Waldmeister – Wirkung, Verwendung und Anbau

Dr. Utz Anhalt

Wohlriechendes Labkraut – Heilkraft aus dem Wald

Waldmeister – auch als wohlriechendes Labkraut bekannt – kennen wir aus der Maibowle und aus der Götterspeise. Er wächst in Laubwäldern unserer Breiten. Wenig bekannt ist das Labkraut als Heilpflanze. Hier erfahren Sie, welche Heilwirkungen Waldmeister hat, wofür er in der Küche eingesetzt werden kann und worauf beim Anbau im eigenen Garten zu achten ist.


Waldmeister – die wichtigsten Fakten

  • Waldmeister reinigt das Blut, wirkt antiseptisch, treibt Harn, Schweiß und Gallensäfte, wirkt betäubend und wurde zur Wundheilung eingesetzt.
  • Er enthält Cumarin in hohem Ausmaß, deswegen wird in Götterspeise für Kinder kein echter Waldmeister verwendet.
  • Die Pflanze ist für ihren feinen Geruch berühmt. Das spiegelt sich im latainischen Namen Gallium odoratum – das wohl riechende Labkraut. Es findet sich deswegen auch in Parfüms.
  • Seine Blätter sind in Bowlen. Götterspeise und Süßspeisen beliebt.
  • Dieses Labkraut ist in Laubwäldern verbreitet, ist anspruchslos und bevorzugt kalkhaltigen Lehmboden. Er lässt sich einfach im Garten anbauen.
Von April bis Juni zeigen sich die weißen, sternförmigen Blüten des Waldmeisters. (Bild: karo_s/fotolia.com)

Herkunft und Verbreitung

Das Labkraut ist heimisch. Es wächst häufig in Buchenwälder Nord- und Mitteleuropas, im Ost bis nach Westasien in bis zu 1400 Metern Höhe. Waldmeister wächst bis in die Türkei, den Altai und Kasachstan, auch im Nordwesten Afrikas, in China und Korea. In Amerika breitete er sich als Neophyt aus.

Waldmeister – Biologie

Waldmeister wächst krautig bis zu 50 cm hoch und mehrjährig. Er bildet einen langen und dünnen Wurzelstock aus, der erstens zur Vermehrung und zweitens zum Überdauern dient.

Anhand seiner Blätter lässt er sich gut erkennen. Diese sind lanzettförmig, bis zu 5 cm groß, und bis zu 8 von ihnen sammeln sich im einen Blattknoten. In der Mitte zeigen sie eine weiße Färbung von der Spitze bis zum Knoten des Blattes. Die Blattspreite wind schmaler und läuft spitz zu, der Blattrand ist rau, die Blattflächen meist kahl. Der Fruchtknoten ist mit Hakenborsten besetzt.

Verwandtschaft

Die Gattung Labkräuter, zu der die Heil- und Würzpflanze gehört, umfasst ungefähr 650 Arten. Entferntere Verwandte sind Kaffee und Chinarinde. Als Heilkräuter waren auch die engen Verwandten Kletten-Labkraut, Wiesen-Labkraut und Echtes Labkraut bekannt.

Ein Frühblüher

Waldmeister blüht von April bis Juni. Ein Beiname „die Maiblume“ rührt daher, dass die Pflanze ein klassischer Frühjahrsblüher ist. Die Blüten sind weiß und in der Form von Sternen, die Kronblätter vierzählig. Sie senden den Waldmeisterduft aus, der vom Stoff Cumarin ausgeht. Dieser Duft ist bei getrockneten Blüten stärker als bei frischen.

Die Blüten sind vierzählig und haben nur einen rudimentären Kelch, die Kronblätter sind trichterförmig gewachsen mit spatelförmigen Kronlappen.

Die Früchte

Die Pflanze bildet Spaltfrüchte, die in jeweils zwei einsamige Teilfrüchte zerfallen. Diese sind bis 3 mm lang, nahezu kugelförmig und bedeckt von bis zu 1,2 mm Hakenborsten. Mit diesen Kletten heften sich die Teilfrüchte an Tierfell, Vogelfedern und Kleidung und verbreiten diese weiter.

Vermehrung

Das Labkraut kann sich auf verschiedene Weise fortpflanzen. Erstens durch Fremdbestäubung, meist über Fliegen. Zweitens durch Selbstbestäubung der weiblichen Geschlechtsorgane durch die männlichen Staubgefäße, drittens durch die Ausbreitung der Kletten. Viertens vermehrt es sich massiv durch das Bilden von Ausläufern. Der Name Waldmeister rührt auch daher, dass die Pflanzen sich wie eine Decke über den Waldboden legen.

Waldmeister wird beispielsweise für die traditionelle Maibowle verwendet. (Bild: Printemps/fotolia.com)

Traditionelle Nutzung

Das Labkraut dient seit der Antike als Würze, für Maibowle, Berliner Weiße, Eiscreme oder Waldmeistersirup. Wegen seinem Wohlgeruch hängten sich die Menschen Säckchen mit Waldmeister in das Haus, die zugleich Motten bekämpfen sollten.

Als Heilmittel dient das getrocknete Kraut der noch nicht blühenden Pflanze. Dieses fördert den Blutfluss, hemmt Entzündungen und löst Krämpfe.

Ist Waldmeister giftig?

Die Pflanze ist als kaum giftig eingestuft. Sie enthält bis zu 0,28 % Cumaringlykoside. Beim Trocknen wird Cumarin frei, und dieses kann zu Benommenheit wie Kopfschmerzen führen und bei langem Konsum der Leber schaden.

Für eine Bowle empfiehlt sich deswegen, nicht mehr als 3 Gramm frische Kräuter pro 1 Liter Flüssigkeit zu verwenden. Wegen dem Cumarin dürfen Limonaden seit 1974 keinen echten Waldmeister mehr enthalten, und Aromastoffe dürfen nur bis zu zwei Milligramm Cumarin pro Kilo enthalten. Bei Alkoholika sind bis zu fünf Milligramm erlaubt.

Heilwirkung von Waldmeister

Wir setzen das Heilkraut ein bei Menstruationsschmerzen, Krämpfen und Harnproblemen. Es bietet eine Prophylaxe gegen Blasen- wie Harnröhrensteine sowie Stauungen der Leber. Historisch war er als Mittel gegen die Gelbsucht (fragwürdig) und zum Blutreinigen (sinnvoll) bekannt.

Im 16. Jahrhundert sollte es die Keuschheit bewahren, was indessen ein Wunschtraum verklemmter Christen war. Ein Pulver aus den Blüten diente gegen Brandwunden. Keine schlechte Idee, denn die Pflanze hemmt Entzündungen; Cumarin, Gerbstoffe und Flavonoide fördern die Regeneration der Haut.

Ein Fußbad mit Blüten und Blättern sollte müde Beine munter machen. Medizinisch war dies ebenfalls gerechtfertigt, denn das Labkraut öffnet die Poren und steigert so die Durchblutung.

Ingesamt gilt: Waldmeister wirkt Entzündungen ebenso entgegen wie Bakterien, wirkt antioxidatic und bisweilen antiviral – gegen Herpes Simplex.

Anwendungsgebiete

Innerlich eingenommen hilft Waldmeister gegen innere Unruhe, Probleme beim Einschlafen und Beschwerden bei der Periode, sowie gegen die als „Frühjahrsmüdigkeit“ bekannten Symptome.

Umschläge bzw. abgekühlter Tee außen auf die Haut aufgetragen oder Bäder mit Waldmeisterauszügen helfen gegen Hautverletzungen, Furunkel und Geschwüre.

Rezept für Heiltee mit Waldmeister

Für einen Waldmeistertee übergießen wir einen Teelöffel getrocknete Waldmeisterblätter pro Tasse mit heißem Wasser, lassen alles 7 Minuten ziehen und süßen mit Honig. Wir trinken das Gemisch zwei mal am Tag circa eine Woche lang.

Wie lange nehmen wir Waldmeister zur Heilung?

Wohlriechendes Labkraut sollten wir nicht auf Dauer und nicht länger als jeweils eine Woche konsumieren. Ansonsten können bei Überdosierung Kopfschmerzen und Leberprobleme entstehen. Schwangere sollten von Waldmeister die Finger lassen.

Selbstgemachter Waldmeistersirup eignet sich wunderbar, um Getränke aller Art zu verfeinern. (Bild: fotoknips/fotolia.com)

Waldmeister in der Küche

Er dient in der Küche als Würze für Süßigkeiten und Getränke. Der Geschmack ist einzigartig und wird sogar künstlich kopiert. Purer Waldmeister lässt sich am besten als bittersüß-frisch bezeichnen.

Waldmeister lässt sich gut zu Sirup verarbeiten, der dann Weißwein und Sekt die spezielle Note gibt (Waldmeisterbowle) und vorzüglich zu Fruchtsäften passt. Als Königin der Sommererfrischung gilt ein Eistee aus Holunderblüten, frischer Minze und Waldmeisterblättern. Auch Gundelrebe harmoniert mit dem Labkraut, ebenso Mädesüß, Erd- und Himbeeren.

Der Sirup und die Blätter schmecken exzellent in alkoholischen wie nicht alkoholischen Cocktail, zum Beispiel in Caipirinha plus Labkraut. Cremes, Torten, Kekse und Füllungen in unzähligen Varianten lassen sich mit Waldmeister von Hausmannskost zum Aha-Erlebnis steigern. Hier bietet sich Waldmeistersirup an.

Waldmeister anbauen

Die Pflanze wächst in der Natur auf feuchtem Boden mit vielen Nährstoffen und Kalk. Das entspricht den meisten Gartenböden. Hier fühlt sie sich am wohlsten unter großen Laubbäumen oder Richtung Norden/Osten. Die „Maiblume“ ist eine perfekte Pflanze für ein Schatten- und Sumpfbeet wie für einen Waldgarten und harmoniert mit Totholz, Pilzen und Farnen.

Sie säen zwischen Oktober und Februar aus, denn Waldmeister ist ein Kaltkeimer. Er keimt also erst nach einer längeren Frostzeit. Die Samen brauchen zwischen drei Wochen und 3 Monaten zum Keimen. Zwischen den Samen sollten Sie 20 cm Abstand halten, damit die Pflanzen sich entfalten können.

Im ersten Jahr müssen Sie nicht düngen, später verwenden Sie Kompost. Wohlriechendes Labkraut braucht immer Feuchtigkeit, mag aber keine Staunässe. Ideal ist die Uferrandzone einer Gartenteichs, ein Sumpfbeet oder Orte, die dem Regen ausgesetzt sind. Die Pflanze sollte auf keinen Fall austrocknen, dies kann auch das Wurzelwerk zerstören und das Labkraut abtöten.

So schön die Blüten auch aussehen, Sie ernten die Blätter vor der Blüte. Dann ist der Geschmack intensiver.

Da die Pflanze ein Kaltkeimer ist, sollte sie zwischen Oktober und Februar ausgesät werden. (Bild: Kalle Kolodziej/fotolia.com)

Überwintern

Der Meister des Waldes ist einheimisch und kein „Weichei“, das beim kleinsten Frost danieder geht. „Wie im Wald“ machen wir ihm im Winter ein Bett aus Laub, Kleinholz oder trockenen Staudenstängeln. Das freut auch die Insekten. Kübelpflanzen stellen wir bis März ins Treppenhaus.

Waldmeister kaufen

Wenn Sie Waldmeister kaufen, um ihn abzubauen oder gleich die Blätter zu rupfen, achten Sie auf die Erde. Ist diese feucht? Sind die Blätter reichlich vorhanden? Eine gut mit Nährstoffen versorgte Pflanze zeichnet ein üppiger Wuchs der Blätter aus. Sind hingegen die Abstände zwischen den Blattknoten groß, weist das auf mangelnde Pflege hin.

Samen lassen sich bei allen größeren Saatgutherstellern kaufen. Achten Sie auf den Preis: Waldmeister ist weder selten noch sind die Samen schwer zu gewinnen. 10 Gramm Samen sollten nicht mehr als maximal zwei Euro kosten. Alles andere ist unverschämt. Waldmeistertee in Beuteln können Sie auch in Teeläden kaufen.

Welche Namen hat das Labkraut noch?

Waldmeister ist bekannt als Maikraut, Herzensfreund, Waldmeier oder Mäserich, auch als Gliedekraut in Schlesien, Gliederzunge oder Halskräutlein im Elsass, Herfreudeli in Bern, Leberkraut, Mäsch oder Herzfreud in Mecklenburg, als Mariengras in Ostpreußen, als Sternleberkraut in der Schweiz. Diese Namen zeigen, dass die Menschen Waldmeister gegen Leiden an Leber, Herz und Gliedern einsetzten.

Warum heißt die Pflanze Waldmeister? Die erste Interpretation bezieht sich auf die weite Verbreitung des Labkrauts, welches Buchenwälder flächendeckend besiedelt. Auch das französische reine des bois, Königin des Waldes, lässt diese Einschätzung zu. Im lateinischen hieß die Pflanze matrisylva, die Waldmutter.

Der Begriff Waldmeier könnte aber ebenfalls zum Waldmeister geführt haben und leitet sich vom Wort Miere ab, was auch in Vogelmiere steckt.
(Dr. Utz Anhalt)

Literatur
Die Grosse Enzyklopädie der Heilpflanzen. Klagenfurt 1994.