Totholz – Entstehung, Bedeutung und Förderung

Dr. Utz Anhalt
Totholz: Eine Brutstätte des Lebens (Teil 1)
Totholz umfasst abgestorbene Bäume. Dabei gibt es stehendes Totholz, bei dem der Baum nicht entfernt ist und liegendes Totholz, das auf der Erde liegt und vermodert. In einem Urwald Europas besteht bis zu 30 % des Holzes aus abgestorbenen Bäumen, in einem Wirtschaftswald meist nur noch ein Zehntel davon. Das Entfernen zerstört dabei wertvolle Lebensräume für die gesamte Nahrungskette.

Leben im Toten

Totholz bietet die Grundlage für eine Vielfalt von Organismen, die zum Großteil auf eine bestimmte Phase der Verfalls und eine bestimmte Holzart angewiesen sind. Dazu gehören vor allem um die 1350 Käfer und mehrere hundert Großpilze, die von abgestorbenen Bäumen leben, bis es vollständig zu Mineralien geworden ist. Diese Arten stehen in Interdependenz: Insekten infizieren das Holz mit Pilzsporen, andere Insekten fressen die Pilze, lassen ihre Larven darin wachsen oder leben selbst darin.

Totholz bildet die Lebensgrundlage für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten. (Bild: lights4u/fotolia.com)

Bienen und Wespen

Zum Beispiel sind die meisten der circa 1000 deutschen Bienen- und Wespenarten auf Totholz als Lebensgrundlage angewiesen. In den Löchern, Rissen und Rinnen, die beim Verfall entstehen, bauen sie ihre Nester, hier wachsen ihre Larven heran, hier fangen Wespen die Insekten, von denen sie sich ernähren. Wildbienen, Wespen und Hornissen bevorzugen aufrecht stehende und abgestorbene Baumstümpfe.

Neben den Insekten, die das Holz fressen, siedeln sich als Zweitbesiedler andere Insekten an, und zwar in den Höhlen und Gängen, die die Holzfresser anlegen.

Rinde, Kronenholz, Baummulch

Es gibt nicht einmal nur ein Artenspektrum im toten Holz, sondern diverse Gemeinschaften von Flora und Fauna: Rinde, Kronenholz, Baummulch, Baumhöhlen Brandflächen, liegendes oder stehendes Totholz und weiter solches von Buche, Kiefer etc. Dies sind alles eigene Lebensräume mit spezialisierten Tieren und Pflanzen. Ja nach Lichtexposition, Feuchte, Pilz- wie Insektenbefall, Holzvolumen und Zersetzungsgrad kommen bestimmte Arten.

Fichten- und Eichenböcke

So leben die Fichtenböcke genannten Käfer nur auf Nadelholz, die Scheibenböcke auf ausgetrocknetem Nadelholz, die Widderböcke auf Laubholz. Einer von ihnen, der Alpenbock, besiedelt ausschließlich verpilztes Buchenholz. Namen wie Eichenbock verweisen bereits auf die entsprechende Nahrung. Feuerkäfer wiederum leben unter der Rinde von trockenem Totholz, ihre Larven jagen Borkenkäfer, die ebenfalls von Holz abhängig sind.

Bedrohte Spezialisten

Holzameisen bauen ihre Nester in hohlen Baumstämmen, Rossameisen leben in totem Nadel- wie Laubholz. Kein Wunder, dass viele dieser Arten heute zu den bedrohten Spezies zählen: Schwarzspecht wie Wendehals, Hirschkäfer, dessen Larven an den Wurzeln morscher Eichen, Ulmen und Obstbäume leben, die Holzbienen, die Gänge im Holz nagen oder die von Käfern angelegten bewohnen.

Gleiches gilt für Riesenholzwespen, die ihre Eier im Holz ablegen und mit Pilzsporen impfen, oder auch die Riesenschlupfwespe, die ihre Eier in den Larven der Holzwespen ablegt.

Jede vierte Käferart in Deutschland lebt von Totholz, und der Anteil Holz fressender Käfer an den extrem bedrohten Käferarten ist hoch.

Jede vierte Käferart ist hierzulande auf Totholz als Lebensraum und Nahrungsquelle angewiesen. (Bild: dieter76/fotolia.com)

Nahrung für andere

Kleine Wirbellose bieten die Lebensgrundlage für Amphibien, Reptilien, Fische und Kleinsäuger. Zu ihnen gehören Dungmücken, Haarmücken und Gnitzen, deren Larven sich in Holzmoder entwickeln. Das gilt auch für Tummelfliegen, deren Larven Baumpilze fressen, Holzfliegen jagen Larven und Würmer.

Amphibien, Reptilen, Vögel und Säuger

Wirbeltiere bauen Nester in Totholz und finden hier ihre Nahrung. Besonders Spechte sind auf Insektenlarven spezialisiert, die darin leben. Ihre Bruthöhlen hämmern sie in morsches Holz, nicht immer in abgestorbenes – wobei sich dieses, wenn es aufrecht steht, bestens für Spechthöhlen eignet. Der Dreizehenspecht baut seine Nester in kernfaule Stämme, Grau- und Grünspecht legen ihre Höhlen in krankem und totem Holz in verschiedener Höhe an.

Die Baumhöhlen der Spechte wiederum nutzen andere Arten wie Raufuß-, Sperlings- und Waldkauz, Hohltaube, Eichhörnchen, Bilche, Baummarder, Bechsteinfledermaus, Fransenfledermaus, Wasserfledermaus oder großer Abendsegler.

Liegendes Totholz ist ein Lebensraum für Teich-, Berg-, Faden- und Kamm-Molche, Feuersalamander, Erdkröten, Wald- und Zauneidechsen, Blindschleichen, Kreuzottern, Ringel- wie Schlingnattern. An Gewässern bietet es Lebensraum für die fast ausgestorbene Europäische Sumpfschildkröte, die sich gerne auf im Wasser liegenden Baumstämmen sonnt.

Pilze

Pilze (und Bakterien) zersetzen totes Holz, und dieser Prozess bildet die Grundlage für komplexe Lebensgemeinschaften. Zunderschwamm oder Hallimasch nähren sich davon und produzieren den Humus, der wiederum Basis für das Wachstum diverser Pflanzen ist, insbesondere auch für Keimlinge von Bäumen. Abgestorbene Bäume regenerieren also den Wald.

Das tote Holz wird über Jahre hinweg von Pilzen zersetzt. (Bild: Kalle Kolodziej/fotolia.com)

Das Mikroklima

Liegt das tote Holz auf der Erde, dann entsteht ein besonderes Mikroklima. Holz leitet wenig Wärme und hat eine dunkle Oberfläche. Darum bleibt die Temperatur wärmer als die Luft, wenn die Luft sich im Winter abkühlt. Außerdem schützt das Holz im Sommer vor Überhitzung und Austrocknung.

Aus diesem Grund ist es ein wichtiges Habitat für Amphibien wie Feuersalamander, alle Molcharten und Erdkröten, deren Haut Feuchtigkeit braucht, und die keine extreme Hitze vertragen.

Totholz in Flüssen und Bächen

Die großen Flüsse in Deutschland sind zum größten Teil begradigt. Ohne diesen Kahlschlag am Flussufer gehört Totholz untrennbar zur Flusslandschaft und bestimmt sogar die Fließgeschwindigkeit und Wasserhöhe mit: Stämme im Wasser bremsen die Strömung, am Holz bleibt Schwemmgut hängen, und es bilden sich Inseln.

Abgestorbenes Holz bremst die Erosion der Ufer, an ihm lagern sich Sedimente ab, wodurch sich der Fluss nicht eingraben kann. Durch den Stau drängt das Wasser an die Seiten, die Flüsse mäandern. Es schafft eine Vielzahl von Strukturen im Lebensraum Fließgewässer.

Das Holz bietet Lebensräume wie Stillwasserzonen und Verstecke, die viele heute seltene Tierarten anziehen: Flusskrebse. Muscheln und Fische. Besonders zweigreiche Äste und Baumkronen schaffen Laichplätze für Fische und Amphibien.

Ein heute rar gewordener Lebensraum ist maßgeblich durch Totholz gekennzeichnet: Der Auwald. Bruchwälder und Sümpfe sind ebenso Habitate, die es ohne absterbende und abgestorbene Bäume so nicht gäbe.

Abgestorbene Bäume haben in Flüssen viele positive Effekte, indem sie zum Beispiel die Artenvielfalt erhöhen. (Bild: Karin Jähne/fotolia.com)

„Aufräumen“ und Artenvielfalt zerstören

Leider bedeutet das wirtschaftliche Nutzen von Wäldern und die Anlage von Parks zur Erholung traditionell, totes Holz zu entfernen. Zwar „lieben“ die Deutschen den Wald, und er gehört zur deutschen Mentalitätsgeschichte wie das Meer zu den Briten, doch der Wald zum Wandern soll „wie ein geordneter Garten“ sein. Abgestorben Bäume gelten als „unaufgeräumt“.

Die ökologische Bedeutung dieser spiegelt sich nicht in den Landesnaturschutzgesetzen. Lediglich in Sachsen sind „höhlenreiche Einzelbäume“ und „totholzreiche Altholzinseln“ explizit geschützt.

Der Wirtschaftswald in Deutschland ist kein Wald, der dem natürlichen Prozess des Wachsens, Reifens und Sterbens unterliegt. Auf nahezu der gesamten Fläche außerhalb von Nationalparks und Naturschutzgebieten werden die Bäume gefällt, bevor sie absterben können und sich Totholz bildet.

Infolge steigender Heizkosten greifen immer mehr Menschen auf Holzöfen zurück, mit der Folge, dass auch Holz, dass zwischenzeitlich unwirtschaftlich war, sich wieder lukrativ verkaufen lässt: Pilzholz, Bruchholz oder Astschnitt.

„Schädlinge entfernen“

In der Forstwirtschaft und im Kleingarten gab es, allen ökologischen Tatsachen zum Trotz, Maßnahmen, „Schädlingen“ die Grundlage zu entziehen. Bis heute findet sich dieser Irrsinn noch in vielen Gärtnerkolonien: Kleingärtnermagazine veröffentlichen in der gleichen Ausgabe Artikel über das Insektensterben mit Bauanleitungen für Insektenhotels und rufen zugleich dazu auf, das abgestorbene Holz zu entfernen, da dies eine „Brutstätte von Schädlingen“ sei.

Dieses Denken stammt aus einer Zeit, als Nutzwald und Garten als ein vom Förster oder Gärtner kontrollierts System gedacht wurden. Wie die „Gärtner“ mit der Giftspritze jede natürlich gewachsene Wildpflanze vernichteten und mit Pestiziden Ameisen, Käfern und Mücken den Garaus machten, so entfernten die Förster jeden vermodernden Baumstumpf und jeden Ast, den ein Sturm zu Boden gerissen hatte.

Die Folge war ein extrem artenarmer Wald, der mit einem gewachsenen Mischwald nur den Namen gemein hatte. Mehr noch: Die ausgeräumten Fichten-Monokulturen ohne Unter- wie Totholz führten dazu, dass sich gerade Forstschädlinge extrem vermehren konnten.

Das dichte Kronendach der Fichten sorgte dafür, dass kaum Laubbäume wachsen konnten, kaum Schnee oder Regen an den Boden kam und Blumen, Kräuter, Sträucher und andere Pflanzen verschwanden, mit ihnen die Tiere, denen sie Nahrung und Habitat bieten.

Während die Monokulturen und das Entfernen von Totholz also den Befall durch Schädlinge verhindern sollten, geschah das Gegenteil. Auf die ausschließlich angepflanzten Bäume spezialisierte Holzesser wie der Borkenkäfer konnten sich in diesem Schlaraffenland erstens explosionsartig vermehren, zweitens fehlten jetzt ihre natürlichen Fressfeinde.

Die Totholzstrategie

Erst langsam setzte sich die Erkenntnis durch, dass abgestorbene Bäume auch für einen stabilen Nutzwald notwendig ist. So empfiehlt die Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung heute, einen nicht geringen Anteil derer im Wald zu lassen.

Nur langsam setzte sich die Erkenntnis durch, dass Totholz auch für Nutzwälder essentiell ist. (Bild: G. Wahl/fotolia.com)

Diese hat indessen keinen Gesetzescharakter, doch die Verbraucher können mithelfen: Ein hoher Totholzanteil ist zwingendes Kriterium dabei, Holz als nachhaltig zu zertifizieren. Nur wenn dieses im Wald bleibt, gibt es das FSC-Siegel.

Gärtner gegen die „Hässlichkeit“

Städtische Gärtner entfernen abgestorbenes Holz in der Regel vom Straßenrand und aus Stadtparks, weil es als unästhetisch gilt. Ein weiterer Grund, es auszuräumen, ist die Verkehrssicherheit. Fällt ein Baum auf einen Verkehrsweg, ist der Eigentümer schuld. Das gilt für Privatbesitzer ebenso wie für die Kommunen.

Das gilt jedoch nicht für die „offene Flur“ oder „ungenutzte Grundstücke“ und auch nicht für den „Bestandswald“. Hier haften die Eigentümer nicht. Gerade in Deutschland gelten Gärtner und Waldbesitzer, die das alte Holz liegen lassen, oft noch als „unordentlich“, eine Unterstellung, die vermutlich jeder Naturgärtner schon einmal gehört hat. Ein Zitat des Naturschützers Konrad Guenther von 1910 zeigt eine deutsche Praxis im Wald:

„Wie wenig anmutend ist aber gerade der Anblick von durchsichtigen, unterholzlosen Wäldern, in denen womöglich noch die Bäume nach der Schnur gepflanzt sind und nun in geraden Linien und in wohlgemessenen Abständen wie ein Regiment Soldaten dastehen.“

Die bäuerliche Wirtschaft nutzte den Wald vor allem für Brenn- und Bauholz. Totes Holz liegen zu lassen, galt als Verschwendung. Quellen aus dem 19. Jahrhundert belegen, dass Bauern die Wälder in der Nähe ihres Dorfes nur betraten, wenn Nutzholz ausgewiesen war.

Ordnungswahn und Müllabfuhr

Bei traditionellen Gartenbesitzern geht indessen die Vorstellung einer „Naturidylle“ mit Ordnungswahn einher. Viele lehnen in ihrem Vorgarten sogar Rindenmulch als Wegstreu ab, weil er „dreckig“ aussähe. Für andere ist ein Garten erst dann ein Garten, wenn sie sämtliche Baumstümpfe herausgerissen und den Astschnitt zum Wertstoffhof gefahren haben.

Es spielt für diese Sauberkeitsfreaks keine Rolle, ob die Schlehe, Brombeere und Holunder in der Totholzecke des Nachbarn den Gartenordnungen entsprechen, nach denen im Kleingarten essbares Obst und Gemüse gepflanzt werden soll, die Hortensie oder der englische Rasen aber nicht. Sie erkennen auch nicht den schlechten Witz, wenn sie Insektenhotels aufstellen und Vogelnistkästen aufhängen, während sie Vögeln und Insekten zugleich die Lebensgrundlage stehlen.

Die Vorstellung eines „ordentlichen Waldes“, der nicht nach Moder riecht, in dem kein Stamm im Wasser fault und keine Ameisen aus einem abgestorbenen Baumstumpf krabbeln, führt leider auch heute noch dazu, dass Privatgärtner und Kommunen Parks, Stadtwälder und Brachflächen von abgestorbenem Holz leer räumen und so bedrohten Tier- und Pflanzenarten keine Chance geben.

Parks und Grünanlagen werden häufig von abgestorbenem Holz „gesäubert“ und bieten dadurch keinen Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. (Bild: murasal/fotolia.com)

Was tun?

Haben Sie ein eigenes Grundstück, eine Brachfläche, einen Bauernhof, nur einen Vorgarten? Um flächendeckend den Lebensraum Totholz zu schützen und wieder herzustellen, muss die Forst- und Landwirtschaft auf einem Anteil der Fläche auf Bewirtschaftung verzichten. Die Wiederbesiedlung durch spezialisierte Käfer und spezialisierte Insekten lässt sich auf den eigenen Quadratmetern kaum ermöglichen.

Doch im Kleinen können Sie durchaus etwas tun. Baumhöhlenbrüter, die sonst vor allem abgestorbene Bäume ansteuern, finden in Nistkästen für Meisen, Gartenrotschwänze, Stare etc. einen Ersatz. Lochziegel und Schilfrohre, Tonplatten und Holzblöcke mit gebohrten Röhren in unterschiedlichen Größen bieten Insekten den Unterschlupf, den sie ansonsten in vermodertem Holz finden.

Totholz verwenden – nicht wegschmeißen

Am besten ist aber das Totholz selbst. Auch hier dürfen Sie keine Wunder erwarten. Spezialisten, die auf die Biochemie verrottender Buchen oder Eichen eingestellt sind, können im Astschnitt, der im Garten anfällt kaum gedeihen. Arten mit breiter gefächertem Lebensspektrum können Sie indessen im Garten einen passablen Ersatz bieten.

Sie können Zum Beispiel, wenn sie einen Baum absägen, den Stumpf stehen lassen und Löcher für Insekten hinein bohren oder Astschnitt auf einem Reisighaufen stapeln. Ist ihnen das zu unordentlich? Dann können Sie das Holz in vielfacher Weise in die Gartenstruktur einbringen, sei es als Benjeshecke, als Hochbeet, als Gerüst oder Vogelhaus.

Eine Benjeshecke

Eine Benjeshecke ist eine Hecke, die aus Ästen, Zweigen und Stämmen besteht. Die Brüder Heinrich und Hermann Benjes machten diese Naturschutzhecke populär; Bauern legen solche Hecken indessen aus praktischen Gründen seit Jahrhunderten an.

Für eine solche Hecke schlagen Sie erst einmal Pfosten oder auch dicke Äste in die Erde, jeweils zwei, auf gleicher Höhe, und, je nach Breite der Hecke zwischen 50 cm und einem Meter Abstand. Diese sollten circa 2 Meter Abstand zueinander haben. Eine solche Hecke kann vier, aber auch 100 Meter lang sein.

Im Halbmeter oder Meter zwischen den Pfosten stapeln Sie jetzt ihren Astschnitt, am besten so, dass die langen Äste durch die Pfosten begrenzt werden und das Kleinholz nicht aus der Begrenzung fällt. Bei ausreichend Astschnitt erreichen Sie so eine stabile Grenze zu ihren Nachbarn, einen Wind- und Sichtschutz, vor allem aber auf Dauer ein wertvolles Biotop.

Sie können die einzelnen Pfosten an der Außenseite aber auch mit Seilen verbinden und das Astwerk zu halten. Vorsicht: Schichten Sie die Äste nicht zu dicht. Sinn einer Benjeshecke ist es, dass die Samen im Grünschnitt in der Hecke keimen. Sind die Äste zu dicht, werden Sie kein Blütenmeer genießen.

Ein Tipp: Wenn Sie Äste von den Gartenbäumen nehmen, besonders von Obstbäumen oder Weide, dann können Sie die „Pfeiler“ auch in die Hecke einflechten. Diese stützt sich dann selbst.

Bei einer sogenannten Benjeshecke wird Gehölzschnitt locker zu einem Wall aufgestapelt. (Bild: Luckyboost/fotolia.com)

Diese Hecke wächst: Wenn wieder Astschnitt ansteht, können Sie den einfach in die Benjeshecke hinein packen. Die Hecke hat anfangs zwei Vorteile: Erstens kostet Sie nichts, außer vielleicht den Pfosten. Zweitens erfordert Sie anfangs keine Pflege.

Eine wilde Hecke

Sie können, wie es manche Bauern und einige Naturgärtner tun, die Hecke verwildern lassen: Stauden, Wildblumen und Kräuter siedeln sich von selbst an, Vögel und der Wind verteilen die Samen, und innerhalb weniger Jahre ist aus dem abgestorbenen Holz ein lebendiges Gefüge geworden.

Je nach den sonstigen Umständen, also pH-Wert des Bodens, steinig, sandig, feucht, sonnig oder schattig, siedeln sich bestimmte Pflanzen an. Zu den Pionieren, mit denen Sie mit Sicherheit rechnen dürfen, gehört die Brombeere. Auch Weißdorn und Hagebutten verbreiten Vögel mit ihrem Kot. Konkurrenzstarke Pflanzen wie Brennnesseln und Goldruten kommen von allein – für Insekten sind beide gute Nahrung.

Ein Wachstumsprozess

Eine Benjeshecke entwickelt sich von einer Totholz- zur Gestrüpphecke, es bilden sich also Triebe, daraus entsteht eine Krautschicht und später ein Einzelgewächs. Nach mehreren Jahren wächst sich alles zu einer Feldhecke zusammen. Sie müssen die Totholzhecke weder düngen noch anderweitig versorgen, denn Bakterien und Pilze zersetzen das Gehölz, daraus entsteht Humus, der fördert wiederum das Heckenwachstum.

Pflanzen für die Benjeshecke

Haben Sie in die Hecke Erde mit eingebracht, breiten sich auch Margeriten, Färberkamille, Schafgarbe, Disteln oder Brennnesseln schnell aus. Spätestens nach dem ersten Jahr können Sie die Hecke systematisch mit Stauden, Wildblumen und Büschen bepflanzen. Im Naturgarten sollten Sie dafür einheimische Pflanzen wählen, die Insekten und Vögeln als Nahrung dienen.

Ranken

Wollen Sie einen grünen Wall? Dann pflanzen Sie wilden Wein, Wild- oder Ramblerrosen, Efeu, Hopfen oder Clematis an die Hecke. Binnen weniger Jahre werden Sie diese bedecken. Auch rankende Blühpflanzen wie Kapuzinerkresse, Winden und Wecken eignen sich.

Die Hecken sind ein Paradies für Beerensträucher, die an ihnen Halt finden. Heidel-, Him-, Stachel-, Goji- und Johannisbeeren gedeihen hier prächtig.

Büsche

Im Idealfall legen Sie die Hecke vor einer Baumreihe an oder pflanzen Bäume dahinter. Gebüsche, die sich für den Bereich drumherum eignen und zugleich wertvolle Nahrungspflanzen für Vögel darstellen, sind Traubenkirsche, Holunder, Schlehe, Hartriegel, Heckenkirsche, Schneeball, Felsenbirne, Zierquitte, Zierapfel oder Pfaffenhütchen.

Für den Bereich um die Benjeshecke herum, eignen sich Gebüsche wie zum Beispiel Holunder oder Heckenkirsche sehr gut. (Bild: visuals-and-concepts/fotolia.com)

Als Flächendecker geeignet sind Pflanzen, die Holz und festen Humus besiedeln, also Farne und Moose.

Für die Räume vor der Hecke und mögliche Humus- oder Komposterde, die sie in die Hecke einbringen, empfehlen sich unter anderem: Blausterne, Krokusse, Narzissen, Wildtulpen, Allium, Märzenbecher, Maiglöckchen, Buschwindröschen und im Sommer Saatbänder mit Kornblumen, wilder Möhre, Königskerze oder Borretsch.

Wildstauden

Wildstauden rings um die Benjeshecke sorgen schnell dafür, dass die Hecke nicht mehr wie ein „Holzhaufen“, sondern wie eine Blumenhecke wirkt. Geeignet sind unter anderem: Stockrosen, Muskatellersalbei, Glockenblumen, Labkraut, Apothekerrosen, Malven, Fingerhut und Schachbrettblumen.

Ebenso bieten sich Ehrenpreis, Seifenkraut, Elfenblume, Lichtnelke, Witwenblume, Natternkopf, Geißklee, Leimkraut, Frauenmantel, Fetthenne, oder Löwenmaul an.

Auch Küchen- wie Heilkräuter fühlen sich im Schutz der Hecke wohl: Minze wie Zitronenmelisse, Johanniskraut und Schnittlauch, Estragon, Majoran und Liebstöckel.

Ein Tierparadies

Eine Benjeshecke auf freier Flur bietet Tieren einen Korridor, die keine weiten Flächen überqueren. Im Garten finden hier genau die Amphibien, Vögel und Säuger Unterschlupf, Brutplatz und Nahrung, die aus den ausgeräumten Stadtgärten verschwinden:

Zaunkönig, Heckenbraunelle, Dorngrasmücke, Amsel und Singdrossel, Rotkehlchen, Fitis, Zilpzalp und Gartenrotschwanz. Säuger wie Mäuse, Sieben- wie Gartenschläfer, Haselmaus, Igel und Spitzmäuse kommen, Erdkröte, Teich- und Bergmolche, Wildbienen, Wildhummeln, Wespen, Käfer und Florfliegen.

Worauf müssen Sie achten?

Wenn Sie die Hecke im Garten anlegen, dann ist die Erde hier meist nährstoffreich. Das begünstigt schnell wachsende Stauden vor allem von Goldrute oder Brennnessel, die langsam wachsenden Pflanzen wie Hartriegel das Licht nehmen. Deshalb sollten Sie bei bestimmten Sträuchern, die Sie unbedingt in der Hecke haben wollen, auf bereits gezogene Exemplare setzen, die eine Länge von circa 50-100 cm aufweisen.

Wie geht es weiter?

Im zweiten Teil unserer Serie „Totholz – Brutstätte des Lebens“ erfahren Sie, wie Sie mit dem Holz, Kompost und Laub ein Hochbeet oder eine Heckenbegrenzung anlegen. (Dr. Utz Anhalt)

Quellen
http://www.buergerimstaat.de/1_01/wald01.htm
http://www.heimat-fuer-tiere.de/deutsch/projekte/benjeshecken.shtml