Wasserdost – Wirkung, Anwendung und eigener Anbau

Dr. Utz Anhalt

Heilpflanze Wasserdost hilft bei Erkältungen und Lebererkrankungen

Wasserdost hat viele Namen, und einige erinnern daran, dass unsere Vorfahren der Pflanze magische Eigenschaften zuschrieben. So heißt er Donnerkraut oder Drachenkraut, Blauwetterkühl und Wetterkraut, Wetterklee, Hirschkraut, Hirschgünsel oder Hirschdost, weil er als Pflanze des Hirsch- und Wettergottes Regen fern halten sollte. Außerdem sollen Jäger die Heilkräfte der Pflanze entdeckt haben, weil sie beobachteten, wie kranke Hirsche sie fraßen. Das ist aber Spekulation.


Eine Heil- und Wasserpflanze

Andere Namen verweisen auf seine Bedeutung als Heilpflanze gegen Lebererkrankungen wie Leberbalsam, Lebertrost oder braunes Leberkraut, zur Wundheilung wie Heidnisch Wundkraut oder Hirschwundkraut, gegen Herzleiden wie Herzblume oder zur Steigerung der männlichen Potenz: Mannskraft.

Der Wasserdost hat viele Namen, die zum Beispiel auf seine Heilwirkungen oder bevorzugten Standorte hinweisen. (Bild: PhotoSG/fotolia.com)

Wieder andere Namen zeigen, dass der Dost Uferrandzonen, Auwälder und feuchte Wiesen liebt: Waterdoust, Wasserhanf, Wasserottich oder Wassersenf. Der Wasserdost ist eine Zeigerpflanze für feuchte Böden mit vielen Nährstoffen.

Gegen Gift und Teufel

Der lateinische Gattungsname Eupatorium leitet sich ab von dem antiken König Mithridates Eupator, dem Herrscher von Pontus, der die Pflanze gegen Leberleiden eingesetzt haben soll.

Carl von Linné ordnete die Gattung Wasserdost 1753 biologisch ein. Als Heilpflanze bekannt ist er jedoch seit der Antike. So nutzten die antiken Griechen ihn zur Behandlung von Insekten- und Skorpionstichen sowie von Spinnenbissen, und die Römer setzten ihn ein, um Ameisen fern zu halten.

Vorchristliche Kulturen nutzten die Pflanze, und das spiegelt sich heute noch in Namen wie Heidnisches Unkraut oder Heidnisches Wundkraut.

Im christlichen Mittelalter fand sie ihren Platz in der christlichen Medizin, die um den Teufel und seine Dämonen kreiste. Wasserdost galt als Sitz der Hausgeister, und das ist ein Grund, warum sich die Pflanze in größeren Mengen rund um alte Bauernhöfe findet.

Im Mittelalter setzten die Menschen den Dost gegen diverse Krankheiten ein und nannten ihn Kunigundenkraut. Die Heilige Kunigunde, Frau von Heinrich II ist die Schutzpatronin der kranken Kinder.

Kunigundenkraut sollte das Blut reinigen und gegen Erkrankungen von Galle, Leber und Milz helfen.

Allerdings enthält Gewöhnlicher Wasserdost Stoffe, die in größerem Ausmaß potenziell die Leber schädigen können und eine regelmäßige innere Anwendung für Kinder sollte deshalb unterbleiben.

Die Heilpflanze kann unter anderem bei Erkältungen, Fieber und Menstruationsbeschwerden helfen. (Bild: tunedin
/fotolia.com)

Eigenschaften von Wassersost

Die Pflanze regt den Appetit an, reinigt das Blut, wirkt gegen Bakterien und desinfiziert, entwässert, senkt Fieber, regelt die Menstruation, lindert Schmerzen, treibt den Schweiß und fördert die Wundheilung.

Eingesetzt wurde sie bei Erkältungen, Leberproblemen, Fieber, Pollenallergie und Heuschnupfen, Gelbsucht, Ruhr, Würmern, Husten, Schnupfen, Nierenbeschwerden, Ödemen, Rheuma und Verdauungsproblemen.

Was wissen wir?

Belegt sind Polysaccharide im Wasserdost, und diese stärken das Immunsystem, indem sie die Bildung von Immunabwehrzellen anregen. Deswegen eignet er sich, um Erkältungen wie grippalen Infekten vorzubeugen und ihre Heilung zu beschleunigen.

Aus der Pflanze isolierte Wirkstoffe wie Eupafolin wandern über die Signalleitungen des Immunsystems und können dort verhindern, dass inflammatorische Mediatoren aus humanen Makrophagen freigesetzt werden.

Sie hemmt Entzündungen bereits im Vorfeld, nämlich die durch Lipopolysaccharid bestimmte Bildung von Mediatoren mit dem Kernfaktor NF-Kb. Die Wirkstoffe drängen also ein Schlüsselsystem zurück, das eine Genfamilie aktiviert, die Entzündungen verstärkt.

Zudem wirken Präparate aus Wasserdost direkt gegen Herpes- und Influenzaviren.

Rezept für Wasserdost-Tee

Ein Tee aus der Heilpflanze bietet eine gute Prophylaxe gegen Erkältungen. Dazu übergießen Sie circa zwei Teelöffel Wasserdost mit einem Viertel Liter kaltem Wasser und lassen die Mischung zwölf Stunden ziehen. Sobald sich eine Erkältung anbahnt, trinken Sie von dem Tee.

Der Korbblütler ist ein Bestandteil in Nieren- und Blasentee, den Sie in Apotheken oder normalen Geschäften erwerben können.

Woran erkenne ich Wasserdost?

Der Gewöhnliche Wasserdost wächst zwischen 50 und 150 cm hoch und bevorzugt feuchte Standorte. Seine unpaarigen Blätter bestehen aus bis zu sieben gegenständigen Blattfiedern und sind gezähnt, der Blütenstand bildet eine dichte Schirmrispe. Die Pflanze blüht von Juli bis September in Röhrenblüten von rosa-weißer Farbe. Sie ist sommergrün und mehrjährig.

Der rosa-weißen Blüten des Wasserdosts zeigen sich von Juli bis September und werden viel von Insekten besucht. (Bild: Christian Pedant/fotolia.com)

Wie wirkt Wasserdost?

Die Pflanze enthält ätherisches Öl, Xylane, Bitterstoffglykosid, Eupatorin, Harze und Gerbstoffe. Die Wirkstoffe setzen Substanzen im Körper frei, die die Produktion von Immun-Abwehrzellen auslösen. Wasserdost ist also kein direktes Mittel gegen spezifische Krankheiten, sondern ein Input, gegen diverse Infekte eine höhere Resistenz aufzubauen.

Wissenschaftler der Uni Münster zeigten, dass die von ihm ausgelöste Wirkung gegen Entzündungen bei Erkältungen die Schwellung zurückdrängt und das Atmen erleichtert. Als Immunverstärker sollte er aber am besten bei Beginn einer Erkältung eingenommen werden.

Bei Hautentzündungen empfiehlt sich eine Salbe oder ein Umschlag mit Brei aus der Pflanze.

Derzeit laufen Untersuchungen, ob diese einen natürlichen Schutz gegen Grippeviren bietet. Bei grippalen Effekten können Wasserdost-Präparate die Dauer der Erkrankung um die Hälfte verkürzen.

Die Universität Münster kam weiterhin zu einem ungeahnten Ergebnis: Wasserhanf eignet sich sogar als Mittel gegen den H1N1 Virus, die Schweinegrippe.

Nebenwirkungen

Der Gewöhnliche Wasserdost kann möglicherweise bei lang anhaltender Einnahme Leberschäden verursachen. Die amerikanischen Arten sind unbedenklicher und im Handel erhältlich.

Äußere Anwendungen sind jedoch unproblematisch.

Wie baue ich Wasserdost an?

Der Korbblütler ist ein Lichtkeimer, die Samen vertragen also nur eine dünne Erdschicht zwischen sich und der Sonne. Sie können ab Mai direkt ins Freiland gesetzt werden – wie bei allen Lichtkeimern ist es aber sinnvoller, die Samen im März bis April im Gewächshaus keimen zu lassen und die Sprösslinge einzupflanzen, da die meisten Samen sonst gefressen werden.

Das Keimen dauert bei 20 Grad Celsius bis zu zwei Wochen, wichtig ist ein feuchter Boden aus Lehm-Humus Gemisch und ein höchstens halbschattiger Platz.

Eine Gartenzierde

Die Pflanze wächst üppig am Gartenteich, im Sumpfbeet oder an einer feuchten Stelle und zeigt sich im Spätsommer in voller Blütenpracht.

Eine wichtige Nährpflanze

Sie ernährt zwar keine Raupen, ist aber als Spätblüher eine wichtige Nektarpflanze für Bienen, Hummeln, Käfer und Falter, darunter Admiral, Distelfalter, Landkärtchen und Großes Ochsenauge.

Die Pflanze benötigt einen feuchten Boden und kann im Naturgarten gut mit anderen Heilpflanzen und Insektenweiden kombiniert werden. (Bild: hochfeld/fotolia.com)

Der Russische Bär sucht den Wasserdost ebenfalls heim, dabei handelt es sich um einen Schmetterling, der auf die Pflanze angewiesen ist.

Die Insekten ziehen wiederum Spinnen an, darunter Krabben- und Wolfsspinnen.

Wann pflanzen?

Am besten pflanzen Sie Wasserhanf im Frühjahr. Er eignet sich gut für den Hintergrund, da sich stark ausdehnt. Ideal ist zum Beispiel eine Gartengrenze hinter dem Teich.

Er braucht in heißen Sommern viel Wasser. Entweder Sie pflanzen ihn direkt an Wasserflächen oder Sie müssen ihn gießen.

Schneiden

Im Naturgarten schneiden Sie die Stängel im Frühjahr, da Insekten den Winter in der Pflanze überdauern. Ab Mitte Mai können Sie dann auf circa 40 cm stutzen. Wenn Sie bei der Knospung schneiden, werden die Blätter dunkler.

Das ganze Kraut können wir von Mai bis Oktober schneiden und als Heilpflanze verwenden, frisch oder getrocknet.

Vermehren

Das Vermehren ist denkbar einfach und läuft über Teilung. Im März vor dem Austrieb stechen Sie Teilstücke der Pflanze ab und graben diese andernorts wieder ein.

Wer passt zum Wasserdost?

Wasserdost lässt sich im Naturgarten ausgezeichnet mit anderen Heil- und Insektenpflanzen kombinieren. In der Uferrandzone eines Gartenteichs harmoniert er mit Blutweiderich und Mädesüß, beide ebenfalls hervorragende Insektenweiden und wertvolle Heilpflanzen zum Blut stillen und gegen Kopfschmerzen.

Der rosa blühende Wasserhanf schmiegt sich harmonisch ein in das Purpurrot des Blutweiderichs und das Weiß das Mädesüßes.

Andere Pflanzen, die in der Natur ein ähnliches Habitat besiedeln, sind Sumpfdotterblume, Trollblume, Froschlöffel, Wasserschwertlilien, Bachbunge, Sumpfstorchschnabel, Sumfvergissmeinnicht, Beinwell und Bachnelkenwurz. (Dr. Utz Anhalt)