 300 Mal süßer als Stevia und ganze 500 bis 1000 Mal süßer als Zucker. Da es zudem kaum Kalorien besitzt, schlugen Forscher das Terpen bereits als natürliches Süßungsmittel vor. Allerdings ist hier etwas Vorsicht geboten, denn Süßkraut enthält außer Hernandulcin noch andere Terpene, deren Dosierung nicht ohne Maß erfolgen darf. Ein Beispiel hierfür ist der hohe Gehalt an Kampfer in Lippia dulcis. Das Monoterpen ist zwar für seine

  • antimikrobielle,
  • antirheumatische,
  • atemwegsbefreiende,
  • entzündungshemmende,
  • herz-kreislauf-stärkende,
  • krampflösende sowie
  • muskel- und nervenberuhigende

Wirkung bekannt, jedoch kann es bei einer Überdosierung des Wirkstoffes leicht zu Augen- und Atemwegsreizungen, sowie Übelkeit und Wahrnehmungsprobleme kommen. Grund hierfür sind die scharf brennenden Eigenschaften des Kampfers. Wohldosiert vermögen sie es, verschleimte Atemwege zu befreien und sind deshalb insbesondere bei Erkältungskrankheiten hoch geschätzt. Im Übermaß überwiegt jedoch der aggressive Aspekt der Kampferschärfe, welcher neben Reizzuständen auch Nervenstörungen verursacht. Deutlich milder wirkt da das Thymol im Süßkraut. Wie Kampfer besitzt es einen

  • schleimlösenden,
  • desinfizierenden,
  • antibakteriellen
  • und antimykotischen

Effekt, ist dabei aber deutlich sanfter zum Organismus. Gerade die antimykotische (gegen Pilze wirkende) Eigenschaft von Thymol prädestiniert den Wirkstoff dabei zur Desinfektion von Haut und Schleimhäuten. Zudem wird das Terpen gerne als Zusatz für antimikrobielles Mundwasser und Zahnpasta genutzt. Der Frischegeschmack des Thymols in Kombination mit dessen atemwegsbefreiender Wirkung ist dabei auch bei Atemwegserkrankungen ein positiver Nebeneffekt.

Thymol, einer der Wirkstoffe im Süßkraut, wird gerne als Zusatz für antimikrobielles Mundwasser und Zahnpasta genutzt. Der Frischegeschmack ist auch bei Atemwegserkrankungen ein positiver Nebeneffekt. (Bild: Fumie/fotolia.com)

Flavonoide

Ein letzter, wichtiger Inhaltsstoff in Süßkraut ist Quercetin. Der gelbe Naturfarbstoff zählt zu den Flavonoiden, die gemeinhin für ihre

  • antioxidativen,
  • durchblutungsfördernden,
  • gefäßschützenden,
  • Herz-Kreislauf anregenden
  • und mitunter auch krebshemmenden

Wirkungen bekannt sind. Auf das Quercetin in Lippia dulcis treffen alle diese genannten Heilwirkungen zu, wodurch sich der positive Effekt des Heilkrauts bei Menstruations- und Durchblutungsstörungen erklärt.

Übrigens: Die antispasmolytische Wirkung von Süßkraut, also dessen Heilkraft bei Krämpfen in Lunge, Magen-Darm-Trakt und Unterleib, ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen. Das Kraut wurde von den zuständigen Forschern deshalb insbesondere zur Behandlung von Bronchospasmen empfohlen.

Anwendung und Dosierung

Die Ernte von Süßkraut kann ganzjährig erfolgen. Beim Kochen lässt sich Süßkraut vor allem für süße Obstsalate, Fruchtsäfte, Smoothies, Kalt- oder Quarkspeisen nutzen. Medizinisch lassen sich neben den aromatischen Blättern auch die Blüten und der Wurzelstock der Pflanze verwenden. Man kann das Kraut entweder frisch kauen bzw. weiterverarbeiten oder für spätere Anwendungszwecke trocknen. Es wird allerdings empfohlen, Süßkraut primär frisch zu verwenden, da sich insbesondere das heilsame Hernandulcin während dem Trocknungsprozess schnell verflüchtigt.

Kaltauszug aus Süßkraut

Die traditionellste Form der Anwendung, etwa zur Behandlung von Erkältungen oder Husten, ist bei Süßkraut neben dem Kauen der frischen Pflanzenteile die Darreichung als Kaltauszug (Mazerat). Hierfür werden die frischen Wurzel- bzw. Blattkräuter in lauwarmes Wasser eingelegt und der Auszug wird etwa zwei bis drei Stunden stehen gelassen. Nach dem Absieben der Kräuter kann das Mazerat dann in kleinen Schlucken getrunken werden.

Süßkraut-Tee

Alternativ zum Kaltauszug ist auch die Zubereitung eines Tees möglich. Dieser hat dank seiner Wärme zusätzlich auch einen entspannenden und kräftigenden Effekt auf den Körper. Allerdings sollte der Tee nicht zu heiß aufgebrüht werden, da extreme Hitzezufuhr die Inhaltsstoffe der Pflanze ähnlich schnell zerstört wie das Trocknen. Für den Tee also am besten leicht abgekühltes Kochwasser nehmen und den Sud vor dem Verzehr etwa zehn Minuten ziehen lassen.

Süßkraut-Tee hat dank seiner Wärme zusätzlich auch einen entspannenden und kräftigenden Effekt auf den Körper. Allerdings sollte der Tee nicht zu heiß aufgebrüht werden, da extreme Hitzezufuhr die Inhaltsstoffe der Pflanze zerstört. (Bild: Heike Rau/fotolia.com)

Tipp: Der minzig-süße Geschmack von Lippia dulcis, ebenso wie die desinfizierenden Eigenschaften des Heilkrauts, prädestinieren es für eine Anwendung im Bereich der Mundhygiene. Kalte Auszüge und Absude können auch wunderbar für Mundspülungen verwendet werden.

Tinktur aus Süßkraut

Fertige Tinkturen aus Süßkraut sind bei uns leider nur sehr selten zu finden. Allerdings kann man eine entsprechende Tinktur auch problemlos selbst herstellen, vorausgesetzt, man hat etwas Geduld. Nehmen Sie hierfür einfach etwas klaren Alkohol (z.B. Vodka, Schnaps oder Branntwein) und legen Sie das Süßkraut für etwa vier Wochen darin ein. Das Extrakt sollte während dieser Zeit in einem durchsichtigen Glasbehälter im Sonnenlicht reifen können, ehe die Kräuter abgesiebt und die Tinktur zum Lagern in eine dunkle Flasche gefüllt wird.

Nebenwirkungen

Es sei nochmals darauf hingewiesen, dass Lippia dulcis nicht uneingeschränkt als Zuckerersatz verwendet werden darf. Eine Überdosierung der medizinischen Wirkstoffe könnte gerade mit Blick auf Kampfer zu Haut- und Schleimhautreizungen führen. Des Weiteren sind Übelkeit, Angstzustände, Atemnot und Verwirrtheit bei einer Kampferüberdosis nicht unüblich. Im schlimmsten Fall drohen sogar Gedächtnisverlust (Amnesie), Apathie und epileptische Anfälle.
Vollständig auf Süßkraut verzichten sollten darüber hinaus Schwangere und Patienten mit Nierenleiden. Bei Nierenkranken könnte das Kraut die ohnehin schon geschädigte Nierenfunktionen weiter verschlechtern. Bei Schwangeren besteht darüber hinaus das Risiko einer Fehlgeburt sowie von Entwicklungsstörungen des Babys durch massive Einwirkung des Süßkrauts auf das Nervensystem. (ma)